mini|hochkant=1.5|Turmkarst-Landschaft, Guilin (China) mini|hochkant=1.5|Pinnacle-Karst-Landschaft, Shilin (China) mini|hochkant=1.5|Glaziokarst-Landschaft, Orjen (Montenegro) mini|hochkant=1.5|Karst-Wasserfälle und Seen-Landschaft: Nationalpark Plitwitzer Seen (Kroatien) mini|hochkant=1.5|Karst in El Torcal de Antequera, Andalusien (Spanien) Unter Karst, ursprünglich Kras (benannt nach der slowenischen Region Karst-Plateau) versteht man in der Geologie und Geomorphologie unterirdische Geländeformen (Karsthöhlen) und oberirdische Geländeformen (Oberflächenkarst) in Karbonatgesteinen (auch in Sulfat-, Salzgesteinen und Sandsteinen/Quarziten), die vorwiegend durch Lösungs- und Kohlensäureverwitterung sowie Ausfällung von biogenen Kalksteinen und ähnlichen Sedimenten mit hohem Gehalt an Calciumcarbonat (CaCO3) entstanden sind. Hauptmerkmal ist der überwiegend unterirdische Wasserhaushalt, der nicht auf einer primären Porosität des Gesteins beruht, sondern sekundär und in geologischer Zeit auf einer Korrosion des Gesteins, der Verkarstung.

Großräumig findet sich Karst um das Mittelmeer sowie in Südostasien und Südchina, auf den Großen Antillen, der Halbinsel Yucatán und im Indoaustralischen Archipel, kleinräumiger in den deutschen Mittelgebirgen (Schwäbische Alb, Fränkische Alb), dem Französischen und Schweizer Jura, anderen Teilen der Nord- wie Südalpen sowie allgemein in Westeuropa.

Humangeografisch unterscheidet sich insbesondere die Naturraumnutzung von Karstlandschaften des Mittelmeerraums (= Mediterrans) und Südost- und Ostasiens. Herdenviehhaltung und eine saisonal angepasste halbnomadische Herdentierwanderung sind in den Karstgebirgen des Mediterrans seit der Antike verbreitet, eine entsprechende Nutzung von Karsthochflächen außerhalb des Mediterrans aber kaum; sie wird oft für deren stärkere Degradierung und Entwaldung mit anschließender Schädigung der Bodendecke verantwortlich gemacht, jedoch weisen postglaziale Faunen mit hohem Anteil alpin angepasster Tierarten auf tieflagigen Karstplateaus darauf hin, dass selbst in der heute am höchsten entwickelten mediterranen Karstlandschaft der Dinariden postglazial keine Entwicklung zu Waldlandschaften stattgefunden hat.Preston Miracle, Derek Sturdy 1991: Chamois and the Karst of the Herzegowina. Journal of Archaeological Science. 18:89–101 (PDF). Kulturtopologisch diametral ist in tropischen Karstländern eine differenziertere agroökonomische Wirtschaftsform mit Kleintierhaltung und Bewässerungsfeldbau etabliert.

2025 erklärt die UNESCO den 13. September zum Internationalen Tag für Höhlen und Karst.UNESCO International Day of Caves and Karst Abgerufen am 15. November 2025.

Allgemeines Tiefgründig entwickelte Karstlandschaften können trotz reichlicher und teilweise hoher Niederschlagsmengen völlig trockene Böden aufweisen. Karstlandschaften unterliegen einem alterungsbedingten Erosionszyklus. Prinzipiell bedingt sich dieser durch stärkere Korrosion und Erosion unter feucht-tropischen Klimaverhältnissen. Unterscheidungserheblich sind tropische und außertropische Karstformen, ebenso geomorphologisch voll entwickelter Karst (Holokarst) und wenig entwickelter Karst (Merokarst). Verkarstung und Erosion des Karstreliefs sind Teil eines globalen biogeochemischen Stoff- und geologischen Gesteinskreislaufs; speziell hängt der Carbonat-Silicat-Zyklus durch biogene und geologische Prozesse, die Resultat der Evolution des Lebens sind, direkt mit dem Kohlenstoffzyklus zusammen. Carbonate (Calcit CaCO3 und Dolomit CaMg(CO3)2) sind zudem die größten Kohlenstoffspeicher der Erde.

Etymologie der Begriffe mini|hochkant=1.5|Karst-Seenlandschaft Baćina-Seen nahe Ploče im Süden Kroatiens Als Typlokalität und damit namensgebend für das geologische Phänomen Karst gilt die Landschaft Karst-Plateau, die auf halber Strecke zwischen Ljubljana und Triest am südöstlichen Rand der Alpen liegt.

