mini|Verkehrsflughafen Kassel-Calden: Flughafenterminal mini|Logo des Flughafens Kassel-Calden bis März 2013 mini|Alter Verkehrslandeplatz Kassel-Calden (1970 bis 2013) mini|In Bau befindlicher Verkehrsflughafen Kassel-Calden mit Verkehrslandeplatz im Vordergrund (Mai 2012) mini|Blick vom Dach des Infopoints auf das Flughafengelände; vorne die Feuerwache, rechts dahinter das Flughafenterminal

Der Flughafen Kassel-Calden (Eigenbezeichnung seit Januar 2015: Kassel Airport) ist ein am 4. April 2013 eröffneter Verkehrsflughafen in Calden (Landkreis Kassel). Er liegt in Nachbarschaft des von 1970 bis 2013 betriebenen Verkehrslandeplatzes Kassel-Calden und ist neben dem Flughafen Frankfurt Main der einzige weitere Verkehrsflughafen Hessens.

Der Flughafen wird von der Flughafen GmbH Kassel betrieben, Gesellschafter sind das Land Hessen (68 %) sowie die Stadt Kassel, der Landkreis Kassel (beide zu je 14,5 %) und die Gemeinde Calden (3 %).

In Hauptanflugsrichtung 27 ist seit dem 3. April 2014 ein Anflugverfahren nach Allwetterflugbetriebsstufe CAT IIIb, und in Nebenanflugsrichtung 09 bereits seit dem 4. April 2013 mit CAT I freigegeben.

Geographische Lage Verkehrslandeplatz (1970 bis 2013) Das noch vorhandene Gelände des von 1970 bis 2013 existierenden Verkehrslandeplatzes liegt etwa 13 km (Luftlinie) nordwestlich der Kasseler Innenstadt im Gemeindegebiet von Calden. Mit angrenzenden Gewerbeflächen befindet es sich westlich des Caldener Kernorts, nördlich von Fürstenwald, nordöstlich von Ehrsten und östlich von Meimbressen; die zwei zuletzt genannten Dörfer erstrecken sich im Tal der Nebelbeeke. Ein paar Kilometer nördlich liegt das zu Grebenstein gehörende Dorf Schachten. Der Flugplatz wurde auf der Langen- und Staufenbergplatte direkt östlich der sanft ansteigenden Kuppe des hohen Hollenbergs auf ehemaligen Ackergeländen auf 260 bis Höhe errichtet; der Flugplatzbezugspunkt (engl. aerodrome reference point, ARP) lag bei rund Höhe. Die nun gesperrte Start- und Landebahn – mit der Bahnkennung 04/22 sowie 1500 m Länge und 30 m Breite – ist in Nordost-Südwest-Richtung angelegt. Zudem gab es nordwestlich parallel zur Asphaltbahn eine etwa 700 m lange und 30 m breite Grasbahn (04L/22R).

Nordnordwestlich des Flugplatzgeländes liegen die aneinandergrenzenden Waldgebiete Hegeholz und Schenkelwald mit zusammen rund 120 Hektar Fläche auf maximal Höhe. Südlich erstreckt sich jenseits vom Gut Klein Calden das Waldgebiet Tiergarten, das früher eingefriedetes Jagdgebiet war, auf maximal rund Höhe. Nordöstlich verläuft die Bundesstraße 7 (siehe Abschnitt Verkehrsanbindung).

Verkehrsflughafen (seit 2013) Der 2013 eröffnete Verkehrsflughafen liegt etwa 13,5 km (Luftlinie) nordwestlich der Kasseler Innenstadt und 1,5 km nordöstlich des einstigen Verkehrslandeplatzes in den Gebieten von Calden und Grebenstein. Erbaut wurde er – auch auf der Langen- und Staufenbergplatte – zwischen dem Caldener Kernort sowie den nahen Grebensteiner Stadtteilen Schachten im Nordnordwesten und Burguffeln im Ostnordosten.

Somit liegt der Flughafen östlich der Waldgebiete Hegeholz und Schenkelwald auf ehemaligen Ackergeländen der Schachter Höhe – einer nach Osten zur Grebensteiner Höhe geneigten Anhöhe zwischen den Kuppen des Hollenbergs () im Südwesten, Steinhügel () im Nordwesten und Gradhöhe () im Nordosten. Nach Osten fällt die Landschaft über den Suderbach und die Calde ins Tal der Esse ab. Die Maximalhöhe des Flughafens liegt auf etwa . Der Flughafen wurde nordöstlich der vorgenannten B 7 errichtet, die während der Flughafen-Bauphase etwas nach Südwesten verlegt wurde. Es stehen über 1400 kostenlose sowie ca. 110 kostengünstige Parkplätze zur Verfügung.

