mini|Petechiale Blutungen der Ohrmuschel bei einem an Afrikanischer Schweinepest erkrankten Hausschwein Die Afrikanische Schweinepest (ASP), auch African swine fever, Pestis Africana Suum oder Montgomery-Krankheit, ist eine Virusinfektion bei Tierarten der Echten Schweine. In Symptomen und Verlauf ist sie der Klassischen oder Europäischen Schweinepest (KSP) sehr ähnlich, die Erreger der ASP und der KSP sind aber nicht verwandt. Die Krankheit ist nicht zwischen Tier und Mensch übertragbar und daher für den Menschen ungefährlich. Die Tierseuche war ursprünglich in Afrika beheimatet, sie spielte damals auch auf der iberischen Halbinsel und Sardinien eine Rolle. Durch Verschleppung im Reiseverkehr und Tiertransporte kam es in der Vergangenheit auch in anderen Gebieten zu Ausbrüchen, u. a. in Belgien, Brasilien, China, der Dominikanischen Republik, Frankreich, Haiti, Italien, Kuba, Malta, den Niederlanden, Portugal und Spanien. 2007 wurde die ASP durch ein Transportschiff von Afrika nach Georgien gebracht. Von dort aus verbreitete sich die Tierseuche in die Ukraine, nach Belarus, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen und Deutschland.Sachsen.de: 2014 trat die Seuche in östlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union auf.

In Deutschland wurde die Krankheit zum ersten Mal im September 2020 bei Wildschweinen festgestellt. Epidemiologische Untersuchungen ergaben jedoch im Nachhinein den Juli 2020 als Zeitraum für den Beginn westlich der deutsch-polnischen Grenze.Deutscher Jagdverband: Afrikanische Schweinepest bereits in erster Juli-Hälfte ausgebrochen

In Deutschland ist die Afrikanische Schweinepest in der Anlage 1 der Tierseuchenmeldeverordnung (TierSeuchMeldV) vom 10. März 2026 gelistet und es besteht für diese Tierseuche eine allgemeine Meldepflicht nach § 3.Verordnung über die Meldung von Seuchen bei Tieren (Tierseuchenmeldeverordnung – TierSeuchMeldV)

Ätiologie

Der Erreger der ASP ist das Afrikanische Schweinepest-Virus (ASF-Virus), von dem mehrere Subtypen beschrieben werden.NCBI: African swine fever virus (species) Der Erreger gehört zur Familie der Asfarviridae, Genus Asfivirus, somit zu den behüllten ds-DNA-Viren. Das Erregerreservoir stellen vor allem Warzen- und Buschschweine (überwiegend südlich der Sahara lebend) und Zecken (Lederzecken – Ornithodorus moubata) dar, die häufig nicht klinisch erkrankt sind. Ähnlich wie bei der Klassischen Schweinepest sind als Wirte bzw. Zwischenwirte nur Schweine und Zecken für das Virus empfänglich. Als Überträger spielen vielfach sogenannte Vektoren eine entscheidende Rolle.

Für den Menschen oder andere Tierarten außerhalb der Familie der Echten Schweine ist das Virus ungefährlich.Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, 17. September 2018, abgerufen am 10. Januar 2019. Ein Verzehr von mit ASP kontaminierten Schweinefleisch ist unbedenklich.

Das Virus wird durch direkten Tierkontakt oder durch Verzehr von verseuchten Fleischwaren übertragen, wie Essensresten, die Schweinefleisch enthalten, die vom Menschen weggeworfen und von Wildschweinen und Hausschweinen gefressen werden. Solche Lebensmittel können bis zu sechs Monate ansteckungsfähig bleiben. In getrocknetem Schweinefleisch überlebt das Virus bis zu 300 Tage, in gefrorenem bis zu 1000 Tage.Sachsen.de: Information Auch der Verzehr von Stechfliegen, die infiziertes Blut in sich tragen, kann zur Infektion des betreffenden Schweines führen. Daneben ist als Überträger die oben schon genannte Lederzecke zu nennen. Diese trägt das Virus in sich, ohne selbst zu erkranken und infiziert nach ihrem Biss das Wirtstier. Die Inkubationszeit beträgt zwischen zwei und 14 Tage. Der Erreger gelangt über das Maul oder die Nase in den Rachenraum, wo er sich in den Lymphknoten ansiedelt und vermehrt. Nach ein bis drei Tagen gelangt er in den Blutkreislauf (Virämie) und befällt die Körperorgane. Erkrankte Tiere scheiden das Virus über Kot, Harn und Nasensekret aus und bilden somit die Ansteckungsquelle für weitere Tiere.

