mini|Einwanderer leisten den Eid (oath of allegiance) bei der Einbürgerung. mini|Bevölkerungsentwicklung in den Vereinigten Staaten von Amerika seit 1770
Die Einwanderung in die Vereinigten Staaten beeinflusst maßgeblich die Demografie der Vereinigten Staaten und ihre Kultur. Seit der Staatsgründung wanderten viele Migranten aus religiösen, politischen oder wirtschaftlichen Motiven ein oder wurden als Sklaven in die USA deportiert.
Die ersten Einwanderer stammten aus dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden. In den Jahren 1892 bis 1924 hatte die Immigration eine Hochphase. Heute leben in den Vereinigten Staaten mehr legale Einwanderer als in jedem anderen Staat der Welt.
Geschichte Einwanderung in die nordamerikanischen Kolonialgebiete 1492 entdeckte Christoph Columbus Amerika. Europäer besiedelten Nordamerika aus drei Hauptrichtungen: Spanier siedelten zunächst in Zentralamerika und zogen (etwa ab 1528) aus Süden kommend über den Rio Grande in das Gebiet des heutigen Kalifornien. Nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg (1846–1848) wurde die Hälfte des damaligen mexikanischen Staatsgebietes auf US-Bundesstaaten aufgeteilt. Franzosen besiedelten (ab etwa 1605) den Kontinent vom äußersten Nordosten her; so ist etwa Québec eine französische Gründung, und im Gebiet der heutigen USA die Stadt Detroit (franz. für Meerenge) oder der Bundesstaat Illinois (franz. Adjektivierung von Illini). Vom Mittleren Westen aus zogen französische Siedler dann den Mississippi River entlang nach Süden, wovon Staatsnamen wie Louisiana (Louisiane) oder Städtenamen wie New Orleans (Nouvelle Orléans) Zeugnis geben. Englische Siedler landeten 1607 im heutigen Jamestown (Virginia) und 1620 mit der Mayflower in Massachusetts. Im heutigen Bundesstaat New York gründeten etwas später Niederländer Nieuw Nederland. Aus diesen und weiteren Siedlungen entstanden in der Folge die Dreizehn Kolonien innerhalb von British America.
Es gab zahlreiche große Immigrationswellen, unter anderem: 1628–1640: Etwa 20.000 englische Puritaner siedelten sich in Neuengland an. 1629–1640: 8000 Holländer siedelten sich im Gebiet der heutigen USA an (siehe Niederländer in den Vereinigten Staaten). 1645–1670: 45.000 englische Royalisten migrierten in die mittleren Kolonien und Virginia. 1675–1715: Quäker aus England siedelten sich in Pennsylvania, New Jersey und Delaware an. 1710–1775: 250.000 schottische Iren aus der Provinz Ulster siedelten im westlichen Pennsylvania und der westlichen Frontier. Einwanderung der Pennsylvania Dutch, mehrheitlich deutscher Protestanten aus der Pfalz.
Einwanderung von 1776 bis 1849 Zum Ende des 18. Jahrhunderts waren rund 9 Prozent der amerikanischen Bevölkerung Deutsche. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten 500.000 Deutsche nach Amerika aus (siehe: Dreißiger, Gießener Auswanderungsgesellschaft und Mainzer Adelsverein). Viele von ihnen flüchteten nach der gescheiterten Revolution von 1848 aus Deutschland (siehe: Forty-Eighters).
1845–1849 herrschte in Irland die Große Hungersnot. Millionen Iren flüchteten deshalb nach Amerika.
Nationale Herkunft weißer Amerikaner nach einer Volkszählung von 1790 in Prozent Staat Prozent 59,7 20px Nordirland/Ulster 10,5 20px Deutschland 8,9 20px Irland 5,8 20px Schottland 5,3 20px Wales 4,3 20px Niederlande 3,1 2,1 0,3
Einwanderung von 1820 bis 1924 mini|Österreichisch-ungarische Auswanderer auf einem Schiff der Austro-Americana in Triest mini|hochkant=1.5|Einwanderungszahlen von 1820 bis 2003
Ab 1820 wurden Daten über Einwanderung im neu gegründeten Department of Immigration Statistic zentral erfasst und archiviert. Es sind sämtliche Daten über Herkunft, Zahl, Niederlassungsort, Beschäftigung und Ähnliches der Einwanderer einzusehen. Für Einwanderer, die von 1892 bis 1924 über Ellis Island einreisten, gibt es eine Online-Suche.The Statue of Liberty-Ellis Island Foundation: Online-Suche nach Einwanderern über Ellis Island zwischen 1892 und 1924, abgerufen am 19. September 2013.
