mini mini|Das Kaiser-Wilhelm-Museum, im September 2005 mini|Haus Esters (links), Haus Lange (rechts), im März 2005 In drei Häusern widmen sich die Kunstmuseen Krefeld insbesondere der modernen und zeitgenössischen Kunst. Durch die frühe und konsequente Ausrichtung besonders unter dem Direktor Paul Wember konnte seit den späten 1950er Jahren ein internationales Renommee erarbeitet werden. Neben dem Bau des Kaiser-Wilhelm-Museums am Joseph-Beuys-Platz als Haupthaus verfügt das Museum mit dem Villenensemble Haus Lange und Haus Esters auf der Wilhelmshofallee über Präsentationsorte für Sonderausstellungen. Die Museen werden seit dem 1. September 2016 von der ehemaligen stellvertretenden Direktorin am Museum Ludwig in Köln, Katia Baudin geleitet. 2023 wurden die drei Museen vom Kunstkritikerverband AICA als Museum des Jahres 2022 ausgezeichnet.aica.de Medien-Mitteilung vom 27. März 2023: Auszeichnungen des Jahress 2022, abgerufen am 28. März 2023.

Geschichte

Anfänge Der Handwerker- und Bildungsverein bekundete im Januar 1882 in einer Bürgerversammlung: „Es als wünschenswert, dass in Crefeld ein Museum eingerichtet werde, das insbesondere die kunstgewerblichen Interessen vertritt.“ Daraufhin wurden eine Museumskommission und im Jahr darauf ein Museums-Verein gegründet. Diesem gehörten 32 Mitglieder an, darunter der Oberbürgermeister, der Landrat, der Schulrat sowie mehrere Seidenfabrikanten. Im gleichen Jahr wurde in der Stadthalle die erste Ausstellung, Kunstwerke aus Krefelder Privatbesitz, veranstaltet.

Der Museumsverein bemühte sich in den 1880er-Jahren vor allem um Spenden, Gegenstände und Gemälde als Grundstock für einen Museumsbau. 1884 stellte die Stadt Krefeld die ehemalige Schule am Westwall 60 unentgeltlich zur Verfügung. Bereits 1897 wurde der Gesamtwert des Bestandes auf 112.000 Mark beziffert. Dieser umfasste eine römische Abteilung, Eisenwaren des 15. bis 18. Jahrhunderts, italienische Metallarbeiten, niederrheinische Möbel, rheinisches Steinzeug, Bauerntöpferei, deutsche und holländische Fayencen, süddeutsche und französische Möbel des Rokoko und des Empire, italienische Möbel der Renaissance sowie eine Gemäldegalerie.

Museum am Karlsplatz mini|Ausstellungsplakat von Alfred Mohrbutter Nach dem Tode Kaiser Wilhelms I. 1888 wurde die Idee aufgegriffen, dem verstorbenen Kaiser anstatt eines Denkmals ein Museum zum Gedenken zu errichten. In den Jahren 1894 bis 1897 wurde das Kaiser-Wilhelm-Museum erbaut; 1910–1912 wurde es durch Nord- und Südflügel erweitert. Grundstock des neuen Museums war die Sammlung des Kempeners Konrad Kramer, der ab 1850 niederrheinische Möbel, Plastiken, Glasmalereien, Steinzeug, Gemälde und Waffen zusammengetragen hatte. Der Krefelder Stadtverordnete Albert Oetker hatte vor Eröffnung des Museums die Kramer-Sammlung gekauft und sie als Schenkung eingebracht.

Erster Direktor des Museums wurde 1897 Friedrich Deneken. In seiner 25-jährigen Amtszeit wurde die Sammlung entwickelt. In einem Aufruf schrieb er: „Das Kaiser-Wilhelm-Museum muß vorzugsweise auf den Erwerb neuerer Kunsterzeugnisse gerichtet sein.“ So wurde beispielsweise schon 1900 durch 26 Ankäufe der Grundstock für die heute bedeutende Plakatsammlung gelegt. In der gleichen Zeit erfolgte der Erwerb der Sammlung der italienischen Renaissance von Adolf von Beckerath.

1922 wurde Max Creutz Nachfolger von Friedrich Deneken im Amt des Museumsdirektors. Lag der Schwerpunkt zunächst auf neuzeitlichem Kunstgewerbe und Kleinkunst, wurde dieser seitdem vom neuen Museumsdirektor mehr und mehr auf die bildende Kunst verlagert. Im ersten Jahr seiner Amtszeit, die mit seinem Tod 1932 endete, wurde das Deutsche Museum von Karl Osthaus mit Arbeiten von Peter Behrens und Henry van der Velde übernommen. Des Weiteren wurden Bilder von Heinrich Campendonk, Max Liebermann und Ernst Ludwig Kirchner angekauft. 1923 veranlasste Creutz die Erstellung vier großer Wandbilder Lebensalter von Johan Thorn Prikker im Obergeschoss. In: Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur. März 1924, S. 184–189.

