Die Antonow An-30 (NATO-Codename: Clank) ist ein sowjetisches Luftbildflugzeug, das Ende der 1960er Jahre entwickelt wurde. Die Maschine ist als Schulterdecker ausgelegt. Der Grundentwurf stammt von der Antonow An-24 FK ab. Wie diese verfügt sie über zwei Turboprop-Triebwerke Iwtschenko-Progress AI-24. Unterscheidungsmerkmale sind der stark verglaste Bug, das hochgesetzte Cockpit und ein Hilfstriebwerk in der rechten Triebwerksgondel. Wie die An-24 kann auch die An-30 auf wenig befestigten Kleinflugplätzen unter wechselnden Witterungsbedingungen operieren und verfügt über STOL-Eigenschaften.

Entstehungsgeschichte Der Prototyp An-24FK, von dem nur ein Exemplar entstand, wurde in den Jahren 1965–1967 vom OKB Berijew entwickelt. Hauptaufgabe war das Fotografieren der Erdoberfläche, um aus den so gewonnenen Daten Karten erstellen zu können. Insgesamt konnten fünf Kameras (drei senkrecht und zwei seitlich eingebaut) hinter entsprechenden verschließ- und beheizbaren Fenstern im Rumpf transportiert werden. Es handelt sich dabei um drei AFA-41 mit verschiedenen Brennweiten und je eine AFA-42/20 beziehungsweise А54/50-FK.

Der Erstflug des Prototyps fand am 21. August 1967 statt. 1971 fiel die Entscheidung zur Serienfertigung, nachdem die Flugtests positiv verlaufen waren. Die Serienmaschinen wurden dann Antonow An-30 genannt. Die Produktion fand im Werk Nr. 473 von Kiew-Swjatoschino von 1975 bis 1980 statt.Ulf Gerber: Das große Buch der sowjetischen Luftfahrt 1920–1990. Entwicklung, Produktion und Einsatz der Flugzeuge. Rockstuhl, Bad Langensalza 2019, ISBN 978-3-95966-403-5, S. 625.

Erstmals vorgestellt wurde die An-30 im Mai 1974 auf der Luftfahrtschau in Hannover. 1975 wurde ein Flugzeug mit dem Luftfahrzeugkennzeichen CCCP-30030 in Frankreich gezeigt.

Varianten miniatur|Antonow An-30A-100 Antonow An-30A Ziviles Luftbildflugzeug, 66 gefertigt, heute sind davon 11 in der Ukraine verblieben.

Antonow An-30B Militärischer Luftbildaufklärer, 26 gefertigt

Antonow An-30D „Sibirjak“ Variante der An-30A mit besserer Navigationseinrichtung und größerer Treibstoffkapazität, die 1990 erschien. Die Variante wurde in der Arktis zur Eisbeobachtung, zur Fischereiüberwachung und als Transportflugzeug eingesetzt. Sie besitzt eine verbesserte Kommunikationsausrüstung, so etwa ein Bord-Faxgerät. Die Kameras erlauben es, zusätzliche Daten mit auf den Film zu belichten.

Antonow An-30M „Meteosaschtschita“ Spezialmaschine zum Einsatz in der Wetterforschung. Die Maschine besitzt eine Sprüheinrichtung, um Trockeneis in die Atmosphäre einbringen zu können. Das Trockeneis wurde in acht Behältern zu je 130 kg anstatt der Fotoausrüstung transportiert.

Einsatz mini|An-30 „Open-Skies“ (2017) Von allen Varianten dieses Typs wurden insgesamt 123 Stück gefertigt, wovon noch etwa 30 bis 35 im Einsatz sind.FliegerRevue August 2008, S. 67, Sammelserie Neben dem Einsatz in der UdSSR kam der Typ auch in Afghanistan, in der Tschechoslowakei, auf Kuba, in China, in Vietnam, in der Mongolei sowie in Rumänien zum Einsatz. Insgesamt wurden 23 Maschinen exportiert.

Je nach Kamerabestückung und Flughöhe können Luftbildaufnahmen in den Maßstäben von 1:3.000 bis 1:200.000 angefertigt werden. Die Kameraplattformen können dabei kreiselstabilisiert werden. Die Auslösung erfolgt halbautomatisch. Filme können direkt an Bord in einem Fotolabor entwickelt werden. Für den Komfort auf längeren Missionen sorgen Ruhesessel und eine Bordtoilette.

Im Jahr 1982 wurde mit Maschinen dieses Typs Afghanistan komplett kartografiert. Eine Maschine wurde dabei während des Einsatzes abgeschossen. Im Jahr 1987 wurden Maschinen in Angola eingesetzt. Im Jahr 1992 wurden sie von Russland und der Ukraine im Rahmen des Open-Skies-Abkommens verwendet, um Luftbilder von militärischen Einrichtungen in den USA aufzunehmen.