In dieser bedeutenden Karstlandschaft, in der auch der größte Karstsee (Sickersee) der Erde liegt, der Cerkniško jezero (deutsch Zirknitzer See), wurde das Phänomen Karst erstmals eingehend erforscht.

Die Forschungsergebnisse durch Wissenschaftler der Habsburgermonarchie, wie Marko Vincenc Lipold (1858), Dionýs Štúr (1858) und Guido Stache (1859)Bogdan Jurkovšek, Martin Toman, Bojan Ogorelec, Luka Šribar, Katica Drobne, Marijan Poljak, Ljudmila Šribar: Formacijska geološka karta Južnega dela Tržaško-komenske planote. Kredne in paleogenske karbonatne kamnine 1: 50 000. Inštitut za geologijo, geotehniko in geofiziko, Ljubljana 1996, S. 12., wurden in deutscher Sprache publiziert und daher setzte sich international der deutsche Name Karst durch.

Der Begriff Karst und all seine in anderen Sprachen ähnlich klingenden Namen stammen vom lateinischen Eigennamen der vorwiegend aus Karbonatgesteinen aufgebauten Gebirgslandschaft östlich von Triest, Carsus mit der rekonstruierten indoeuropäischen Wortwurzel *kar- in der Ursprungsbedeutung „Stein, Fels“ ab (systematisierte Bezeichnung aus dem 19. Jahrhundert: , oder kras, oder крас(т), , mit der regionalen mittellateinischen Bedeutung „Fels(wand)“; aber immer ursprünglich abgeleitet vom jeweils groß geschriebenen Eigennamen des Gebirges bei Triest, dessen Name wohl von indoeuropäisch am ehesten*kar- „Stein, Fels“ kommt).Andrej Kranjc The Origin and evolution of the term “Karst”. In: sciencedirect.com, abgerufen am 27. Dezember 2017.Eintrag „Karst“ im DWDS, Abschnitt zur Etymologie aus dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen von Wolfgang Pfeifer, abgerufen am 27. März 2022.

Erst im Gefolge des ersten Standardwerks Morphologie der Erdoberfläche (Albrecht Penck, 1884) und insbesondere durch das Wirken des ersten Karstologen Jovan Cvijić, ab 1893 Professor an der Universität Belgrad, etablierte sich die Geomorphologie als eigenständige Wissenschaft. Dabei wurden auch die Lokalbezeichnungen von Karstformen der dinarischen Länder aus dem Slowenischen, Kroatischen und Serbischen für die deutsche und französische Fachsprache verallgemeinert (beispielsweise dolina, polje, ponor, hum). Die Arbeiten von Cvijić mündeten schließlich 1898 in seiner in Wien veröffentlichten Schrift „Das Karstphänomen: Versuch einer morphologischen Monographie“, die als erste zusammenfassende Darstellung von Karsterscheinungen in einer Gesamtbetrachtung gilt.Stjepan Ćorić: Die geologische Erforschung von Bosnien und der Herzegowina und der grundlegende Beitrag der österreichischen Geologen. In: Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt, Band 56/1, S. 117–152, hier S. 125.

Mit der Erforschung tropischer Karstgebiete der Karibik und Südostasiens erweiterte sich das Begriffsspektrum (so um die spanischen Bezeichnungen Mogote und Cenote und den englischen Begriff Cockpit). Die Karstterminologie nutzt damit heute eine Vielzahl von Begriffen unterschiedlicher Sprachen. Durch die historische Entwicklung der Karstforschung weichen einige im Englischen genutzte Begriffe von denen in Mitteleuropa ab.

Entstehung und Merkmale Karbonat und Kohlensäureverwitterung, weitere chemische Verwitterungsvorgänge Karst entsteht in humiden bis semi-ariden Gebieten, die aus harten, durch Kohlensäure korrodierbaren Massengesteinen mit hohen Gehalten an Kalziumkarbonat(CaCO3), wie Kalkstein, aufgebaut sind. Das Ausgangsgestein ist nicht primär porös; vielmehr verhindern primär poröse Karbonate wie Kreide jede tiefe Verkarstung. Umgekehrt kann die Verkarstung in Gebieten, die aus einförmigen mächtigen Massenkalken aufgebaut sind, bis mehrere tausend Meter unter die Erdoberfläche reichen.

Bei Korrosion von Kalziumkarbonat reagiert zunächst in Wasser physikalisch gelöstes Kohlenstoffdioxid mit diesem chemisch zu Kohlensäure:

Jene reagiert mit Kalziumkarbonat zu Kalziumhydrogenkarbonat: Kalziumhydrogenkarbonat kann formal auch ionenfrei als Neutralsalz geschrieben werden; der entsprechende Kristall ist aber chemisch nicht darstellbar.

