Die Sieg ist ein 155,2 km langer rechter Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen (NW) und Rheinland-Pfalz (RP). Sie entspringt im Stadtgebiet von Netphen im Rothaargebirge und mündet zwischen Bonn, Troisdorf und Niederkassel in den Rhein.

Sie ist ein silikatischer Mittelgebirgsfluss. Das mittlere Gefälle des Flusses, gemessen zwischen Betzdorf (RP) und Eitorf (NW), beträgt 0,15 %. Das Einzugsgebiet der Sieg (siehe unten) umfasst 2.856,9 km², und der mittlere Abfluss beträgt rund 53 m³/s an der Mündung.

Name Die Sieg wurde im Jahr 927 („secus fluvium Sigina“) erstmals urkundlich erwähnt.

Der Flussname könnte sich vom keltischen Wort sikkere ableiten, was so viel bedeutet wie „schneller Fluss“ (verwandt ist der ebenfalls keltische Name der Seine). Möglich ist auch eine germanische Namensherkunft über das Verb *seig-a- „sinken, sich leise, sanft bewegen, herabkommen“. Es ist nicht ganz klar, ob auch der Name des Volksstammes der Sugambrer verwandt ist, jedoch lebten Sugambrer und Ubier wohl in frühgeschichtlicher Zeit in Nachbarschaft des Siegerlandes. Allerdings wird der Flussname in der Namensforschung am häufigsten auf die indoeuropäische Wurzel seik zurückgeführt, welche so viel wie „ausgießen, seihen, rinnen, tröpfeln“ bedeutet. Welche dieser Herleitungen die richtige ist, ist noch nicht zweifelsfrei geklärt.

Geographie Verlauf Siegquelle mini|Siegquelle mit Holzbohlenweg und Wasserentnahmestelle (2014 renaturiert) Die Sieg entspringt in Westfalen im (historischen und naturräumlichen) Siegerland im Südteil des Rothaargebirges. Die 2013 renaturierte Siegquelle liegt auf dem Ederkopf-Lahnkopf-Rücken rund 3,5 km nordöstlich von Walpersdorf, einem Stadtteil von Netphen, und etwa 575 m (jeweils Luftlinie) westlich von Großenbach, einem solchen von Bad Laasphe; etwa 350 m östlich der auf etwa liegenden Quelle verläuft die Grenze beider Städte. In Richtung Südosten steigt die bewaldete Landschaft zum etwa 400 m entfernten Gipfel einer hohen Erhebung im Flurstück Jägerhain an.

Wenige Meter westlich der Siegquelle verläuft die Eisenstraße (Landesstraße 722; Lützel–Lahnhof), die 170 Straßenmeter weiter nordwestlich auf Höhe die L 719 (Großenbach–Walpersdorf) kreuzt. Keine 100 m östlich der Kreuzung liegt ein Parkplatz und etwa 1 km (Luftlinie) nordwestlich erhebt sich der Aukopf (), an dessen Südwestfuß mit dem Ahornbach nicht nur einer der obersten Siegzuflüsse entspringt, sondern an dem sich auch die Wasserscheiden von Sieg, Lahn und Eder treffen. Direkt vorbei an der Siegquelle führt der Rothaarsteig.

Nachbarquellen Etwa 2,5 km südlich der Siegquelle entspringt die Lahn und 3 km nordwestlich die Eder.

Oberlauf mini|Die Sieg zwischen Netphen und Deuz mini|Siegfall bei Schladern Das Einzugsgebiet des Oberlaufes der Sieg ist fast identisch mit dem naturräumlichen Siegerland, enthält jedoch insbesondere Randgebiete des Rothaargebirges in Norden und Osten.

Der quellnahe Oberlauf der Sieg und ihre ersten größeren Nebenflüsse legen sich fächerförmig durch die Siegerländer Rothaar-Vorhöhen und werden von der bogenförmig die Höhenrücken flankierenden Obersieg aufgenommen. Manche Quellen von obersten Siegzuflüssen liegen auch im sich nordöstlich anschließenden Ederkopf-Lahnkopf-Rücken (Rothaargebirge) in unmittelbarer Nähe zu den Wasserscheiden zu Eder und Lahn wie auch den quellnahen Oberläufen beider Flüsse. Nach einem kurzen Verlauf in Richtung Südwesten, wobei die Sieg unter anderem den Kütschenlangenbach (oberhalb von Walpersdorf), den Sindernbach (in Walpersdorf), den Altwiesenbach (in Grissenbach) und den Grissenbach (in Grissenbach) aufnimmt, flankiert die Sieg ab dem linksseitigen Zufließen des Werthenbachs zunächst, dessen Nordwest-Richtung annehmend, den Südwestrand der Rothaar-Vorhöhen, um nach dem linksseitigen Zufließen von Obernau und Netphe nach Westen abzudrehen und nach dem Zufließen des Dreisbachs die vorläufig endgültige Südwest-Richtung anzunehmen. Am Pegel Weidenau hat die Sieg einen mittleren Abfluss (MQ) von 2,46 m³/s.

