mini|Das Schloss von Asnières Das Château d’Asnières ist ein Palast in Asnières-sur-Seine im Département Hauts-de-Seine.

Geschichte 17. Jahrhundert Das Schloss von Asnières wurde im 17. Jahrhundert auf dem Gelände eines früheren Gebäudes (plan massé) von Antoine Lemoyne, einem Professor der Sorbonne errichtet und während der Régence im gleichnamigen Stil erbaut. Er war ein Favorit der Comtesse de Parabère, einer Maîtresse des Regenten, die ihn oft dort besuchte.

18. Jahrhundert Das Schloss zusammen mit den direkt angrenzenden Stallungen und Weiden, mit einer Kapazität von bis zu 120 Pferden, diente als „Stützpunkt der Gestüte von Asnières“ (entrepôt général des haras d’Asnières) und war in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine der schönsten Domänen in der Umgebung von Paris.

Es spricht für die künstlerischen Ambitionen von Marc René d’Argenson, Marquis de Voyer, dass er versuchte, dort die bedeutendsten Künstler seiner Zeit zu versammeln: Jacques Hardouin-Mansart de Sagonne als Architekt, Nicolas Pineau für die Ausstattung, Guillaume II Coustou für Skulpturen, die Brunettis und Jean-Baptiste Marie Pierre für die Malerei, Jacques Caffieri für vergoldete Bronzen.

Die Galerie verfügt über eine bedeutende Sammlung flämischer und holländischer Maler der damaligen Zeit, sowie eine Sammlung der besten Ebenholztischlereien. Der Marquis spekulierte nämlich darauf, den Platz des Marquis de Marigny einzunehmen, der damals „Directeur des Bâtiments, Arts et Manufactures du Roi“ (Direktor der Häuser, Künstler und Werkstätten des Königs) war und der Bruder von Madame de Pompadour. Argenson trat auch in Wettstreit mit den prachtvollen Anwesen in der Umgebung, unter anderem den Palästen des Duc de Richelieu in Gennevilliers, des Duc de Choiseul in Clichy, seines Vaters, des Comte d’Argenson in Neuilly-sur-Seine und der Marquise de Pompadour, einer Feindin der Familie, in Bellevue.

Im Januar 1750 wurde das Anwesen vom Marquis d’Amy Pictet erworben, einem Bankier in Paris und Anwalt von Isaac de Thellusson, dem Gesandten der République de Genève und gefeierten Schweizer Bankier. Der Kaufpreis betrug 75.000 Livre, wovon 15.000 Livre für das Mobiliar angesetzt waren. In der Folge wurde das Schloss Schritt für Schritt Teil einer großen Domäne. Bis 1756 wurden die Dorfbewohner gezwungen, Erbpachtverträge abzuschließen und der Marquis zögerte auch nicht, einen Teil der Kirche zu annektieren um eine eigene Kapelle zu haben.

Um 1755 wurde eine Garnitur von acht vergoldeten und geschnitzten Holzrahmensesseln, die vom Pariser Möbeltischler Jean Gourdin (tätig von 1737 bis 1763) gefertigt worden waren, ins Schloss geliefert. Zwei davon gehörten im 20. Jahrhundert Coco Chanel, die sie in ihrer Pariser Wohnung in der Rue Cambon aufstellte. Die Möbel wurden auf der Pariser Biennale in September 2018 erneut zum Verkauf angeboten.

1752 war Voyer zum Direktor des königlichen Gestüts (Haras du Roi) ernannt worden und begann am Rande seines Anwesens Gebäude für die Umstrukturierung des Gestüts zu errichten. In der Nähe der Fähre (bac) von Asnières (an der Stelle der heutigen Brücke) entstand das Hauptlager des Gestüts von Asnières mit einer hervorragenden Reithalle mit steinernen Gewölben. Dort wurden die Pferde dressiert, bevor sie auf die anderen Gestüte im Königreich verteilt wurden. In den Stallungen konnten bis zu 250 Pferde untergebracht werden, so viele wie sonst nur der Prince de Condé in Chantilly halten konnte.