Mit dem Tod Creutzes 1932 begann eine Zeit des Stillstands im Museum. Burghardt Freiherr von Lepel übernahm 1933 die Leitung, er schied 1936 wieder aus. In die Amtszeit von Fritz Muthmann, 1937–1943, fiel die Beschlagnahmung sogenannter „entarteter Kunst“, und somit fast des gesamten von Max Creutz aufgebautem Bestandes an modernen Kunstwerken. Die Wandbilder vom Prikker ließ Muthmann zumauern und bewahrte sie so vor Zerstörung. Die vielen in seiner Amtszeit getätigten Käufe wurden nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Siegermächte rückabgewickelt.

Das 1942 geschlossene Museum überstand den Krieg unbeschadet und wurde zunächst von städtischen Ämtern und Institutionen mitgenutzt.

Nachkriegsjahre 1947 wurde Paul Wember zum Museumsdirektor ernannt. Mit den geringen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, versuchte er nach der Währungsreform 1948 Kunstwerke aus den 1930er Jahren zu erstehen, um vorhandene Sammlungsschwerpunkte auszubauen und abzurunden. Aber auch Romantiker-Zeichnungen oder impressionistische Gemälde wurden angekauft um die Sammlung zu schließen. 1953 und 1954 konnten unter anderem Blätter von Max Ernst, Yves Tanguy, Joan Miró, Henri Matisse und Pablo Picasso günstig erworben werden und so nahm innerhalb der Sammlungen die Bedeutung der zeitgenössischen Graphik an Bedeutung zu.

1955 stellte Ulrich Lange sein 1928 bis 1930 von Ludwig Mies van der Rohe erbautes Elternhaus der Stadt Krefeld für zehn Jahre als Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst zur Verfügung. Unter der Leitung Wembers wurde das „Haus Lange“ zu einem der führenden Ausstellungsorte avantgardistischer Kunst; so veranstaltete hier Yves Klein seine erste und letzte museale Retrospektive zu Lebzeiten.

Mit einem minimalen Ankaufsetat war das Krefelder Museum nicht in der Lage, wie die großen Häuser in die klassische Moderne zu investieren. Wember kaufte daher unbekannte Gegenwartskunst, unter anderem Werke von Yves Klein, Antoni Tàpies und Joseph Beuys, 1959 zum Beispiel ein erstes Bild von Yves Klein für 500.- DMGisela Fiedler-Bender: Paul Wember zum 100. Geburtstag. In: Kunst und Krefeld e. V. (Hrsg.): Paul Wember. Erinnerungen zum 100. Geburtstag. Krefeld 2013, S. 25. oder zwei Bilder von Piero Manzoni für 200 DM.Heinz Mack mit Magdalena Broska im Gespräch. Dezember 2008. In: Kunst und Krefeld e. V. (Hrsg.): Paul Wember zum 100. Geburtstag. Krefeld 2013, S. 55f. Wember nutzte für Ausstellungen und Ankäufe vielfältige Kontakte zu Galeristen wie Michael Hertz, Alfred Schmela, Rolf Ricke, Rudolf Zwirner und Conny Fischer.

1960 schloss das Kaiser-Wilhelm-Museum für eine dringend erforderliche Generalsanierung, die erst 1966 begonnen wurde. Mit Ablauf der 10 Jahre endete 1966 vorerst auch die Ausstellungstätigkeit in „Haus Lange“, damit waren beide Museen geschlossen.

Seit 1969 Im April 1969 wurde das Kaiser-Wilhelm-Museum wiedereröffnet. Auch wurde durch Ulrich Lange das „Haus Lange“ der Stadt mit der Auflage, dort 99 Jahre lang Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zu zeigen, gestiftet. 1975 ging Wember in den Ruhestand. 1976 erwarb die Stadt Krefeld „Haus Esters“, das Nachbarhaus von „Haus Lange“, welches 1981 als weiteres Institut für Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst eröffnete.

2010 schloss das Kaiser-Wilhelm-Museum abermals für eine grundlegende Sanierung, die ab 2012 durchgeführt wurde. Mit Abschluss der Arbeiten wurde am 2. Juni 2016 die erste Sammlungspräsentation Das Abenteuer unserer Sammlung I eröffnet und somit viele Werke das erste Mal seit über sechs Jahren der Öffentlichkeit präsentiert.

