Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) sind ein städtisches Wasserversorgungsunternehmen in Deutschland, das für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Berlin verantwortlich ist. Zudem ist das Unternehmen für die Regenwasserbewirtschaftung von öffentlichen Straßen und Plätzen zuständig, indem es unterirdische Kanäle zur Speicherung von Regenwasser baut, um Überläufe zu verhindern. Über ihre Tochtergesellschaft, die Berliner Stadtwerke, liefern die Berliner Wasserbetriebe auch elektrischen Strom.

Im Geschäftsjahr 2023 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,28 Mrd. Euro.

Geschichte 19. Jahrhundert Berlin begann im Jahr 1852 mit dem Aufbau einer zentralen Wasserversorgung. Obwohl die Stadt zu diesem Zeitpunkt bereits über 5.600 Brunnen verfügte, war das neue System umstritten und wurde zunächst vom Magistrat abgelehnt. Weil es noch keine Abwasserentsorgung gab, war das Brunnenwasser oft durch Cholera- oder andere Krankheitserregern verunreinigt.

mini| Gebäude der Berliner Wasserwerke, abgebildet 1858 in der Zeitschrift Die Gartenlaube Die englischen Unternehmer Charles Fox und Thomas Russel Crampton erhielten 1852 den Auftrag zur Wasserversorgung Berlins, während die Abwasserentsorgung nicht Teil des Auftrags war. Der Vertrag, dessen wesentliche Inhalte von König Friedrich Wilhelm IV bestimmt wurden, hatte eine Laufzeit von 25 Jahren. Mitgestaltungsmöglichkeiten der Stadtverwaltung waren darin nicht vorgesehen, die Gewinne, die durch die Wasserpreise reguliert wurden, durften 15 % nicht übersteigen und die preußische Regierung gewährte den Unternehmern „besonderen Schutz in allen Angelegenheiten“. Der Polizeipräsident Karl Ludwig Friedrich von Hinckeldey fungierte als der Vertragspartner von Fox und Crampton. Crampton und William Whitaker Collins planten die Anlage,Obituary. William Whitaker Collins. In: Minutes of the Proceedings of the Institution of Civil Engineers 58, 1879, S. 340 f. (Digitalisat) deren Bau 1853 unter der Leitung des englischen Ingenieurs Henry Gill begann. Im selben Jahr gründeten die Unternehmer die Berlin Waterworks Company, die 1853 den Grundstein für das erste Berliner Wasserwerk vor dem Stralauer Tor legte. Am 1. Juli 1856 nahm es seinen Betrieb auf, ein Jahr später waren bereits 341 Häuser, hiervon 314 Privathäuser, an die Wasserversorgung angeschlossen. Bis 1859 erhöhte sich die Anzahl auf 1.141 Häuser, was dem Unternehmen erstmals einen kleinen Gewinn einbrachte. Ab 1868 zahlte die Gesellschaft Dividenden von über neun Prozent aus.

Bereits im Jahr 1869 stellte sich heraus, dass das erste Wasserwerk (zur damaligen Zeit auch als Wasserhebewerk bezeichnet), nicht mehr ausreichend war und erweitert werden musste. Verhandlungen um eine Erweiterung des Wassernetzes und einer Vertragsverlängerung scheiterten jedoch, da der Magistrat plante, die Wasserwerke zu übernehmen, um den von dem Baurat James Friedrich Hobrecht konzipierten Hobrecht-Plan umzusetzen. An einer Verlängerung des Vertrages war der Magistrat nicht interessiert.

Am 31. Dezember 1873 kündigte die Stadt Berlin den Vertrag mit Fox und Crampton vorzeitig. Infolgedessen übernahm die Stadt Berlin mit Wirkung vom 1. Dezember 1873 selbst die Wasserversorgung von Berlin als Eigentümer.

Bis 1920 existierten auf dem heutigen Territorium Berlins 8 Städte, 59 Landgemeinden sowie 27 Gutsbezirke. d. h. zusammen 94 Gemeinwesen, von denen 50 mit einer ordnungsgemäßen Entwässerungseinrichtung ausgestattet waren.

