mini|Missionshaus mini|Flagge zum 125-jährigen Jubiläum Die Liebenzeller Mission (LM) ist eine evangelische Missionsgesellschaft mit Sitz in Bad Liebenzell und arbeitet als freies Werk weltweit in überkonfessioneller Partnerschaft. Sie ist Mitglied im Diakonischen Werk und ist mit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg verbunden. Der erste Namensteil steht für den Sitz der Organisation und Mission steht für den Zweck der Organisation: Menschen in verschiedenen Ländern weltweit werden zum Glauben an Jesus Christus eingeladen. Ferner wird Lebenshilfe unabhängig von sozialer, religiöser, politischer und nationaler Herkunft angeboten.

Die LM hat rechtlich selbständige Zweige in Deutschland, USA, Japan, Kanada, Schweiz, Österreich und Ungarn. Diese Zweige haben sich zur Liebenzeller Mission International (LMI) zusammengeschlossen.

Missionsleiter ist seit September 2023 David Jarsetz, nachdem Johannes Luithle zum Ende August 2023 sein Amt als Direktor abgab.Liebenzeller Mission: Wechsel in der Leitung, idea.de, Meldung vom 10. Oktober 2022.

Geschichte Gründungsgeschichte Die Liebenzeller Mission ist aus der China-Inland-Mission entstanden. Am 13. November 1899 wurde der deutsche Zweig auf Initiative von Hudson Taylor durch Heinrich Coerper gegründet. Im Jahre 1902 zog die Mission von Hamburg in die Kleinstadt Liebenzell, die erst 1926 den Namenszusatz „Bad“ erhielt. Seit 1904 strebte der deutsche Zweig an, sich von der englischen Organisation unabhängig zu machen. Dies geschah am 6. Juli 1906, als die Missionsgesellschaft selbständig und in „Liebenzeller Mission“ umbenannt wurde. Seit 1937 steht auf dem Gelände im Haus Elim eine „dauernde Missionsschau zur Besichtigung zur Verfügung, um die einzelnen Arbeitsgebiete der Liebenzeller Mission anschaulich vor das Auge der Missionsfreunde führen zu können“.Magazin der Liebenzeller Mission: Chinas Millionen, Juni/Juli 1937, S. 83. Dieses Missionsmuseum ist inzwischen für alle Besucher zugänglich.

Bereits im Gründungsjahr 1899 reiste Heinrich Witt als erster Missionar nach China aus. Durch die China-Inland-Mission wurde die chinesische Provinz Hunan als Arbeitsgebiet zugeteilt, wo eine Arbeit unter Blinden begonnen und Krankenhäuser, Schulen und Waisenheime gegründet wurden. Bis zu 80 Missionare mit 202 chinesischen Mitarbeitern waren an 21 Haupt- und 172 Außenstationen tätig. Nach der Machtübernahme der Kommunisten in China mussten alle Missionare das Land verlassen. 1953 kehrten die letzten nach Deutschland zurück.Karl Kalmbach: Mit Gott von Mensch zu Mensch. Aus der Geschichte der Liebenzeller Mission, 1999, S. 69ff.

Die Liebenzeller Mission in der Zeit des Nationalsozialismus Wie viele andere pietistische Personen und Werke war auch die Liebenzeller Mission mehrheitlich nationalkonservativ und kaisertreu eingestellt. Denn Liberalismus, Sozialismus und die Weimarer Republik waren in diesen Kreisen negativ besetzt. Ein latenter Antisemitismus gehörte schon früher zu dieser Sichtweise, die zusätzlich theologisch durch den Fluch des Messiasmordes leicht begründet werden konnte. Die Missionsleitung unter Ernst Buddeberg ordnete 1936 an, dass jüdische Personen wie Ärzte zu meiden seien. Adolf Hitler und die nationalsozialistische Bewegung und Herrschaft wurden oft positiv gesehen und teilweise aktiv unterstützt. Etwa die Hälfte der deutschen Missionare in China waren sogar Parteimitglieder, es gab aber auch einige entschiedene Nazigegner. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 zeigte nur einer der Missionsleitung, Adolf Sauter, öffentlich Reue. Ansonsten setzte ein jahrzehntelanges Verdrängen und Schweigen über die beschämende, unheilvolle Teilkollaboration mit dem nationalsozialistischen Regime ein.israelnetz.com Johannes Gerloff: Die Liebenzeller Mission und der Nationalsozialismus, Israelnetz 11. Dezember 2015 Andreas Steidel: Entsetzt über Antisemitismus, Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg 2015Elmar Spohn: Zwischen Anpassung, Affinität und Resistenz. Die Glaubens- und Gemeinschaftsmissionen in der Zeit des Nationalsozialismus. In: Beiträge zur Missionswissenschaft und interkulturellen Theologie, Band 34. LIT Verlag, Münster 2016, ISBN 978-3-643-13213-0, S. 154–177: Ernst Buddeberg, Liebenzeller Missionsleiter 1934–1953