Benachbarte Flughäfen Benachbarte, größere Flughäfen sind (sortiert nach Entfernungen; Luftlinie): Paderborn/Lippstadt (ca. 58 km nordwestlich), Hannover (ca. 118 km nordnordöstlich), Erfurt-Weimar (ca. 122 km südöstlich) Dortmund (ca. 125 km westlich), Frankfurt Main (ca. 165 km südsüdwestlich).

Geschichte Vorgeschichte Am 24. August 1924 wurde der Flugplatz Kassel-Waldau eröffnet, der damals auf dem Gebiet der Gemeinde Lohfelden lag. Der Flugplatz wurde auf Kosten der Stadt unterhalten und der ab 1926 eingerichtete Linienflugverkehr der Lufthansa wurde direkt subventioniert, bis in der Weltwirtschaftskrise die Mittel dafür ausgingen. Von 1930 bis 1945 diente er den Gerhard-Fieseler-Werken als Werksflugplatz; außerdem wurde er für Flugtage genutzt.

In den 1950er Jahren war das Interesse, den Flugplatz auszubauen, gering, zumal Kassel verkehrstechnisch gut angeschlossen war. Man fürchtete zudem, dass ein Ausbau dem Image der Stadt als Kulturstadt schaden könne. Auf Drängen der Kasseler Industrie und des Oberbürgermeisters Lauritz Lauritzen wurde nach Jahren der Vernachlässigung dann doch ein neuer Flughafen geplant.

Flugbetrieb als Verkehrslandeplatz (seit 1970) mini|hochkant|Tower und Abflughalle des Verkehrslandeplatzes Am 11. Juli 1970 wurde der neue „Flughafen Kassel“ in Calden eröffnet. Er war 104 Hektar groß mit zuzüglichen 22 Hektar Gewerbefläche. Wenngleich der alte Flugplatz durchaus wirtschaftlich erfolgreich war, gestand man offensichtlich der Stadt keinen Flugplatz mehr zu, beziehungsweise zweifelte den Sinn des Flugplatzes an. Der Spiegel titelte „Kassel baute für 22 Millionen einen Flugplatz – der nicht gebraucht wird“ und bezog sich unter anderem auf die mangelhafte Infrastruktur. Abseits der Kritik konnte sich der 58 km entfernte und 1971 eröffnete Flughafen Paderborn/Lippstadt von Anfang an gut entwickeln.

Im Frühjahr 1972 stationierte die Charterfluggesellschaft Aviaction ein Flugzeug vor Ort. Von 1972 bis 1975 flog die General Air von Kassel-Calden im Liniendienst nach München, Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf. Die Ostfriesische Lufttransport (OLT) flog im Liniendienst nach Düsseldorf und Köln. Ab 1992 flog die Berliner Spezialflug vorübergehend nach Berlin-Tempelhof. 1994 gab es erste Ferienflüge nach Mallorca und Tunesien. Zum Einsatz kamen Maschinen vom Typ BAe 146, Fluggesellschaft war anfangs die Conti-Flug; nach deren Insolvenz übernahm Eurowings. 1997 gab es auch Charterflüge nach Malta, durchgeführt mit BAe 146 von Air Malta.

Im Jahr 2000 landete erstmals eine Boeing 737 der Hamburg International und flog dann weiter nach Mallorca. 2002 wurden die Flüge eingestellt. Ab Sommer 2005 fanden vom beziehungsweise zum Flugplatz Kassel-Calden, der über vier Nachtfluggenehmigungen verfügt, weder Linien- noch Charterflüge statt. Das beförderte Luftfrachtaufkommen betrug 2005 rund 650 Tonnen. 2008 gab es etwa 30.000 Flugbewegungen mit rund 25.000 Passagieren. Luftsport- und Freizeitverkehr sowie Hubschrauberflüge stellen daran den größten Anteil. 2013 gab es 22.891 Flugbewegungen mit 46.557 Passagieren, 2024 waren es rund 25.000 Flugbewegungen mit etwa 83.000 Passagieren.

Hatte der Flugplatz schon 1971 mit dem Flughafen Paderborn/Lippstadt Konkurrenz bekommen, so folgte nach der Wiedervereinigung der Ausbau des 122 km östlich liegenden Flughafens Erfurt-Weimar. Wenngleich deren Einzugsgebiete kleiner waren, waren die Ambitionen der dortigen Bundesländer größer. Als um 2000 ein Ausbau von Kassel-Calden wieder an Aktualität gewann, begann der Flughafen Paderborn/Lippstadt mit einem extensiven Ausbau. Dessen Geschäftsführer spottete „Wenn die Caldener mit dem Ausbau anfangen, dann sind wir längst fertig“, und spielte damit auf den Widerstand an, dem der Flughafenausbau in Kassel ausgesetzt war.

