Die Orano-Gruppe mit Sitz in Paris ist ein französischer Industriekonzern, der auf dem Gebiet des Uranbergbaus sowie der Weiterverarbeitung und Anreicherung von Uran und der Aufarbeitung von abgebrannten Kernbrennstoffen tätig ist. Das Unternehmen ging aus der ehemals börsennotierten Areva-Gruppe hervor. Der Konzern ist mehrheitlich im Besitz des französischen Staates.

Aufgrund hoher Verluste bei verschiedenen Projekten wurde die ehemalige Areva-Gruppe ab 2017 grundlegend restrukturiert und durch den französischen Staat mit EUR 2,5 Mrd. rekapitalisiert;Presseerklärung zum Jahresergebnis 2017, oranno.group, 29. März 2018 dabei übernahm zum Jahreswechsel 2017/18 EdF 75,5 % des bisherigen Reaktorgeschäfts, das unter dem Namen Areva NP zuvor ausgelagert worden war und das seitdem unter dem historischen Namen Framatome firmiert. Das verbleibende Kerngeschäft wurde auf eine neue Gesellschaft übertragen, die seit Januar 2018 den Namen Orano trägt. Restaktivitäten im Bereich des Reaktorbaus, wie beispielsweise der von Kostenüberschreitungen und Verzögerungen betroffene Bau des Reaktors EPR Olkiluoto III, verbleiben bei der Altgesellschaft Areva. Areva ist für die Abwicklungen verbleibender Altprojekte verantwortlich. Die verbleibenden freien Aktionäre von Areva wurden im August 2017 per Squeeze-out zwangsweise ausgekauft und die Börsennotierung wurde eingestellt.

Geschichte Gründung als Areva Areva entstand 2001 durch die Fusion der staatlichen CEA-Industrie, Cogema und Framatome. Die Fusion wurde am 30. November 2000 öffentlich gemacht. Den Namen Areva wählte die damalige Präsidentin, Anne Lauvergeon, zufällig aus einer Liste spanischer Klöster.

CEA-Industrie war die Holdinggesellschaft, über die das staatliche Kommissariat für Atomenergie CEA seine Industriebeteiligungen hielt. Hierunter waren auch maßgebliche Beteiligungen an Cogema, Framatome und TechnicAtome. Der Hersteller von Steckverbindern Framatome Connectors International (FCI) war zum Zeitpunkt der Fusion Teil von Framatome und damit ebenfalls betroffen. Weitere nennenswerte Beteiligungen seitens CEA-Industrie, die in Areva überführt wurde, waren ein Anteil von 11 % am Halbleiterhersteller STMicroelectronics (bis 1998 SGS-Thomson) sowie ein 26-prozentiger Anteil am Bergbau-Unternehmen Eramet.

Cogema betrieb die Wiederaufarbeitungsanlage La Hague (F) und war in der Nuklearbrennstoffkette in den Bereichen Herstellung, Transport, Wiederaufarbeitung und Entsorgung tätig; sie besaß zudem Anteile an Goldbergwerken in Australien und der Elfenbeinküste.

Übernahmen und Kooperationen Ein Konsortium von Areva und Siemens erhielt Ende 2003 von dem finnischen Unternehmen TVO den Auftrag, einen neuen Block 3 des Kernkraftwerk Olkiluoto zu bauen. Für Areva war bzw. ist es der erste Auftrag, einen Druckwasser-Kernreaktor des Typs EPR zu bauen. Für den schlüsselfertigen Bau wurde ein Festpreis von etwa 3 Milliarden Euro vereinbart.

Im Frühjahr 2011 stieg Siemens aus der Zusammenarbeit mit Areva aus. TVO und Areva entschlossen sich im August 2011 zu einem Schiedsverfahren, um einen neuen Zeitplan für das zu etwa 80 % fertiggestellte Vorhaben aufzustellen. Kurz darauf wurde die Kostenprognose von 5,7 auf 6,6 Milliarden Euro erhöht. Areva hatte zuvor schon 2,7 Milliarden Euro Verlust erzielt; basierend auf der neuen Kostenschätzung mussten weitere etwa 900 Millionen Euro abgeschrieben werden. Areva und Siemens führten (2011) einen Rechtsstreit um finanzielle Folgen der Trennung sowie um durch die Verzögerung entstandene Kosten.Reaktorbau Olkiluoto 3 weiter verzögert, klimaretter.info, 14. Oktober 2011, Les Echos, 13. Oktober 2011 2014 schrieb Areva weitere 720 Millionen Euro für den EPR Olkiluoto ab.

