Die Wangunk (Wongunk) waren ein indigenes Volk im Gebiet des heutigen US-Bundesstaates Connecticut. Sie lebten in drei Hauptsiedlungen im Gebiet von Portland, Middletown und Wethersfield, waren aber auch in anderen Teilen der heutigen Counties Middlesex und Hartford anzutreffen. In einigen Quellen werden sie auch als Mattabessett bezeichnet, aber Wangunk ist die Bezeichnung, die die Gelehrten und die Abkömmlinge des Volkes heute benutzen.

Die Wangunk gehörten zur Sprachgruppe der Algonkin-Sprachen und standen dauerhaft in Beziehung mit anderen Algonkin-Gruppen. Die Wangunk sind weder von der US-amerikanischen Bundesregierung, noch vom State of Connecticut als eigener Stamm anerkannt. Trotzdem identifizieren sich viele Nachfahren noch heute als Wangunk und bemühen sich, ihre Traditionen zu erhalten.

Geographie Zur Zeit der ersten englischen Siedler lebten die Wangunk im Gebiet der heutigen Städte Middletown, Haddam und Portland. Aus ihren ursprünglichen Wohngebieten bei Hartford und Wethersfield wurden sie vertrieben und suchten rund um die Oxbow Bend am Connecticut River neue Bleibe. Vor der englischen Besiedlung gab es mindestens ein halbes Dutzend Siedlungen auf beiden Seiten des Flusses. Mattabassett (auch: Mattabesseck, Matabesset, das heutige Middletown) war von diesen der Name, der am eindeutigsten mit dem Stamm identifiziert wurde. Andere Siedlungen waren Pocowset (Portland), Cockaponet (Haddam), Coginchaug, Cononnacock und Machamodus. Gelegentlich wurde der Stamm auch aufgrund seines Siedlungsgebietes als “the River People” (Flussmenschen) bezeichnet. Als die Engländer Middletown westlich des Flusses anlegten, lag das vorgesehene Reservat zum größten Teil östlich des Flusses. Nur ein kleines Areal in der Nähe des heutigen Indian Hill lag westlich des Flusses. Heute bezeichnet der Name Wongunk auch eine Weide in Portland, die zum Reservat gehörte. Als die Wangunk mehr und mehr bedrängt wurden, verkauften sie ihr Land stückweise und schlossen sich entweder benachbarten Stämmen wie den Tunxis im Gebiet von Farmington (CT) an, oder wanderten mit anderen Gruppen christianisierter Indianer in entferntere Gebiete aus.

Geschichte Vorkoloniale Gesellschaft Wie bei anderen Stämmen lag die Führung wohl bei einem Sachem, diese Information stammt allerdings aus den Aufzeichnungen der ersten Siedler. Sonst sind nämlich die meisten bekannten Sozialstrukturen in den Algonkin-Stämmen eher matrilinear angelegt mit einer ausgesprochenen Arbeitsteilung und auch die Wangunk scheinen diesem Schema zu folgen. Sie lebten von saisonalem Feldbau und zogen zwischen Sommer- und Winter-Lager hin und her.

Erste Kontakte mit Europäern (1614–1673) Die erste bekannte Begegnung mit Europäern wurde von Händlern der Niederländischen Ostindien-Kompanie 1614 verzeichnet. Die Nähe zum Connecticut River machte das Siedlungsgebiet zu einem begehrten Gebiet für die europäischen Pelzhändler, was schon damals zu ersten Konflikten mit den Pequot führte. Die Wangunks verbündeten sich mit den Narraganset und baten die englischen Siedler um Hilfe zur Verteidigung.

Zu Beginn des Pequot-Krieges 1637 verschoben sich allerdings die Beziehungen. Laut Aufzeichnungen der Kolonisten unterstützte der Sachem Sowheage die Pequots bei ihrem Angriff auf Wethersfield, wo er zu dieser Zeit lebte. Um dieselbe Zeit siedelte Sowheage um nach Mattabesett. Dieser Umzug und die Wirren des Krieges haben wahrscheinlich dazu geführt, dass Middletown erst 1650 gegründet wurde, was viel später ist, als bei anderen Städten der Region. Der Pequot-Krieg wird auch als das Pequot Massacre bezeichnet, um die brutale Vorgehensweise der Siedler hervorzuheben. In der Folgezeit kam es zu einer Reihe von Landverkäufen, die in einem Reservat-Vertrag (reservation deed) 1673 gipfelten.

