Die M109 ist eine Panzerhaubitze vom Kaliber 155 mm aus US-amerikanischer Produktion. Ihre Entwicklung begann zur Zeit des Kalten Krieges in den 1950er-Jahren. Seit 1962 wurde sie Bestandteil der Artillerieverbände vieler Staaten und Standard-Panzerhaubitze der NATO. Bei der Bundeswehr wurde sie ab dem Jahr 1999 von der Panzerhaubitze 2000 abgelöst.

Seit ihrer Indienststellung erfuhr die M109 eine Vielzahl von Kampfwertsteigerungen. Die Version M109A6 Paladin bildet bis heute das Rückgrat der Artillerie der US Army.

Mit einer Gesamtzahl von über 5000 produzierten Exemplaren ist die M109 eine der meistproduzierten Panzerhaubitzen weltweit.

Entwicklungsgeschichte Am 25. Juni 1950 hatte der Koreakrieg begonnen. Die für Südkorea kämpfenden UN-Streitkräfte unter Führung der USA waren im Januar und Februar 1951 schwer in Bedrängnis geraten, nachdem die VR China Nordkorea stärker unterstützte. Vom 13. September bis zum 15. Oktober 1951 tobte die Schlacht von Heartbreak Ridge. Das Ende des Koreakrieges war nicht absehbar.

In dieser Situation konferierten im Januar 1952 in Washington, D.C., Vertreter der US Army und des US-Verteidigungsministeriums über die Situation der motorisierten Artillerie. Damals spitzte sich der Kalte Krieg weiter zu und erste Artillerieaufklärungsgeräte mit Radar wurden entwickelt. Diese waren in der Lage, Feuerstellungen schnell und präzise aufzuklären. Die bisher in der Nutzung befindlichen Selbstfahrlafetten waren weder beweglich genug, um der Kampftruppe zu folgen, noch, um feindlichem Gegenfeuer durch schnellen Stellungswechsel zu entgehen. Auch boten ihre Panzerungen der Besatzung einen Mindestschutz. Veraltet war auch die bisherige US-Panzerhaubitze M44. Als Ergebnis der Konferenz wurde ein dringender Bedarf an neuen gepanzerten und selbstfahrfähigen Geschützen festgestellt. Umgehend begannen erste Konzeptstudien mit dem Ziel, eine neue gepanzerte Selbstfahrlafette zu entwickeln. Die anfängliche Entwicklung einer Panzerhaubitze namens T196 (Kaliber 156 mm) wurde vom Verteidigungsministerium wegen absehbarer Schwierigkeiten bei der Entwicklung abgelehnt. Ein neues Konzept wurde im Mai 1954 festgelegt und im Juni 1954 wurden auf einer Konferenz in Fort Monroe letzte Details geklärt. Das Waffensystem sollte sich im Design an die in der Planung befindliche 110-mm-Haubitze T195 anlehnen. Nach den neuen Konzeptstudien sollten Wanne und Turm der T195 verwendet werden. Als Neuerung war eine 155-mm- anstatt der 156-mm-Haubitze vorgesehen.

Ein erstes Modell des Fahrzeugs wurde im Oktober 1956 präsentiert und der Auftrag zur Entwicklung eines Prototyps erteilt. Dieser wurde 1959 unter der Bezeichnung T196 fertiggestellt. Nach ersten Versuchen in Fort Knox wurden an der Federung einige Veränderungen vorgenommen. Der erste Prototyp wich deshalb im Design der Wanne noch von den späteren Modellen ab. Der Antrieb erfolgte durch einen Ottomotor. Das Verteidigungsministerium beschloss 1959, dass alle künftigen Gefechtsfahrzeuge mit Dieselmotoren ausgestattet werden sollten. Ziel war es, den Treibstoffverbrauch zu verringern, die Logistik durch die Anzahl verschiedener Treibstoffe zu vereinfachen und die Brandgefahr zu senken. Daraufhin wurde beim Prototyp der M109 die Motorisierung geändert.

Im Februar 1961 waren die Truppenversuche mit dem Prototyp abgeschlossen, woraufhin zwei Vorserienfahrzeuge bei der Cadillac Motor Car Division bestellt wurden. Nach dem Abschluss der letzten Tests wurde der erste Auftrag über eine Jahresproduktion von 247 Fahrzeugen vergeben. Die ersten Exemplare wurden im Oktober 1962 fertiggestellt und Anfang 1963 wurde der Auftrag um eine weitere Jahresproduktion erweitert. Parallel wurde die mit Fahrwerk, Wanne und Turm weitgehend identische, aber mit einem 105mm-Rohr bewaffnete M108 produziert. Im Juli 1963 wurde das Fahrzeug offiziell als mittlere Panzerhaubitze M109 klassifiziert. Bis 1969 wurden im Cleveland Army Tank Plant 2111 M109 gebaut. Ab 1974 produzierte BAE Systems die M109. Die letzten Exemplare wurden 1994 gebaut.