Das Problem der Abwasserentsorgung wurde durch die Bereitstellung von Wasser nicht gelöst. 1866 brach eine Cholera-Epidemie in der Stadt aus, woraufhin eine Kommission unter der Leitung von Rudolf Virchow mit den Planungen einer unterirdischen Kanalisation begann. Unter dem Stadtrat Marggraff wurde die Städtische Deputation für die Verwaltung der Kanalisationswerke gegründet. 1872 wurde James Hobrecht zum Chefingenieur der Kanalisation ernannt und ein Jahr später, im März 1873, Hobrechts Entwässerungsplan, den er 1871 präsentiert hatte, vom Magistrat genehmigt. Es wurde beschlossen, 12 Radialsysteme anzulegen, deren Bau im Jahr 1873 begann. Innerhalb von vier Jahren errichtete die Stadt das erste Abwassersystem mit einer Länge von 80 km. An dem tiefsten Punkt jedes Radialsystems befand sich ein Pumpwerk, dem das Abwasser über Tonröhren und gemauerte Kanäle zugeführt wurde. Von diesen zwölf Pumpwerken wurde das Abwasser durch unterirdische Druckleitungen bis zu 30 Kilometer ins Umland auf die weitläufigen Rieselflächen transportiert. Bis zum Jahr 1909 ging das letzte der zwölf Teilsysteme in Betrieb; bis dahin war das Kanalnetz auf insgesamt 1.029 km angewachsen und an etwa 31.000 Grundstücke angeschlossen worden. mini|hochkant=0.8|Kanaldeckel mit Berliner Stadtmotiven, seit Ende des 20. Jahrhunderts verwendet

Ab dem 20. Jahrhundert Mit der Bildung Groß-Berlins 1920 verdoppelte sich die Einwohnerzahl und verdreizehnfachte sich das Territorium.Brigitte Grunert: Mit Ach und Weh – sieben Staedte gingen in Berlin auf. In: Tagesspiegel. 27. April 1995. Deshalb war eine Neuorganisation der Wasserversorgung erforderlich, die 1924 zur Gründung der Berliner Städtischen Wasserwerke AG führte. Im Jahr 1937 wurde diese in einen Eigenbetrieb umgewandelt.

Ab 1939 wurden die meisten Männer in Deutschland zum Kriegsdienst eingezogen. Zudem verloren die Berliner Entwässerungsbetriebe durch die NS-Rassengesetze viele ihrer qualifiziertesten Fachleute. Somit konnten in den Jahren 1939 bis 1945 aufgrund fehlender Ressourcen keine Erweiterungen, Erneuerungen oder Instandhaltungen von Netzen und Anlagen vorgenommen werden. Im sehr kalten Winter 1943 kam es besonders in den Berliner Außenbezirken zu zahlreichen Rohrbrüchen an den flach verlegten Rohrleitungen, wodurch ein Notdienst eingerichtet werden musste. In der Folge wurden die Straßenleitungen tiefer gelegt, zum Teil ließ man das Wasser sogar ständig laufen; ein hoher Wasserverlust war die Konsequenz. Die NS-Planungen für die „Neugestaltung der Reichshauptstadt“ wurden auch nach Kriegsbeginn weitergeführt, indem umfangreiche Probebohrungen in unterschiedlichen Gebieten des Versorgungsraumes vorgenommen wurden. Nach 1940 wurden diese Arbeiten jedoch vollständig eingestellt. Während des Krieges wurden nur Bautätigkeiten ausgeführt, die als kriegswichtig galten. Dazu gehörte das bereits 1940 begonnene Schöpfpumpwerk Neubrück bei Stolpe inklusive der zugehörigen Brunnengalerien, das 1943 fertiggestellt werden konnte. Für Arbeiten am Rohrnetz wurden, insbesondere nach Fliegerangriffen der Alliierten, sogenannte Ostarbeiter aus der Sowjetunion und aus Polen eingesetzt. Darüber hinaus wurden im Jahr 1942 74 und ein Jahr später 89 neue Brunnen gebohrt sowie 28 Vorhandene gereinigt. Zur Vorsorge für Katastrophenfälle wurden stärkere Anschlussleitungen für Feuerlöschzwecke für die gesicherte Rüstungsproduktion in Großbetrieben verlegt, Barackenlager und Luftschutzbunker neu angeschlossen und Notverbindungen zum damals noch separaten Wassernetz der Charlottenburger Wasser- und Industriewerke AG und zu über 40 Einrichtungen mit leistungsstarken Eigenversorgungsanlagen für die Einspeisung von Wasser in das städtische Netz hergestellt.

Nach Beendigung der Kampfhandlungen im Jahr 1945 lagen sämtliche Abwasserpumperwerke still. Somit konnte das Schmutzwasser ungereinigt über die Notauslässe in die Gewässer gelangen. Die überwiegend stehenden Gewässer verwandelten sich in stinkende Kloaken, wodurch sich die Gefahr von Seuchen vergrößerte und die Typhus-Sterbefälle stark anstiegen. Daraufhin befahl die sowjetische Militäradministration, die Pumpwerke kurzfristig instand zu setzen. Bis Ende Mai 1945 konnten zwölf der zerstörten 20 Pumpwerke wieder in Betrieb genommen werden; im Laufe des Jahres 1945 waren wieder alle Pumpwerke voll einsatzfähig.

