Horodok (; ; bzw. ab 1906 Gródek Jagielloński, deutsch selten GrodeckDas Generalgouvernement, Hrsg. v. Max Frh. Du Prel. Würzburg. 1942, S. 372.) ist eine ukrainische Stadt mit etwas mehr als 16.000 Einwohnern und war bis 2020 das administrative Zentrum des Rajon Horodok, seither ist sie ein Teil des Rajons Lwiw. Sie liegt an der Wereschyzja in der Oblast Lwiw und befindet sich an der Verbindungsstraße M 11/E 40, 24 km südwestlich der Bezirkshauptstadt Lwiw. Die nächstgrößere Stadt ist Lwiw. mini|links|Hauptplatz im Ort

Geschichte Die Befestigung bzw. Slawischer Burgwall (allgemein in den slawischen Sprachen grad, gród, gorod, horod usw.; das Wortende -ok/-ek ist diminutiv) im Fürstentum Galizien wurde 1213 als Гороԁокь zum ersten Mal schriftlich erwähnt, 1227 war es im Besitz des Fürstes Mstislaw Mstislawitsch. Ab 1349 im Königreich Polen, kurz danach siedelten sich im Ort die Franziskaner an, die römisch-katholische Pfarrei wurde 1372 von Wladislaus II. von Oppeln, dem Statthalter in der „Rus“ gestiftet. 1389 erhielt sie das Magdeburger Stadtrecht,Ortsgeschichte Horodok in der Geschichte der Städte und Dörfer der Ukrainischen SSR; abgerufen am 15. Juli 2020 (ukrainisch) als die sechste Ortschaft Rotrutheniens. Die neue Stadt erhielt 100 Hufen Land. Der erste Vogt war Nicolaus Ulrich, Schulz in Kamjanobrid. Die Mehrheit von den ersten aus Quellen bekannten Stadtbürgern waren deutschnamig. Władysław II. Jagiełło baute im Ort eine Holzburg, wo er gern residierte sowie 1434 starb. Nach diesem König wurde das Adjektiv Jagielloński im Jahr 1906 dem Ortsnamen hinzugefügt.

Im 16. Jahrhundert war Horodok auch polnisch als Słonigrodek überliefert, wobei sich das Adjektiv słony auf Salze bezieht. Seit 1444 ist die Anwesenheit von Juden in der Stadt bezeugt, die seit 1680 in einem besonderen, rechtlich von der Stadt separaten Viertel (Gnin) angesiedelt wurden. In 1550 erhielt die Stadt das Privileg „Privilegium de non tolerandis Judaeis“, nämlich den Juden war verboten innerhalb der Mauern zu siedeln.Maurycy Horn, Żydowski ruch osadniczy w miastach Rusi Czerwonej, w: Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego, 1974, nr 2 (90), S. 11. Die alte, von Polen bewohnte Stadt hatte damals fünf römisch-katholische Kirchen. Nach dem „Jahrhundert der Kriegen“ verfielen die Städte der Region. In 1648 eroberten die Kosaken die Stadt und ihre Bewohner massakriert. Während der nächsten Eroberung in 1655 verbrannte die Stadt völlig. Am 29. September 1655 kam bei Horodok, während des Russisch-Polnischen Krieges 1654–1667, zum Schlacht von Horodok zwischen den polnisch-litauischen Truppen und den russischen Truppen, unterstützt von den Saporoger Kosaken.

