mini|Ein Mann, der Mongolisch spricht Die mongolische Sprache (in mongolischer Schrift: , in kyrillischer Schrift: ) im engeren Sinne gehört gemeinsam mit einigen eng verwandten Sprachen (v. a. Burjatisch und Oiratisch/Kalmückisch) zur Familie der mongolischen Sprachen. Mongolisch wird je nach Schätzung von insgesamt ca. 4,5Atwood 2004, S. 373. bis 5Juha Janhunen (Hrsg.): The Mongolic Languages. Routledge, London/New York 2003, ISBN 0-7007-1133-3; S. xviii. oder etwas mehr als 5 MillionenJanhunen 2012, S. 11. Menschen gesprochen, von denen etwas weniger als die Hälfte (je nach Schätzung 2Svantesson 2003, S. 154. bis 2,4М. Баянтөр, Г. Нямдаваа, З. Баярмаа: Монгол улсын ястангуудын тоо, байршилд гарч буй өөрчлөлтүүдийн асуудалд. In: Монголын хүн амын сетгүүл 10 (2004), S. 57–70. Millionen) im Staat Mongolei, etwas mehr als die Hälfte (je nach Schätzung knapp 3Juha Janhunen (Hrsg.): The Mongolic Languages. Routledge, London/New York 2003, ISBN 0-7007-1133-3; S. xviii. bis 3,4Mongolian, Peripheral, Ethnologue.com (Zahl von 1982!). oder 3,5 Millionen) im Autonomen Gebiet Innere Mongolei sowie in den angrenzenden Provinzen in China, und kleinere Gruppen in Russland (vor allem in Burjatien, aber auch im benachbarten Tuwa) leben.

Es gibt zwei Standardvarietäten des Mongolischen: eine in der Inneren Mongolei, die in der traditionellen mongolischen Schrift geschrieben wird und dort Amtssprache neben Chinesisch ist, und die Amtssprache im Staat Mongolei, die in einem kyrillischen Alphabet geschrieben wird.Atwood 2004, S. 374.

Klassifikation und geografische Verteilung Zur Klassifikation siehe auch: Mongolische Sprachen mini|Geografische Verteilung der mongolischen Sprachen Die Familie der mongolischen Sprachen kann man wie folgt unterteilen:

Der Dagur-Zweig im Nordosten besteht aus Dagur (Daur) mit mehreren Varianten (die Amur-, Nonni- und Hailar-Dialektgruppen sowie seit dem 18. Jahrhundert eine Diaspora im Ili-Gebiet).Janhunen 2012, S. 3. Der gemeinmongolische Zweig der mongolischen Sprachen umfasst Idiome in der traditionellen Heimat der Mongolen (der Mongolei), aber auch im Norden (Sibirien), Osten (Mandschurei/Nordostchina), Süden (Ordos) und Westen (Dsungarei). Es handelt sich um ein Dialektkontinuum, das von seinen Sprechern meist als eine gemeinsame mongolische Sprache verstanden wird. Diese Auffassung teilen auch die meisten mongolischen Wissenschaftler im Staat Mongolei und in der Inneren Mongolei, ebenso wie die offizielle Kategorisierung der Volksgruppen in China, während russische und westliche Wissenschaftler zumindest Burjatisch und Oiratisch, häufig aber auch Ordos und Chamnigan als eigene Sprachen ansehen (s. u.). Das ist letztlich eine Frage der Definition und Terminologie.Janhunen 2012, S. 4. Der Shirongol-Zweig in Qinghai umfasst West-Yugur, Monguor, Bonan, Kangjia und Santa (Dongxiang). Der Moghol-Zweig in Afghanistan besteht aus Moghol mit mehreren (möglicherweise ausgestorbenen) Varianten.