Im Rahmen ihres Pfingstmissionsfestes im Mai 2015 veröffentlichte die Organisation unter der Leitung von Detlef Krause ihre Geschichte zur Zeit des Nationalsozialismus.Helmuth Egelkraut: Die Liebenzeller Mission und der Nationalsozialismus. Eine Studie zu ausgewählten Bereichen, Personen und Positionen. Mit einer Stellungnahme des Komitees der Liebenzeller Mission. Lit Verlag, Münster 2015. Die Leitung der LM hatte den Historiker Helmuth Egelkraut gebeten, über diese Zeit zu recherchieren. Egelkraut zufolge herrschte damals eine antijudaistische Stimmung und die Machtübernahme Hitlers wurde begrüßt. Der damalige Missionsdirektor Ernst Buddeberg „vertrat einen Antisemitismus, der sich in nichts von der Judenfeindschaft seiner Umwelt unterschied“.Gerhard Gronauer: Rezension zu Helmuth Egelkraut, „Die Liebenzeller Mission und der Nationalsozialismus“ (2015), in: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte, Jg. 84 (2015), S. 288–291, hier 290. Die heutige Leitung drückte ihre Betroffenheit über die Verstrickung des Missionswerks mit dem Nationalsozialismus aus. Mit einem öffentlichen Bußakt bekannte sich die LM zu diesem dunklen Kapitel ihrer Geschichte und bat um Vergebung.Schuld thematisiert, schwarzwaelder-bote.de, Meldung vom 26. Mai 2015.

Arbeitsgebiete Im Gegensatz zu OMF International (ehemals Überseeische Missions-Gemeinschaft bzw. China-Inland-Mission) hat sich die Liebenzeller Mission nicht auf Asien beschränkt. Sie arbeitet mit rund 250 Missionaren in 26 Ländern (u. a. Papua-Neuguinea, Mikronesien, Burundi, Sambia, Japan, Spanien, Frankreich, Russland) und ist damit eine der größten deutschen Missionsgesellschaften.Liebenzeller Mission mit 307 Mitarbeitern auf Platz 3 der größten protestantischen Missionswerken in Deutschland nach Zahl der Mitarbeiter, in: IdeaSpektrum, Ausgabe 11.2015, S. 13. Die Zusammenarbeit erstreckt sich überkonfessionell auf über 75 Kirchen und Organisationen, sowie der regelmäßigen finanziellen Unterstützung von über 200 einheimischen Mitarbeitern. In Deutschland engagiert sich die LM mit Missionaren in Mecklenburg-Vorpommern (Neubrandenburg und Rostock) sowie in Berlin. Die LM engagiert sich in der Jugendarbeit in Zusammenarbeit mit dem Jugendverband Entschieden für Christus (EC), sie arbeitet überkonfessionell. Die meisten Missionare sind in den Bereichen Evangelisation und Gemeindegründung tätig. Das geschieht in Zusammenarbeit mit einheimischen christlichen Gemeinden und Partnermissionen.

Arbeitsbereiche der Liebenzeller Mission sind:

Missionsarbeit im Ausland Über zwei Drittel der Finanzmittel der LM fließen in ihr Engagement im Ausland. Schwerpunkte der Arbeit sind: Gründung von christlichen Gemeinden Unterstützung einheimischer Kirchen Theologische Fortbildung Medizinische Arbeit Soziale Projekte Katastrophenhilfe

Kurzzeiteinsätze Die LM bietet folgende Programme für Kurzzeiteinsätze in ihren Missionsländern:, impact-teams.de, abgerufen am 6. Juni 2014. impact-mission: für eine Einsatzdauer zwischen 3 und 11 Monaten als Gemeindehelfer in Missionsprojekten, in Kinder- und Jugendarbeit und als Lernhelfer in Familien, teilweise als Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD).Drei Jahre nach der Dreifachkatastrophe, erf.de, Meldung vom 11. März 2014. impact-move: kombiniertes Angebot aus Jüngerschaftsprogramm und weltweitem Teameinsatz. Dauer: 9 Monate. impact-serve: Angebot zu Bundesfreiwilligendienst oder Freiwilligem Sozialen Jahr in der Zentrale in Bad Liebenzell oder bei den Christlichen Gästehäusern Monbachtal.