Die Ansteckungsgefahr ist bei der Afrikanischen Schweinepest wesentlich geringer als bei der Europäischen Schweinepest. Es erkranken meist nur Einzeltiere, da Tröpfcheninfektionen keine Rolle spielen. Daher bilden sich häufig örtlich begrenzte Naturherde, in denen die Erkrankung immer wieder auftritt, aber nie erlischt („Habitatseuche“). Meist infizieren sich andere Tiere erst nach dem Tod eines befallenen Tiers, wenn sie am Kadaver schnüffeln oder fressen.Klaus Depner et al.: Die Afrikanische Schweinepest – eine Habitatseuche mit häufig niedriger Kontagiosität. In: Prakt. Tierarzt 97 (2016), S. 536–544.

Klinische Symptome und Verlauf Grundsätzlich besteht sowohl im vielfältigen klinischen Bild als auch im Verlauf der ASP kein Unterschied zur Klassischen Schweinepest. Die Erkrankung kann perakut, akut, chronisch oder subakut verlaufen. Entscheidend für die Ausprägung der Verlaufsform ist das Virus selbst (Virulenz) sowie Rasse bzw. Alter des betroffenen Schweines.

perakute Form: Diese Form verläuft relativ schnell. Es treten hohes Fieber und Abgeschlagenheit bzw. Apathie auf. Zum Teil kommt es zu einer Blaufärbung (Cyanose) der Haut, Hustenanfällen und Blutungen aus Nase und After. Innerhalb von 48 Stunden stirbt das Tier. Die Todesrate (Letalität) beträgt fast 100 %.

akute Form: Kennzeichen dieser Verlaufsvariante ist extrem hohes Fieber (42 °C) über bis zu vier Tage, wobei häufig das Allgemeinbefinden noch normal sein kann. Nach ca. einer Woche kommt es zu Blaufärbungen der Haut (vorwiegend Nase und Extremitäten), Husten, Atemnot, blutigem Durchfall und Erbrechen. Die Tiere sterben plötzlich, die Letalität beträgt ca. 90 %. Bei der Sektion fallen punktförmige Blutungen (Petechien) auf den serösen Schleimhäuten, Blutergüsse in Nieren und Lymphknoten, Milzschwellungen, Lungenödeme und Wasseransammlungen in der Brusthöhle (Hydrothorax) bzw. im Herzbeutel (Hydroperikard) auf.

subakute und chronische Formen: Beide Verlaufsformen weisen keine charakteristischen Merkmale auf; sie werden häufig mit anderen Schweinekrankheiten verwechselt (z. B. Schweinerotlauf). Hier kommt es häufig zu Gelenksentzündungen, Aborten oder der Geburt lebensschwacher Ferkel. Die Sterblichkeitsrate ist gering.

Übertragung des Virus mini|hochkant=1.3|Wege der Übertragung ASF-Virus, des Erregers der Afrikanischen Schweinepest (ASP) Innerhalb der wilden Schweinepopulationen durch den Saugakt beim Zeckenstich.Das ASF-Virus vermehrt sich in den Zecken und persistiert bis zu drei Jahre innerhalb der Zecke. In Hausschweinbeständen vor allem naso-orale Übertragung von Schwein zu Schwein Berührungskontakt eines gesunden Schweins mit einem infizierten Schwein Kontakt mit Ausscheidungen eines erkrankten Schweins in der Umgebung Verzehren eines an der Krankheit verendeten Schweins durch Artgenossen Kontakt gesunder Schweine mit kontaminierten Gegenständen Fressen von kontaminierten Futtermitteln und Fressen von Essensabfällen, die Fleisch von einem infizierten Schwein enthalten Menschen und andere Lebewesen, die nach Berührungskontakt mit einem infizierten Schwein oder mit dessen Ausscheidungen oder mit dessen rohem Fleisch den Krankheitserreger äußerlich an sich tragen und ihn als Vektor zu anderen Wild- und Hausschweinen transportieren, welche dann durch Kontakt oder durch kontaminierte Nahrung infiziert werden.

