George Etherege (* um 1635 in Maidenhead, Berkshire; † um 1691 in Paris) war ein englischer Theaterautor, der in der Restaurationszeit von 1660–1688 in England einer der bedeutendsten Autoren der damals in England sehr beliebten Restaurationskomödien war. Für die Jahre von 1685 bis 1689 wurde er als Sir George Etherege, im Auftrag von König Jakob II, der 1668/9 zum Katholizismus konvertiert war, nach Regensburg zum Reichstag entsandt.
Als Helfer und Sekretär begleitete ihn Hugh Hughes. Dieser übernahm 1689, nach der verordneten Abordnung von Etherege nach Frankreich, die Position von Etherege als Gesandter am Reichstag. Tatsächlich war Hughes ein verkappter Spion, der von den protestantischen Gegnern des englischen Königs in Holland bezahlt wurde und dessen Berichte für die Holländer und für die protestantische Partei in Deutschland sehr wichtig waren. Die Berichte des Spions über die Tätigkeiten von Etherege, über sein Aufsehen erregendes gesellschaftliches und öffentliches Verhalten in Regensburg sowie über seine Verbindungen zum Schottenkloster und zu dessen mit Etherege befreundeten Abt Placidus Fleming, führten letztlich dazu, dass die Berichte über den intensiven Einsatz von Etherege für den von ihm verehrten katholischen englischen König Charles II., in den Hintergrund gerieten und deshalb von der Geschichtsforschung lange Zeit nicht angemessen berücksichtigt wurden. Stattdessen erfuhren die Berichte des bezahlten Spions Hughes über die ungewöhnlichen öffentlichen Auftritte von Etherege während und nach Wirtshausbesuchen und über sein manchmal auch öffentlich bemerkbares, ungewöhnlich anstößiges Privatleben große Aufmerksamkeit. Das führte in Hinsicht auf die Bewertung der Person Etherege zu einseitigen Schlussfolgerungen und auch zu unzureichenden Erkenntnissen hinsichtlich der Einstellungen von Etherege zum von ihm hoch verehrten König Charles II.
Leben Frühes Leben Etherege war der älteste Sohn von Captain George Etherege und Mary Powney, die sieben Kinder hatten.H. F. B. Brett-Smith: The Dramatic Works of Sir George Etherege. Basil Blackwell, Oxford 1927, S. xi-lxxxiiii (Einleitung). Über die frühen Lebensjahre von George Etherege ist nur wenig bekannt. Ort und Zeit von Geburt und Tod sind nicht ganz sicher datierbar.
Einige Jahre am Beginn seines Lebens hat Etherege in Frankreich verbracht. Später besuchte er die Lord Williams’s School in Thame, Oxfordshire. Es mag sein, dass er eine schulische Ausbildung in Cambridge genossen hat,William Oldys: Biographia Britannica. Vol. III. 1750, S. 1841. jedoch behauptete John Dennis, dass Etherege weder der griechischen noch der lateinischen Sprache mächtig war und bezweifelte daher, dass Etherege dort studiert hatte.John Dennis: A Defence Of Sir Fopling Flutter, A Comedy. Pamphlet, London, 2. November 1722.
Etherege war zunächst als Anwaltsgehilfe in Beaconsfield tätig und widmete sich später den Rechtswissenschaften in Clement’s Inn, London, einer der Inns of Chancery. Vermutlich reiste er in jungen Jahren mit seinem Vater, der Königin Henrietta Maria während des Bürgerkriegs ins Exil gefolgt war, nach Frankreich. Es wird angenommen, dass Etherege in Paris die frühen Komödien von Molière gesehen hat. Einer Anspielung in einem seiner Stücke hat man entnommen, dass er Roger de Rabutin, den Comte de Bussy, persönlich kannte.
