mini|hochkant|Johann Baptist Lampi: Ludwig von Terzi, 1784.Erstausführung in Pastell.

Ludwig Freiherr von Terzi, auch Terzy oder Tercy, italienisch Lodovico oder Luigi barone de’ Terzi (* 18. Juni 1730 in MantuaSammlung der auf den Gottesäckern der kais. auch kais. königl. Haupt- und Residenz-Stadt Wien befindlichen Grabschriften und Denkmähler (…) Wien 1807, S. 98. Irrtümlich wird als Geburtsort auch Gorizia/Görz angegeben (Jaromir Hirtenfeld: Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder. Wien 1857, 1. Abtheilung, S. 224; Constant von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, 44. Theil, Wien 1882, S. 17).; † 8. Februar 1800 in Wien), war ein kaiserlich-königlicher Feldzeugmeister. 1781 begleitete er Kaiser Joseph II. auf dessen Reise in die Niederlande, wobei er ein unveröffentlichtes Tagebuch führte.

Leben

Militärische Karriere mini|Franz I. und Maria Theresia: Denkmünze auf die Wiedereroberung der Festung Kłodzko/Glatz, 1760. mini|hochkant|Konnte Terzi 1779 : sein Vorgesetzter Wurmser. Terzi entstammte einer Adelsfamilie aus Gorizia/GörzCarl Freiherr von Czoernig: Görz, Oesterreich’s Nizza. 1. Band, Wien 1873, S. 776. Zu klären ist die Verwandtschaft mit Joseph Freiherr von Terzi (1754 k. k. Feldmarschallleutnant, † 22. August 1773). oder IstrienConstant von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 44. Theil, Wien 1882, S. 17.. Schon mit sechzehn Jahren kämpfte er als Fähnrich der Infanterie im Österreichischen Erbfolgekrieg, unter anderem bei Piacenza. Zu Beginn des Siebenjährigen Krieges Hauptmann, überanstrengte sich Terzi in der Schlacht bei Lovosice/Lobositz (1756), so dass er lebensgefährlich erkrankte. Bei Lutynia/Leuthen (1757) wurde er in den Hals geschossen und beinahe von der Kavallerie zertreten. Infolge der Übergabe von Wrocław/Breslau (1757) geriet er in preußische Gefangenschaft. Bei Hochkirch (1758) und Maxen (1759) erstürmte er Batterien. Besonders zeichnete er sich als Major unter LaudonFeldzeugmeister, 1778 Feldmarschall. bei der Wiedereroberung der Festung Kłodzko/Glatz (1760) aus, wo er eine Schanze im Sturm nahm und ein Feuer in der Nähe des Pulverturms löschte. Dafür erhielt er den Rang eines Oberstleutnants. Bei Torgau (1760) rettete er einen Artilleriezug. 1762 wurde er Ritter des Maria-Theresien-Ordens, 1768 Oberst, 1775 Generalmajor (Brigadegeneral), 1778 Inhaber des steiermärkischen Infanterieregiments Nr. 16 in Maribor/Marburg an der Drau.

Als im Bayerischen Erbfolgekrieg erstmals Kaiser Joseph II. (1741–1790) den Oberbefehl innehatte, kommandierte Terzi eine Brigade. 1779 eroberte er ein Blockhaus bei Szalejów Górny/Oberschwedeldorf und nahm eine heranrückende Entsatzkolonne gefangen. Sein Vorgesetzter WurmserFeldmarschallleutnant, 1795 Feldmarschall., der bei der Aktion zugegen war, konnte ihn .(Carl von Seidl:) Versuch einer militärischen Geschichte des Bayerischen Erbfolge-Kriegs (…) 3. Theil, Königsberg 1781, S. 153 f. Anschließend verteidigte Terzi bis zum Kriegsende die strategisch wichtige Stellung von Szczytna/Rückers.Johann Wilhelm von Bourscheid: Der erste Feldzug im vierten preußischen Kriege (…) 3. Stück, Wien 1779, S. 32. Die erwähnten Orte lagen in der preußischen Grafschaft Glatz. Der Kaiser verlieh ihm dafür das Kommandeurskreuz des Maria-Theresien-Ordens. Nach dem Frieden von Teschen ließ ihm Friedrich II. von Preußen eine goldene Tabakdose überreichen. Die Augspurgische Ordinari Postzeitung kommentierte: Augspurgische Ordinari Postzeitung. 9. Juni 1779. Terzi erhielt die Erlaubnis, das Geschenk anzunehmen. Er wurde Kommandant von Braunau, der Hauptstadt des neuerworbenen Innviertels, dann Brigadekommandant in Wien.

