Die weltbewegende Geschichte von Deutschland im 20. Jahrhundert umfasst den Ersten Weltkrieg mit dem Ende von Monarchie und Kaiserreich, die Weimarer Republik und die Deutsche Inflation 1914 bis 1923, den Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg mit dem Großdeutschen Reich, dem Holocaust und dem Verlust der Ostgebiete des Deutschen Reiches, die Deutsche Teilung und ihre Überwindung.
Weimarer Republik 1919–1933
Am 10. November 1918 bildete sich mit dem Rat der Volksbeauftragten eine provisorische Regierung. Am nächsten Tag wurden durch einen Waffenstillstand die Kampfhandlungen eingestellt. Am 16. Dezember 1918 fand in Berlin ein Zusammentreffen der Arbeiter- und Soldatenräte, der Reichsrätekongress statt.
Dieser billigte mehrheitlich den Übergang zu einer demokratischen Ordnung. Auch zahlreiche Reformen traten in Kraft: so wurde das Allgemeine und Frauenwahlrecht eingeführt, genauso wie der 8-Stunden-Tag. Im Januar 1919 kam es zur Gründung der KPD und zum Spartakusaufstand, der von Freikorps niedergeschlagen wurde. Die kommunistischen Anführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sowie Leo Jogiches wurden dabei ermordet.
Am 19. Januar wurde die Nationalversammlung gewählt und trat am 6. Februar nicht im unruhigen Berlin, sondern in Weimar zusammen, daher der Name Weimarer Republik. Die Nationalversammlung wählte Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten und Philipp Scheidemann zum Reichskanzler. Nach der beschlossenen Weimarer Verfassung war das Deutsche Reich eine parlamentarische Demokratie. Die Verfassung sah allerdings einen starken Reichspräsidenten als Ersatzkaiser und er konnte den Reichskanzler auswählen, den Reichstag auflösen und Notverordnungen erlassen, mit denen sogar die Grundrechte außer Kraft gesetzt werden konnten. Die Weimarer Verfassung konnte, anders als das Grundgesetz, durch eine qualifizierte Mehrheit vollständig geändert werden.
Am 28. Juni 1919 musste Deutschland den Versailler Vertrag unterschreiben: Deutschland musste zahlreiche Gebiete abtreten, vor allem im Osten (die dann an den neuen Staat Polen übergingen), sowie seinen gesamten Kolonialbesitz dem Völkerbund unterstellen. Österreich musste ein Anschlussverbot mit Deutschland unterzeichnen. In der Kriegsschuldfrage wurde Deutschland und seinen Verbündeten die alleinige Kriegsschuld gegeben, es wurden Reparationsforderungen gestellt aber noch nicht vertraglich festgelegt (siehe: Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg). Das Saargebiet war dem Völkerbund unterstellt und das Rheinland entmilitarisierte Zone. Außerdem gab es massive Beschränkungen für die zunächst vorläufige Reichswehr. Dieser Vertrag wurde in Deutschland als Versailler Diktat kritisiert.
Das Ausbleiben von demokratischen Reformen von Militär, Justiz und Verwaltung, der Versailler Vertrag und die Dolchstoßlegende waren ein schweres Erbe für den neuen deutschen Staat, der eine Republik ohne Republikaner war.
Die Weimarer Republik wird in drei Phasen eingeteilt. Die ersten Jahre werden als die Krisenjahre bezeichnet. 1920 kam es zum Kapp-Putsch, der nach wenigen Tagen endete. In diese Zeit fallen auch die politischen Morde an Matthias Erzberger und Walther Rathenau, dazu zahlreiche „Fememorde“ an angeblichen Verrätern innerhalb rechter Gruppierungen. Bei der Reichstagswahl 1920 gab es große Stimmengewinne für rechte und linke Parteien.
1921 wurde die Reichswehr geschaffen. 1922 begannen Deutschland und die Sowjetunion diplomatische Beziehungen mit den Vertrag von Rapallo, ab 1924 erfolgte die geheime Zusammenarbeit zwischen Roter Armee und Reichswehr.
Mit der Ruhrbesetzung im Januar 1923 beabsichtigte Frankreich, ausstehende Reparationsforderungen einzutreiben. Die Reichsregierung unterstützte den ausbrechenden Ruhrkampf finanziell. Die galoppierende Inflation in den folgenden Monaten wurde erst im November durch eine Währungsreform beendet. Bayern wurde zum Sammelbecken rechter, konservativer Kräfte. Der Hitlerputsch schlug zwar fehl, verhalf aber Hitler zu Bekanntheit.