Im Jahr 2023 wurden die drei Museen vom Kunstkritikerverband AICA als „Museum des Jahres 2022“ ausgezeichnet.aica.de Medien-Mitteilung vom 27. März 2023: Auszeichnungen des Jahress 2022, abgerufen am 28. März 2023 Die offizielle Verleihungsfeier in Krefeld fand am 10. September 2023 statt.Städtetag Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Stadtpunkte, Ausgabe 9/23, S. 5.

Gebäude

Kaiser-Wilhelm-Museum

Das Museumsgebäude wurde 1894–1897 im Stil des Eklektizismus erbaut und 1910–1912 durch Nord- und Südflügel erweitert. Im Zweiten Weltkrieg blieb das Gebäude unbeschädigt und wurde 1966–1969 umgebaut. Durch die Beseitigung der Freitreppe und die Entfernung des Kaiserstandbildes konnte die Ausstellungsfläche um fast 40 % erweitert werden.

Zwischen 2012 und 2016 wurde das Haus abermals saniert und gemäß internationalen Museumsstandards für Klima und Sicherheit ausgestattet. Dabei wurde das 1923 geschaffene Wandgemälde Lebensalter von Jan Thorn Prikker wieder sichtbar gemacht.

Haus Lange / Haus Esters mini|Westfront von Haus Esters mini|Haus Lange, Gartenseite Hermann Lange, Kunstsammler und Direktor der Vereinigten Seidenwebereien (VerSeidAG), beauftragte zusammen mit Josef Esters, ebenfalls Direktor der VerSeidAG, 1927 den Architekten Ludwig Mies van der Rohe, die Wohnhäuser für beide Familien zu entwerfen. Im selben Jahr hatte Mies van der Rohe bereits mit seiner damaligen Partnerin Lily Reich im Auftrag des Vereins deutscher Seiden-Webereien mit Sitz in Krefeld die Einrichtung des Cafés Samt und Seide auf der Berliner Messe Die Mode der Dame realisiert.

Die zwischen 1928 und 1931 im Stil der klassischen Moderne errichteten zweistöckigen Villen erstrecken sich als flache Baukörper, bestehend aus verschachtelten Kuben und dominanten Fensterreihen, in das Gelände. Alle südlich orientierten Fenster des Hauses sind als ungeteilte Glasflächen ausgebildet, die bis auf eine geringe Brüstungshöhe im Boden versenkt werden können. Dadurch kann die Trennung zwischen Innen- und Außenraum temporär aufgehoben werden. Zur Straßenseite hingegen wirken die Gebäude relativ geschlossen und kompakt. Im Inneren greifen die Raumsegmente ineinander über.

Für Haus Esters übernahm Mies van der Rohe auch die Gartengestaltung, aufgrund der Ähnlichkeit vermutlich auch für Haus Lange. Es entstanden Anlagen mit weiten Rasenflächen, geraden Wegeführungen und Beetaufteilungen, die durch ihre Geometrie der Formensprache der Gebäude folgen. Die Gärten sind Teil der Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas.

Sammlung Die Sammlung der Kunstmuseen Krefeld umfasst ca. 14.000 Werke aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Grafik, Angewandter Kunst, Fotografie und Neue Medien.

Kunst vor 1945 Die älteren Werke des Museums sind sehr durch die Entstehungsgeschichte des Museums geprägt. Gerade sehr viele Schenkungen und Stiftungen aus der Anfangszeit bilden den Grundstock. Hier ist besonders die erwähnte Sammlung Oetker zu erwähnen sowie die Sammlung Kramer mit mittelalterlichen Skulpturen vom Niederrhein. Wie erwähnt bildet die ehemalige Sammlung Beckerath geschlossener Komplex italienischer Renaissance-Kunst unter anderem mit mehreren hochwertigen skulpturalen Bildwerken des Quattrocento.

Einen Schwerpunkt bilden Gemälde des 19. Jahrhunderts, wozu Werke von Franz von Lenbach, Wilhelm Leibl, Johann Wilhelm Schirmer, Hans Thoma und verschiedenen Künstlern der Düsseldorfer Malerschule gehören. Herauszuheben ist Der Schadow-Kreis, ein Gemeinschaftsbild von Eduard Bendemann, Theodor Hildebrandt, Julius Hübner, Wilhelm von Schadow und Karl Ferdinand Sohn, entstanden 1830 in Rom.

Die Klassische Moderne wird unter anderem durch die Marmorskulptur Eva (1900) von Auguste Rodin und das Bild Das Parlamentsgebäude in London (1904) von Claude Monet vertreten.