Bis 1772 gehörte der Ort in der Adelsrepublik Polen-Litauen zur Woiwodschaft RuthenienRizzi Zannoni, Woiewodztwo Ruskie, Część Krakowskiego, Sędomirskiego y Bełzkiego z granicami Węgier, y Polski, ktore gory Karpackie nakształt łańcucha wyciągnione, od góry Wolska aż do Talabry, wyznaczaią.; 1772 und kam durch die polnischen Teilungen bis 1918 als Teil von Galizien unter österreichische Herrschaft. 1785 wurde die Reichsstraße von Wien nach Lemberg durch Gródek eröffnet. Im Jahre 1788 wurden im Zuge Josephinischen Kolonisation deutsche Siedler römisch-katholischer Konfession (16 Familien oder um 90 Personen.Impressionen aus Vorderberg (Kreis Gorodek), Ukraine (PDF; 107 kB). Hilfskomitee der Galiziendeutschen e. V. Publikation vom 2019. Abgerufen am 28. April 2022.) angesiedelt. Die Kolonie wurde Vorderberg benannt, lag unmittelbar südöstlich der Stadt. Die Nachkommen polonisierten sich und sie wurde 1924 nach die Stadt eingemeindet. 1859 wurde die Bahnstrecke Lwiw–Przemyśl durch die Stadt eröffnet. Seit 1850 war der Ort Sitz der Bezirkshauptmannschaft Gródek,Reichsgesetzblatt vom 8. October 1850, Nr. 383, S. 1741. 1867 kam noch ein Bezirksgericht dazu.

Im Jahr 1900 gehörten 3610 Menschen der jüdischen Gemeinde an, das waren ca. 30 % der Bevölkerung.

Während des Ersten Weltkrieges lag der Ort mehrfach im Frontgebiet. Ende August 1914 erfolgte im Rahmen der Schlacht in Galizien eine russische Offensive, die das österreich-ungarische Heer nach Gródek zurückdrängte. Am 7. September 1914 eroberten die Russen in der Schlacht von Gródek nach erbitterten Kämpfen die Stadt. Seine Erlebnisse während der Schlacht verarbeitete der österreichische Dichter Georg Trakl in seinem Gedicht Grodek. Nach der Gegenoffensive der Mittelmächte in der Schlacht von Gorlice-Tarnów verlief die Front im Juni 1915 entlang des Dnister und seines nördlichen Nebenflusses Wereszyka. Am 17. Juni 1915 begann mit der Schlacht bei Gródek (1915) zwischen Gródek und Magierów eine Durchbruchsoffensive des deutschen Heeres. Die heftigen Kämpfe dauerten bis zum 20. Juni 1915 an und veranlassten die russische Armee zum Rückzug aus diesem Frontabschnitt. Dies ermöglichte den Mittelmächten die Rückeroberung Lembergs.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kam Gródek zu Polen und lag hier ab 1921 in der Woiwodschaft Lwów. Nach der Volkszählung von 1921 lebten in der Stadt 7542 Polen, 2711 Ukrainer und 219 Juden.

Im September 1939 wurde die Stadt von der Sowjetunion besetzt. Damals und wieder 1945 wurde der Ort unter dem Namen Horodok ein Teil der Ukraine. Nach dem deutschen Überfall auf Polen stieg die Anzahl der jüdischen Einwohner auf über 5.000 an, bedingt durch Flüchtlinge aus Westpolen. Die jüdische Bevölkerung wurde nach dem deutschen Einmarsch im Juli 1941 zum größten Teil in Zwangsarbeit oder in das Todeslager Belzec verbracht. Im Mai 1943 wurde das restliche Ghetto liquidiert, die letzten Einwohner wurden erschossen und verbrannt.http://kehilalinks.jewishgen.org/Gorodok/ A Very Brief Introduction to Gorodok, abgerufen am 1. Juni 2012. Eine jüdische Gemeinde existiert heute nicht mehr.

Wirtschaft In Horodok wird Obst (v. a. Äpfel) und Gemüse industriell zu Säften, Aromen usw. verarbeitet. Horodok ist Logistikstandort für Flüssigtransporte.

Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neu gegründeten Stadtgemeinde Horodok (Городоцька міська громада/Horodozka miska hromada). Zu dieser zählen auch die in der Tabelle angeführten 38 DörferРозпорядження Кабінету Міністрів України від 12 червня 2020 року № 718-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Львівської області im Rajon Lwiw; bis dahin bildet sie die Stadtratsgemeinde Horodok (Городоцька міська рада/Horodozka miska rada) im Rajon Horodok.