Dialekte Die Chalcha-Dialekte (mongolisch [] ‹qalq-a› / Халх ‹Xalx›) im Zentrum des Sprachgebietes umfassen ungefähr das Territorium des Staates Mongolei, aber auch einige Dialekte – v. a. Qahar ([] ‹čaqar› / Цахар ‹Caxar›) – in der Inneren Mongolei. Sie sind die Grundlage der beiden modernen mongolischen Standardsprachen.Janhunen 2012, S. 4–5. Die Horqin-Dialekte ([] ‹qorčin› / Хорчин ‹Xorčin›) werden im Osten der Inneren Mongolei sowie in den benachbarten chinesischen Provinzen Liaoning, Jilin und Heilongjiang gesprochen. Die Ordos-Dialekte ([] ‹ordos› / Ордос ‹Ordos›) wer den auf dem Ordos-Plateau im Süden der Inneren Mongolei zwischen der Chinesischen Mauer und dem großen Bogen des Gelben Flusses (Huang He) gesprochen. Chamnigan ( ‹qamniɣan›) wird im Nordosten, in den Tälern des Onon und des Argun im Grenzgebiet zwischen Russland (Transbaikal), China (Hulun Buir) und der Mongolei (Chentii-Aimag) gesprochen. Burjatisch ([] ‹buriyad›) wird im Norden, zu beiden Seiten des Baikalsees gesprochen, insbesondere in der Republik Burjatien, aber auch bis in die Mongolei und China (in den beiden Bargu-Bannern in Hulun Buir). Burjatisch ist heute eine eigene Schriftsprache, die allerdings von den Burjaten in der Mongolei und in China nicht verwendet wird.Janhunen 2012, S. 7. Oiratisch ([] ‹oyirad›) hatte ursprünglich sein Zentrum in der Dsungarei im Norden des heutigen Xinjiang, wird aber bis in den westlichen Teil der Mongolei (Chowd-Aimag) und der Inneren Mongolei (Alxa) und im Norden von Qinghai (Haixi) gesprochen, außerdem von einer Diaspora in der Wolga-Region (Kalmückisch) und in der Mandschurei. Kalmükisch ist heute eine eigene Schriftsprache.

Standardvarietäten Es gibt zwei Standardvarietäten des Mongolischen.

Mongolei Das Standardmongolische im Staat Mongolei beruht auf den nördlichen Chalcha-Dialekten, zu denen u. a. der Dialekt von Ulaanbaatar gehört, und wird in kyrillischer Schrift geschrieben.Svantesson S. 9–10.

China Das Standardmongolische in der Inneren Mongolei beruht auf dem Qahar-Dialekt der Chalcha-Dialektgruppe,Svantesson S. 10. den man im Xilin-Hoh-/Zhènglán-Banner spricht,Dàobù 1982, S. 2. und wird in der traditionellen mongolischen Schrift geschrieben.

Die Zahl der Mongolisch-Sprecher in China ist bis heute größer als im Staat Mongolei,Juha Janhunen (Hg.): The Mongolic Languages. London / New York: Routledge, 2003; ISBN 0-7007-1133-3; S. xviii. wobei die Mehrheit der Mongolen in China einen der Horqin-Dialekte bzw. mehr als zwei Millionen von ihnen den Dialekt von Horqin selbst als Muttersprache haben, so dass die Horqin-Dialektgruppe ungefähr so viele Sprecher hat wie die Chalcha-Dialektgruppe im Staat Mongolei. Dennoch ist der Dialekt von Qahar, der heute nur ungefähr 100.000 Muttersprachler hat und zur Chalcha-Dialektgruppe gehört, die Grundlage des Standardmongolischen in China.Svantesson S. 11–12.

Unterschiede Zu den charakteristischen Unterschieden in der Aussprache der beiden Standardvarietäten zählen die Umlaute in der Inneren Mongolei und die palatalisierten Konsonanten in der Mongolei (s. u.) sowie die Spaltung der mittelmongolischen Affrikaten * ( ‹č›) und * ( ‹ǰ›) in (ц ‹c›) und (з ‹z›) versus (ч ‹č›) und (ж ‹ž›) in der Mongolei:Mongolian language. In: Christopher P. Atwood: Encyclopedia of Mongolia and the Mongol Empire. New York: Facts On File, 2004; ISBN 0-8160-4671-9; S. 373 und Владимирцов 1988 (1929) S. 390; Beispiele vereinheitlicht nach / 1999 und / Галсанпунцаг 2004.

Mittelmongolisch Innere Mongolei Mongolei Bedeutung * ‹čisu› [] ‹čisu› [] цус ‹cus› Blut * ‹ǰam› [] ‹ǰam› [] зам ‹zam› Straße * ‹očiqu› [] ‹očiqu› [] очих ‹očix› gehen * ‹ǰim-e› [] ‹ǰim-e› [] жим ‹žim› Gesetz

Außerdem gibt es Unterschiede im Wortschatz und Sprachgebrauch: Im Staat Mongolei werden beispielsweise mehr Lehnwörter aus dem Russischen verwendet, in der Inneren Mongolei mehr Lehnwörter aus dem Chinesischen.Atwood S. 374.