Planungen für Nachfolgemodelle Die US Army wollte die M109 durch den XM2001 Crusader ersetzen, der ursprünglich Teil des Panzermodernisierungsprogramms war. Das Programm wurde im Mai 2002 eingestellt. Es war kritisiert worden, XM2001 entspräche nicht den langfristigen Plänen der Armee für leichte Panzerbrigaden.https://www.nytimes.com/2002/05/30/us/president-formally-seeks-halt-to-crusader-artillery-program.html Die Gelder für Forschung und Entwicklung wurden auf das Programm Future Combat Systems Manned Ground Vehicles umgeleitet, das die XM1203 Non-Line-of-Sight Cannon als Hauptprojekt des Programms produzierte. Das Pentagon beendete 2009 das MGV-Programm wegen Bedenken hinsichtlich der Finanzierbarkeithttps://www.jstor.org/stable/24831487 oder des Preis-Leistungs-Verhältnisses. Die Haubitze M1299 sollte 2021 fertiggestellt und 2023 praktisch erprobt werden.https://www.stripes.com/news/us/new-army-cannon-hits-target-43-miles-away-in-test-1.656176. Das Projekt wurde wegen Problemen mit übermäßigem Geschützrohrverschleiß im April 2024 eingestellt.https://www.defensenews.com/land/2024/03/11/us-army-scraps-extended-range-cannon-artillery-prototype-effort/ Einige Zeit später startete die US Army das Next Generation Howitzer-Programm (NGH), bei dem Studien und Tests aus dem ERCA-Programm genutzt wurden oder werden. Die US-Armee beantragte 8 Millionen US-Dollar für Forschung und Entwicklung im Bereich NGH für das Haushaltsjahr 2025.https://crsreports.congress.gov/product/pdf/IF/IF12772/2.

Besatzung Die Besatzung der M109 besteht aus sechs Soldaten: Dem Geschützführer, dem Fahrer, zwei Richtkanonieren (K1 und K2) und zwei Ladekanonieren (K3 und K4). Der Geschützführer hat seinen Platz auf der rechten Seite im rückwärtigen Teil des Turms unter oder in der Luke mit Winkelspiegeln und Drehringlafette für das MG. Der Fahrerplatz, vorne links in der Wanne neben dem Motor, hat eine eigene Luke mit Winkelspiegeln und ist vom Kampfraum her erreichbar. Die Richtkanoniere befinden sich vorne im Turm links und rechts der Waffenanlage, die Ladekanoniere halten sich hinter den Richtkanonieren auf. Während des Marsches sitzen die Kanoniere auf zwei abklappbaren Bänken an den Turmseiten. Das Auf- und Absitzen der Besatzung und das Aufmunitionieren des Turmes erfolgt durch eine Tür im Wannenheck zwischen den Erdspornen. Seitlich am Turm befinden sich Luken, die als Fenster dienen und im Notfall als Ausstieg genutzt werden können.

Der Kommandant führt seine Geschützgruppe. Er hat Bordsprechverbindung zum Fahrer und den Richtkanonieren sowie Funkverbindung zum Zugführer. Er bedient das Maschinengewehr. Die beiden Richtkanoniere richten die Waffenanlage im Feuerkampf. Der K1, vorn links im Kampfraum sitzend, richtet den Turm mit dem Rundblickfernrohr und externen Festlegemarken in Schussrichtung. Die Rohrerhöhung richtet der K2, der rechts vorn im Kampfraum steht. Die Ladekanoniere bezündern die Geschosse, packen die Treibladungen und laden das Rohr.Christopher Foss: Jane’s Armour & Artillery 2009–2010. Jane’s Information Group Inc, S. 797.

Technik Schutzmaßnahmen Die Wanne und der Turm der M109 bestehen aus geschweißtem, 20 mm starkem Aluminium, das die Besatzung vor leichten Handwaffen und Splittern schützt. Die Geschosse sind offen im Kampfraum. Die Treibladungen werden in schützenden Behältern auf der linken Seite des Turmhecks gelagert. Eine ABC-Schutzbelüftungsanlage wurde mit der Kampfwertsteigerung zur Version A4 integriert.

Schwimmfähigkeit Durch die Verwendung von Aluminium war die M109 leicht und konnte mit einem Rüstsatz schwimmfähig gemacht werden. Der Rüstsatz bestand aus Gummischürzen (über der oberen Hälfte des Laufwerks, ähnlich dem M113), Schwimmkörpern an den Längsseiten der Wanne, einem aufblasbaren Gummiring zum Abdichten des Drehkranzes und Schwallbrettern um die vordere Wannenhälfte herum. Eine leistungsstarke Lenzpumpe war in allen Versionen eingebaut. Die US-Kette hatte zu Schaufeln ausgebildete Endverbinder für den Schwimmvortrieb. Über das Schwimmverhalten der M109 sowie den Umfang der Rüstsatzkäufe durch Nutzerstaaten ist nichts bekannt.

