Schulzendorf ist ein Dorf und seit 1997 ein Ortsteil der Stadt Wriezen im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland. Der Ortsteil umfasst die Gemarkung Schulzendorf mit den bewohnten Gemeindeteilen Schulzendorf und Marienberg. Er hat entsprechend der brandenburgischen Kommunalverfassung und der Hauptsatzung einen Ortsbeirat und Ortsvorsteher.Brandenburgische Kommunalverfassung - BbgKVerf; §46 In: bravors.brandenburg.de.

Geographische Lage Der Ortsteil besteht aus den bewohnten Gemeindeteilen Schulzendorf und Marienberg. Er liegt vier Kilometer südwestlich des Stadtzentrums von Wriezen. Durch Schulzendorf führt die Landesstraße L33, die Wriezen und Strausberg verbindet.

Geschichte mini|links|Schulzendorfer (Wriezen) Dorfkirche. miniatur|rechts|Schloss Schulzendorf, bis 1837 im Besitz der v. Pfuels.

Der Ort wurde im Jahr 1375 erstmals urkundlich erwähnt, feierte jedoch im Jahre 2012 seine 675-Jahr-Feier, was auf eine Gründung im Jahr 1337 hindeutet.(Beide Informationen stehen so ohne weitere Erläuterung auf den Seiten der Gemeinde.)

Mehrere Jahrhundert war im Ort ein landtagsfähiges Rittergut, der Besitzer, später Eigentümer (zumeist automatisch in Preußen ab 1717), war faktischer Deputierter und somit zur Wahl zum Landrat zugelassen, unabhängig ob vom Adel oder bürgerlicher Herkunft. Von 1450 bis 1837 war Schulzendorf im Besitz des Adelsgeschlechts derer von Pfuel, welche auch Schloss Schulzendorf errichten ließen. Bereits 1817 ließen die Pfuhl das kleine nicht kreisfähige Gut Emilienhof ankaufen und bildeten so einen Verband mit Rittergut Schulzendorf. 1846 erwarb der 1866 zum Ökonomie-RatE. G. Müller: Königlich privilegirte Berliner Zeitung von Staats- und gelhrten Sachen. №. 161, Vossische Zeitung-Expedition, Sonnabend den 14. Juli 1866, S. 1. erhobene Wilhelm Ribbach das Anwesen. RibbachBeilage zum 7. Stück des Amtsblatts 1857 der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. A. W. Hayn, Potsdam 1857, S. 68. war als Schulzendorfer Gutsherr zudem Patron der Kirche in Bliesdorf und erhielt später den Roten Adlerorden 3. Klasse.Gustav Kolb, Dr. Altenhöfer u. a.: Beilage zu Nr. 30 der Allgemeine Zeitung München. J. G. Cotta, Stuttgart / Augsburg / München, 30. Januar 1854, S. 478. Zum Rittergut Schulzendorf gehörten insgesamt Flächen in Schulzendorf, Emilienhof und Marienberg. Danach führten die Ribbach’schen das Rittergut Schulzendorf mit 818 ha und Emilienhof mit 97 ha, Stand 1880.Paul Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer. Band 1: Königreich Preussen. 1. Lieferung: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlagsbuchhandlung Rudolf Stricker, Berlin 1879, S. 254 f. Zu Gut Schulzendorf gehörte eine Brennerei und Ziegelei. Die Gutsherrnfamilie wohnte damals in Kerstenbruch. Vor 1914 kam Hauptmann a D. Georg Kreich in den Besitz von Rittergut Schulzendorf mit Vorwerk Marienberg, gesamt 818 ha, sowie dazugehörig gesondert die 97 ha des zum Rittergut erhobenen Emilienhofes.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. 1914. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 58 f. Kreich wurde Amtsvorsteher, bekam den Roten Adler-Orden 4. KlasseMilitär-Wochenblatt 1902. Nr. 8, Jahrgang 87, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1902, S. 205. und war der einzige Ritterschaftsrat der Regionen Nieder-Barnim und Ober-Barnim, mit starkem Einfluss für die Kreditvergaben aller Landwirte.Handbuch über den Königlichen Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1911. R. (L.). v. Decker’s Verlag-G. Schenck, Berlin, 15. Dezember 1910, S. 331. Die Familie blieb in Schulzendorf mindestens bis 1930, unterstützt von Hauptmann a. D. und Regierungsassessor a. D. Wilhelm Kreich.Ernst Seyfert, A. Haußknecht, L. Hogrefe: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Brandenburg. 1929. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, Selbstverlag von Niekammer’s Adressbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 49.