Die Komödien Ethereges erstes Stück, The Comical Revenge, or Love in a Tub (1664), war ein Bühnenerfolg und sicherte ihm einen Platz in der Theatergesellschaft. Ungefähr um diese Zeit schloss er Bekanntschaft mit Charles Sackville (Lord Buckhurst, später Earl of Dorset) und gehörte zum Kreis der Court WitsAls „Wit“ bezeichnete man einen Menschen mit Witz, Verstand und lebhafter Phantasie, der Ereignisse und Dinge geistreich und brilliant mit Witz und Verstand formulieren konnte. Den Gegenpol eines solchen Menschen bezeichnete man als „Fop“, eine oberflächliche Person, die bei Kleidung, Verhalten und Benehmen immer bestrebt war, sich neuen, gängigen Trends anzupassen, ein „Stutzer“, ein „Geck“., bei denen John Wilmot (Earl of Rochester), Charles Sedley, George Villiers (Duke of Buckingham), John Sheffield (Earl of Mulgrave) und weitere den Ton angaben. Seine Zeitgenossen nannten George Etherege „gentle George“ oder „easy Etheredge“.
1668 kam seine Komödie She would if she could auf die Bühne, eine klassische Restaurationskomödie voller Witz und Esprit. Spätestens mit diesem Stück machte sich Etherege einen Namen. Zwischen 1668 und 1671 war Etherege Sekretär des Botschafters Sir Daniel Hervey in Konstantinopel, ein Posten, der mit dem Bühnenerfolg in Zusammenhang gebracht wurde.
Acht Jahre war es still um Etherege, bis er mit seinem nächsten Stück aufwartete: The Man of Mode or, Sir Fopling Flutter, eine Komödie, die zu den besten Schauspielen der Epoche zählt und den Weg ebnete für Autoren wie William Congreve. Das Stück war ein großer Erfolg, was vielleicht darauf zurückzuführen ist, dass darin gewisse allseits bekannte Höflinge satirisch aufs Korn genommen wurden. Sir Fopling Flutter war ein Porträt von Beau Hewit, Dorimant war eine Anspielung auf John Wilmot, Medley stand entweder für Etherege selbst oder für Sir Charles Sedley.
Die Zeit nach den Erfolgen am Theater Etherege war nachweislich mit John Wilmot (Earl of Rochester) befreundet und gemeinsam mit Rochester in eine Auseinandersetzung verwickelt, in deren Verlauf eine Person ernsthaft verletzt wurde;E. M. Thompson (Hrsg.): Correspondence of the Family of Hatton. Band 1. Camden Society, 1878, S. 133–134. beide Männer hatten ein Kind mit der Schauspielerin Elizabeth Barry.Cambridge Guide to Literature in English. Die drei gehören zu den Charakteren in dem Film The Libertine (2005), Grundlage dafür war ein Stück von Stephen Jeffreys.
Etherege kehrte der Literatur den Rücken und verlor ein Großteil seines Vermögens beim Glücksspiel. Er wurde 1680 in den Adelsstand erhoben und heiratete die wohlhabende Witwe Mary Sheppard Arnold.
Gesandter am Reichstag in Regensburg Im Auftrag von König Jacob II, wurde Etherege ab 1685 als Vertreter Englands zum Immerwährenden Reichstag nach Regensburg entsandt. Als Sekretär und Helfer wurde er unterstützt von Hugh Hughes, der später für kurze Zeit auch sein Nachfolger wurde. Bis zum Ende seiner Dienstzeit erkannte Etherege nicht, dass Hughes ein von holländischen Kreisen beauftragter und bezahlter Spion war, der nebenbei auch die Rolle eines sittenstrengen, calvinistischen Eiferers spielen sollte und dementsprechende Berichte lieferte.
Erste Monate in Regensburg Offiziell hatte Etherege zunächst nur den Rang eines Resident (ständiger Vertreter) und damit nur den untersten Rang in der damaligen englischen Hierarchie der Diplomaten. Er war damit weder im Rang eines Gesandten (Minister) noch im Rang eines Plenipotentiarius (Bevollmächtigter). Schon bald beklagte er sich über diesen Nachteil, weil er offiziell nicht gleichberechtigt mit seinen Kollegen am Reichstag verhandeln konnte.