Landverkäufe wurden nach dem europäischen Rechtssystem abgewickelt, welchem die Ideale von Eigentum und „Entwicklung“ zu Grunde lagen. Der Eigentümer war verpflichtet, das Land zu bebauen um es zu „verbessern“ (improve). Die Siedler sahen sich oft den Einheimischen als überlegen an und respektierten nicht deren Landbau-Methoden. Für die Wangunk war Land dagegen Gemeineigentum. Keine einzelne Person hatte einen letztgültigen Anspruch auf ein begrenztes Stück Land und daher konnte Land nicht Gegenstand eines Kaufes sein. Das Gesetz der Kolonien nahm darauf aber keine Rücksicht. Die Wangunk konnten die Verträge daher höchstens dazu nutzen, ihre ehemaligen Ansprüche zu dokumentieren.

Zeit der Reservate (1673–1767) 1650, nach der Gründung von Middletown, bestimmte die Regierung von Connecticut etwa 350 acres (100 ha) östlich des Connecticut River als Eigentum der Nachfahren von Sowheage und dem Stamm der Wangunk. Das Reservat blieb bis 1673 unbegrenzt, als 13 Erben von Sowheage ein Dokument unterzeichneten, dass zwei Landstücke auswies: eines mit 50 acres bei Indian Hill und ein zweites mit 250 acres Hügelland östlich des Connecticut River. Dieses Reservation land wurde den Erben „für immer“ zugesprochen. In Wangunk Meadow, in der Nähe des Reservation Land östlich des Flusses, gab es nochmals verschiedene Stücke, die einzelnen Stammesmitgliedern gehörten, mit einer Fläche von insgesamt ca. 9 acres.

Landbesitz bei den Wangunk blieb auch in dieser Zeit größtenteils gemeinschaftlich. Diejenigen, die die Verträge unterzeichneten, waren nicht notwendigerweise die „Besitzer“, weshalb die Verkäufe oft von anderen Stammesangehörigen angefochten wurden. Die meisten waren auch gar nicht in der Lage, englische Verträge zu lesen. Die Einrichtung des Reservats war für den Stamm eine ökonomische Katastrophe, weil sie eigentlich ein viel größeres Gebiet für ihren traditionellen Ackerbau und die Jagd benötigten. In der Folge entstanden Armut und Schulden. Einige Stammesmitglieder wurden sogar eingekerkert oder als Sklaven gehalten.

King Philip’s War entstand 1675 als eine vereinigte Widerstandsbewegung der Indianer. Die Wangunk blieben wie manch andere Stämme in dieser Zeit neutral, was jedoch auch an Zwangsmassnahmen der Siedler gelegen haben könnte. Die Engländer erließen Gesetze, welche die wirtschaftlichen Möglichkeiten und den Zugang zu Waffen erschwerten und forderten von manchen Stämmen Geiseln. Während dieser Zeit verkauften einige Wangunk Land, vor allem, um Schulden zu bezahlen. Die englische Bevölkerung von Middletown wuchs und im späten 17. Jahrhundert begannen Kolonisten, Gebäude in den Wangunk Meadows am Ostufer des Flusses, direkt neben dem Reservat, zu errichten. 1714 trennten sich diese Siedler von der Gemeinde Middletown und bildeten die Third Society of Middletown mit einem eigenen Versammlungshaus und einer separaten Leitung. Bereits 1713 waren die Wangunk gezwungen worden, die Mattabessett Portion des Reservats im zentralen Middletown zu verlassen.

Die Besiedlung von Indianerland beschleunigte sich ab 1732, als die Third Society einen neuen Pastor erhielt. Dieser errichtete sein Haus direkt im Reservatgebiet. Einige Wangunks konvertierten auch zum Christentum und zogen um in christliche Gemeinden. 1746 bat die Third Society die Connecticut General Assembly um ein neues Versammlungshaus und erhielt zu diesem Zweck Land aus dem Reservatgebiet. Nachdem das Versammlungshaus stand, erhoben die Siedler vermehrt Anspruch auf Indianerland und argumentierten, dass die Wangunk das Land nicht richtig nutzten.