Folgende Orte sind neben dem Hauptort Horodok Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch polnisch Artyschtschiw Артищів Артищев (Artischtschew) Artyszczów Bar Бар Бар Bar Bartatiw Бартатів Бартатов (Bartatow) Bartanów Bratkowytschi Братковичі Братковичи (Bratkowitschi) Bratkowice Dobrjany Добряни Добряны Dobrzany Dolynjany Долиняни Долиняны (Dolinjany) Doliniany Drosdowytschi Дроздовичі Дроздовичи (Drosdowitschi) Drozdowice Dubanewytschi Дубаневичі Дубаневичи (Dubanewitschi) Dubaniowice Halytschany Галичани Галичаны (Galitschany) Haliczanów Hodwyschnja Годвишня Годвишня (Godwischnja) Hodwisznia Hradiwka Градівка Градовка (Gradowka) Hoszany Kernyzja Керниця Керница (Kerniza) Kiernica Lisnowytschi Лісновичі Лесновичи (Lesnowitschi) Leśniowice Ljubowytschi Любовичі Любовичи (Ljubowitschi) Lubowice Mawkowytschi Мавковичі Мавковичи (Mawkowitschi) Małkowice Moloschky Молошки Молошки (Moloschki) Zbadyń Mschana Мшана Мшана Mszana Myljatyn Милятин Милятин (Miljatin) Milatyn Myltschyzi Мильчиці Мильчицы (Miltschizy) Milczyce Pidmohylka Підмогилка Подмогилка (Podmogilka) Henrykówka Pobereschne Побережне Побережное (Pobereschnoje) Jatwięgi Powitno Повітно Повитно Powitno Putjatytschi Путятичі Путятичи (Putjatitschi) Putiatycze Retschytschany Речичани Речичаны (Retschitschany) Rzeczyczany Rodatytschi Родатичі Родатичи (Rodatitschi) Rodatycze Saluschschja Залужжя Залужье (Saluschje) Załuże Sawereschyzja Заверешиця Заверешица (Sawereschiza) Cuniów Scholomynytschi Шоломиничі Шоломиничи (Scholominitschi) Szołomienice Selenyj Haj Зелений Гай Зелёный Гай (Seljony Gai) Uherce Wieniawskie Stodilky Стоділки Стодолки (Stodolki) Stodółki Suschyzi Зушиці Зушицы (Suschizy) Zuszyce Tscherljanske Peredmistja Черлянське Передмістя Черлянское Предместье (Terljanskoje Predmestje) Czerlańskie Przedmieście Tscherljany Черляни Черляны Czerlany Tutschapy Тучапи Тучапы Tuczapy Uhry Угри Угры (Ugry) Uherce Niezabitowskie Welyka Kalynka Велика Калинка Великая Калинка (Welikaja Kalinka) Kalinka Wielka Wolja-Bartatiwska Воля-Бартатівська Воля-Бартатовская (Wolja-Bartatowskaja) Wola Bartatówska Wowtschuchy Вовчухи Волчухи (Woltschuchi) Wołczuchy

Persönlichkeiten Hipolit Śliwiński (1866–1932), polnischer Architekt und Politiker Petro Werhun (1890–1957), griechisch-katholischer Priester und Märtyrer Igor Gorin (1904–1982), US-amerikanischer Sänger, Schauspieler, Komponist und Musikpädagoge Joseph Beer (1908–1987), österreichischer Komponist, Operetten Roman Lysko (1914–1949), griechisch-katholischer Priester und Märtyrer Ross Martin (1920–1981), polnisch-US-amerikanischer Schauspieler Franciszek Duszeńko (1925–2008), polnischer Bildhauer Roman Horak (1942–2025), Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Museumsleiter

Einzelnachweise

Weblinks

Kategorie:Ort in der Oblast Lwiw

Kategorie:Ersterwähnung 1213 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1389