Beides zusammen ergibt als Bilanzreaktion der Lösung von Kalziumkarbonat:

Der Doppelpfeil steht für die Umkehrbarkeit der Reaktion, denn kalkgesättigte Lösungen können durch Wiederausfällung von Kalziumkarbonat Gesteine wie Travertin oder Tropfstein neu bilden.

Die Mischung zweier mit Kalziumkarbonat gesättigter Lösungen kann weiteres Kalziumkarbonat in Lösung bringen, wenn die Konzentration des Kalziumkarbonats in den Ausgangslösungen verschieden ist (= Mischungskorrosion). Dabei wird umso mehr zusätzliches Kalziumkarbonat gelöst, je höher die Konzentration in der kalkreicheren Ausgangslösungen war („Paradoxon der Mischungskorrosion“). Dieser Effekt erklärt aber nur zum Teil, warum die im Karstgebirge beobachteten großen Lösungshohlräume nicht an der Eintrittsstelle des Wassers, sondern im Innern des Gebirges zu finden sind. Tatsächlich spielt die Mischungskorrosion nur eine untergeordnete Rolle bei der Höhlenbildung im Karst, da die Unterschiede der Sättigungsgrade der verschiedenen Lösungen meist zu gering ist, um viel Gestein lösen zu können.

Stattdessen hat dieses Phänomen mit der Sättigungskurve kohlensäurehaltigen Wassers mit Kalziumkarbonat zu tun. Das Wasser kann zwar bis zu einer Sättigung von rund 80 % schnell Kalziumkarbonat aufnehmen, danach lässt die Lösungsgeschwindigkeit aber stark nach. Bis zu einer vollständigen Sättigung dauert es sehr lange und so bleibt das Wasser auch in tiefen Gebieten des Karstes noch leicht aggressiv und kann Gestein langsam lösen. mini|hochkant=1.5|Drohnenvideo der Karstlandschaft in Kostivere, Estland Eine andere Verwitterungsreaktion, die bei Verkarstung eine Rolle spielen kann, ist die Chelat-Komplexierung von Metallionen durch im Boden vorfindliche organische Säuren, etwa Huminsäuren. Der Prozess wird als chemisch-biotische Verwitterung bezeichnet.

Verkarstung mini|hochkant=1.5|Jurazeitliche Viñales-Formation eines tropischen Karstkegels (Mogote) im Valle de Viñales auf Kuba Da Karstgestein durch Kohlensäure gelöst wird (= Kohlensäureverwitterung) und Niederschlagswasser durch dabei entstehende Kanäle unterirdisch abfließt, entspringen im Karst kaum Flüsse. Dafür fließen durch alle Karstregionen andernorts (d. h. im Nicht-Karst) entsprungene Flüsse; fachsprachlich: Flüsse in Karstregionen sind allochthon, nicht autochthon. Besonders in den feuchten Tropen tragen Flüsse stark zur Formung dortiger Karstregionen bei. Karstformen sind daher nicht nur als größere oder kleinere geschlossene Formen zu finden, sondern insbesondere in den Tropen auch als Mischformen mit den offenen Erosionsformen flussdurchzogener Reliefe. Der Karst ist also nicht grundsätzlich ein außerpolarer Gegenpol zu flussfeuchten Regionen, auch wenn dies oft behauptet wird.

Wenngleich Karsterscheinungen im Mikro- wie auch im Makrobereich ausnahmslos Folgen chemischer Vorgänge sind, ist doch die Reliefbildung von Karst-Großlandschaften auch anderen Prozessen unterworfen, die von hydrogeographischen und klimatischen Bedingungen und tektonischen Voraussetzungen abhängen. Beispielsweise wird vergletscherter Karst in Hochgebirgen als Glaziokarst bezeichnet, dortige Gletscher selbst als Karstgletscher, und an Karstgletscher gebundene physikalische Vorgänge bedingen ein besonderes Relief des Glaziokarstes unter ihnen.

Klimatisch-geologische Vorbedingungen Prinzipielle Voraussetzungen der Entwicklung eines Karstreliefs sind für Kohlensäureverwitterung anfälliges Gestein sowie die Verfügbarkeit flüssigen Wassers (somit eine passende Temperatur), damit die gegebene Klimazone und Höhenstufe. Karst entsteht typischerweise auf anstehendem Kalkstein in subhumiden bis humiden Klimazonen, von den Tropen bis zu kühlgemäßigten Breiten, von der Küste bis in subnivaleDie subnivale Höhenstufe ist nach Wortbedeutung die direkt unterhalb der nivalen befindliche; in letzterer fällt Niederschlag ganzjährig als Schnee (vgl. Nivalität). Im Wikipedia-Artikel Höhenstufe (Ökologie) wird die subnivale Höhenstufe als die Obergrenze einer Vegetation mit Gefäßpflanzen definiert. Höhenlagen der Hochgebirge.