Die Familie Schihab (auch Schehab; ; ; Plural: , ALA-LC: Shihābiyūn) ist eine alte und einflussreiche Familie im Libanon mit Verbindungen in alle Welt. Vor allem die Emire des 16.–18. Jahrhunderts waren bedeutende Herrscher im Osmanischen Reich in der Region rund um das Libanongebirge.

mini|250px|Die „Burg Schihab“ in Hasbaya im Wadi al-Taim aus dem 12. Jahrhundert

Familie Die Schihab waren die Fürsten des Wadi al-Taim, die ihren Stammbaum auf die Machzūm, einen Clan der Koreischiten, zurückführten. Die Familie erwarb durch Erbschaft die Herrschaft über das Emirat Libanonberg. Sie beerbten 1697 die Familie Maʿan, mit der sie durch Heirat verbunden waren. Der Stammesverband der Qaisi mit den Feudalherren der Drusen entschied diesen Wechsel, der formal von den osmanischen Behörden abgesegnet wurde. Dadurch erhielt die Familie das Privileg der Steuerpacht im Gebiet des Libanonberg. Unter Emir Haidar Schihab festigten die Qaisi und die Dynastie Schihab ihre Macht im Libanonberg und unterwarfen die rivalisierenden Yamani-Drusen 1711 in der Schlacht von Ain Dara. Ihr Sieg verursachte eine Massenauswanderung drusischer Kleinpächter. Nach und nach wurden diese durch maronitische und melkitische Christen ersetzt. In der Zeit des Emir Yusuf Schihab begannen dann Familienmitglieder der Schihab vom sunnitischen Islam zur Maronitischen Kirche überzutreten, darunter auch der Emir selbst.

Yusufs Nachfolger, Emir Baschir Schihab II., agierte sowohl gegen Rivalen vor Ort, als auch gegen den mächtigen Gouverneur des Sidon-Eyâlets in Akkon. Im Zuge dieser Konflikte zerbrach die Feudalmacht der drusischen Herren und der maronitische Klerus entwickelte sich zu einer zweiten Machtsäule des Emirats. Baschir verbündete sich mit Mohamed Ali, dem damaligen Herrscher des Eyâlets Ägypten, als dieser das osmanische Syrien besetzte. Er wurde jedoch abgesetzt, als die Ägypter 1840 von der osmanisch-europäischen Allianz vertrieben wurden, die sich zusätzlich auf maronitische Kräfte stützen konnten. Sein Nachfolger, Emir Baschir III., regierte für zwei Jahre, danach wurde das Emirat aufgelöst und durch ein doppeltes Qaimaqamate ersetzt. Dadurch wurde der Libanon in drusische und christliche Sektoren aufgeteilt. Die Schihab-Familie verlor stark an Einfluss.

Dennoch erreichen Familienmitglieder der muslimisch-christlich-gemischten Familie bis heute hohe Ämter im Libanon, zum Beispiel Präsident Fuad Schihab und Premierminister Chalid Schihab.

Geschichte Ursprünge mini|Flagge des Emirats der Schihab

Die Banu Schihab waren ursprünglich ein arabischer Stamm aus dem Hedschas.Philipp K. Hitti: The Origins of the Druze People: With Extracts from their Sacred Writings. AMS Press 1928: 7. Der Historiker Mikhail Mishaqa schrieb im 19. Jahrhundert, die Banu Schihab seien Abkömmlinge des Clans Banu Machzum vom Stamm der Quraisch, von Chālid ibn al-Walīd. Der Familiengründer sei ein Soldat der Raschidun-Armee mit Namen Amir Harith, der 635 am Damaszener Tor „Bab Scharqi“ in der Schlacht um die Eroberung von Damaskus fiel.Mishaqa, ed. Thackston 1988: 23. Irgendwann nach der Islamischen Eroberung der Levante Mitte des 7. Jahrhunderts siedelte sich der Stamm im Hauran südlich von Damaskus an.Abu Izzeddin 1998: 201. 1172 während der Herrschaft des Ejubiden-Sultans Saladin zogen die Banu Schihab nach Westen in die Ebene des Wadi al-Taim, am Fuße des Berges Hermon (Dschabal asch-Scheich).

Verbindung mit den Maʿan Bald darauf gingen die Schihab eine Allianz mit den Banu Maʿan ein, einem Drusen-Clan aus der Region Schuf im heutigen Gouvernement Libanonberg. Sowohl die Schihab als auch die Maʿan gehörten zur stammespolitischen Fraktion der Qais (قيس عيلان – in Bezug auf den alten Konflikt zwischen Qais und Yaman).Yaman = Qahtani (قَحْطَانِي), Harris 2012: 113. Als die Maʿan-Dynastie an Einfluss gewann und im 16. Jahrhundert den Rang von Steuereinnehmern und Emiren im Libanonberg erwarb, blieben die Schihab ihre engsten Verbündeten in Konflikten mit anderen Drusen-Clans.Harris 2012: 109. 1629 heiratete Husain Schihab aus Rascheiya die Tochter des Emirs Mulhim Maʿan.Shereen Khairallah: The Sisters of Men: Lebanese Women in History. Institute for Women Studies in the Arab World. 1996: 111 1650 besiegten die Maʿan und Schihab gemeinsam eine Söldner-Armee des drusischen Scheichs Ali Alam ad-Din (Alis Truppen waren von der osmanischen Regierung in Damaskus entliehen, die gegen Fachr ad-Din Maʿan vorgehen wollte).