1757, nach zwei Petitionen von Siedlern an die Connecticut General Assembly, erhob der Wangunk Richard Ranney, der nicht im Reservat lebte, Anspruch auf Land und erhielt ein Anrecht auf 10 acres. Erneut wurden Petitionen von Siedlern eingereicht und 1762 unterbreiteten mehrere männliche Wangunks der Assembly ein Memorial, in dem gefordert wurde, dass das ganze Reservatland verkauft werden solle. Ein Committee stimmte dem zu mit der Begründung, dass nur Frauen und Kinder im Reservat verblieben seien. Sie seien nicht fähig, sich selbst zu ernähren und ein großer Teil des Geldes aus dem Landverkauf wurde aufgewandt, um Schulden zu bezahlen. Etwa um diese Zeit dienten mehrere Wangunk im Siebenjährigen Krieg in Nordamerika. 1767 wurde die Third Society offiziell zur Stadt Chatham (später Portland).

Post-Reservation und Diaspora (1767–1813) Die letzte Parzelle der Wangunk Reservation wurde irgendwann zwischen 1772 und 1784 verkauft. Allerdings blieb die Gemeinschaft der Wangunk offenbar ein aktiver Faktor in dieser Zeit. Eine Zählung von 1777 erfasste 28 Wangunk in Portland. Einige Wangunks wurden in Portland auch noch im 19. Jahrhundert als Einwohner geführt. Eine dieser Personen ist Bette Nepash, Old Betty, eine Wangunk, die bis in die 1810er Jahre Stammestreffen abhielt. Dadurch entwickelte sich eine langanhaltende Verbindung von Wangunk zu dieser Gegend. Nach dem Tod von Bette Nepash wurde Jonathan Palmer als der letzte Indianer in Middletown bezeichnet, als er 1813 verstarb. Die Nachfahren leben jedoch bis heute in Middlesex County.

Im 18. Jahrhundert verließen die Wangunk die Reservate. Einige von ihnen schlossen sich anderen Stämmen an, wie den Quinnipiac und den Mohegan. Einige Wangunk dienten auch im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Wieder andere Wangunk schlossen sich den Farmington Indians in Connecticut an. Diese Gruppe entstand, als Tunxis andere Gruppen von Indianern einluden, zusammen mit ihnen in ihrem Reservat zu leben und einen neuen Stamm formten. Die Farmington Indians waren christliche Indianer, die später nach Oneida, New York und später nach Brotherton, Wisconsin umsiedelten. Trotz des immer größer werdenden Abstands von ihrem Heimatort identifizierten sich die Wangunk mit ihrer Nation, ihrem Land und kehrten immer wieder in das Gebiet zurück.

Persönlichkeiten Sowheage Als Kolonisten zum ersten Mal in das Connecticut River Valley vordrangen, war Sowheage (Sequin, Sowheag) der Ober-Sachem, der im Wangunk-Territorium zu bestimmen hatte. Zu seinem Einflussgebiet gehörten auch Pyquag und Mattabesett. Ursprünglich siedelte er bei Pyquag, siedelte dann aber nach mehreren Konflikten mit den Engländern nach Mattabessett um.Timothy Ives (2004). “Expressions of Community: Reconstructing Native Identity in Seventeenth-Century Central Connecticut Through Land Deed Analysis.” paper presented at the 5th Annual Algonquian Peoples Conference, März 14, Albany, NY Man sagt, Sowheage sei den Engländern gegenüber feindlich gewesen, daher wurde er mit dem Pequot-Krieg in Verbindung gebracht. Sowheage verstarb etwa 1649, viele seiner Kinder hielten jedoch noch lange Zeit einflussreiche Positionen. Dazu gehörten auch Montowese, ein Anführer der Quinnipiac und Wangunk, und Sequassen, der Sachem von Suckiog. Letzterer führte eine spannungsreiche Beziehung mit den Kolonisten in Hartford und forderte den Sachem der Mohegan, Uncas, heraus, siedelte jedoch nach seiner Niederlage nach Massachusetts um. Sowheages Sohn Turramuggus (* 1623) beanspruchte die Führerrolle im Gebiet von Wethersfield. Er war an einigen großen Verträgen um Ländereien beteiligt. Unter anderem unterzeichnete er 1668 einen Vertrag über 300 acres Land, mit Richard Beckley und zwei weitere 1673 über Land in Wethersfield und Eastbury.Hermes and Maravel (2005). “A Wongunk Women's Community and Connecticut Law.” 75-77. Turramuggus wurde auch während King Philip’s War in Hartford im Gefängnis als Geisel gehalten. Turramuggus starb wahrscheinlich um 1704 und sein Sohn Peetoosh wurde sein Nachfolger, über ihn gibt es aber kaum Aufzeichnungen in den Colonial records.

Towwehashque