In Regensburg bewohnte Etherege das im 16. Jahrhundert erbaute, damals dreigeschossige Haus mit Satteldach am Arnulfsplatz Nr. 4. In diesem Haus sowie öffentlich auf dem Arnulfsplatz vor dem Haus im Zentrum der Stadt veranstaltete er häufig Trinkgelage, auch in Begleitung nur knapp bekleideter Tänzerinnen, die er im von ihm gerne besuchten Gasthaus Zum Walfisch angetroffen hatte. Anfänglich erregte sein häusliches und öffentliches Verhalten das Aufsehen vieler Bürger, wurde Stadtgespräch und verärgerte deshalb auch den Rat der Stadt.
Das anfängliche auffällige Verhalten von Etherege im Stadtgebiet von Regensburg, seine häufigen Wirtshausbesuche, sein Bierkonsum und seine Äußerungen in der Stadt kann man nur verstehen, wenn man die damaligen Auffassungen vieler englischer Adeliger berücksichtigt und ihre Einstellungen zur Lebensführung und zur Arbeit kennt. In England ein adliger gentleman zu sein bedeutete damals, nicht für den eigenen Broterwerb arbeiten zu müssen und Herr seiner selbst zu sein. Wer, wie Etherege, Theaterstücke schrieb, tat das nicht zum Broterwerb, sondern zum Zeitvertreib und zur Erholung. In einigen erhaltenen Briefen betont Ethererege geradezu penetrant, dass er die Arbeit verabscheue und auch in der bayerischen Provinz dem Lebensideal eines Dandys treu zu bleiben gedenke. Ihm wurde aber schnell klar, dass man nur unter Gleichgesinnten auf diese Weise leben konnte. Damit zeigt sich im Laufe der Zeit, dass Etherege sich anpassen konnte und nicht ungeeignet war für die diplomatische Missionen, mit denen er beauftragt wurde. Er fand schnell Zugang zu Menschen aller Schichten und pflegte vertraulichen Umgang sowohl mit Adligen und Geistlichen als auch mit Schauspielern und Hausangestellten. Seine Weltsicht war gekennzeichnet durch Toleranz und Gelassenheit, durch Galanterie und Grazie, wobei ihn das Wesen der Menschen weniger interessierte als die Art und Weise wie sich die Menschen darstellten, wobei für ihn besonders wichtig war, dass sie unterhaltsam waren.
Etherege bestand immer auf Meinungsfreiheit, wobei ihm Religionsfragen gleichgültig waren. An dogmatischen theologischen Fragen sowie an Diskussionen über unterschiedliche Arten der Gottesverehrung war er völlig uninteressiert. Jedoch waren für ihn Protestanten, wie z. B. die schottischen Presbyterianer der Whig-Richtung politischen Gegner. Er verband sie mit einer von der Welt abgewandten Askese und mit Leibfeindlichkeit, Körperfeindlichkeit und Niedergeschlagenheit. Für ihn waren diese Protestanten tatsächliche oder potentielle Feinde seines Königs und damit waren sie auch seine Feinde.
Viele bisher ausgewertete Briefe von Etherege aus seiner Zeit in Regensburg können den Eindruck erwecken, er habe sich in Regensburg gelangweilt und einsam gefühlt. Dem widersprechen jedoch viele spätere Briefe. Auch ein von ihm selbst verfasster Bericht über die von ihm selbst in die Wege geleitete und organisierte große Festveranstaltung zur Geburt eines katholischen Thronfolgers in England stützt diese Auffassung nicht. Die bisher ausgewerteten Briefe werden im Britischen Museum aufbewahrt und wurden 1927 von Sybil Rosenfeld (1928), später von Frederick Bracher ediert. Jedoch existieren in Regensburg zusätzlich zwei weitere umfangreiche Foliobände, mit Briefen von Etherege an Middleton, die bisher (Stand 2000) noch nicht ausgewertet wurden.