Zerpenschleuse, ab 1605 im Zusammenhang mit dem Ausbau des Finowkanals entstanden, ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Wandlitz im Landkreis Barnim des Bundeslandes Brandenburg. Bis zum Jahr 2003 war Zerpenschleuse eine selbstständige Gemeinde innerhalb des Amtes Groß Schönebeck. Mit den Kommunalwahlen im Jahr 2003 wechselte der Ort in die Großgemeinde Wandlitz. Der Ortsteil umfasst die Gemarkung Zerpenschleuse. Er hat entsprechend der brandenburgischen Kommunalverfassung und der Hauptsatzung einen Ortsbeirat und Ortsvorsteher.Brandenburgische Kommunalverfassung - BbgKVerf; Abschnitt 2, Ortsteile In: bravors.brandenburg.de.
Geografie Geografische Lage Das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Zerpenschleuse umfasst eine Fläche von 1742 Hektar. Der heutige Ortsteil von Wandlitz liegt im Eberswalder Urstromtal, am nördlichen Rand der Barnim-Hochfläche, einem Teil des sogenannten Niederbarnim, 38 Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Berlin.
Die Höhe des Ortsgebietes über Normalhöhennull (NHN) steigt nach Norden nur leicht an. Der höchste Punkt mit 58,7 Meter über NHN ist eine Erhebung im nördlichen Waldgebiet an der Nordgrenze der Gemeinde zum Schorfheider Ortsteil Groß Schönebeck. Mit 37,0 Meter über NHN ist die Wasserfläche des Oder-Havel-Kanals an der Ostgrenze am Klanfließ der niedrigste Punkt des Ortes. Die Höhe der Ortsmitte an der Brücke der B 109 über den Langen Trödel beträgt 40 Meter über NHN.
Nachbarorte Zerpenschleuse wird im Osten und Südosten durch die Gemeinde Marienwerder mit dem Ortsteil Ruhlsdorf begrenzt sowie im Westen und Südwesten durch die Stadt Liebenwalde mit den Orten und heutigen Stadtteilen Hammer und Kreuzbruch. Im Norden grenzt die Gemeinde Schorfheide an Zerpenschleuse, hier mit den Ortsteilen Groß Schönebeck, Klandorf und Böhmerheide.
Zerpenschleuse bildete ursprünglich eine Exklave der Gemeinde Wandlitz, es bestand keine direkte Verbindung zu anderen Wandlitzer Ortsteilen. Durch Gebietstausche mit Liebenwalde, bei der einige kleinere weitere Exklaven aufgelöst wurden, konnte ein schmaler Korrider entlang der Bundesstraße 109 geschaffen werden, der Zerpenschleuse mit dem übrigen Gemeindegebiet verbindet. mini|Am Langen Trödel (Finowkanal)
Naturraum Zerpenschleuse befindet sich am Nordrand des Naturparks Barnim und der Südgrenze des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin. Die unmittelbaren Siedlungsflächen des Ortes sind aus den Schutzgebieten ausgespart. Sie konzentrieren sich entlang der Bundesstraße 109 und dem Finowkanal, dem Langen Trödel. Im Norden und Süden des Ortsgebietes befinden sich größere Waldflächen. Die zentralen Bereiche entlang des Oder-Havel-Kanals und des Finowkanals in Ost-West-Richtung sind meist Freiflächen. An Wasserflächen besitzt der Ort Zerpenschleuse außer den beiden Kanälen nur einige kleine Gräben und Fließe, wie das Klanfließ an der Ostgrenze und den Flößergraben. Seen gibt es auf dem Ortsgebiet nicht.