Phonetik und Phonologie Konsonanten Das Mongolische verfügt über folgende Konsonanten (in IPA und Entsprechungen in mongolischer (M) und kyrillischer Schrift (K), mit Transliteration in spitzen Klammern).Darstellung nach / 1999 S. 1424, ergänzt durch Qīnggé’ěrtài 1991 S. 41–64.

bilabiallabiodentalalveolarretroflexpostalveolarpalatalvelar/uvularIPAMKIPAMKIPAMKIPAMKIPAMKIPAMKIPAMKPlosivenicht aspiriert []~[]~[] ‹b›б []~[] ‹d›д []~[] ‹ɣ› ‹g›гaspiriert []‹p›п [] ‹t›т [] ‹k›кAffrikatennicht aspiriert( []~[])* ‹dz›з()* ‹zh› []~[]~[]~[] ‹ǰ›ж зaspiriert( [])* ‹ts›ц()* ‹ch› []~[]~[] ‹č›ц чFrikativestimmlos()* ‹f ›фs ‹s›с()* ‹sh› ‹š›ш [] ‹q› ‹k ›

‹h›хstimmhaft ‹w›в()* ‹rh›Approximanten ‹y›Nasale ‹m›м ‹n›н ‹ng›нLaterale Frikative []~[] ‹l› ‹lh›лVibranten ‹r›р * nur in Lehnwörtern

Vokale Das Mongolische verfügt über folgende Vokale:

VokalBeispielVokalBeispielIPAmongolischkyrillischBedeutungIPAmongolischkyrillischBedeutung ‹ile›ил ‹il›»offen« ‹čigirsü›чийрс ‹čijrs›»Bastmatte« ‹ǰira›(жар ‹žar›)»sechzig« ‹čigiraɣ›чийрэг ‹čijrėg›»stämmig« ‹er-e›эр ‹ėr›»Mann« ‹čegeǰi›цээж ‹cėėž›»Brust« ‹arad›ард ‹ard›»Volk« ‹aɣaši›ааш ‹aaš›»Laune« ‹odon›од ‹od›»Stern« ‹qoɣoson›хоосон ‹xooson›»leer« ‹ödön›өд ‹öd›»Feder« ‹kögörge›хөөрөг ‹xöörög›»Brücke« ‹usu›ус ‹us›»Wasser« ‹aɣula›уул ‹uul›»Berg« ‹üsü›үс ‹üs›»Haar« ‹egüle›үүл ‹üül›»Wolke«

Ein Unterscheidungsmerkmal der mongolischen Dialekte ist das Auftreten von Umlauten in Silben, auf die ein /i/ folgt. In der Inneren Mongolei ist die Aussprache mit Umlautvokalen Standard; im Staat Mongolei ist die Aussprache ohne Umlautvokale Standard.

Beispiele für Wörter mit Umlaut in der Inneren Mongolei und ihre Entsprechung ohne Umlaut im Staat Mongolei:

UmlautBeispielEntsprechungUmlautBeispielEntsprechungIPAmongolischBedeutungkyrillischIPAmongolischBedeutungkyrillisch ‹ami›„Leben“амь ‹am’› ‹sayin›„gut“сайн ‹sajn› ‹mori›„Pferd“морь ‹mor’› ‹qoyitu›„nördlich“хойт ‹xojt› ‹eregtei›„männlich“эрэгтэй ‹ėrėgtėj› ‹bögerengkei›„kugelig“бөөрөнхий ‹böörönxij› ‹uni›„Dachstrebe“унь ‹un’› ‹tuyil›„Pol“туйл ‹tujl› ‹üile›„Handlung“үйл ‹üjl›

Das Mongolische verfügt über eine Vokalharmonie. Dabei werden die Vokale in vordere (im mongolischen Sprachgebrauch weibliche), das sind /e/, /o/ und /u/, sowie hintere (mongolisch männliche), das sind /a/, /ɔ/ und /ʊ/, eingeteilt; /i/ ist neutral. In einem Wort kommen in der Regel nur vordere oder nur hintere Vokale vor, /i/ kann mit beiden auftreten.