Das Lagerhaus, das von Mansart de Sagonne zwischen 1752 und 1755 erbaut wurde und rechts von der heutigen Brücke von Asnières (Pont d’Asnières) steht, wurde durch eine breite Allee mit dem Schloss verbunden, die auf beiden Seiten mit einer dreifachen Reihe von Bäumen gesäumt war. Der Architekt nutzte damit ein Motiv, welches schon sein entfernter Onkel François Mansart in Maisons-Laffitte angewandt hatte. Auf der Seite des Château erweiterte sich die Allée zu einem Vorplatz, der zum Haupthof führte. Daneben gab es noch einen rückwärtigen Flügel des Schlosses, der Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde. An dessen Rückseite befand sich noch ein Pavillon, welcher das kleine Theater des Châteaus beherbergte. Auch dieser wurde abgerissen. Bei den Arbeiten dazu wurden Gräber aus der Spätantike entdeckt. archives.hauts-de-seine.net. Hinter diesem Flügel in dem Garten, der heute noch sichtbar ist, fand sich ein Innenhof, der sich zum Dorfplatz hin öffnete.

Das Zentrum des Hauptflügels wurde durch einen Avant-Vorps markiert, mit Abschrägungen zum Hof hin und Bögen zum Garten. Der Avant-Propos zum Garten trug noch zusätzlich die Büste des Königs und das Monogramm des Marquis, um auf die Königliche Bestimmung der Domäne als Gestüt hinzuweisen. Einige Höflinge vermuteten auch, dass das Château d’Asnières eine neue königliche Residenz werden sollte, erbaut unter dem Namen des Marquis. Mit seinen zwei Stockwerken und einer Decke „à l’Italienne“ und durchgehenden Geländern weckte das Château durch seinen Z-förmigen Grundriss (plan en Z) Erinnerungen an das Grand Trianon von Jules Hardouin-Mansart, des Großvaters von Mansart de Sagonne.

Das Château war als weltliches Œuvre von Mansart de Sagonne das Gegenstück zur Eglise Saint-Louis von Versailles.

Die Bekanntheit des Schlosses steigerte sich im 18. Jahrhundert durch Aufenthalte des Sammlers und Kupferstechers Claude-Henri Watelet, dann des berühmten Genfer Bankiers Isaac de Thellusson, einem späteren Kunden des Architekten Claude Nicolas Ledoux.

Das Schloss wurde 1769 vom Marquis de Voyer verkauft und ging von Hand zu Hand, bis es 1991 von der Stadt Asnières erworben wurde.

Mitte des 19. Jahrhunderts diente es als Vergnügungsort für das Pariser Bürgertum. Die Abende und anderen Bälle hatten großen Erfolg, so dass sie unter anderem von Offenbach in La Vie parisienne besungen wurden: „Nehmt mich mit zum Ball in Asnières!“ («Qu’on me mène au bal d’Asnières!»).

Am 25. August 1850 war das Schloss Schauplatz einer großen internationalen Feier („Orphéon#La grande fête internationale d’Asnières“), bei der die besten französischen Orchester der damaligen Zeit und belgische Sociétés Chorales zusammenkamen. An diesem Tag applaudierten 25.000 Zuhörer 2.000 Sängern.Monographie universelle de l’Orphéon. S. 67–68 (monographieunive00mar archive.wikiwix.com. Blatt. 67). mini|Gravure datant d’environ 1860 représentant le château d’Asnières. Anschließend wurde das Schloss von religiösen Institutionen übernommen, zuletzt von der Institution Sainte-Agnès, welche die Räumlichkeiten bis 1976 nutzte. Bis zum Beginn der Restaurierung zwanzig Jahre später war dann das Gebäude Vandalismus und allen Wettern ausgesetzt, so dass seine Existenz gefährdet war.

Die Gestüte ihrerseits gingen 1764 in die Verwaltung des Königs über, und blieben bis zur Auflösung der Haras-Verwaltung während der Revolution in Betrieb. Die Gebäude wurden zwischen 1812 Und 1835 schrittweise abgerissen, wie aus den Katasterkarten der Stadt hervorgeht.

Das Schloss ist eine der bedeutendsten Leistungen von Mansart de Sagonne und ein Meisterwerk der Rokokokunst aufgrund der üppigen Innenausstattung. Teile des zentralen Salons sind heute im Schloss Cliveden House in Taplow bei London (England) zu sehen. Asnières war zeigt auch einen Teil des Erstlingswerks des großen neoklassizistischen Architekten Charles De Wailly, der in Paris das Odéon-Theater erbaute: Der Marquis de Voyer betraute 1754 den Architekten mit der Aufgabe, die Modernisierung des Rocaille-Speisesaals zu gestalten. Ausgeführt wurden die Arbeiten durch Pineau. De Wailly fügte Marmorpilaster und ein antikes Gesims hinzu, das mit einem Fries aus Putten auf einem Mosaikhintergrund verziert ist.