Reisebegleiter Kaiser Josephs II.

mini|Joseph II.: Denkmünze auf die Huldigung der Österreichischen Niederlande, 1781.Auf dem Revers links die kniende Belgia. Eine Krone trug der Kaiser nach der Krönung nie mehr. Obwohl er sich unweit von Brüssel aufhielt, ließ er sich bei der Huldigungszeremonie durch seine Schwester Marie Christine vertreten. mini|hochkant|Willem Jacob Herreyns: Joseph II. mit der Schelde im Hintergrund, ca. 1781. In den Staaten des Hauses Österreich bis dahin nur Mitregent seiner Mutter Maria Theresia, trat Joseph II. Ende 1780 die Alleinherrschaft an. 1781 ernannte er Terzi zum Kämmerer.Augspurgisches Extra-Blatt. 26. April 1781. Von Mai bis Juli des erwähnten Jahres durfte der General seinen obersten Chef als einziger in die Österreichischen NiederlandeHerzogtümer Brabant, Limburg und Luxemburg, Österreichisch Geldern, Grafschaften Flandern, Hennegau und Namur, Herrschaft Mecheln, Vogtei Tournai. und die Vereinigten Niederlande begleiten.Zu der Reise vergleiche Eugène Hubert: Le voyage de l’empereur Joseph II dans les Pays-Bas (…) Bruxelles 1900; Derek Beales: Joseph II. Band 2, Cambridge 2009, S. 133–167. Josephs Reisegefährten mussten die Voraussetzung erfüllen, sich nicht in den Vordergrund zu drängen.Auf die Frankreichreise von 1777 hatte der Kaiser den schweigsamen Joseph von Colloredo, den stotternden Philipp von Cobenzl und den schwerhörigen Ludwig von Belgioioso mitgenommen. Indem Terzi an einer der wenigen Offensivaktionen des Bayerischen Erbfolgekriegs teilgenommen hatte, war er ein lebender Beweis dafür, dass der als Feldherr äußerst vorsichtige Kaiser gegebenenfalls auch Risiken einzugehen bereit war. Hingegen konnte der vereinsamte Monarch mit dieser Nebenfigur seines Hofstaats wohl kaum freimütig plaudern.

Die Österreichischen Niederlande waren der einzige seiner Staaten, den Joseph noch nicht gesehen hatte. Sie hatten den höchsten Lebensstandard EuropasJan Roegiers: Die Reise Josephs II. in den österreichischen Niederlanden (Mai bis Juli 1781). In: Österreich zur Zeit Kaiser Josephs II. (…) Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung in Melk, Wien 1980, S. 85–88, hier: S. 87., aber nahezu mittelalterliche VerfassungenDerek Beales: Joseph II. Band 1, Cambridge 1987, S. 364.. Ihre Gerichtshöfe trotzten ähnlich den Parlamenten Frankreichs der Zentralgewalt. Der Souveräne Rat von Brabant zum Beispiel baute sich damals in Brüssel einen Palast, der heute als Palast der Nation Belgiens Föderales Parlament beherbergt. Ohne Landverbindung zum Kerngebiet der Monarchie, unterstanden die Österreichischen Niederlande wie die Lombardei Staatskanzler (Außenminister) Kaunitz. Gouverneur Karl von Lothringen (Josephs Onkel) war 1780 gestorben. Zu seinen Nachfolgern hatte Maria Theresia Josephs Schwester Marie Christine und deren Gatten Albert von Sachsen-Teschen ernannt. Die beiden hatten ihr Amt aber noch nicht antreten können, weil der Kaiser darauf bestand, seinen wertvollsten Besitz zuvor persönlich in Augenschein zu nehmen. Dies in der Absicht, die Organisation der Österreichischen Niederlande jener seiner andern Staaten anzugleichen. Bei seinem Besuch umging er alle üblichen Formalitäten und Zeremonien, trug einfache Uniform und nächtigte in Gasthöfen statt in Palästen und Abteien. Er präsentierte sich als effektiver, dynamischer Landesherr, der alle Aspekte der Verwaltung unter die Lupe nahm – und vieles andere mehr.Derek Beales: Joseph II. Band 2, Cambridge 2009, S. 138 f.