Ereignisse, die maßgeblich den Zuwanderungsfluss beeinflusst haben:
1845–1852: die Große Hungersnot in Irland 1848–1854: der kalifornische Goldrausch 1848–1849: die niedergeschlagene Revolution in DeutschlandJames M. McPherson: Für die Freiheit sterben. Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs. Köln 2011, ISBN 978-3-86647-267-9, S. 27, 121. 1861–1865: der Amerikanische Bürgerkrieg 1862: der Homestead Act, der einen günstigen Landkauf zusicherte 1880–1910: Pogrome gegen Juden in Russland (siehe Geschichte der Juden in den Vereinigten Staaten) 1914–1918: der Erste Weltkrieg
Zwischen 1850 und 1930 migrierten 5 Millionen Deutsche in die USA. Zwischen 1876 und 1910 verließen rund 3 Millionen Menschen Österreich-Ungarn in Richtung Vereinigten Staaten – vorwiegend über die großen deutschen Reedereien Norddeutscher Lloyd (Bremen) und Hamburg-Amerika-Linie (Hamburg) und auch über den Hafen Triest mit der Austro-Americana. Von 1840 bis 1930 kamen 900.000 Frankokanadier ins Land und siedelten vorwiegend in Neuengland. In den Jahren 1910 bis 1920 wanderten über 2 Millionen Italiener ein.
1882 verabschiedete der US-Kongress den Chinese Exclusion Act. Dieser schloss Chinesen von der Einwanderung aus. Er wurde 1943 aufgehoben. Von 1943 bis 1965 galt für chinesische Immigranten die Quotenregelung von 1924. Sie erlaubte nur 105 chinesische Neuimmigranten pro Jahr (siehe die Geschichte der Chinesen in den Vereinigten Staaten und Sino-Amerikaner).
Die USA förderten die Einwanderung während der Zeit der westwärtigen Besiedelung (Frontier) beispielsweise durch den Homestead Act, der Neubürgern Land aus Gemeinbesitz als Eigentum zusicherte, wenn sie dieses für mindestens fünf Jahre nutzten.
Einwanderungspolitik seit 1924 1921 wurde die Einwanderung zum ersten Mal einer Quote unterworfen (Emergency Quota Act). Drei Jahre darauf folgte der Immigration Act of 1924. Die in beiden Gesetzen beschlossenen Quoten sollten die Einwanderung aus Süd- und Osteuropa zugunsten der Einwanderung aus Nord- und Westeuropa eindämmen und ganz allgemein den „weißen“ Charakter der Bevölkerung sichern. Dazu wurde die Zahl der Neueinwanderer pro Land auf drei % des Anteils an der Bevölkerung von 1890 begrenzt.
Zwischen 1933 und 1945 wurden etwa 220.000 Europäer als Flüchtlinge in den USA registriert. Die meisten hatten einen jüdischen Hintergrund. Jedoch beantragten mehrere hunderttausend weitere Europäer mit jüdischen und anderem kulturellen Hintergrund Visa, die abgewiesen wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg (speziell in den ersten Nachkriegsjahren) hatten viele Menschen in vielen Ländern Europas (das zu erheblichen Teilen zerstört war und wo vielerorts Hunger, Not und Wohnungsmangel herrschten) den Wunsch, in die USA auszuwandern.
Ab 1965 wurden die Reihenfolge der Antragstellung, die Herkunft nach Weltregion (Hemisphäre) und Fragen der Familienzusammenführung berücksichtigt. Seit 1978 gilt für die Einwanderung in die USA eine weltweit einheitliche Quote.
Durch die Aufhebung des rassistischen Quotensystems von 1924 änderte sich die Zusammensetzung der Einwandernden dramatisch. Waren 1970 noch 62 % der im Ausland geborenen Bewohner der USA Europäer, so sank dieser Anteil bis 2000 auf 15 %.census.gov: The Foreign-Born Population (PDF; 50 kB), chapter 17, 2000. Auch die Zahl der Einwanderer nahm stark zu. Sie betrug von 1951 bis 1960 2,5 Millionen, von 1971 bis 1980 4,5 Millionen und in den 1990er Jahren über 10 Millionen.Susan B. Carter, Richard Sutch: Historical Background to current immigration issues. In: James P. Smith, Barry Edmonston (Hrsg.): The immigration debate. Studies on the economic, demographic, and fiscal effects of immigration. The National Academies Press, Washington D.C. 1998, ISBN 0-309-05998-4, S. 289–366.