Geschichte Erste Ansiedlungen durch den Bau des Finowkanals im 17. Jahrhundert mini|Ehemalige Schifferhäuser
Die Geschichte des Ortes Zerpenschleuse nahm ihren Anfang mit dem Finowkanal, dessen Bau Kurfürst Joachim Friedrich 1603 verordnet hatte und der in den Jahren 1605 bis 1620 ausgeführt wurde. Er sollte auf 39,4 Kilometer Länge die Alte Havel bei Liebenwalde mit den Mölln-Seen westlich des heutigen Finowfurt verbinden. Beim Bau des Kanals wurde auch die Hammerdammer Schleuse errichtet. Diese war bereits Ende des 17. Jahrhunderts nicht mehr vorhanden, jedoch entstand 1660 in der Nähe dieser Schleuse eine Pottaschebrennerei und 1683/84 auf einer Wüstung des Dreißigjährigen Krieges eine Glashütte, um die sich entlang des Finowkanals eine kleine Ansiedlung bildete. Die alte Kanalschleuse wurde nun Zerpellschleuse oder Zerpenschleuse genannt, möglicherweise nach dem Umstand, dass die Schiffer hier Scherben für die Glashütte entluden. Andere Vermutungen der Namensherkunft gehen von einem Eigennamen aus, wonach der Erbauer der Schleuse oder ein Schleusenmeister Zerpe oder Zerpen geheißen habe. Ein Hinweis darauf wäre, dass der Name Zerpenschleuse erstmals schon 1650 in dieser Schreibweise auftauchte.Das Jahr 1684 gilt damit als urkundlich belegtes Gründungsdatum des Ortes. Website von Zerpenschleuse
Zuwachs durch Handwerk und Handel Im Jahr 1727 entstand auf dem Gelände der Glashütte ein Vorwerk des Amtes Liebenwalde mit einem Schenkkrug und einer Schneidemühle. Der Finowkanal wurde ab 1743, da er während des Dreißigjährigen Krieges und danach verfallen war, neu ausgebaut und 1746 wieder in Betrieb genommen. 1747 zählte die Siedlung um die Glashütte 28 erwachsene Einwohner.Geschichte der Ortsteile des Gemeindeverbandes Wandlitz, Ortsteil Zerpenschleuse Sie wird heute als Alt-Zerpenschleuse bezeichnet. Das Vorwerk wurde 1765 durch den König Friedrich II. dem Amtmann Kienitz in Erbpacht gegeben, mit der Auflage, Spinnerfamilien als Kolonisten anzusiedeln. Im gleichen Jahr hatte schon der Kriegsrat und damalige Domänenpächter Berg die nach ihm benannte Kolonie Berg mit 29 Ansiedlern nördlich der Glashütte gegründet. Ab 1774 entstand dann mit der Ansiedlung von 22 Kolonistenfamilien aus verschiedenen Gegenden Deutschlands an der Straße Richtung Berlin der dritte Ortsteil von Zerpenschleuse, die Kolonie Kienitz. Das Gut wurde 1784 von den Kienitzschen Erben verkauft und kam nach mehrmaligem Besitzerwechsel in den Besitz des Kreises, der die Ländereien parzellierte. 1801 hatte das Erbpachtgut 91 Häuser mit 668 Einwohnern, deren Zahl bis 1805 auf 852 Einwohner anstieg. Auf Alt-Zerpenschleuse entfielen davon 276 Einwohner, darunter 50 Schiffer, die im Jahr 1805 eine Gilde gründeten. Wegen der gestiegenen Einwohnerzahl erhielt der Ort 1822 ein Schulhaus mit einem Klassenzimmer und einer Lehrerwohnung.
Nach der Zerstörung der Kirche und des Pfarrhauses 1832 durch einen Brand, folgten 1834 der Neubau eines Schul- und Küsterhauses und 1845 bis 1849 der Bau eines neuen Gotteshauses.
Seit 1845 besaß Zerpenschleuse eine Försterei und eine Schützengilde. Die beiden Kolonien Berg und Kienitz blieben neben Alt-Zerpenschleuse selbstständige Landgemeinden, wurden aber schon gemeinsam als Neu-Zerpenschleuse bezeichnet. 1856 hatte die gesamte Siedlung 1724 Einwohner, die in 150 Häusern lebten. Allein die Kolonie Kienitz bestand 1860 aus 53 Wohn-, 62 Wirtschafts- und 4 öffentlichen Gebäuden, unter den Wirtschaftsgebäuden eine Windmühle und ein Krug. Den drei Siedlungsteilen und dem Gut angeschlossen waren 56 Hektar Ackerland, 18 Hektar Wiesen und 1 Hektar Wald. Neben der Schützengilde gründeten sich im 19. Jahrhundert weitere Vereine wie 1874 der Männergesangverein Concordia und 1888 ein Männerturnverein. Die Bildung der Freiwilligen Feuerwehr erfolgte 1905. Im Jahr 1874 wurden Alt-Zerpenschleuse, Neu-Zerpenschleuse und das Gut erstmals verwaltungsmäßig als Amtsbezirk Zerpenschleuse zusammengefasst. Erst 1919 wurde Alt-Zerpenschleuse (Glashütte) mit den beiden Kolonien Berg und Kienitz zur Gemeinde Zerpenschleuse vereinigt.
Zerpenschleuse im 20. Jahrhundert mini|links|Altes Bahnhofsgebäude Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zum Bau zweier Infrastruktur-Projekte, die sich sehr unterschiedlich auf die Entwicklung des Ortes auswirkten. Zunächst bekam Zerpenschleuse durch die Trassierung einer Bahnlinie nach Groß Schönebeck östlich der Siedlung einen Eisenbahnanschluss an die Reichshauptstadt Berlin, auch wenn der Bahnhof der Niederbarnimer Eisenbahn – später Heidekrautbahn genannt – in 1,3 Kilometer Entfernung vom Ortszentrum auf Ruhlsdorfer Gemeindegebiet errichtet wurde.