Die Reise fand in einer Zeit internationaler Spannungen statt: Das von Kaunitz ausgehandelte Bündnis zwischen Wien und Paris bestand nur noch auf dem Papier, was Josephs Lieblingsschwester Marie-Antoinette als Gattin Ludwigs XVI. Anfeindungen aussetzte. Während Frankreich und die Vereinigten Niederlande im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg die USA unterstützten, blieb Österreich neutral, was seinem Seehandel zugutekam. Unmittelbar vor seiner Abreise hatte Joseph eine geheime Allianz mit Katharina II. von Russland geschlossen, die sich gegen Preußen und die Türkei richtete. Im Konflikt zwischen Paris und London versuchten Wien und Sankt Petersburg zu vermitteln.

Im Anschluss an die Reise veranlasste Joseph die Vereinigten Niederlande, ihre Truppen aus den Barrierefestungen an der Grenze zu Frankreich abzuziehen. Hingegen erreichte er nicht, dass sie die Blockade der Schelde aufhoben und Antwerpen den 1585 verlorenen Zugang zum Meer gewährten. Das Projekt, die Österreichischen Niederlande mit dem in Brüssel geborenen Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz gegen Bayern zu tauschenKarl Theodor wollte König von Burgund werden, Joseph dem Haus Österreich die Vormachtstellung in Deutschland sichern., scheiterte 1785 am Widerstand Friedrichs II. und des Fürstenbunds, aber auch an Josephs eigener Unentschlossenheit.

Unveröffentlichtes Tagebuch Unterwegs führte Terzi TagebuchJournal der Reiße, so seine Majestæt der Kaÿser den 22-ten Maÿ 1781 unternommen. Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, Mem 1781-28-14. Es war dem Autor der maßgeblichen Biografie des Herrschers (Derek Beales: Joseph II, 2 Bände, Cambridge 1987/2009) nicht bekannt., was ein Stück weit dafür entschädigt, dass Joseph dies – anders als auf seinen Reisen als Mitregent – nur noch in rudimentärer Form tatÖsterreichisches Staatsarchiv, Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Hofreisen 11, Konv. alt 12/1, f. 2 f. (bricht mit dem 8. August ab).. Obwohl der General nicht in Staatsgeheimnisse eingeweiht war, vermittelt der unveröffentlichte Bericht in deutscher Sprache interessante Einblicke in die Lebens- und Regierungsweise des Saul Kussiel Padover: The Revolutionary Emperor, Joseph II of Austria. New York 1934; deutsch: Joseph II., ein Revolutionär auf dem Kaiserthron. Düsseldorf/Köln 1969.. Wir erfahren daraus zum Beispiel, dass sein restliches Gefolge lediglich aus Oberstabschirurg Brambilla, den Kabinettssekretären Knecht und Anton, zwei Angehörigen der Ungarischen Adeligen Leibgarde, zwei Köchen, fünf Leiblakaien, einem Wagenmeister und einem bestand. Weitere ungarische Gardisten gewährleisteten als Kuriere die Kommunikation mit Wien und den anderen Höfen. Der Fuhrpark umfasste drei sechsspännige und drei vierspännige Wagen, für die bei 361 Poststationen Pferde bestellt werden mussten.Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, Mem 1781-28-14, Tabelle im Anhang.