1660 gründeten die Osmanen das Eyalet Sidon, in dem Libanonberg und Wadi al-Taim enthalten waren, und unter dem Befehl des Großwesirs Köprülü Mehmed Pascha führten sie eine Offensive gegen die Schihab des Wadi al-Taim und die Hamadé, einen schiitischen Clan im Distrikt Keserwan. Als die osmanischen Truppen in das Wadi al-Taim eindrangen, flohen die Schihab in die Region um Keserwan im Norden des Libanonberg und beanspruchten Schutz durch den Clan der Hamade.Harris 2012: 109–110. Köprülü Mehmed Pascha erließ Befehl an Emir Ahmad Maʿan, die Schihab-Emire auszuliefern, aber Emir Ahmad wies den Befehl zurück und floh stattdessen nach Keserwan, wodurch er das Recht der Steuerpacht im Libanonberg verlor.Harris 2012: 110. Die Landbevölkerung der schutzlos zurückgelassenen Regionen litt schwer unter den osmanischen Truppen, die Jagd auf die Führer der Schihab und Maʿan machten. Die Schihab flohen daraufhin noch weiter nach Norden bis hinein nach Syrien und suchten Schutz in den Harim-Bergen (Dschebel Aʿla, جبال حارم) südlich von Aleppo bis 1663. Vier Jahre später besiegten die Maʿan und deren Koalition der Qaisi die Koalition der Yamani (unter der Führung der Alam ad-Din-Familie) bei der Hafenstadt Beirut. Dadurch konnte Emir Ahmad Maʿan die Kontrolle über die Steuerpacht im Libanonberg zurückerlangen, und die Schihab befestigten ihre Allianz mit den Maʿan, als Musa Schihab 1674 die Tochter von Emir Ahmad Maʿan heiratete. 1680 vermittelte Emir Ahmad in einem Konflikt zwischen den Schihab und dem schiitischen Harfusch-Clan (آل حرفوش) aus der Bekaa-Ebene, nachdem die Harfusch 1680 Faris Schihab getötet hatten (Faris hatte kurz zuvor die Harfusch aus Baalbek vertrieben), woraufhin die Schihab zu den Waffen gegriffen hatten.Harris 2012: 111.

1693 starteten die osmanischen Befehlshaber eine große Militärexpedition mit 18.500 Soldaten gegen Emir Ahmad, als er sich weigerte, die Hamade-Scheichs zu bestrafen, nachdem diese Bint Dschubail überfallen hatten und dabei vierzig Soldaten und den Garnisonskommandanten Ahmad Qalawun getötet hatten, einen Abkömmling des Mamelucken-Sultans Qalawun. Emir Ahmad floh erneut, und seine Ländereien wurden konfisziert und auf Musa Alam ad-Din übertragen, der auch den Maʿan-Palast in Deir al-Qamar besetzte. Im folgenden Jahr mobilisierten Ahmad und seine Verbündeten ihre Männer aus dem Wadi al-Taim, eroberten den Chouf, und zwangen Musa Alam ad-Din nach Sidon zu fliehen. Emir Ahmad wurde 1695 wieder eingesetzt.

Baschir I.

Als Emir Ahmad Maʿan 1697 ohne männlichen Nachkommen starb, traten die Scheichs der Qaisi im Libanonberg, auch die Dschumblatt (جنبلاط), in Simaqaniya zusammen und entschieden, dass Baschir Schihab I. der Nachfolger von Ahmad im Libanonberg werden sollte. Baschir war durch seine Mutter mit den Maʿan verwandt, die eine Schwester von Ahmad Maʿan war und die Frau von Baschirs Vater, Husain Schihab. Aufgrund des Einflusses von Husain Maʿan, des jüngsten Sohnes von Fachr ad-Din, eines hochrangigen Beamten in der osmanischen Imperialverwaltung, überließen die osmanischen Behörden Baschir nicht die Autorität über Steuerpacht des Libanonberg; Husain Maʿn verzichtete auf seinen Erbanspruch auf das Emirat der Maʿan in Hoffnung auf eine Karriere als osmanischer Botschafter in Indien.Abu Izzeddin 1998: 202. Daher ernannten die osmanischen Behörden nach Husain Maʿans Willen Haidar Schihab, den Sohn von Musa Schihab und Ahmad Maʿans Tochter.Abu Izzeddin 1998: 201–202. Haidars Ernennung wurde vom Gouverneur von Sidon bestätigt,Harris: 114. und auch die Scheichs der Drusen stimmten zu, aber weil Haidar noch nicht volljährig war, erhielt Baschir die Vollmachten eines regierenden Emirs.

