Luzern (Kürzel LU; , ) ist ein deutschsprachiger Kanton der Schweiz und zählt zur Grossregion Zentralschweiz (Innerschweiz). Der Hauptort und zugleich bevölkerungsreichste Ort ist die gleichnamige Stadt Luzern.
Geographie Bodenfläche Der Kanton hat Anteil am Mittelland, an den Voralpen und an den Schweizer Alpen. Der Grossteil gehört geografisch gesehen zum Mittelland, besteht aber nicht aus grossen, flachen Ebenen, sondern ist oft eine Hügellandschaft mit Ebenen. Typische Beispiele dafür sind das Luzerner Hinterland im Nordwesten des Kantons, das Entlebuch und das «Gäu» rund um den Sempachersee. Das Brienzer Rothorn, das Pilatusmassiv und das Rigimassiv sind alpine Regionen im Süd- bzw. Ostteil des Kantons.
Vom gesamten Kantonsgebiet sind:
54,7 % landwirtschaftliche Nutzfläche, darunter 46,5 % Wies- und Ackerland 5,5 % alpwirtschaftliche Nutzflächen 2,8 % Obst, Rebbau und Gartenbau 30,1 % bestockte Flächen, darunter: 27,0 % Wald 3,0 % Gehölz 0,1 % Gebüschwald 8,4 % Siedlungsfläche, darunter: 4,1 % Gebäudeareal 2,7 % Verkehrsfläche 0,7 % Industrieareal 0,5 % besondere Siedlungsflächen 0,4 % Erholungs- und Grünanlagen 6,8 % unproduktive Fläche, darunter: 4,4 % stehende Gewässer (Seen) 0,9 % unproduktive Vegetation 0,9 % vegetationslose Fläche 0,5 % Fliessgewässer (Flüsse und Bäche)
Klima Im Kanton Luzern gibt es trotz seiner geringen Grösse verschiedene Mikroklimazonen. Im Nordteil des Kantons regnet es bedeutend weniger als im Napfbergland oder im Pilatusgebiet. Ein besonders mildes Mikroklima haben die Orte am Fuss der Rigi, wo Südfrüchte und Palmen gedeihen.
Die Gegend um die Stadt Luzern weist ein besonderes Mikroklima auf. Einerseits erhält sie wegen des Pilatusmassivs reichlich Regen (was ihr bei den anderen Schweizern den Übernamen Schüttstein der Schweiz eintrug), andererseits sorgt der Föhn oft für überdurchschnittliche Temperaturen im Herbst und im Frühling.
Nachbarkantone Der Kanton Luzern ist ein Binnenkanton und grenzt im Westen und Südwesten an den Kanton Bern, im Norden und Nordosten an den Kanton Aargau, im Osten an die Kantone Schwyz und Zug und im Süden an die Kantone Obwalden und Nidwalden.
Extrempunkte Der höchste Punkt ist mit das Brienzer Rothorn im Südwesten des Kantons, der tiefste Punkt mit die Reuss bei Honau an der Grenze zu den Kantonen Aargau und Zug. Der höchste Gipfel, der ganz im Kanton Luzern liegt, ist der Hengst (Schrattenfluh) mit
Seen Die Seen Rotsee, Baldeggersee, Sempachersee, Mauensee, Soppensee liegen vollständig im Kantonsgebiet. Anteile hat der Kanton Luzern am Vierwaldstättersee, Zugersee und Hallwilersee.
Flüsse Die bedeutendsten Fliessgewässer sind Reuss, Kleine Emme, Wigger, Luthern, Suhre, Pfaffneren und Entlen.
Bevölkerung Per betrug die Einwohnerzahl des Kantons Luzern . Die Bevölkerungsdichte liegt mit Einwohnern pro Quadratkilometer über dem Schweizer Durchschnitt ( Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am auf Prozent, während landesweit Prozent Ausländer registriert waren. Per betrug die Arbeitslosenquote Prozent gegenüber Prozent auf eidgenössischer Ebene.
Der Spitzname Chatzestrecker für die Luzerner geht darauf zurück, dass man ihnen vorwarf, Katzen durch Strecken zu erlegen.Siehe Schweizerisches Idiotikon, Band XI, Spalte 2177 f., Stichwort Chatzenstrecker (Digitalisat), mit der aus dem Kanton Solothurn stammenden Erläuterung, «Chatzestrecker heissen die Luzerner, weil sie pflegten, wenn sie durch fremde Orte zogen und Katzen erwischten, dieselben zu strecken und auszubalgen, um den Balg zu Mützen zu verwenden»; siehe hierzu auch ebd. Band XI, Spalte 2159 unten, strecken unter Bedeutung 1aγ1 (Digitalisat). Laut Idiotikon geht der Spottname womöglich auf die Reformationszeit zurück. – Aus sprachlichen und historischen Gründen nicht haltbar ist die von einer Luzerner Confiserie im Hinblick auf eines ihrer Produkte vertretene Ansicht, man sage den Luzernern deshalb «Katzenstrecker», weil diese über den Chatzenstrick nach Einsiedeln wallfahrten; zur Etymologie des Passnamens siehe Viktor Weibel, unter Mitarbeit von Albert Hug: Schwyzer Namenbuch. Die Orts- und Flurnanmen des Kantons Schwyz. Band 5: Str–Z. Triner, Schwyz 2012, S. 22 (online).
