Die Königlich Australische Marine (, abgekürzt RAN) ist die Seestreitmacht der Streitkräfte des Commonwealth of Australia. Bedingt durch seine Insellage ist sie die wichtigste Teilstreitkraft des Landes und hat eine Stärke von ca. 13.400 Mann.
Geschichte Schon während der Besiedlung Australiens operierten die britischen Marinekräfte in den australischen Gewässern, bevor im Jahre 1859 offiziell ein britischer Marinestützpunkt in Australien errichtet wurde.
Die Befürchtung, die britische Marine könnte wegen des Krimkrieges aus australischen Gewässern abgezogen werden, führte dazu, dass 1857 in Port Jackson für die damalige Kolonie New South Wales (NSW) die mit einer 32-Pfünder-Kanone bewaffnete Ketch Spitfire gebaut wurde. Die gleichfalls in Dienst gestellte dampfgetriebene Schaluppe Victoria (mit 580 t) nahm im Dezember 1860 an der ersten überseeischen Landung australischer Seeleute in Neuseeland teil.
Die Kolonie Victoria schuf 1861 eine Naval Brigade mit einer Mannschaftsstärke von zwei Kompanien. NSW folgte 1863 mit einer entsprechenden Einheit. Die Aufgabe dieser landbasierten Truppe war der Hafenschutz. Der Colonial Naval Defence Act ermöglichte eine eigenständige Seeverteidigung der Kolonien. 1868 stellte Victoria die in Jarrow gebaute und mit zehn 4-Zoll-Vorderladern bewaffnete Cerberus sowie einige Kanonenboote in Dienst. NSW erwarb 1863 zu Ausbildungszwecken die HMS Wolverine, ausgestattet mit sechzehn 8-Zoll-, einer 7-Zoll-Kanone und vier 40-Pfündern. mini|links|Plan der HMVS Albert aus Brassey’s 1888
1884 gelang der Firma Armstrong der Verkauf von fünf Kanonenbooten des von ihr entwickelten Rendell-Typs an die Kolonien. South Australia erhielt die dort als Kreuzer bezeichnete Protektor (921 t, 14,15 kn, ein 8 Zoll-, fünf 6-Zoll-Geschütze), Victoria die Victoria (544 t, 12,58 kn, ein 10-Zoll-Geschütz) und die Albert (361 t, 10,18 kn, ein 8 Zoll-, ein 6-Zoll-Geschütz) und Queensland die Paluma und Gayundah (beide 385 t, 10,5 kn, ein 8 Zoll-, ein 6-Zoll-Geschütz).
Die australischen Kolonien einigten sich 1887 darauf, das Royal Navy Auxiliary Squadron – unabhängig von den weiterbestehenden Squadronen der einzelnen Kolonien – zur Verteidigung der Heimatgewässer aufzustellen. Für dessen Unterhalt wurde eine Beihilfe an die Royal Navy gezahlt. Sie traf am 5. September 1891 mit den fünf Kreuzern Katoomba, Wallaroo, Tauranga, Ringarooma, Mildura der Pearl-Klasse (von denen zwei in der Regel außer Dienst seien sollten) und den zwei Torpedokanonenbooten Boomerang und Karrakatta der Sharpshooter-Klasse in SydneyAUSTRALIA'S FIRST FLEET The Sydney Morning Herald, 5. September 1891. ein.