Im Jahr 1951 wurden im Ostteil der Stadt die Berliner Stadtentwässerung und die Berliner Wasserwerke im Zuge einer Verwaltungsreform des Magistrats zu den Groß-Berliner Wasser- und Entwässerungswerken (WEW) fusioniert, aus denen dann 1964 der VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung hervorging.

Im Westteil Berlins, der aufgrund der Lage der Rieselfelder im DDR-Umland der Stadt keine autonome Möglichkeit zur Abwasserreinigung hatte, wurde auf dem Gelände einer Pferderennbahn in Ruhleben ein Klärwerk errichtet und 1963 in Betrieb genommen.Joachim Nawrocki: Einig über Abfall und Abwässer. In: Die Zeit. 2. November 1973. S. 28. Im Jahr 1967 wurde die Anstalt Berliner Stadtentwässerung in einen Eigenbetrieb von Berlin unter dem Namen Berliner Entwässerungswerke in Berlin West überführt.Jochen Clemens: Berliner Wasserbetriebe / Daten. In: Berliner Morgenpost. 30. Oktober 2009.

Mit Wirkung zum 1. Januar 1988 schlossen sich die Berliner Wasserwerke und die Berliner Entwässerungswerke zu einem einheitlichen Unternehmen zusammen, das fortan den Namen Berliner Wasser-Betriebe, Eigenbetrieb von Berlin trug.

Nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung der Stadt wurden die Berliner Wasser-Betriebe sowie die Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Berlin im Jahr 1992 unter dem Dach der Berliner Wasserbetriebe zusammengeführt. Zwei Jahre später wurden die Berliner Wasserbetriebe vom Eigenbetrieb in eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) umgewandelt, um neben dem Kerngeschäft auch im Wettbewerbsgeschäft arbeiten zu können und um eine Zusammenarbeit mit privaten Firmen zu ermöglichen.

Einstieg zweier Fremdfirmen Nach einem weltweiten Bieterwettbewerb bildeten Vivendi (heute Veolia) und RWE 1999 (und bis 2002 auch die Allianz AG)Ulrich Zawatka-Gerlach: Durchgespült: Der Wasservertrag auf dem Prüfstand. In: Tagesspiegel. 20. November 2009, S. 4. ein Konsortium, das 49,9 % der Anteile an der Berlinwasser Holding AG und den Berliner Wasserbetrieben erwarb. Die Beteiligung erfolgte bei den Berliner Wasserbetrieben durch eine stille Gesellschaft, während die Privatinvestoren bei der Berlinwasser Holding über Aktien beteiligt wurden. Kritiker bezeichneten dies als „Privatisierung“, obwohl das Land Berlin weiterhin die stimmberechtigte Mehrheit und damit die öffentliche Kontrolle behielt, was es zu einer Teilprivatisierung im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft machte. Um öffentliche Interessen zu wahren, sicherte sich das Land Berlin eine Goldene Aktie.

Die Berliner Wasserbetriebe gehörten zu den ersten Wasserver- und Abwasserentsorgern in Deutschland, bei denen private Firmen umfassend beteiligt wurden. Sowohl das Land Berlin und die privaten Gesellschafter erhielten eine vertraglich garantierte Verzinsung für das betriebsnotwendige Kapital von 3,3 Mrd. Euro.

Kartellverfahren Im Jahr 2012 wertete das Bundeskartellamt Daten zur Wasserversorgung in 38 deutschen Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern aus. Dabei stellte es fest, dass die Wasserbetriebe in Hamburg, München und Köln „vergleichbare Versorgungsbedingungen“ wie das Berliner Unternehmen boten, jedoch das Wasser deutlich günstiger verkauften. Infolgedessen ordnete die Behörde an, dass die Berliner Wasserbetriebe den Trinkwassertarif im Jahr 2012 im Vergleich zu 2011 um 18 Prozent und in den Jahren 2013 bis 2015 durchschnittlich um 17 Prozent senken müssen. Gegen diesen Beschluss reichten die Berliner Wasserbetriebe Klage beim Oberlandesgericht Düsseldorf ein, das jedoch im Februar 2014 die Klage abwies.

Volksentscheid zur Offenlegung der Verträge Im Juni 2007 initiierte die Bürgerinitiative Berliner Wassertisch gemeinsam mit dem Berliner Bündnis gegen Privatisierung das Volksbegehren Unser Wasser unter dem Titel Schluss mit Geheimverträgen – Wir Berliner wollen unser Wasser zurück. Ziel war es, eine formalrechtliche Offenlegung aller Verträge im Bereich der Berliner Wasserwirtschaft zu erreichen. Die Initiatoren planten zudem ein Klageverfahren gegen das Land Berlin, um zu prüfen, ob die im Koalitionsvertrag (2006) festgelegte Zielvorgabe der Rekommunalisierung erreicht werden könnte.