mini|Fußgängerbrücke zum Bahnhof über den Oder-Havel-Kanal mini|Ehemaliger Damm der Forststraße über den Langen Trödel
Diesem positiven Effekt stand der von 1907 bis zur Eröffnung 1914 erfolgte Bau des Hohenzollernkanals – des heutigen Oder-Havel-Kanals – entgegen. Dadurch verlor der Finowkanal seine Hauptfunktion als Wasser-Transportweg, die Bedeutung Zerpenschleuses für die Binnenschifffahrt sank rapide. In den Jahren 1924/25 wurden die beiden Schleusenkammern unmittelbar vor der Schnittstelle der beiden Kanäle südöstlich des Ortes zugeschüttet und der Finowkanal damit unterbrochen. Das so entstandene stehende Gewässer des alten Kanals wird seither von Zerpenschleuse bis Liebenwalde als Langer Trödel bezeichnet. 1935 wurde die Zugbrücke an der ehemaligen Uckermärkischen Heerstraße, heute Schorfheidestraße (B 109), abgerissen und durch einen Damm ersetzt. 1944/45 erfolgte der Abriss der Zugbrücke über den Kanal an der Glashütte.
Im Mai 1905 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr Zerpenschleuse. Für das 120-Jahre-Jubiläum bereiten verschiedene Vereine und Feuerwehren aus anderen Ortsteilen einen großen Umzug vor.Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz, Nachrichten aus den Ortsteilen: Zerpenschleuse; Ausgabe vom 22. Februar 2025, S. 34.
Der Ort Zerpenschleuse wurde Ende des Zweiten Weltkriegs am 24. April 1945 von sowjetischen Truppen besetzt. Die im Krieg zerstörte Eisenbahnbrücke über den Oder-Havel-Kanal wurde 1948 als Bogenbrücke aus Stahlbeton wieder aufgebaut. Das Ministerium für Finanzen der DDR erwarb 1952 das frühere Landschulheim Zerpenschleuse und ließ es zu einem Kinderwochenheim Seid bereit ausbauen. Bereits nach fünf Jahren schloss das Heim und das Gebäude wurde der LPG zur Nutzung übergeben. Von 1956 bis 1959 bildeten sich sowohl im Handwerk als auch in der Landwirtschaft Produktionsgenossenschaften heraus, wie die PGH Kraftfahrzeuginstandsetzung, die LPG Freier Bauer (Typ III) und die LPG Morgensonne (Typ I). In der ehemaligen Gaststätte Zur feuchten Ecke entstand 1959 ein Lebensmittelkonsum. Im gleichen Jahr eröffnete die erste Kinderkrippe des Ortes. 1969 bzw. Die beiden LPGen vereinigten sich 1971 mit der LPG Stolzenhagen.
Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland wurde in Zerpenschleuse am 3. Juli 1991 die Ortsschule geschlossen. Die schulpflichtigen Kinder gehen seitdem in Klosterfelde, Marienwerder und Liebenwalde zur Schule. Ab 1992 begann die Restaurierung der Dorfkirche. Bei der Modernisierung der Heidekrautbahnstrecke wurde 1999 die Brücke über den Oder-Havel-Kanal gesprengt und durch eine neue Stahlbogenbrücke ersetzt. 2002 wurde mit dem Ausbau der Nebenstraßen in der Liebenwalder Straße begonnen. Ein Jahr danach wurde am 19. September 2003 der Grundstein für eine Mehrzweckhalle am Sportplatz gelegt. Dies war mit die letzte Amtshandlung der selbstständigen Gemeinde Zerpenschleuse. Die bis dahin zum Amtsbereich von Groß Schönebeck gehörende Gemeinde trat mit den Kommunalwahlen am 26. Oktober 2003 als Ortsteil der Großgemeinde Wandlitz bei.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003 Im Gegensatz zu den anderen Ortsteilen von Wandlitz ist die Einwohnerentwicklung in Zerpenschleuse seitdem auf heute etwa 900 Bewohner leicht rückläufig.
Bevölkerung Die Einwohner dieses Wandlitzer Ortsteils werden Schlüser genannt.Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz, Nachrichten aus den Ortsteilen, 19. Ausgabe, 6. Juli 2022, S. 31: Zerpenschleuse. Jahr Einwohner 1747 28 1801 668!1805 852 1856 1 724 1875 1 753 1910 1 769 1939 1 899 1946 1 885 1964 1 623 1989 1 205 Jahr Einwohner 1990 1 178 1995 1 124 2000 1 033 2001 1 027 2002 1 013 2003 1 018 2004 998 2005 981 2006 964 2007 953 Jahr Einwohner 2008 944 2009 950 2010 944 2011 910 2012 884 2013 883
Quelle 1875–2002:Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Barnim, S. 18–21., 2009–2013:Einwohnerstatistik Gemeinde Wandlitz, S. 10.
Politik Vor der großen Gemeindereform hießen die für die Geschicke des Ortsteils zuständigen gewählten Personen Ortsteilbürgermeister. Zwischen 2006 und 2008 hatte Mike Bensemann (CDU) diese Funktion inne.Heidekraut Journal. Dezember 2006, S. 14.