Viele Suffixe treten in vier verschiedenen Formen auf, wobei eine weitere Unterscheidung hinzukommt. Der Vokal des Suffixes richtet sich dabei nach dem letzten Vokal des Stammes und zwar nach folgendem Schema:

/a/, /ʊ/ → [a] /e/, /o/ → [e] /ɔ/ → [ɔ] /o/ → [o]

/i/ wird dabei ignoriert, enthält ein Wort nur /i/, so erscheint [e].

Betonung Die Betonung liegt stets auf der ersten Silbe eines Wortes.Dàobù 1982, S. 17.

Morphologie Das Mongolische zeichnet sich durch eine fast durchweg suffigierende Morphologie aus und wird zu den agglutinierenden Sprachen gezählt. Weitere Details und konkrete Beispiele zur Nominal- und Verbalmorphologie im Artikel Mongolische Sprachen.

Nomen Für das mongolische Nomen ist vor allem die Kategorie Kasus relevant. Numerus spielt eine untergeordnete Rolle, Genus existiert nicht.

Kasus Es werden für das Mongolische sieben oder acht Kasus angenommen, und zwar Nominativ, Genitiv, Dativ/Lokativ, Akkusativ, Ablativ, Instrumental, Komitativ und Allativ. Die Kasussuffixe variieren z. T. entsprechend der Vokalharmonie je nach den Vokalen des Stammes:

KasusVerwendungSuffixBeispieleIPAmongolischkyrillischNominativSubjekt;

indefinites und

nicht menschliches Objekt,

Ortsbezeichnungen––– ‹aq-a› »älterer Bruder«

‹eke› »Mutter«

‹ulus› »Staat«GenitivAttribut eines Nomens ‹yin› ‹un›/‹ün›

  ‹u›/‹ü›ийн ‹ijn›

ын ‹yn›

ий ‹ij›

ы ‹y›

н ‹n› ‹aq-a-yin› »des älteren Bruders«

‹ulus-un› »des Staates«

‹kümün-ü› »des Menschen«Dativ-Lokativindirektes Objekt;

Ortsangabe,

Ziel ‹du›/‹dü›

‹tu›/‹tü›

( ‹dur›/‹dür›)

( ‹tur›/‹tür›)д ‹d›

т ‹t› ‹aq-a-du› »dem Bruder«

‹beiǰing-dü› »in Beijing«

‹ɣar-tu› »in der Hand«

‹arad-tu› »dem Volke«Akkusativdefinites oder menschliches

direktes Objekt ‹yi›

‹i›ыг ‹yg›

ийг ‹ijg›

г ‹g› ‹širegen-yi› »den Tisch«

‹sandali-yi› »den Stuhl«

‹nom-i› »das Buch«

‹kümün-i› »den Menschen«InstrumentalMittel, Werkzeug ‹bar›/‹ber›

‹iyar›/‹iyer›аар ‹aar›

ээр ‹ėėr›

оор ‹oor›

өөр ‹öör› ‹aq-a-bar› »durch den Bruder« (erledigen lassen o. ä.)

‹širegen-ber› »mit dem Tisch«, »mittels des Tisches«

‹ɣar-iyar› »mit der Hand«

‹sanal-iyar› »mit der Idee«, »mittels der Idee«AblativAusgangspunkt,

Vergleich,

Grund ‹ača›/‹eče›аас ‹aas›

ээс ‹ėės›

оос ‹oos›

өөс ‹öös› ‹aq-a-ača› »vom älteren Bruder«

‹širegen-eče› (größer o. ä.) »als der Tisch«

‹ɣar-ača› »aus der Hand«

‹ulus-ača› »vom Staate«KomitativBegleiter,

Ausdruck von Besitz ‹tai›/‹tei›тай ‹taj›

той ‹toj›

тэй ‹tėj› ‹aq-a-tai› »mit dem Bruder«

‹nökör-tei› »mit dem Genossen«

‹kümün-tei› »mit der Person«AllativRichtung ‹uruɣu› ‹luɣ‑a›

‹lüge›руу ‹ruu›

рүү ‹rüü›

луу ‹luu›

лүү ‹lüü›

Numerus