zentriert|rahmenlos|hochkant=1Nachbildung der Jupitergigantensäule in Walheim Fundort Walheim Entstehung 2./3. Jahrhundert Ausgrabung 1967 Verwahrort Limesmuseum AalenSäule außer Gigantenreiter. Römisches LapidariumStuttgartGigantenreiter. Material StubensandsteinFiltzinger 1974, Seite 465. GesamthöheGesamthöhe (wohl ohne Gigantenreiter) nach Bauchhenß 1981, Seite 237: 536 cm, Gesamthöhe (einschließlich Gigantenreiter) nach Schaab 2001: etwa 6 Meter. – Übrige Maße: Filtzinger 1974, Seite 465–474. etwa 6 Meter KapitellHöhe × mittlerer Durchmesser. 51 × 68 cm SäulenschaftHöhe einschließlich Basis × Breite über der Basis / Breite unter dem Kapitell. 260,5 × 41 / 36 cm ZwischensockelHöhe × Durchmesser. 78 × 50 cm ViergöttersteinHöhe × Breite. 99 × 52–54 cm

Die Jupitergigantensäule von Walheim ist ein Weihedenkmal für Jupiter, das im 2./3. Jahrhundert in der Nähe des ehemaligen römischen Kohortenkastells in Walheim errichtet wurde. Bei einer Ausgrabung wurden 1967 die bis auf den Gigantenreiter fast vollzählig erhaltenen Überreste der Säule geborgen, später auch der Gigantenreiter.

Die Überreste werden im Limesmuseum Aalen und im Römischen Lapidarium Stuttgart verwahrt. Nachbildungen der Säule wurden in Aalen, Benningen am Neckar, Bexbach, Hechingen, Köngen, Pforzheim und Walheim aufgestellt.

Titelbild: Nachbildung der Jupitergigantensäule von Walheim vor dem Museum Römerhaus Walheim(→  Bildkommentar).

Beschreibung Gerhard Bauchhenß führt in seiner Monographie der obergermanischen Jupitergigantensäulen den „in Obergermanien und Gallien so weitverbreiteten Brauch der Jupitergigantensäulen“ auf zwei Wurzeln zurück:Bauchhenß 1981, Seite 41.

„Die einheimische, weitgehend keltische Bevölkerung brachte die Vorstellung eines in Baumform zu verehrenden Gottes mit.“

„Die Große Mainzer Jupitersäule, die ganz in römischer Tradition steht, gab den Anstoß für eine Übersetzung des Baumkultes in Steindenkmäler.“

Die etwa sechs Meter hohe Jupitergigantensäule aus Walheim folgt dieser Tradition. Die Säule aus Stubensandstein besteht aus einem quaderförmigen Viergötterstein, über dem sich ein runder Zwischensockel und der Säulenschaft mit dem Kapitell und der Gigantenreiterskulptur erheben.

Viergötterstein Der 99 cm hohe Viergötterstein ruhte auf einer teilweise erhaltenen Fundamentplatte. Er hat einen quadratischen Grundriss und schließt mit einer profilierten Basis- und Deckplatte ab. An den Seiten trägt der Viergötterstein vier Reliefs in rechteckigen, gerahmten Nischen mit Doppelbögen.Filtzinger 1974, Seite 465.

Nummer Position Götter Darstellung 1 vorn Juno, Göttermutter Bekleidete Frau mit Zepter, die auf einem Altärchen opfert. 2 rechts Minerva, Göttin der Weisheit Bekleidete Frau mit Helm, Lanze, Schild und Eule. 3 hinten Herkules, Halbgott Bärtiger Mann mit Keule, Löwenfell und Hesperidenäpfeln. 4 links Merkur, Gott des Handels Mann mit gelocktem Haar, Flügelhut, Schlangenstab und Geldbeutel, flankiert von Bock und Hahn.

Zwischensockel Der 78 cm hohe, runde Zwischensockel schließt mit einer profilierten Basis- und Deckplatte ab. In den Zwischensockel sind acht Nischen mit Götterreliefs eingelassen. Die Nischen werden von Säulen mit Würfelkapitellen flankiert und schließen mit einfachen oder Doppelbögen und einem Dreiecksgiebel ab. Die Tabelle gibt die Reliefs in rechtsläufiger Folge.Filtzinger 1974, Seite 465–469; Bauchhenß 1981, Seite 238. – Listung der Reliefs bei Filtzinger linksläufig, bei Bauchhenß rechtsläufig.