1924 begann die Phase der relativen Stabilität, mit einer wirtschaftlichen Erholung und politischen Stabilisierung, obwohl keine Regierung über eine Mehrheit im Reichstag verfügte. Trotz aller Spannungen und Konflikte in der jungen Republik schien die Demokratie zu siegen. Die Neuordnung der Währung und die im Gefolge des Dawes-Plan ins Land strömenden US-amerikanischen Kredite leiteten eine Phase relativer wirtschaftlicher und politischer Stabilisierung ein, die sogenannten Goldenen 20er Jahre. Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann versuchte eine Annäherung mit seinem französischen Kollegen Aristide Briand. Gleichzeitig erstrebte er eine schrittweise Revision der Versailler Verträge, was sich in den Verträgen von Locarno 1925 und der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund 1926 zeigte. Im Februar 1925 starb Friedrich Ebert, als Nachfolger wurde der immer noch kaisertreue Paul von Hindenburg gewählt.
Der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise leitete den Anfang vom Ende der Weimarer Republik ein, und 1930 begann deren Schlussphase. Im Sommer 1932 erreichte die Arbeitslosenzahl die Höhe von 6 Millionen. Ab 1930 regierten in Deutschland nur noch Präsidialkabinette. Die Radikalisierung der politischen Lage führte zu Straßenschlachten zwischen der NSDAP und der KPD. 1931 schlossen sich rechte Kräfte in der Harzburger Front zusammen, die NSDAP wurde bei den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 stärkste Kraft. Am 28. Januar 1933 erklärte der Reichskanzler Kurt von Schleicher seinen Rücktritt.
Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler und die Machtergreifung begann. Dieser löste den Reichstag auf und setzte Neuwahlen an. Am 27. Februar brannte der Reichstag, die Umstände sind bis heute nicht restlos geklärt. Als Folge wurde die „Notverordnung zum Schutz von Volk und Reich“, d. h. das Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich erlassen, die die Grundrechte einschränkte. Zahlreiche politische Gegner wurden verhaftet und die KPD verboten. Obwohl die NSDAP bei den Wahlen keine eigene Mehrheit im Reichstag erreichte, wurde ein Ermächtigungsgesetz verabschiedet, das der Regierung Gesetzgebungsbefugnisse gab.
In den folgenden Monaten folgte die Gleichschaltung der Länder und der Presse, die Auflösung der Gewerkschaften und Parteien. Die ersten Konzentrationslager zur Inhaftierung politisch Unliebsamer entstanden. Im April 1933 begann der Boykott jüdischer Geschäfte und die Entfernung jüdischer Beamter aus dem Staatsdienst. Am 10. Mai erfolgte die Bücherverbrennung 1933 in Deutschland. Im August wurden die evangelischen Landeskirchen in einer Reichskirche unter Leitung eines Reichsbischofs zusammengeschlossen, und Deutschland schloss mit dem Vatikan ein Konkordat. Vor allem die Deutschen Christen waren in der Reichskirche dem „Führer“ ergeben, wogegen sich schon im September ein Pfarrernotbund bildete.
In der folgenden Zeit erfolgte die Durchdringung des gesamten Lebens durch NS-Organisationen wie Hitler-Jugend, SS, Deutsche Arbeitsfront, KdF und andere. Die Arbeitslosigkeit konnte beseitigt werden, ebenso wurde der Autobahnausbau zügig vorangetrieben, was aber vorwiegend der Kriegsvorbereitung diente.
1934 wurde die Justiz und im sogenannten Röhm-Putsch die eigene Partei gleichgeschaltet. Am 2. August 1934 starb Hindenburg, worauf sich Hitler zum Führer und Reichskanzler ernennen ließ und die Reichswehr auf ihn vereidigt wurde. Der Weg zur Diktatur war somit vollendet.
Nach der Saarabstimmung 1935 kam das Saarland wieder zum Reich. Auf dem Reichsparteitag wurden die Nürnberger Rassengesetze beschlossen. 1936 marschierte die Wehrmacht im entmilitarisierten Rheinland ein. Vom 1. bis 6. August 1936 fanden in Berlin die Olympischen Sommerspiele statt, die als Propagandaschau inszeniert wurden. Der Vierjahresplan von 1936 sollte Deutschland bis spätestens 1940 kriegsfähig machen und wies den Weg zur Planwirtschaft.