Bewaffnung und Munition mini|Der Drehverschluss an der M185-Haubitze (US) Die Primärbewaffnung der M109 ist eine Haubitze mit Kaliber 155 mm. Das Ursprungsmodell M109A1 verwendete die M126-Haubitze mit 23 Kaliberlängen (L/23). Diese war mit einem schwenkbarem stufenförmigen Schraubenverschluss, einem Rauchabsauger und einer Zweikammer-Mündungsbremse ausgestattet. Die Höchstschussweite betrug mit dem damaligen Standardgeschoss M107 etwa 14,6 km. Der Seitenrichtbereich des Turmes betrug 360° und der Höhenrichtbereich des Geschützes lag bei −5 bis +75°. Das Richten erfolgte hydraulisch oder manuell. Der Rückstoß wurde durch die Mündungsbremse, die Rohrbremsem und durch zwei manuell abzusenkende Erdsporne am Wannenheck aufgenommen. Die Geschosse und Treibladungen waren im Turmheck und links und rechts neben der Einstiegsluke in Halterungen gesichert. Die M109G für die Bundeswehr wurde mit einer Waffenanlage von Rheinmetall (mit Flachkeilverschluss mit Liderungsring) ausgeliefert.

Die in den 1970er- bis 1990er-Jahre hergestellten Modelle M109A1 bis M109A4 sind mit der M185-Haubitze mit 39 Kaliberlängen (L/39) bewaffnet. Zusammen mit dem neuen Geschütz wurde ein verbessertes Richtsystem eingebaut und die Erdsporne am Heck waren nun hydraulisch absenkbar. Die Höchstschussweite beträgt mit dem M107-Standardgeschoss nun rund 18,1 km. Mit der M549 HERA-Sprenggranate (mit Raketenantrieb) beträgt die maximale Schussdistanz etwa 30 km. Daneben können diese Geschütze auch das präzisionsgelenkte Geschoss M712 Copperhead verschießen. Die M109G der Bundeswehr wurde auf das Rohr der Feldhaubitze 155 (L/39) umgerüstet.

Bei den Modellen M109A5, M109A6 und M109A7 geschieht das Richten des Geschützes elektrisch oder manuell. Verwendet wird die M284-Haubitze mit 39 Kaliberlängen (L/39). Dieses Geschützrohr entspricht dem Joint Ballistics Memorandum of Understanding (JBMoU) der NATO und hat 48 Züge. An der Rohrmündung ist eine Zweikammer-Mündungsbremse angebracht. Die Rohrlebensdauer beträgt 1500–2650 Schuss. Am Rohrende befindet sich die Ladungskammer mit einem Volumen von 18,85 Liter. Verwendet wird wiederum ein Schraubenverschluss. Diese M109-Modelle verwenden dieselbe Munition wie die M198-Feldhaubitze. Mit der Standard-Sprenggranate M795 wird eine maximale Schussdistanz von 22,4 km erreicht. Mit der M1128-Sprenggranate (mit Base-Bleed) beträgt die maximale Schussdistanz rund 30 km. Mit der präzisionsgelenkten Artilleriegranate M982 Excalibur werden um die 38 km erreicht.

Während des Kalten Kriegs standen für die M109 auch Geschosse vom Typ M104, M121, M122, M631 und M697 mit den chemischen Kampfstoffen HD, GB, CS und VX bereit. Weiter stand für die M198 auch das M454-Geschoss mit dem W48-Nukleargefechtskopf (0,1 kT) zur Verfügung.

Als Sekundärbewaffnung ist ein Maschinengewehr vor der Kommandantenluke auf einer Lafette montiert. Der Typ des Maschinengewehrs ist abhängig vom Nutzerstaat.

Antrieb und Laufwerk Die M109 wird von einem wassergekühlten 8-Zylinder-2-Takt-Dieselmotor von Detroit Diesel mit Roots-Gebläse angetrieben. Der Hubraum beträgt 9300 cm³, das maximale Drehmoment 1270 Nm bei einer Drehzahl von 1600/min. Der Motor ist vorne rechts in der Wanne untergebracht. Das hydromechanische Getriebe hat vier Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge, die halbautomatisch durch manuelle Vorwahl geschaltet werden.

Das Laufwerk besteht an jeder Seite aus sieben gummibandagierten, drehstabgefederten Laufrollen und einem Leitrad am Heck. Die Antriebsräder befinden sich vorn neben dem Motorraum. Die Kette ist eine Endverbinder-Gleiskette mit einer Auflagelänge von 3,962 m.

Technische Daten