Im März 2013 wurde eine An-30B über Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg eingesetzt. Gestützt auf das Open-Skies-Abkommen führte sie vom Flughafen Köln/Bonn zwischen dem 18. und 23. März mehrere Flüge durch, um russischen Militärbeobachtern die Möglichkeit zur Überprüfung von Überwachungselektronik zu geben.Russian Military Inspectors to Fly Over Germany, Benelux, rianovosti auf ria.ru vom 18. März 2013, gesichtet am 18. März 2013

Militärische Nutzer mini|An-30 der bulgarischen Luftstreitkräfte mini|An-30, im Anflug, Flugplatz Kubinka 1 An-30 1985 geliefert. Bulgarische Luftstreitkräfte, 1 An-30 Luftstreitkräfte der Volksrepublik China Kasachische Luftstreitkräfte Rumänische Luftstreitkräfte, geliefert wurden 3 Maschinen, je nach Quelle sind davon Stand 2022 noch eine oder zwei im Einsatz. Russische Luftstreitkräfte Luftstreitkräfte der Sowjetunion Tschechische Luftstreitkräfte Ukrainische Luftstreitkräfte

Zwischenfälle Vom Erstflug 1967 bis August 2026 kam es mit Antonow An-30 zu 6 Totalschäden von Flugzeugen. Bei 3 davon kamen insgesamt 17 Menschen ums Leben. Aviation Safety Network Beispiele: Am 15. März 1985 wurde eine An-30B der Luftstreitkräfte der Sowjetunion (05 red), mit der Luftbildaufnahmen von Afghanistan gemacht werden sollten, von einer Flugabwehrrakete 9K32 Strela-2 getroffen. Die Besatzung wollte daraufhin auf dem Flugplatz Bagram notlanden, jedoch musste zuerst an Höhe verloren werden; es wurde zunächst um den Flughafen gekreist. Dabei breitete sich das Feuer aus und zerstörte die Steuerung des Querruders, was zum Kontrollverlust der Maschine und zum darauffolgenden Absturz führte. Nur 3 der 5 Insassen an Bord überlebten den Unfall verletzt. Aviation Safety Network

Am 22. März 1992 brach eine An-30A der russischen Mjatschkowo Awia (CCCP-30002) circa 35 Kilometer westlich von Nischnekamsk (Sacha, Russland) auseinander. Grund dafür war fehlerhaftes Bedienen des Autopiloten durch die Piloten, das zu extremen Flugbewegungen des Flugzeugs führte. Alle 10 Personen an Bord kamen bei dem Unfall ums Leben. Aviation Safety Network

Am 6. Juni 2014 wurde eine An-30B der ukrainischen Luftstreitkräfte (80-Yellow) in der Nähe von Slowjansk (Ukraine) abgeschossen. Laut Augenzeugenberichten war zunächst das rechte Triebwerk in Brand gesetzt worden, bevor die Maschine kurze Zeit später abstürzte. Von den 8 Insassen an Bord kamen 5 bei dem Unfall ums Leben. Aviation Safety Network

Technische Daten mini|Eine An-30D der Lukawiatrans Kenngröße Daten Besatzung 5–7 Länge 24,26 m Spannweite 29,20 m Höhe 8,32 m Flügelfläche 74,98 m² Flügelstreckung 11,38 Rumpfdurchmesser 2,90 m Kabinenhöhe/-breite 1,91 m × 2,76 m Spurbreite 7,90 m (Hauptfahrwerk) Leermasse 15.590 kg Startmasse maximal 23.000 kg Flächenbelastung 306,7 kg/m² Leistungsbelastung 4,1 kg/WPS Antrieb 2 Iwtschenko AI-24WT-Turboproptriebwerke mit je 1 Tumanski RU-19A-300-Strahltriebwerk mit 8,8 kN Schub Höchstgeschwindigkeit 540 km/h in 6.000 m Höhe Reisegeschwindigkeit 450 km/h Dienstgipfelhöhe 7.300 m ohne RU-19A-3008.400 m mit RU-19A-300 Reichweite 2.600 km

Literatur

Weblinks

Deutsche Suchoi-Webseite: An-30 An-30 Aviation Fotos (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Aufklärungsflugzeug Kategorie:Mittelstreckenflugzeug AN030 Kategorie:Militärluftfahrzeug (Bulgarien) Kategorie:Militärluftfahrzeug (Rumänien) Kategorie:Erstflug 1967 Kategorie:Zweimotoriges Turbopropflugzeug Kategorie:Militärluftfahrzeug (Tschechien) Kategorie:Militärluftfahrzeug (Sowjetunion) Kategorie:Militärluftfahrzeug (Russland)