Bevölkerungsentwicklung Die Bevölkerungsentwicklung auf dem Gebiet des heutigen Kantons Luzern seit 1798:Zählungen 1798, 1816 und 1837 in: Der Geschichtsfreund, Band 107 (1954), nach doi:10.5169/seals-118431#81, Seite 112Für 1850–2000: Bundesamt für Statistik Bern, VolkszählungsergebnisseAb 2001: Bundesamt für Statistik Bern, Schätzungen der ständigen Wohnbevölkerung per Ende Jahr - Am 27. April 2016 erreichte die Bevölkerung im Kanton Luzern erstmals die Marke von 400'000.Raphael Gutzwiller: . In: Neue Luzerner Zeitung. 30. April 2016, S. 30
Jahr Einwohner 1798 89'117 1816 108'978 1837 124'521 1850 132'843 1860 130'504 1870 132'153 1880 134'708 1888 135'360 Jahr Einwohner 1900 146'519 1910 167'223 1920 177'073 1930 189'391 1941 206'608 1950 223'249 1960 253'446 1970 289'641 Jahr Einwohner 1980 296'159 1990 326'268 2000 350'504 2005 356'384 2010 377'610 2015 398'762 2016 400'018 2022 424'851 Jahr Einwohner 2023 432'7442024437'944
Bevölkerungsentwicklung im Kanton Luzern
Quellen: Helvetische Volkszählung 1798, Kantonale Volkszählung 1816, Eidgenössische Volkszählung 1837, Bundesamt für Statistik, Volkszählungen 1850–2000; 2010 Schätzung per Ende Jahr; ab 2015 Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz
Die Bevölkerung des Kantons wuchs zwischen 1850 und 1888 nur wenig. Damals wanderten viele ärmere Landbewohner in industrialisierte Regionen der Schweiz und nach Übersee aus. Mit dem Aufkommen des Fremdenverkehrs und der verstärkten Ansiedlung von Industriebetrieben änderte sich dies anschliessend. Das Bevölkerungswachstum hält bis heute an. Früher war der Hauptgrund für die starke Bevölkerungszunahme der Geburtenüberschuss; heute ist es die Zuwanderung.
Sprachen 2012 waren 90,4 Prozent der Bevölkerung deutsch-, 2,8 Prozent italienisch- und 1,7 Prozent französischsprachig. Des Weiteren war Englisch mit 2,9 Prozent vertreten.
Alemannische Dialekte Im Kanton Luzern werden verschiedene Dialekte gesprochen, die sich teils nahestehen, teils deutlich unterscheiden. Untermundarten des Luzerndeutschen sind: der Dialekt zwischen Malters im Süden und Triengen im Norden, also im Wesentlichen im ehemaligen Amt Sursee der Dialekt in den früheren Ämtern Luzern und Hochdorf, mithin in der Stadt Luzern und im Seetal der Dialekt des Entlebuchs der Dialekt des Luzerner Hinterlands der Dialekt in den Rigigemeinden Greppen, Weggis, Vitznau
Der Dialekt des Entlebuchs neigt in vielem dem Berndeutschen zu, die Mundart des Schongaus weist schon ins aargauische Freiamt hinüber, und die Sprache der Rigigemeinden, die eine an den Kanton Schwyz angrenzende geographische Exklave im weiteren Sinne des Kantons Luzern bilden, kann dem Schwyzer Dialekt zugeordnet werden. Das typische hochalemannische Luzerndeutsch wird damit vor allem in der Grossregion Luzern-Sempach/Sursee-Seetal gesprochen.Ludwig Fischer: Luzerndeutsche Grammatik. 1. Aufl. 1960, 2. Aufl. Hitzkirch 1989. Zur Mundartgliederung des Kantons siehe S. 21–48 mit Karte S. 525.Rudolf Hotzenköcherle: Zur sprachlichen Stellung und Struktur der Innerschweiz. In: Ders.: Die Sprachlandschaften der deutschen Schweiz (= Sprachlandschaft. Band 1). Hrsg. von Niklaus Bigler und Robert Schläpfer. Sauerländer, Aarau / Frankfurt a. M. / Salzburg 1984, S. 237–292; spezifisch zu Luzern S. 246–256.