Die Regierung von New South Wales entsandte den Kreuzer HMS Wallaroo (gebaut als Persian, 2575 t) zur Unterdrückung des Boxeraufstandes in chinesische Gewässer. Begleitet wurde sie von der gesamten Marine South-Australias: dem 1884 gebauten Kreuzer Protector (920 t; eine 8-Zoll- und fünf 6-Zoll-Kanonen). An Landungstruppen, die mit Feldgeschützen ausgerüstet waren, wurden 260 Mann aus NSW und 200 aus Victoria abgeordnet. Diese hatten eigentlich nach Südafrika in den Burenkrieg geschickt werden sollen. Nachdem sie in Hongkong mit neuen Waffen ausgerüstet worden waren kämpften sie in Tientsin und Peking, bis sie im März 1901 China wieder verließen.Hawthornwaite, Philip; The Colonial Wars Sourcebook; London 1995, ISBN 1-85409-196-4, S. 285f. mini|Die HMS Challenger, die der RAN übertragen wurde
Nach dem Naval Agreement Act von 1903, der die Stationierung von Royal Navy Einheiten im Empire und die Beteiligung der Kolonien an den Kosten regelte, sollte das Geschwader der Australia Station aus einem Kreuzer 1. Klasse, zwei der 2. Klasse und vier der 3. Klasse bestehen, die die inzwischen veraltete Auxiliary Squadron ersetzen sollten. 1906 erreichte die Australia Station die vereinbarte Stärke mit dem älteren Geschützten Kreuzer 1. Klasse Powerful als Flaggschiff, den beiden neugebauten Kreuzern der Challenger-Klasse, Challenger und Encounter und der älteren Cambrian, sowie fünf Kreuzern 3. Klasse vom Typ Pelorus mit HMS Psyche, Pegasus, Prometheus, Pioneer und Pyramus. Die Challenger und die kleinen Kreuzer bildeten verstärkt auch Australier aus.
1909 entschied die britische Krone, eine eigene australische Flotte aufzustellen. Es wurde geplant, ein Schlachtschiff, drei Kreuzer, sechs Zerstörer, drei U-Boote und einige Versorgungsschiffe in Dienst zu stellen. Die ersten beiden Zerstörer, die Yarra und die Parramatta, trafen im November 1910 in australischen Gewässern ein. Im folgenden Juli 1911 verlieh König George V. der Flotte den Titel „Royal Australian Navy“. Im Juni 1912 traf ein dritter Zerstörer, die Warrego ein und 1913 wurde der Schlachtkreuzer Australia und zwei Leichte Kreuzer (Sydney und Melbourne) in Dienst gestellt. Eine Marineakademie zur Ausbildung der Flottenoffiziere wurde 1915 in Jervis Bay eröffnet.
1914 bis 1918 mini|links|Das Flaggschiff HMAS Australia mini|Die Torrens, einer der zweiten drei Torpedobootzerstörer der River-Klasse, die 1916 in Dienst gestellt wurden
Bei Kriegsausbruch 1914 bestand die Flotte aus dem Schlachtkreuzer Australia, vier Leichten Kreuzern (Sydney, Melbourne, Encounter, Pioneer), drei Zerstörern der River-Klasse (Yarra, Parramatta, Warrego), zwei U-Boote (AE1, AE2) und verschiedenen Versorgerschiffen. Als erster Sieg gilt die Zerstörung der Emden am 9. November 1914.gov.au: the first victory. Die Flotte wurde in die britische Royal Navy integriert und auf allen Kriegsschauplätzen eingesetzt. Die Flotte unterstützte die Marineinfanterie bei der Besetzung der damals deutschen Kolonien im Pazifik, z. B. Deutsch-Neuguinea. Danach war die Flotte hauptsächlich mit der Eskortierung von Konvois beschäftigt. Die Flotte unterstützte die Schlacht von Gallipoli und die australische Marine eröffnete auch die Seeschlacht an den Dardanellen. Dabei verlor sie am 30. April 1915 das U-Boot AE2.