Der Wechsel des Emirats von den Maʿan zu den Schihab machte die Clanchefs zu Inhabern großer Steuerpacht-Gebiete, die den Chouf, Gharb, Matn und Keserwan am Berg Libanon umfassten.Harris 2012: 117. Die Steuerpacht war jedoch kein Eigentum des Emirs, sondern musste offiziell jedes Jahr von den osmanischen Machthabern neu gestattet werden, welche oft zu Gunsten von neuen Steuerpächtern, wie anderen Emiren der Schihab, aber auch zu Gunsten von Rivalen aus dem Clan der Alam ad-Din entschieden. Die drusischen Qaisi hatten eine Motivation, Schihabs als Steuerpächter zu ernennen, weil die Schihabs aus dem Wadi al-Taim nicht in die Stammesklüngel des Chouf verwickelt waren, sie militärische Stärke bewiesen und weil sie in ehelicher Verwandtschaft zu den Maʿan standen. Andere Clans, wie die drusischen Dschumblatt und die maronitischen Chazen waren untergeordnete Steuerpächter, so genannte muqataʿdschis, die der osmanischen Regierung durch die Schihab verpflichtet waren. Ein Zweig des Schihab-Clan herrschte weiterhin im Wadi al-Taim, während der Zweig im Libanonberg seinen Sitz in Deir al-Qamar hatte. Die Schihab-Emire waren zudem formell zur militärischen Gefolgschaft der Osmanen verpflichtet und mussten auf Aufforderung hin Truppen ausheben. Die Schihab erlangten dadurch einen Status, der ihnen die oberste soziale, fiskalische, militärische, rechtliche und politische Macht im Libanonberg sicherte.

1698 gewährte Emir Baschir den Scheichs der Hamade Schutz, als diese von den Machthabern verfolgt wurden und vermittelte erfolgreich zwischen den beiden Seiten. Er nahm auch den Rebellen Muschrif ibn Ali al-Saghir gefangen, einen Scheich des schiitischen Waʿil-Clans von Bischara in Dschabal ʿAmil, und lieferte ihn und dessen Partisanen dem Gouverneur von Sidon aus, der Emir Baschirs Unterstützung in der Sache gefordert hatte. Daraufhin wurde Baschir offiziell beauftragt, die „Provinz Sidon sicher zu bewahren“ (safekeeping of Sidon Province), in dem Gebiet zwischen der Region Safed bis Keserwan. An der Jahrhundertwende des 18. Jahrhunderts pflegte der neue Gouverneur von Sidon, Arslan Mehmed Pascha, gute Beziehungen mit Baschir, der in dieser Zeit einen Freund aus dem Clan der Qaisi, Umar al-Zaidani, zum Untersteuerpächter von Safad ernannt hatte. Er sicherte sich auch die Loyalität der schiitischen Clans Munkir und Saʿab für die Seite der Qaisi. Emir Baschir wurde vergiftet und starb 1705. Der maronitische Patriarch und Historiker Istifan al-Duwaihi beschuldigt Emir Haidar, der in dieser Zeit die Mündigkeit erreicht hatte, Schuld an Emir Baschirs Tod zu sein.

Haidar

Emir Haidars Machtergreifung brachte fast unmittelbar Bemühungen auf Seiten des Gouverneurs von Sidon, Baschir Pascha, mit sich, die Macht der Schihab in der Provinz wieder einzuschränken. Baschir Pascha war ein Verwandter von Arlsan Mehmed Pascha. Der Gouverneur ernannte unmittelbar Dhaher al-Omar, den Sohn von Umar al-Zaidani, zum Steuerpächter von Safad, sowie Mitglieder der Clans der Waʿil, Munkir und Saʿab zu Steuerpächtern des Subdistrikts Dschabal ʿAmil. Die letzteren beiden Clans wechselten daraufhin die Seiten und gingen zu den Waʿils und deren Pro-Yamani-Faktion über. Die Situation verschlechterte sich für Emir Haidar, als er 1709 auf Befehl von Baschir Pascha abgesetzt wurde und durch seinen eigenen ehemaligen Stabschef und neuerlichen Feind, den Drusen Mahmoud Abi Harmusch aus dem Chouf ersetzt wurde.Harris 2012: 114–115. Emir Haidar und seine Verbündeten des Qaisi flohen ins Dorf Ghazir in Keserwan, wo ihnen von dem maronitischen Hubaisch-Clan Schutz gewährt wurde, während der Libanonberg von einer Koalition der Yamani überrannt wurde, die vom Clan der Alam ad-Din angeführt wurde.Harris 2012: 115. Emir Haidar floh noch weiter nach Norden bis nach Hermel, als Abi Harmuschs Truppen ihn in Ghazir suchten und das Dorf plünderten.