Nummer Gott Darstellung 1 Viktoria, Siegesgöttin Geflügelte weibliche Figur mit nacktem Oberkörper. Schreibt mit der rechten Hand auf einen ovalen Schild. 2 Fortuna, GlücksgöttinNach Bauchhenß: Juno. Bekleidete weibliche Figur mit Füllhorn und Steuerruder. 3 Jupiter, Göttervater Thronender Mann mit Bart, gelocktem Haar und entblößtem Oberkörper. Mit Blitzbündel in der linken Hand. 4 Apollo, Gott der KünsteNach Bauchhenß: Merkur. Gelockter Mann mit Leier. 5 Juno, GöttermutterNach Bauchhenß: Fortuna (?) oder Maia (?). Bekleidete weibliche Figur mit zylindrischer Büchse (Pyxis). 6 Vulkan, Gott der Schmiede Mann mit Bart, gelocktem Haar, Filzmütze (Pilos) und Arbeitsrock (Exomis) stützt sich mit dem Hammer auf einen Amboss. 7 Vesta (?), Göttin von Heim und Herdoder Venus (?), Göttin der LiebeNach Bauchhenß: Venus (?). Bekleidete weibliche Figur mit Schleier und angewinkelten Armen. 8 Mars, Kriegsgott Mann mit Helm, Panzer, Lanze und Schild.

Säulenschaft Der Säulenschaft ist einschließlich Basis und Kapitell über drei Meter hoch und hat einen Durchmesser von 41 cm über der Basis und von 36 cm unter dem Kapitell. Die attische Säulenbasis besteht aus einer Platte (Plinthe) und zwei kräftigen, von einer Kehle getrennten Wulsten. Der Schaft besteht aus zwei Trommeln, schwillt in der Mitte leicht an und verjüngt sich nach oben. Im unteren Teil trägt er einen Dekor aus hängenden Schuppen, die nach oben von einem umlaufenden, fischgrätenartigen Doppelblattfries begrenzt werden. Der obere Teil des Schafts ist mit Motiven aus dem Weinbau verziert. Aus palmettenartigen Büschen wachsen drei starke, mit übergroßen Trauben behangene Weinstöcke. In den vielfach verästelten Weinranken pflücken Menschen, Eroten und Vögel die Beeren, dazwischen treiben räuberische Schlangen und Füchse (?) ihr Wesen.Filtzinger 1974, Seite 469–474; Bauchhenß 1981, Seite 238.

Kapitell Das 51 cm hohe und in der Mitte 68 cm breite Kapitell korinthischer Ordnung wird an der Basis von einem Kranz aus Akanthusblättern umschlossen. Die Seitenflächen tragen zwischen den abgebrochenen Eckvoluten von Blattwerk umgebene Kopfreliefs. Die beiden erhaltenen Reliefs zeigen einen bärtigen langhaarigen Mann und eine Frau mit langen Haaren. Das Kapitell wird von einer eingezogenen Deckplatte (Abakus) bekrönt.Filtzinger 1974, Seite 474, 476–477; Bauchhenß 1981, Seite 238.

Gigantenreiter Die Figur des Gigantenreiters stellt eine Allegorie der Gigantomachie dar, des Kampfes der Giganten gegen Jupiter und die olympischen Götter, in dem Jupiter den Sieg davontrug.

Der stark beschädigte Gigantenreiter wurde nach der ursprünglichen Ausgrabung in späterer Zeit aufgefunden. Erhalten sind: Jupiter ohne Kopf, mit teilweise abgebrochenen Gliedmaßen und Mantelansatz, das Pferd mit Rumpf und Kopf, aber ohne Beine, und der Gigant. Wegen der starken Beschädigung des Walheimer Gigantenreiters wurde der Gigantenreiter der Jupitergigantensäule von Hausen an der Zaber als Vorlage zur Rekonstruktion verwendet.

Der Gewittergott Jupiter sprengt auf seinem Pferd mit nacktem Oberkörper und im Wind bauschendem Mantel dahin, die Zügel in der Linken und in der Rechten ein Blitzbündel. Das Pferd bäumt sich im Galopp über einem nackten Giganten, der auf Händen und Schlangenfüßen am Boden vorwärtsrobbt.