Nach 22,5 km fließt der Sieg in Weidenau die wasserreichere und den eigentlichen hydrologischen Oberlauf der Sieg bildende Ferndorf zu, wodurch sich ihr Einzugsgebiet von 134 auf 290 km² und ihr Abfluss um 3,28 m³/s mehr als verdoppeln. Die Ferndorf windet sich von Osten, ihr rechter Nebenfluss Littfe von Westen um den äußersten Westen des Rothaargebirges an Hohem Wald () und seinem Südausläufer Kindelsberg () sowie den sich unmittelbar anschließenden Hilchenbacher Winkel.

Die folgenden 11,4 km um das Stadtgebiet von Siegen speist sich die Sieg überwiegend aus dem Kernsiegerland, wobei die Quellen der längeren linken Nebenflüsse Weiß und Eisernbach sowie deren oberer Zuflüsse an der Kalteiche und ihrer nordöstlichen, gratartigen Verlängerung Kalteiche (mit Haincher Höhe) im äußersten Südwesten des Rothaargebirges liegen, in unmittelbarer Nachbarschaft zum quellnahen Oberlauf der Dill. Das Einzugsgebiet steigt noch einmal um etwa 50 % auf 446 km², der Abfluss steigt derweil um rund 40 % auf inzwischen 8,00 m³ (Pegel Niederschelden).

Unmittelbar nach dem Zufließen des Eisernbaches von links und des kleinen Schelderbaches bei Niederschelden durchbricht die Sieg, gleichzeitig mit der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz, einen Riegel aus Giebelwald und Hellerbergland. In unmittelbarer Nähe zum Flusstal, dem Niederschelden-Betzdorfer Siegtal, ragen rechts der Giebelberg (; Landesgrenze) sowie links der Pfannenberg (; NW) und der Windhahn (; RP) empor.

Nach dem Zufließen der Asdorf von rechts in Kirchen (Sieg) und der Heller von links in Betzdorf wird das Siegerland verlassen. Durch Nebenflüsse der selber an der Kalteiche entsprungenen Heller ist insbesondere inzwischen auch Wasser aus dem Hohen Westerwald der Sieg zugeflossen. Das Einzugsgebiet vergrößert sich um 321 km² – von denen allein auf die Heller 204 entfallen – auf 761 km², der Abfluss beträgt inzwischen 16,3 m³/s (Pegel Betzdorf), hat sich also, vor allem durch Heller (3,82 m³/s) und Asdorf, mehr als verdoppelt.

Mittellauf mini|Das Stauwehr der Unkelmühle mit Fischtreppe und Kanurutsche ist die breiteste Stelle der Sieg (Teilansicht). mini|Siegschleife zwischen Eitorf-Merten und Hennef-Bülgenauel Ab dem keilförmig um den Flusslauf nach Westen ausgerichteten Mittelsieg-Bergland, das die Sieg in ihrem Mittellauf durchfließt, zeigt ihr Verlauf, von zahlreichen Schleifen abgesehen, bis zur Mündung fast durchgängig in Richtung Westen. Der nördliche Teil des o. g. Berglandes ist zugleich fast identisch mit dem rechten Einzugsgebiet der Mittelsieg, während linksseitig überdies viel Wasser aus dem Westerwald hinzu kommt.

Im rechtsseitigen Morsbacher Bergland bringt das Fächersystem des Wisser Baches einen Großteil des zufließenden Wassers mit, im linksseitigen Nisterbergland bringen der Elbbach und vor allem die Nister, mit über 60 km Länge zweitlängster und längster linksseitiger Nebenfluss, auch Wasser aus dem Hohen Westerwald. Nach dem Zufließen des kleinen, ganz im Nisterbergland verlaufenden Seelbachs bei Hamm (Sieg) hat die Sieg auf 25,5 km Länge um weitere 527 km² auf insgesamt 1288 km² Einzugsgebiet zugelegt. Nach einem kurzen Abschnitt als Grenzfluss liegt das Tal der Sieg fortan wieder gänzlich in Nordrhein-Westfalen.