Das Château d’Asnières diente Ernest Sanson im 19. Jahrhundert als Vorbild für den Bau des Pariser Herrenhauses des Diamantenhändlers Jules Porgès in der Avenue Montaigne 1892 (Dieses wurde im Laufe der 1970-Jahre zerstört.) und dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die Residenz des amerikanischen Kohlenmagnaten Edward Julius Berwind, The Elms, in Newport.

Der Garten ist als Monument historique klassifiziert durch Dekret vom 9. Juni 1971, während das Schloss seit dem 18. Juli 1996 in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz steht. Die Association des Amis du Château et du Vieil Asnières setzte sich für die Renovierung des Schlosses ein und am 12. September 2014 konnte das erste Geschoss eröffnet werden.

Besichtigung Das Schloss ist zu bestimmten Zeiten für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Zeiten können beim Office du tourisme erfragt werden, wo man auch einen detaillierten Führer erwerben kann.

Vorbild mini|Hôtel Porgès – Fassade zum Garten von Ernest Sanson. mini|The Elms in Newport (Rhode Island) von Horace Trumbauer. Das Château d’Asnières diente für verschiedene andere Gebäude als Vorbild: Hôtel Porgès, 18 avenue Montaigne, Paris, für den Diamantenhändler Jules Porgès vo Architekten Ernest Sanson erbaut (mittlerweile zerstört). The Elms, im Besitz des Kohlenmagnaten Edward Julius Berwind in Newport, Rhode Island, wurde 1901 vom Architekten Horace Trumbauer erbaut, der bei der Dekoration von den Duveens unterstützt wurde. Es lassen sich auch Anklänge bei dem im 18. Jahrhundert erbauten Schloss Engarran im Hérault feststellen.

Anekdoten Der Brasilianer in Pariser Leben von Jacques Offenbach bittet in seinem Rondo im ersten Akt darum, zum Château d’Asnières gebracht zu werden: „Für mich die Nächte von Paris / Bring mich zum Ball in Asnières“ («À moi, les nuits de Paris / Qu’on me mène au bal d’Asnières.») Im siebten Tableau der Pariser Operette Geneviève de Brabant (1867) von Jacques Offenbach spielt im imaginären «Château d’Asnières, chez Charles Martel», wo dieser zu den Rhythmen von „Freunde, lasst uns unter diesen strahlenden Kuppeln vibrieren / Unsere lautesten Chöre!“ («Amis, faisons vibrer sous ces dômes brillants / Nos chœurs les plus bruyants!») einen Ball gibt. Seit dem 21. Mai 2018 beherbergt das Schloss den Hauptsitz des französischen Schachverbandes.Procès-verbal de l’assemblée générale de la FFE echecs.asso.fr. Fédération Française des Échecs. 21. Mai 2018. Archivlink

Einzelnachweise

Literatur Philippe Cachau: Jacques Hardouin-Mansart de Sagonne, dernier des Mansart (1711-1778), Doktorarbeit, Paris-I 2004, t. II: S. 1161–1177 cf. philippecachau.e-monsite.com Philippe Cachau: «L’entrepôt général d'Asnières ou les beaux haras oubliés du marquis de Voyer (1752-1755)», La Revue des Amis du Cadre Noir de Saumur, n° 89, 2016: S. 57–60. Philippe Cachau: «Le mécénat du marquis de Voyer au château et aux haras d'Asnières-sur-Seine: enjeux politiques et culturels (1750-1755)». In: Bulletin de la Société de l’Histoire de l’Art français. 2013, 2014: S. 139–171. Philippe Cachau: «Jacques Hardouin-Mansart de Sagonne, dernier des Mansart (1711-1778).» In: Journal des Arts. Nicole de Blomac: Le cheval, moyen et mode de vie. L’œuvre du marquis de Voyer, militaire, philosophe et entrepreneur (1722-1782). Thèse d’Histoire. April 2002.

Weblinks

Association des Amis du Château et du Vieil Asnières, auf asnieres-patrimoine.fr Visite du Chateau, auf asnieres-sur-seine.fr

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