Geschichte Entstehung Die Jupitergigantensäule von Walheim wurde im 2/3. Jahrhundert als Weihedenkmal für Jupiter errichtet, den höchsten Gott der Römer. Walheim gehörte zur römischen Provinz Obergermanien (Germania superior), in deren Gebiet bisher Überreste von über hundert Jupitergigantensäulen gefunden wurden.Bauchhenß 1981, Seite 3. Der Fundort befand sich in der Nähe des ehemaligen römischen Kohortenkastells in Walheim.

Ausgrabung Bei Bauarbeiten wurden 1967 die bis auf den Gigantenreiter fast vollzählig erhaltenen, wenn auch teilweise stark beschädigten Überreste der Säule geborgen.Filtzinger 1974, Seite 437–443, 474–480. Der stark beschädigte Gigantenreiter wurde später aufgefunden. Erhalten sind: Jupiter ohne Kopf, mit Mantelansatz und teilweise abgebrochenen Gliedmaßen, das Pferd mit Rumpf und Kopf, aber ohne Beine, und der Gigant. Die Fundstücke sind im Besitz des Landesmuseums Stuttgart. Der Torso des Gigantenreiters kann im Römischen Lapidarium in Stuttgart besichtigt werden. An mehreren #Standorten wurden Nachbildungen der Jupitergigantensäule aufgestellt.

Standorte Die Skulpturenfunde der Jupitergigantensäule von Walheim werden im Römischen Lapidarium Stuttgart verwahrt. Nach den Originalfunden wurde die Jupitergigantensäule in Originalgröße rekonstruiert und in Walheim aufgestellt. Weitere Nachbildungen befinden sich in Aalen, Benningen am Neckar, Bexbach, Hechingen, Köngen und Pforzheim.

Ort Standort Beschreibung Karte Aalen Westlich vom Limesmuseum Aalen, auf der Schillerhöhe hinter der Stadthalle Aalen, Berliner Platz 1. In der alten Römerstadt Aalen, die ehemals direkt am Obergermanisch-Rätischen Limes lag, ist westlich des Limesmuseums auf der Schillerhöhe hinter der Stadthalle eine Nachbildung der Jupitergigantensäule von Walheim aufgestellt, die vorher im Limesmuseum zu sehen war. Nach der temporären Schließung des Limesmuseums 2016 aufgrund einer grundlegenden Sanierung wurde sie zur Wiedereröffnung im Jahre 2019 nicht wieder in die grundlegend neu konzipierte Dauerausstellung aufgenommen. Benningen am Neckar, Bauchhenß 1981, Seite 102–103. Westlich vom Rathaus, Studionstraße 10. rahmenlos|hochkant=1|rechts

Zur Römerzeit lag Benningen an einem Kastell des Neckar-Odenwald-Limes. Beim Rathausneubau wurden 1971 Fragmente einer über zehn Meter hohen Jupitergigantensäule gefunden, deren Gigantenreiter in einem doppelspännigen Streitwagen (Biga) über den Giganten hinweg galoppiert. Das Foto zeigt als Anschauungsbeispiel für den Benninger Gigantenreiter die Nachbildung des Gigantenreiters von Löchgau-Weißenhof im Römerpark in Köngen.

Die von den Alamannen zerstörte Säule war wohl die höchste ihrer Art nördlich der Alpen. Auf Grund vieler fehlender Teile konnte die Säule nicht rekonstruiert werden. Zur Erinnerung ließ die Gemeinde 1981 eine Nachbildung der Jupitergigantensäule von Walheim beim Rathaus aufstellen. Bexbach Bexbacher Blumengarten, Niederbexbacher Straße 62. Auf dem Höcherberg bei Bexbach im Saarland wurde im 16. Jahrhundert ein Viergötterstein gefunden, der sich heute im Historischen Museum der Pfalz in Speyer befindet. An diesen Fund erinnert eine Nachbildung der Jupitergigantensäule von Walheim, die im Bexbacher Blumengarten aufgestellt wurde. GüglingenDe Gennaro 2013. Deutscher Hof 10, vor dem Restaurant Cisterna di Vino.