Im Zuge einer Fokussierung auf das Nukleargeschäft wurde am 3. November 2005 der Verkauf der Tochtergesellschaft FCI an den Finanzinvestor Bain Capital bekanntgegeben. Ab September 2005 erwarb Areva (nach eigenen Angaben zur Stärkung ihres Angebotes im Bereich der CO2-freien Energieerzeugung) 21 % der Anteile am Windenergieanlagen-Hersteller REpower Systems: Areva-Gruppe erwirbt 21 % des Grundkapitals und versuchte ab Januar 2007 bei einem Anteil von 30,14 %, durch ein Übernahmeangebot in den Besitz von mindestens 50 % der Aktien des Windenergieanlagen-Herstellers zu kommen. Dies scheiterte wegen höherer Gegenangebote der indischen Suzlon-Gruppe, und es kam zunächst zu einer Kooperationsvereinbarung: Areva behielt seine Anteile und unterstützte REpower weiterhin und wurde im Gegenzug zu dessen bevorzugtem Anbieter im Bereich Stromverteilung und -übertragung. Im Juni 2008 verkaufte Areva seine REpower-Anteile aber an Suzlon. Im Jahr 2010 konnte Areva stattdessen den deutschen Windenergieanlagen-Hersteller Multibrid vollständig erwerben und gliederte diesen als 'Areva Wind' in seine Konzernstruktur ein.Areva: annonce la création d’Areva Wind (dt. etwa: Areva: teilt die Schaffung von Areva Wind mit), actufinance.fr, 31. Mai 2010 Im März 2015 wurden die Windenergie-Aktivitäten von Areva in einem neuen Tochterunternehmen Adwen, einem 50:50-Joint-Venture mit Gamesa, neu geordnet, das ebenso wie Gamesa in Zamudio (Spanien) registriert ist.Gamesa and Areva create the joint-venture Adwen. (dt.: Gamesa und Areva bilden das Joint-Venture Adwen.) 9. März 2015, abgerufen am 26. September 2015 Nach einer Entscheidung des Verwaltungsrates, die im September 2016 bekannt wurde, beabsichtigt Areva den Verkauf seiner Adwen-Anteile an Gamesa. Damit steigt Areva aus dem Windkraftgeschäft aus.

Die Minderheitsbeteiligungen an STMicroelectronics und Eramet wurden 2010 beziehungsweise 2012 abgestoßen. Käufer war der staatliche Investitionsfonds FSI.

Krise Durch die Nuklearkatastrophe von Fukushima (seit März 2011) geriet die Atombranche in eine schwere Krise. Die Areva-Chefin Lauvergeon wurde im Juni 2011 abgelöst.Areva-Chefin Lauvergeon muss gehen. In: moneycab.com, Int People, International, 17. Juni 2011 Die französische Regierung teilte mit, dass der Bergbauingenieur Luc Oursel an ihre Stelle treten solle, obwohl Gewerkschaftsvertreter und Abgeordnete sich intensiv für eine dritte Amtszeit der über Jahre erfolgreichen Physikerin und Managerin einsetzten. Als Hintergrund wurde ein Konflikt zwischen Frau Lauvergeon und dem EdF-Direktor (Électricité de France, französischer Staats-Energiekonzern) Henri Proglio, im Jahre 2010 vermutet, in dem sie eine Zerschlagung von Areva und die Übernahme der Führung über die französische Atomwirtschaft durch EdF verhindert hatte.Ansgar Haase (dpa): „Kung Fu Panda“ ersetzt „Atomic Anne“, badische-zeitung.de, Wirtschaft, 18. Juni 2011

Im Herbst 2011 wurden drastische Sparpläne von Areva bekannt: man wolle an dreien seiner Standorte in Deutschland (Lingen (Ems), Offenbach, Erlangen) 800 Arbeitsplätze streichen, eine Fabrik in Dessel (Belgien) schließen sowie den Bau einer Uran-Anreicherungs-Fabrik in Eagle Rock (USA) sowie Projekte zur Urangewinnung in Niger und Namibia verschieben bzw. aufgeben.AFP: Areva kappt 800 Jobs. In: Badische Zeitung, 20. Oktober 2011 Im Oktober 2011 erklärte der bisherige Deutschland-Chef Ulrich Gräber seinen Rücktritt. Die Fabrik in Dessel wurde (Stand Ende 2016) nicht geschlossen.FBFC : des assemblages de combustible pour REP

Ende 2014 gab Areva bekannt, dass der Konzern Verluste schrieb; die Gewinnprognose für 2015 und 2016 wurde zurückgenommen. Daraufhin brach der Aktienkurs um 20 % ein. Hintergrund waren Verzögerungen beim Neubau der Kernkraftwerke Olkiluoto und Flamanville, deren Bauzeiten um einige Jahre länger als geplant und deren Baukosten dreimal so hoch (jeweils ca. 9 Mrd. Euro statt etwa 3 Mrd. Euro) waren. Zudem waren durch die weltweite Krise der Kernenergiebranche, die Nuklearkatastrophe von Fukushima und den Atomausstieg Neuaufträge eingebrochen; ein neues Kraftwerksprojekt war zuletzt sieben Jahre zuvor vereinbart worden. Um den Konzern vor der Insolvenz zu bewahren, sollte der französische Staat weitere Anteile in Höhe von 2 Mrd. Euro übernehmen, zudem sollen defizitäre Teilbereiche des Konzerns ausgelagert werden.Steuerzahler sollen Atomkonzern Areva retten. In: Badische Zeitung, 21. November 2014. Abgerufen am 21. November 2014.Französischer Atomkonzern Areva ist pleite. In: Berliner Zeitung, 21. November 2014. Abgerufen am 21. November 2014.Atomkonzern Areva am Abgrund. In: Neue Zürcher Zeitung, 22. November 2014.