Nun erfolgte die Realisierung des Großdeutschen Reichs. 1938 erzwang Hitler den Anschluss Österreichs an Deutschland. Nach der Münchner Konferenz im September wurde das Sudetenland Deutschland überlassen. Am 9./10. November 1938 wurden in der Reichspogromnacht mehr als 1.400 Synagogen in Brand gesteckt, über 7000 jüdische Geschäfte zerstört und Tausende von Juden verhaftet. Etwa 90 Juden starben infolge von Misshandlungen oder wurden ermordet. Im März 1939 marschierte Hitler nach der Loslösung der Slowakei in die „Rest-Tschechei“ ein, aus der das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren entstand. Ebenfalls in diesem Monat kam das Memelland von Litauen wieder zu Deutschland.
Der Überfall auf Polen am 1. September 1939 löste schließlich den Zweiten Weltkrieg aus. Der Sieg über Polen im September 1939 und Dänemark, Norwegen, Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich April–Juni 1940 markierte die Epoche der Blitzkriege. Eine Invasion in Großbritannien scheiterte, man begnügte sich mit der Bombardierung mittelenglischer Industriestädte, zum Beispiel Coventry. 1940/41 wurden – zusammen mit Italien – Jugoslawien und Griechenland erobert und aufgeteilt (Albanien war bereits seit 1939 von Italien besetzt). Ungarn, Rumänien und Bulgarien wurden als Verbündete gewonnen.
Die Anti-Hitler-Koalition unterzeichnete unter anderem die Atlantik-Charta. Auf der Casablanca-Konferenz, der Konferenz von Teheran und der Konferenz von Jalta sowie auf weiteren Treffen verständigten sich die westlichen Mächte über das Vorgehen und die Nachkriegsordnung.
Seit Januar 1941 kämpfte Deutschland mit Italien in Nordafrika. Am 22. Juni 1941 begann der Angriff auf die Sowjetunion, am 11. Dezember 1941 erfolgte die Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die Vereinigten Staaten. Im November 1942 umzingelte die Rote Armee Stalingrad und am 2. Februar kapitulierte die 6. Armee in der eingeschlossenen Stadt. Die Schlacht von Stalingrad markierte den Wendepunkt auf den europäischen Kriegsschauplatz. Bis Ende 1943 war das Gebiet der Sowjetunion weitgehend wieder von ihr zurückerobert. Am 13. Mai 1943 mussten die Achsenmächte im Tunesienfeldzug kapitulieren. Im Juli 1943 begann mit der Operation Husky der alliierte Italienfeldzug, Mussolini wurde gestürzt.
In der Zwischenzeit fand im Januar 1942 die Wannseekonferenz statt, in der die Endlösung der Judenfrage beschlossen wurde. Schon seit der Eroberung Polens 1939 waren die dortigen Juden gezwungen worden, in nationalsozialistische Ghettos umzuziehen und Zwangsarbeit zu leisten, ab September 1941 mussten Juden den Judenstern tragen. Mit der Errichtung von Vernichtungslagern im besetzten Osten Europas begann der Holocaust. Bis zum Kriegsende wurden etwa sechs Millionen Juden sowie europäische Roma im Rahmen der nationalsozialistischen Ausrottungspolitik ermordet. Weitere Opfer durch Verfolgung wurden Homosexuelle, so genannte Asoziale, politische Gegner, entschiedene Christen, Zeugen Jehovas und die Völker der von Deutschland besetzten Gebiete, größtenteils die slawischen Völker. Besonders die Länder Osteuropas hatten unter der deutschen Besatzung zu leiden; viele Städte und Dörfer wurden im Zuge der „Politik der verbrannten Erde“ zerstört; die Mehrheit der sowjetischen Kriegsgefangenen verhungerten oder erfroren in deutscher Gefangenschaft und viele Millionen Menschen aus Polen und der Sowjetunion wurden zur Zwangsarbeit „ins Reich“ deportiert. Die Pläne der NS-Führung, besonders des Reichsführers SS Heinrich Himmler, sahen die rigorose Plünderung und Ausbeutung der eroberten Ostgebiete sowie die Ermordung bzw. Vertreibung der dort lebenden Bevölkerung vor. (Siehe dazu auch: Generalplan Ost, Hungerplan, Programm Heinrich, Polen-Erlasse, Polenstrafrechtsverordnung, Ostarbeiter, Jugendkonzentrationslager.)
1943 begann der Bombenkrieg der Alliierten auf deutsche Städte. Bis Kriegsende kamen etwa 300.000 Zivilisten ums Leben.