Aufgrund der veränderten Migrationsmuster wurden die Hispanics zur größten ethnischen Minderheit der USA (2000: 35,2 Millionen, davon über 20 Millionen aus Mexiko, siehe Mexikanische Amerikaner). Ihre Zahl stieg allein von 1990 bis 2000 um 61 %.census.gov: We the People: Hispanics in the United States (PDF; 430 kB), chapter 18, 2000. Die Einwanderung in den 1990er Jahren übertraf in absoluten Zahlen sogar die Masseneinwanderung Ende des 19. Jahrhunderts. Allerdings lag der relative Anteil der im Ausland geborenen Bewohner Anfang des 20. Jahrhunderts höher als heute. Er betrug 1910 15 %, sank bis 1970 auf 5 % und stieg bis 2000 wieder auf circa 10 %.
Illegal Eingewanderte sind in den USA schon immer weitgehend von staatlicher Fürsorge ausgeschlossen. Der Personal Responsibility and Work Opportunity Reconciliation Act (PRWORA) schloss 1996 weitere Einwanderergruppen davon aus. Nach PRWORA können staatliche Mittel nur dem zukommen, der „qualifizierter“ Einwanderer gewesen ist und dies auch weiterhin ist, wobei zu den „qualifiziertern“ Einwanderern beispielsweise Flüchtlinge, Asylbewerber und Halter einer Green Card zählen. Illegale Einwanderer, Touristen, Studenten und bestimmte kurzzeitige Arbeitsmigranten zählen nicht dazu. Ausnahmen gelten unter anderem für Notfall-Medicaid, für die Schulverpflegung und für die kurzfristige Katastrophenhilfe. 1997 bis 2002 entstanden Ausnahmen von PRWORA für bereits vor 1996 in den USA lebende Einwanderer bezüglich der Vergabe von Essensmarken und der Hilfe an Menschen mit Behinderung. 2002 und 2009 wurden Ausnahmen für Schwangere und für sich rechtmäßig in den USA aufhaltenden Kinder umgesetzt, welche Zugang zu Medicaid und dem Kinderkrankenversicherungsprogramm CHIP zu gewährten. Die Bundesstaaten können weitere Ausnahmen für vor 1996 angekommene Einwanderer schaffen und zudem eigene Mittel für andere Einwanderergruppen bereitstellen, sofern sie dies ausdrücklich in einem bundesstaatlichen Gesetz festlegen, was in den meisten Bundesstaaten so geschah. So entstand für Bundesstaaten ein Anreiz, die Einbürgerung zu fördern, da die Betroffenen dann aus der bundesstaatlichen Förderung in die staatliche Förderung übergehen. Dies führte, zusammen mit weiteren Regelungen wie dem Green Card Replacement Program von 1992 und der Citizenship USA Initiative von 1995, zu einem Anstieg der Einbürgerungen.
Nach Regierungsangaben erhielten 2003 463.204 Personen die US-Staatsbürgerschaft; der Durchschnitt über die Jahre 1997–2003 beträgt etwa 634.000.
Lateinamerikanische Einwanderungsgruppen siehe auch: Wetback, Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko, Harvest of Empire, Mexikanische Amerikaner, Migrationstreck von Zentralamerika bis zur Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten, Migration über Zentralamerika Richtung USA
Europäische Einwanderungsgruppen Zu den großen europäischen Einwanderergruppen zählen die Deutschen (siehe Geschichte der Deutschen in den Vereinigten Staaten, Deutschamerikaner), Iren (siehe Irischamerikaner) und Italiener (siehe Italoamerikaner).
Schweiz Die meisten Einwanderungen aus der Schweiz fanden vorwiegend in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts statt. Die Gründe dazu waren meistens wirtschaftlicher Natur, die Schweiz galt zu diesem Zeitpunkt als eines der ärmsten Länder Europas.
Jahr Anzahl bis 1820 25.000 1820–1860 40.000 1860–1880 50.000 1880–1890 82.000 1890–1920 90.000
Bis 1820 wanderten rund 25.000 Schweizer vorwiegend mit dem Ziel Pennsylvania und North/South Carolina ein. Generell war im 19. Jahrhundert das Ziel der Mittlere Westen sowie die Pazifikküste. Die italienischsprachigen Schweizer bevorzugten Kalifornien. Es wurden einige Schweizer Siedlungen gegründet wie New Glarus in Wisconsin, Gruetli-Laager in Tennessee oder New Bern in North Carolina.Swissroots.org: (PDF).
Schweden
Die Mehrheit der schwedischen Einwanderer kam am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA. Gewöhnlich wanderten sie über New York in den Mittleren Westen. Im Jahre 1900 war Chicago nach Stockholm die Stadt mit der größten Anzahl schwedischer Einwohner weltweit. Viele andere ließen sich in Minnesota, Michigan und Wisconsin als Farmer nieder.