Ausbau zum Verkehrsflughafen (2005 bis 2013) Planungen Bereits seit den 1970er Jahren wird über eine Flugplatzerweiterung diskutiert. Doch erst im Jahr 2000 begannen Planungen, die den Flugplatzausbau zu einem vollwertigen Verkehrsflughafen zum Ziel hatten. Aus der langen Vorphase aus Gutachten, Verfahren und Bürgerbeteiligungen wurde ein Neubau. Nach dieser Planung sollte dieser bis 2010 abgeschlossen sein, aber der Baubeginn verzögerte sich auch auf Grund einer ausstehenden Entscheidung der Europäischen Kommission. Die Bedenken, dass das Kulturerbe der Stadt Kassel und der Bergpark Wilhelmshöhe abgewertet werden könne, sowie seitens der Betreiber bestehender Flughäfen in der Region (Erfurt, Paderborn), die die Auslastung und die nutzbare Leistungsfähigkeit in Frage stellten, flossen mit ein.

Das für diese Baumaßnahmen erforderliche Raumordnungsverfahren, zu dem 8000 Einsprüche davon 5000 aus Hann. Münden eingereicht wurden, wurde im Dezember 2003 abgeschlossen. Von Januar 2006 bis 18. Juli 2007 lief dann das Planfeststellungsverfahren, das mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen wurde. Eine für das Planfeststellungsverfahren erarbeitete Bedarfsprognose weist, unter Annahme der Inbetriebnahme im Jahr 2009, für das 2. Betriebsjahr eine Passagierzahl von 324.000 und ein Frachtaufkommen von 1700 Tonnen für Kassel-Calden aus. Diese Passagierplanzahl wurde im entsprechenden Jahr 2014 nur zu 14 % erfüllt.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel erklärte am 17. Juni 2008 in einem Urteil den Planfeststellungsbeschluss für rechtskräftig. Da kein Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt wurde, konnte mit dem Bau begonnen werden.

Im März 2010 gab der damalige hessische Finanzminister Karlheinz Weimar in Kassel bekannt, dass der Flughafen-Neubau wesentlich teurer als geplant werde. Im Jahr 2003 waren 151 Millionen Euro geschätzt worden. Insbesondere aufgrund gestiegener Sicherheitsanforderungen habe sich das erforderliche Budget auf 225 Millionen Euro erhöht. Dennoch wollte die Landesregierung Minister Weimar zufolge an den Ausbauplänen festhalten.

Am 26. August 2011 gab Hessens Finanzminister Thomas Schäfer bekannt, dass sich die Ausbaukosten um weitere 25 auf 248,7 Millionen Euro verteuern würden. Als Grund hierfür wurden zusätzliche Kosten bei den Erdarbeiten, Flugbetriebsflächen und der Planung genannt. Das Land Hessen habe außerdem für weitere Kostensteigerungen einen zusätzlichen Kostenpuffer in Höhe von 22,3 Millionen Euro in den Haushalt eingeplant und aufgebraucht. Die Gesamtkosten beliefen sich dadurch auf 271 Millionen Euro. Das Land Hessen wollte den Großteil der Finanzierung übernehmen, die Stadt Kassel und der Landkreis sollten 15,5 Millionen Euro zahlen, die Gemeinde Calden rund sieben Millionen Euro. Das Land wollte den Betrieb über mehrere Jahre bezuschussen. Die Gewinnschwelle soll 2020 erreicht werden.

Im Rahmen der B 7 war eine Ortsumfahrung von Calden seit Dezember 2012 planfestgestellt. Allerdings hatte ein Landwirt gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt, wodurch sich der Baubeginn verzögerte. Im Juli 2015 gab es schließlich eine außergerichtliche Einigung mit diesem Landwirt, sodass dem Bau der Ortsumgehung nichts mehr im Wege stand. Der obligatorische Spatenstich erfolgte am 3. Juni 2016, das Bauende wurde damals für Dezember 2020 erwartet. Die Ortsumfahrung wurde im Juli 2024 für den Verkehr freigegeben.

Ziel des Aus- und Neubaus Angesichts der damaligen in Deutschland tendenziell wachsenden Passagierzahlen (2003: 146,7 Millionen, Prognose 2015: 255,6 Millionen) verfolgten die Gesellschafter mit dem Flugplatzaus- bzw. -neubau das Ziel, Kassel und Nordhessen in das europäische Luftverkehrsnetz zu integrieren, um so die Verkehrsinfrastruktur der Region zu verbessern und die Standortqualität zu erhöhen. Ein weiteres Ziel war die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Der Ausbau des Flugplatzes wurde im Flughafenkonzept der Bundesregierung vom August 2000 als „dringlich“ eingestuft. Der Verkehrslandeplatz ist ferner im „Leitschema Transeuropäische Netze – Horizont 2020 – Flughäfen“ der Europäischen Union (EU) in der Kategorie „Regionale Komponenten und Zugangskomponenten“ eingeordnet und erfüllte damit die Voraussetzungen für eine finanzielle Förderung durch die EU.

mini|Visualisierung des Baus auf dem Bauschild am Infopoint mini|Neuer Tower, September 2012 mini|Neue Start- und Landebahn mit Taxiway, September 2012

Baumaßnahmen