Im Frühjahr 2015 wurde bekanntgegeben, dass der Standort Offenbach bis Mitte 2016 geschlossen wird und die Arbeitsplätze nach Erlangen und Karlstein verlagert werden.Areva will weg aus Offenbach. In: Frankfurter Rundschau, 15. April 2015. Abgerufen am 13. Dezember 2015. Im Juni 2016 war die Verlagerung abgeschlossen.

Restrukturierung und Aufspaltung von Areva mini|Ehemaliges Logo von Areva

Am 1. März 2017 gab Areva Zahlen der Bilanz 2016 bekannt (u. a. Verluste von 665 Mio. / 932 Mio. Euro); man wolle im zweiten Quartal 2017 mit EdF ein protocole d’accord (etwa: Rahmenvereinbarung) unterzeichnen zur Abtretung von New NP an EdF.Presseerklärung vom 1. März 2017 (französisch) Der Areva-Konzern wurde 2017 schließlich in drei Teile aufgespaltet: New Areva, seit Januar 2018 Orano mit dem Geschäftsbereich Uranminen und Brennstoffzyklen; Areva NP, seit Anfang 2018 wieder unter dem alten Namen Framatome, als hundertprozentige Tochter von EdF mit der Zuständigkeit für Reaktoren und deren Versorgung mit Brennmaterial und der Restkonzern Areva SA, der die finanziellen Lasten aus vergangenen Projekten tragen und abwickeln soll. Im Rahmen der Restrukturierung wurde im Juli 2017 eine Kapitalerhöhung von Orano von EUR 2,5 Mrd. durch den französischen Staat gezeichnet; dies wurde im Januar durch eine weitere Kapitalerhöhung von EUR 500 Mio. ergänzt, die von Japan Nuclear Fuel Limited (JNFL) und von Mitsubishi Heavy Industries (MHI) gezeichnet wurden. MHI und JNFL halten jeweils 5 % von Orano.

Geschäftsfelder von Orano Uranbergbau Orano ist eines der größten Uranbergbau-Unternehmen der Welt und fördert mittelbar über Tochtergesellschaften und mehrheitliche Beteiligungen Uranerz in Kanada, Kasachstan und im Niger. In Usbekistan und der Mongolei wurden zudem erfolgreiche Prospektionen durchgeführt und ein künftiger Abbau wird geplant. Die Exploration sowie der Abbau von Uranerz und dessen Aufbereitung zu Uranoxid bilden einen der Hauptpfeiler der Unternehmensaktivitäten von Orano und waren im Geschäftsjahr 2024 für 26 % des Umsatzes verantwortlich.

„Front End“ Unter der Bezeichnung „Front End“ werden Wertschöpfungsprozesse zusammengefasst, die die gesamte Verarbeitung des Uranoxids bis zur Fertigung von Kernbrennstoff inkludiert. Während, abgesehen von aufbereiteten MOX-Brennstoffen, einsatzfähiger Kernbrennstoff selbst nicht mehr durch Orano hergestellt wird – die Fähigkeiten des Areva-Konzerns hierzu wurden in Framatome ausgelagert – betätigt sich Orano in diversen Prozessen der Uranchemie. Im Urankonversionswerk Malvési wird ein Teil der Urankonversion bis zur Synthese von Urantetrafluorid (UF4) vorgenommen. In den Fertigungswerken „Philippe Coste“ (Comurhex) und „Georges Besse II“ (Eurodif), die sich beide innerhalb der Nuklearanlage Tricastin befinden, wird die Weiterverarbeitung vorgenommen. Während das Werk „Philippe Coste“ für die Umwandlung des (UF4) in Uranhexafluorid (UF6) verantwortlich ist, wird die Uran-Anreicherung im Werk „Georges Besse II“ vorgenommen. Dem „Front End“ rechnete Orano 2024 22 % seines erzielten Umsatzes zu.

„Back End“ Zum „Back End“ zählt Orano Prozesse, die insbesondere die Brennstoffaufarbeitung sowie Dienstleistungen an bestehenden Anlagen umfassen. Hierzu zählen Schulungs-, Logistik- und Wartungsleistungen sowie der Rückbau von nuklearen Anlagen und die Handhabung von radioaktiven Abfällen. Dieser Unternehmensbereich erzielte 2024 52 % der Umsätze von Orano.