1919 bis 1938 Im Dezember 1921 wurde das Flottenflaggschiff Australia ausgemustert und schließlich auf See versenkt. Damit verlor Australien sein einziges Großkampfschiff, jedoch war der Schlachtkreuzer trotz seines geringen Alters bereits veraltet und sein Unterhalt stellte eine unverhältnismäßig große Belastung des Marine-Budgets dar. Dafür wurde 1924 die Flotte um sechs U-Boote und sechs Zerstörer ergänzt. Die Bevölkerung der Salomonen erhob sich 1927 gegen die britische Kolonialregierung, die den Aufstand mit einer militärischen Strafexpedition niederschlug. An diesen Kampfhandlungen war die australische Flotte beteiligt. 1928 erhielt die Flotte zwei Schwere Kreuzer der Kent-Klasse. In den zwanziger und den frühen dreißiger Jahren wurde das Budget für die Flotte gekürzt. Trotzdem wurde 1929 ein Seeflugzeugtender in Dienst gestellt. Fünf weitere alte Zerstörer wurden 1933 angeschafft. Ab 1935 wurden drei Leichte Kreuzer der Amphion-Klasse von der Royal Navy angekauft, die auch mit dem Seeflugzeugtender Albatross bezahlt wurden.
1939 bis 1945 mini|HMAS Canberra mini|HMAS Sydney mini|HMAS Swan
Bei Kriegseintritt Großbritanniens und Australiens verfügte die Flotte unter dem britischen Konteradmiral Wilfred Custance über zwei Schwere (HMAS Canberra, Australia) und drei Leichte Kreuzer (Sydney, Hobart, Perth), drei Zerstörer (Vampire, Vendetta, Voyager), zwei Escort Sloops (Swan, Yarra) und das Vermessungsschiff Moresby. Dazu kamen noch das Depotschiff Penguin und in Reserve der ältere Kreuzer Adelaide und die beiden Zerstörer Stuart und Waterhen.
Zu den im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Schiffen zählten: HMAS Adelaide HMAS Armidale, am 1. Dezember 1942 versenkt HMAS Arunta HMAS Australia HMAS Ballarat HMAS Bataan HMAS Bendigo HMAS Canberra, am 9. August 1942 in der Schlacht bei Savo Island gesunken HMAS Castlemaine HMAS Hobart HMAS Kalgoorlie HMAS Napier HMAS Nepal HMAS Nestor, am 16. Juni 1942 im Mittelmeer versenkt HMAS Nizam HMAS Norman HMAS Parramatta, am 27. November 1941 vor Tobruk versenkt HMAS Perth, am 1. März 1942 in der Schlacht in der Sundastraße versenkt HMAS Stuart HMAS Swan HMAS Sydney, am 19. November 1941 nach Gefecht mit dem deutschen Hilfskreuzer Kormoran gesunken HMAS Vampire, am 9. April 1942 vor Ceylon von japanischen Flugzeugen versenkt HMAS Vendetta HMAS Voyager, Ende September 1942 in der Schlacht um Timor verloren HMAS Warramunga HMAS Warrego HMAS Warrnambool HMAS Waterhen, am 30. Juni 1941 im Mittelmeer versenkt, erster australischer Kriegsverlust HMAS Yarra, am 4. März 1942 in Niederländisch-Indien versenkt
Unter dem Kommando der britischen Royal Navy operierte die Flotte auf allen Seekriegsschauplätzen.
Gegenwart Seit Amtsantritt des australischen Premierministers Tony Abbott 2013 patrouilliert die Navy verstärkt nördlich von Australien, um es Flüchtlingsbooten unmöglich zu machen, die australische Küste zu erreichen.Christoph Sydow: Umgang mit Bootsflüchtlingen. spiegel.de, 20. April 2015, abgerufen am 20. April 2015. Vor dem Hintergrund der massiven Aufrüstung der Volksrepublik China auch zur See gab die australische Regierung unter Premierminister Anthony Albanese am 20. Februar 2024 ein umfangreiches Aufrüstungsprogramm bekannt. Die Zahl der großen Überwasser-Einheiten (Zerstörer und Fregatten) sollte von bislang 11 auf 26 vergrößert werden. Zu den neun größeren Einheiten sollten drei aufgerüstete Fregatten der Hobart-Klasse gehören sowie sechs Fregatten der Hunter-Klasse, gebaut von BAE Systems.
Flotte Präfix der Schiffe Alle Kriegsschiffe der Royal Australian Navy tragen als Namensbestandteil den Präfix „HMAS“ für Her bzw. His Majesty’s Australian Ship.
Aktueller Bestand