Bedeutende Autoren, die in luzerndeutscher Mundart geschrieben haben, sind Jost Bernhard Häfliger, Josef Felix Ineichen, Josef Roos, Theodor Bucher («Zyböri») und Alfred Leonz Gassmann. Von Walter Haas stammt eine Geschichte der Luzerner Mundartliteratur.Walter Haas: Lozärnerspròòch. Eine Geschichte der luzerndeutschen Mundartliteratur mit einem Verfasserlexikon und einem Lesebuch. Räber, Luzern/Stuttgart 1968. Eine luzerndeutsche Grammatik mit Fokus auf der Mundart des «Gäus» (der Region Sursee) hat Ludwig Fischer verfasst,Ludwig Fischer: Luzerndeutsche Grammatik. Ein Wegweiser zur guten Mundart (= Grammatiken und Wörterbücher des Schweizerdeutschen. Band II). Hrsg. im Auftrage des Erziehungsdepartements des Kantons Luzern. Schweizer Spiegel, Zürich 1960. – [Nachdruck:] Mit einem Anhang zur Neuausgabe von Walter Haas. Comenius, Hitzkirch 1989. eine Lautlehre für das Amt Entlebuch Karl Schmid.Karl Schmid: Die Mundart des Amtes Entlebuch im Kanton Luzern (= Beiträge zur Schweizerdeutschen Grammatik. Band VII. Huber, Frauenfeld (Digitalisat).
Nationalsprachen Trotz starker Zuwanderung aus dem Ausland im 20. Jahrhundert hat sich die Sprachlandschaft nicht stark gewandelt. Die Einwanderer integrieren sich sprachlich zumeist in der zweiten Einwanderergeneration (sogenannte Secondos) oder spätestens in der dritten Einwanderergeneration.
+ Entwicklung der Sprachen im Kanton Luzern 1880–2000 Sprache 1880 1900 1950 1960 1970 1980 1990 2000 Deutsch 134'155 143'337 216'647 239'068 263'310 269'327 289'160 311'543 Italienisch 294 2'204 3'587 10'126 15'635 11'638 9'192 6'801 Französisch 302 747 2'150 2'244 2'015 2'129 2'046 2'053 Rätoromanisch 5 64 338 466 525 642 473 388 Spanisch – – 33 203 4'473 3'681 2'015 2'491 Portugiesisch – – – – – – 2'567 3'126 Albanisch – – – – – – – 6'768 Serbokroatisch – – – – – – – 7'401 Türkisch – – – – 282 – 1'465 955 Englisch – – 123 253 485 820 697 1'643 Gesamt 134'708 146'519 223'249 253'446 289'641 296'159 326'268 350'504
Unter der älteren Wohnbevölkerung gibt es etliche Menschen ungarischer, tschechischer, slowakischer, polnischer und tibetischer Muttersprache (Flüchtlinge, zwischen 1939 und 1969 ins Land gelangt). Weitere grössere sprachliche Minderheiten sprechen Albanisch, Serbokroatisch, Griechisch, Niederländisch, Schwedisch, Kurdisch, Vietnamesisch, Arabisch, Somal und Tamilisch.
Nationalitäten + Nationalitäten im Kanton Luzern 2000–2015 (Angaben in Prozent) StaatsangehörigkeitS. 36 (abgerufen am: 6. Juni 2012). 2000 2005 2010 2015Anzahl 2015Anteil 85,18 84,64 83,35 327'503 82,13 , davon: 10,75 11,62 14,67 41'274 10,35 1,20 1,74 3,13 13'838 3,47 2,26 1,95 1,78 7'413 1,86 1,08 1,30 1,49 7'330 1,84 0,71 0,55 0,45 2'057 0,52 0,85 0,78 0,62 2'037 0,51 – – 1,14 7'427 1,86 4,37 4,18 2,42 4'815 1,21 0,85 0,69 0,61 2'301 0,58 0,86 0,79 0,64 2'015 0,51 0,43 0,41 0,45 1'565 0,39 0,17 0,52 0,46 1'423 0,36
Religionen – Konfessionen
Der Kanton Luzern ist ein traditionell katholischer Kanton. Bei einer Gesamtbevölkerung von 406'506 Einwohnern waren 2017 im Kanton Luzern 246'799 Einwohner (60,71 Prozent) Mitglied der römisch-katholischen Kirche, während 41'622 Einwohner (10,24 Prozent) der evangelisch-reformierten Kirche angehörten.
Seit der Volkszählung 2000 liegen (ausser für die römisch-katholische und evangelisch-reformierte Kirche) keine genauen Zahlen zur Religionszugehörigkeit der Gesamtbevölkerung im Kanton mehr vor. Jedoch führt das Bundesamt für Statistik (BFS) Stichprobenerhebungen durchSeit der letzten Volkszählung im Jahr 2000 liegen für den Kanton Luzern keine Zahlen zur Religionszugehörigkeit der Gesamtbevölkerung (jeden Alters) mehr vor. Eine Ausnahme bilden die römisch-katholische und die evangelisch-reformierte Kirche, deren Mitglieder aufgrund der Kirchensteuer amtlich registriert werden. Seit 2010 basieren die Daten des Bundesamts für Statistik zu den Religionsgemeinschaften im Kanton Luzern auf einer Stichprobenerhebung, für welche Personen ab dem Alter von 15 Jahren befragt werden. Es gilt zu beachten, dass es sich bei den Resultaten der Erhebungen um Schätzungen handelt, die ein Vertrauensintervall aufweisen. , bei welchen auch andere Religionsgemeinschaften im Kanton erfasst werden.