Der Erreger hat eine sehr hohe Umweltresistenz, er bleibt an Gegenständen und Körperteilen haften und bleibt dort sehr lange infektiös. Bei Raubtieren, die ein infiziertes Wildschwein erbeutet haben, kann der Erreger an ihrem Fang bleiben, so dass sie das Virus im nachfolgenden Zeitraum an einem neuen getöteten Beutetier einer anderen Tierart hinterlassen.Da Wildschweine gelegentlich Kadaver vertilgen, die von Raubtieren liegen gelassen wurden, können sie auf diese Weise das Virus aufnehmen.Food and Agriculture Organisation of the United Nations: African swine fever in wild boarecology and biosecurity

Nachdem beim Wolfsmonitoring die telemetrischen Aufzeichnungen zu Bewegungsmustern zweier besenderter Wölfe mit grenzübergreifenden Streifgebieten in Brandenburg und Polen nur bis April 2020 veröffentlicht wurden,Sachsen.de: Bewegungsmuster der besenderte Wölfe "Juli", "Lotta" und "Hans"DBBW: Neues von den besenderten Wölfen in SachsenStudio Cottbus: wird indes von der DBBW angegeben, es gäbe keine Hinweise, dass Raubtiere bei der Übertragung eine besondere Rolle spielen. Obgleich der Wolf weiter wandere als andere Raubtiere, würde davon ausgegangen, dass Wölfe das kontaminierte Fell „putzen“. Der Erreger überlebt die Darmpassage beim Wolf nicht, daher könnten Wölfe durch das Vertilgen von verendeten Wildschweinen dazu beitragen, die Verbreitung des Erregers zu bremsen.

Zu den in den Sperrzonen geltenden Verboten gehört aber unter anderem, dass Hunde (siehe Canis lupus) im gefährdeten Gebiet nicht frei umherlaufen dürfen.RBB 24:

Rolle der Wildschweine bei der Verbreitung In Europa ist das Wildschwein ein wesentlich treibender Faktor für die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Nach Auftreten des Virus in einer regionalen Population verbreitet es sich lokal durch direkten Kontakt zwischen Wildschweinen (horizontale Übertragung). Zusätzlich spielt die indirekte Übertragung über eine kontaminierte Umwelt im Revier eine wesentliche Rolle. Besonders problematisch sind die Kadaver von infizierten Wildschweinen – sie kontaminieren das Habitat und sorgen damit für weitere Infektionen, wenn Artgenossen mit Kadaverresten oder dem kontaminierten Umfeld in Berührung kommen. Die Kontaktpunkte zwischen Wild- und Hausschweinbeständen sind für die Seuchenkontrolle zentral: Das Virus kann von Wildschweinen auf Hausschweine sowohl durch direkten als auch indirekten Kontakt übertragen werden. Als Eintrittspfade gelten kontaminierte Materialien, Fahrzeuge, Kleidung/Schuhe oder Futter sowie unzureichend gesicherte Schweinehaltung (Biosicherheitslücken).

Aktuelle und regelmäßig aktualisierte Karten zur räumlichen Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest bei Wild- und Hausschweinen in Deutschland und Europa stellt das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) zur Verfügung. Die Karten basieren auf amtlich bestätigten Nachweisen und dienen der epidemiologischen Lageeinschätzung sowie der Unterstützung von Bekämpfungs- und Präventionsmaßnahmen.

Maßnahmen wie die konsequente Biosicherheit, rasches Auffinden und sachgerechte Beseitigung von Fallwild und vor allem das Monitoring in Wildschweinpopulationen durch die jeweiligen regionalen Jagdpächter sind daher die zentralen Elemente der wirksamen Bekämpfung der ASP und ihrer Eindämmung.

Desinfektion Das ASF-Virus zeichnet sich durch außergewöhnliche Tenazität (Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse) aus. Hitzeinaktivierung erfolgt erst bei 56 °C über 70 min bzw. 60 °C über 20 min Einwirkungszeit. Viele basische Desinfektionsmittel inaktivieren das Virus nicht, säurebasierte eignen sich. Wirksame Desinfektionsmittel sind außerdem Natriumhydroxid (0,8 % NaOH, 30 min), Hypochlorit (2,3 %, 30 min) (in der QuelleThüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie: Merkblatt zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) und zur Klassischen Schweinepest (KSP) Hinweise zur Desinfektion fälschlich als „Hypochlorid“ geschrieben), Formalin (0,3 %, 30 min), Orthophenylphenol (3 %, 30 min) und jodhaltige Desinfektionsmittel. Das ASF-Virus ist im pH-Bereich 3.0 bis 13.4 stabil. Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft prüft und bewertet derzeit (Stand 2017) die Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln für den Einsatz im tiermedizinischen Bereich.