Arbeit in Deutschland Kinderzentrale (KidZ) Es werden christliche Veranstaltungen für Kinder in Gemeinden und an Schulen durchgeführt. Zusätzlich stehen Fortbildungen für Mitarbeiter in der Jugendarbeit im Angebot. Die KidZ betreibt ein Internetangebot für Kinder „Mäxis Welt“. Seelsorge Eine Seelsorgezentrale bietet persönliche Beratung sowie Schulungen und Vorträge an. Die Seelsorge-Beratungsstelle (ISBB) ist seit 1. Januar 2011 ein Arbeitszweig des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes., lgv.org, abgerufen am 18. April 2015. Evangelisation Evangelisten stehen für evangelistische Einsätze, Vorträge, Beratung für Gemeinden zur Verfügung. Interkulturelle Teams Deutschland Die Teammitarbeiter engagieren sich für ausländische Studenten und Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland.Blickpunkt Mission. (PDF; 1514 kB) In Kooperation mit der Hoffnungsträger-Stiftung Leonberg gibt es seit 2018 in Bad Liebenzell zwei „Hoffnungshäuser“, ein Integrationsmodell, wo Studenten der IHL mit Flüchtlingen aus Afrika und dem Nahen Osten zusammenleben., auf www.ead.de, Artikel vom 29. Januar 2018. Gemeindegründung In Kooperation mit lokalen Partnern werden durch die Initiierung von Gemeinden neue christliche „Orte der Hoffnung“ geschaffen. Jährlich finden Veranstaltungen für junge Leute statt: Kindermissionsfest – seit 1933 (5500)Kindermissionsfeste: Gott hält seine Versprechen, idea.de, Meldung vom 30. Mai 2017. Teenager-Missions-Treffen – seit 19742024: 50 Jahre TMT, liebenzell.org. (2000) Youth Prayer Congress – seit 2000 (1200) eXchange – seit 2009 (800) mini|Zentrale in Bad Liebenzell Weitere Veranstaltungen: Pfingstmissionsfest Herbstmissionsfest

Medienarbeit Verlag Der 1906 gegründete Verlag der Liebenzeller Mission100 Jahre Literaturverbreitung. In: (PDF) veröffentlichte unter anderem Werke seiner Mitarbeiter, wurde 1991 an den damaligen Johannis-Verlag in Lahr/Schwarzwald verkauft und dort unter dem eigenständigen Label Edition VLM weitergeführt.

Zeitschriften Mission weltweit, quartalsweise Erscheinung, , frühere Titel:Gott sei Dank für 125 Jahre „Mission weltweit“. In: Mission weltweit, Jg. 2026, Heft 1, S. 29. 1900–1940: Chinas Millionen 1946–1969: Mitteilungen der Liebenzeller Mission 1970–1985: Die Inseln rufen 1986–1995: Die Völker rufen GO! – das Missionsmagazin für Kids, Erscheinungsweise: zweimonatlich,

Buchhandlung Seit 1906 ist am Standort Bad Liebenzell mit der Buchhandlung der Liebenzeller Mission eine der größten christlichen Buchhandlungen Deutschlands vertreten. 2009 wurde sie von der Stiftung Christliche Medien übernommen und als SCM Shop weitergeführt. Im Februar 2024 wurde sie Teil der Alpha BuchhandlungChristliche Buchhandelskette: ALPHA übernimmt SCM Shop Buchhandlungen, boersenblatt.net, Meldung vom 24. Januar 2024. und ist seit September 2025 Filiale von Francke-Buch.

Fernsehproduktionen Das Fernseh-Magazin „Weltweit am Leben dran“Liebenzeller Mission: Fernseh-Magazin im Medien-Portal wird wöchentlich über Bibel TV gesendet.

Video-Podcast Seit April 2020 wird ein Podcast „Grow together“ angeboten, ein evangelistisches Projekt von, mit und für Frauen, initiiert von Judith Ebert, Larissa Meister, Luisa Rösch und Juliana König, die von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem Glauben berichten. In jedem Clip kommt zudem eine Missionarin zu Wort. Am Schluss gibt es jeweils einen Aufruf an die Zuschauer, selbst aktiv zu werden.Neuer christlicher Video-Podcast will Frauen ermutigen, idea.de, Artikel vom 27. April 2020.

Ausbildung Das Anliegen der Liebenzeller Mission ist es, eine theologisch qualifizierte Ausbildung zu ermöglichen, die Menschen zu missionarischem Engagement motiviert, sie sprach- und beziehungsfähig macht. Ein wichtiger Bestandteil ist deshalb ein Mentoringprogramm, das Studierenden im Bereich der Charakterbildung und geistlichen Formation hilft.

Theologisches Seminar (ThSLM)