Schulzendorf war zuletzt ein Provinzialgut, juristisch eine fiskalische Domäne, welches über das Kriegsende bis 1947 als solches von der Roten Armee, ff. Sowjetarmee, weitergeführt wurde und dann erst zur Aufsiedlung die Freigabe erhielt.Wolfgang Blöß: Kommunale Strukturen im Spannungsfeld gesellschaftlicher Umwälzungen. Die Grenzen von gemeinden und Kreisen in Brandenburg 1945 - 1952. BWV, Berlin 2018, S. 164 f.

Das aus dem Rittergut Möglin hervorgegangene Dorf Möglin gehörte bis 1949 zu Schulzendorf. Möglin blieb bis 1997 eine selbstständige Gemeinde, heute gehört es zu Reichenow-Möglin.

Ende 1997 verlor Schulzendorf seinen Status als selbstständige Gemeinde und ist seitdem ein Ortsteil von Wriezen.

Bahnhof Schulzendorf Der Bahnhof Schulzendorf an der Wriezener Bahn wurde 1898 eröffnet.Verein Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen (Hrsg.): Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen. No. 84, XXXVIII Jahrgang, Amtliche Bekanntmachungen, Verlag Julius Springer, Berlin, 29. Oktober 1898, S. 1303. Obwohl die Bahnstrecke weniger als einen Kilometer am Ort vorbeiläuft, wurde der Bahnhof drei Kilometer südwestlich des Ortes angelegt, um auch andere Dörfer der Umgebung zu erschließen. mini|Bahnhof Schulzendorf, 2009. „Bahnhof Schulzendorf“ wurde auch als Bezeichnung für die Ortslage benutzt, die den Bahnhof und die wenigen umliegenden Gebäude umfasste. Heute gehört dieses Gebiet zum bewohnten Gemeindeteil Marienberg.

Da der Ortsname nicht eindeutig war, erhielt der Bahnhof den Namen „Schulzendorf (Kr. Oberbarnim)“. Mit der Auflösung des Kreises 1952 hieß der Bahnhof „Schulzendorf (Kr. Bad Freienwalde)“. Als auch dieser Kreis 1993 aufgelöst wurde, nannte man den Bahnhof „Schulzendorf (bei Wriezen)“.

Im Jahre 1998 wurde der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt und der Bahnhof geschlossen. Die Strecke wurde 1999 offiziell stillgelegt, blieb jedoch weiterhin befahrbar und wird seit 2003 von einem Verein in Sternebeck genutzt, der hier den Betrieb einer Museumseisenbahn plant. Im Jahre 2016 begann die Instandsetzung des Bahnhofs durch den Verein. Thomas Berger: Bahnhof Schulzendorf besonders im Fokus, In: Märkischer Markt Bad Freienwalde 15. Juni 2016, als Bilddatei auf Facebook. 15. Juni 2016.

Kultur Seit 1952 gibt es das Tanz- und Blasorchester Schulzendorf (TBOS).Tanz- und Blasorchester Schulzendorf.

Persönlichkeiten Carl Christoph August von Pfuel (1720–1797), preußischer Capitain (Hauptmann), Landrat u. Erbherr von Schulzendorf

Sehenswürdigkeiten Dorfkirche Schulzendorf (Wriezen)

Literatur Schulzendorf, Dorf und Rittergut., In: Ernst Fidicin: Die Geschichte des Kreises Ober-Barnim und der in demselben belegenen Städte, Rittergüter, Dörfert etc. In: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karls IV. Teil-Band, Verlag J. Guttentag, Berlin 1858, S. 58 f. Schulzendorf. Provinz Brandenburg. Regierungsbezirk Potsdam. Kreis Ober-Barnim., In: Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der Preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern nebst begl. Text. Band 13, Selbstverlag, Berlin 1871/1873, Blatt 733.

Weblinks

Ortsteil Schulzendorf In: Webauftritt der stadt Wriezen.

Einzelnachweise

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