Máriakéménd [] ( Mariakemend) ist eine ungarische Gemeinde im Kreis Bóly im Komitat Baranyaund liegt direkt an der Pécs-Mecsek-Weinstrasse. Achtzehn Prozent der Bewohner zählen zur Volksgruppe der Ungarndeutschen und knapp fünf Prozent zur Volksgruppe der Roma.

Geografische Lage Máriakéménd liegt im südöstlichen Teil des Komitats Baranya, 19 Kilometer südöstlich des Komitatssitzes Pécs und 8 Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Bóly, an den Flüssen Patkányos-patak und Karasica. Die höchste Erhebung auf dem Gemeindegebiet ist der 252 Meter hohe Berg Kéméndi-tetö. Nachbargemeinden sind Kátoly, Liptód, Monyoród Szederkény, Olasz und Berkesd.

Geschichte Die in den 1960er Jahren durchgeführten archäologischen Grabungen auf dem Gebiet von Máriakéménd haben Funde aus den Jahren 200 nach Christus an den Tag gebracht.

Die ersten schriftlichen Nennungen des Ortes stammen aus dem Jahr 1015. Darin stellt König Stephan I. 41 Dörfer – darunter auch Kéménd – unter die Oberhoheit der Benediktinerabtei von Pécsvárad. In der damaligen Zeit gab es in der Umgebung bereits Mühlen. Die ansässigen Bauern waren frei, sie beschäftigten sich hauptsächlich mit Weizenanbau, sowie Viehzucht und Weinbau. Nach der verlorenen Schlacht bei Mohács in 1526 haben Freischärler die Ortschaft von Kéménd verwüstet. 1530 wurde auch Kéménd in das türkische Reich eingegliedert. Während der Befreiungsschlachten nach der türkischen Besatzung (Schlacht bei Mohács (1687)) war die Siedlung entvölkert, lange Zeit stand sie menschenleer. 1725 kamen deutsche Siedler, überwiegend hessisch-fränkische Aussiedler, in das zerstörte Dorf, wo nur die Ruinen der mittelalterlichen Kirche zu sehen waren. Das Dorf wurde nach den Händen der Siedler gebaut, und es entstand eine blühende Weinbaukultur, und auch der Bau der Weinkellerreihen begann. Nur etwa ein Drittel der Einwohner war ungarischstämmig. In der Hauptstraße wohnten die betuchten deutschen Bauern, in der Horvat Straße die ärmeren Deutschen, Kroaten und Ungarn.

Dass aus Kéménd Máriakéménd wurde, gründet auf der folgenden Begebenheit: Im Jahre 1740 sammelten fünf Mädchen aus Kéménd Gras auf der Wiese, etwa 800 Meter von der Ortschaft entfernt, auf dem Gebiet des früheren Friedhofs. Plötzlich fiel ihnen auf, dass sich aus einem versunkenen Grab ein glänzendes Bild hervorhebt: Es war ein Marienbild mit dem kleinen Jesus auf dem Arm. Die Nachricht über diese Begebenheit verbreitete sich in der Umgebung, und trotz eines bischöflichen Verbots wuchs die Zahl der dorthin Pilgernden stetig an. Die Einwohner von Kéménd beantragten eine Pfarrei.

Der Bau einer neuen großen Kirche an der Stelle der früheren Kapelle wurde im Jahre 1746 begonnen. Er wurde ausschließlich aus Spenden der Pilger finanziert. Die Kirche wurde am 8. Dezember 1754, am Tag der Himmelfahrt Mariens eingeweiht, es gelang jedoch nicht, die ursprünglich geplanten zwei Türme zu erbauen.

Der vollkommenen Ablass wurde der Kirche zu Ehren des Marienfestes am 15. August von Papst Clemens XIV. gewährt. Auch heute noch besuchen Tausende von Pilgern die im gotischen Stil erbaute Kirche.

Im 19. Jahrhundert wurde verstärkt mit der Rodung der Wälder, Nutzbarmachung des Bodens sowie der Intensivierung der Viehzucht und dem großflächigen Weinbau auf dem Gebiet der Ortschaft begonnen. Dadurch entstanden auch viele Presshäuser, wovon eine spätere Aufzeichnung aus dem Jahr 1910 kundtut: „Es gibt mehr Presshäuser als Wohnhäuser.“

Ein Großteil der männlichen Bevölkerung des Dorfes wurde im Ersten Weltkrieg eingezogen und sehr viele sind gefallen. Ihrer gedachten die Ortsansässigen im Jahre 1938 mit der Einweihung einer Gedenkstätte mit Zsolnay-Keramiken an einem der Seitenflügel der Kirche. An die Gefallenen im Zweiten Weltkrieg erinnert an gleicher Stätte eine 1993 errichtete Gedenktafel.

Im Jahre 1947 wurde mit der Zwangsaussiedlung der deutschsprachigen Einwohner begonnen. Gleichzeitig wurden Ungarn, die aus dem zur Tschechoslowakei zugeordneten Oberungarn vertriebenen wurden oder aus der Großen Ungarischen Tiefebene kamen, angesiedelt.

Von den 1960er Jahren bis zum Systemwechsel vegetierte Máriakéménd im Schatten des benachbarten Szederkény als Partnergemeinde. 1992 wurde ein selbständiges Notariat eingerichtet, seither hat sich die Ortschaft sehenswert weiterentwickelt. Der Weinberg mit überwiegendem Weißweinanbau ist über die Landesgrenzen bekannt.

Politik und Verwaltung Bürgermeisterin ist seit 2024 Márta Jakab. Die Zusammensetzung des Gemeinderats sowie Angaben zu lokalen Selbstverwaltungen (u. a. deutsche und Roma-Selbstverwaltung) sind auf der Gemeindewebsite dokumentiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Máriakéménd ist ein Wallfahrtsort; außerhalb des Orts liegt die Wallfahrtskirche (Nagyboldogasszony Kegytemplom). Nach lokaler Überlieferung entstand ab 1742 ein Neubau unter Einbeziehung des gotischen Sanktuariums einer Kirche aus dem 15. Jahrhundert; die Einweihung erfolgte 1754. Antiokheiai-Szent-Margit-Statue aus dem Jahr 1904 Heimatgeschichtliches Museum Kalvarienberg Römisch-katholische Kirche Szent Márton, erbaut 1749 im Zopfstil, der Turm wurde 1797 hinzugefügt Szent-Flórián-Statue aus dem Jahr 1903 Traditionelle Weinkeller Weltkriegsdenkmal

Wirtschaft und Infrastruktur Máriakéménd ist ländlich geprägt. Industrielle Betriebe werden in der Gemeinde nicht genannt; es bestehen mehrere lokale Gewerbeeinheiten (u. a. Lebensmittelhandel und Gastronomie). Zur Infrastruktur zählen unter anderem ein Kindergarten (Óvoda) sowie eine Gemeindebibliothek. Als Wallfahrtsort und durch die Wallfahrtskirche besitzt der Ort zudem touristische Bedeutung.

Verkehr Durch Máriakéménd führt die Landstraße Nr. 5608. Es bestehen Busverbindungen nach Szederkény, Bóly und Pécsvárad.

Weblinks

Einzelnachweise