In den folgenden 48,6 km bis unmittelbar oberhalb der Bröl-Mündung nimmt die Sieg im Einzugsgebiet gerade mal um 254 km² auf nunmehr 1542 km² zu und hat, wie auch im Abfluss (27,2 m³/s, am Pegel Eitorf) gerade einmal etwas mehr als die Hälfte ihres Mündungswertes erreicht, wobei etwa 40 % des Zuflusses der Mittelsieg von der Nister (4,3 m³/s) kommen. Dieses ist nicht zuletzt der geringen Nord-Süd-Breite von Nutscheid (im Norden) und Leuscheid (im Süden) geschuldet. Während die rechtsseitige Nutscheid wieder ziemlich genau das rechtsseitige Einzugsgebiet darstellt, ist die Leuscheid flächenmäßig sogar größer als das linksseitige Sieg-Einzugsgebiet dieses Abschnitts. So quert zwar der Irsenbach den Höhenzug von der sich südlich anschließenden Altenkirchener Hochfläche im Niederwesterwald aus, jedoch entwässern diverse im Süden der Leuscheid entspringenden Flüsse zur Wied. Im weiteren Verlauf fließen der Sieg rechtsseitig der Rosbach, der Gierzhagener Bach (unterhalb von Rosbach), der Westertbach (zwischen Rosbach und Schladern), der Trimbach, der Kaltbach (unterhalb Hoppengarten), der Dehlenbach und der Ottersbach (bei Halft) sowie linksseitig der Igelsbach (unterhalb von Herchen), der Kesselbach und der Mühlenbach zu.

Bauliche Maßnahmen 1860 wurde der Mittellauf der Sieg stark begradigt. Beim Bau der Siegstrecke und Ausbau der sie begleitenden Landesstraße 333 wurden viele Siegbögen abgeschnitten, um Brückenwerke zu sparen. So schuf man auch den Siegfall in Schladern. Die Altarme boten im Gegensatz zur teilweise kanalisierten Sieg reichhaltige Biotope. Ebenfalls entstanden felsige Steilhänge, die weiteren Pflanzenarten eine Heimat boten. Durch den Wechsel der Steilhänge mit den gegenüberliegenden flachen Anhöhen bietet das im Mittellauf eine abwechslungsreiche Landschaft.

Unterlauf mini|Unterlauf der Sieg bei Siegburg Ab ungefähr Hennef, wo von rechts die Bröl zufließt und von links der Hanfbach, weitet sich das Tal der Sieg spürbar. Linksseitig schließt sich das eher flachgründige Pleiser Hügelland an, rechtsseitig die Bergischen Hochflächen, die ab dem Zufließen des Wahnbachs in die Wahner Heide deutlich abflachen.

Bei Siegburg befindet sich das letzte Wehr der Sieg. An diesem Wehr zweigt der Siegburger Mühlengraben ab, der durch die Stadt verläuft und kurz vor der Agger-Einmündung wieder auf die Sieg stößt. Linksseitig fließt der Sieg knapp unterhalb der Pleisbach zu, der das letzte Wasser aus Niederwesterwald und Siebengebirge mitbringt. Rund die Hälfte des Abflusszuwachses von 7,7 m³/s von 27,2 auf 34,9 m³/s stammt von der Bröl, nämlich 3,8 m³/s. alt=Sieghochwasser bei Troisdorf-Müllekoven|mini|Sieghochwasser bei Troisdorf-Müllekoven Bei Troisdorf mündet die von Nordosten kommende Agger ein, die als Hauptfluss des südlichen Bergischen Landes mit 17,2 m³/s alleine ein Drittel des Siegwassers (52,8 m³/s am Pegel Menden (Sankt Augustin), unmittelbar unterhalb der Agger-Mündung) beisteuert.

Mündung mini|hochkant=0.7|Mündung der Sieg (rechts) in den Rhein (Blick vom Kemper Werth nach Nordwesten) Die letztlich etwa aus südöstlicher Richtung heran fließende Sieg mündet am nordwestlichsten Ende von Geislar (nördlichster Stadtteil Bonns), direkt südwestlich von Bergheim (südwestlichster Stadtteil Troisdorfs) und südlich von Mondorf (südlichster Stadtteil Niederkassels) nach insgesamt 558 m Höhenunterschied auf etwa Höhe in den dort etwa aus gleicher Richtung kommenden Rhein; an der Siegmündung stoßen die Stadtgrenzen von Bonn, Troisdorf und Niederkassel aneinander. Zwischen Bonn und Troisdorf fließt die Sieg zunächst etwa 1,5 km parallel zum Rhein, bevor sie in diesen mündet. Dort markiert sie den endgültigen Übergang vom Mittelrhein zum Niederrhein. Die Sieg ist der erste bedeutende Rhein-Zufluss in der Norddeutschen Tiefebene.

Das Mündungsgebiet der Sieg ist eine der letzten weitgehend naturbelassenen Rheinmündungen. Daher wurde die „Siegaue“ an der Mündung im Jahr 1986 unter Naturschutz gestellt; es entstand das Naturschutzgebiet Siegaue und Siegmündung. Das Schutzgebiet genießt Schutzstatus nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union.

Die Landzunge zwischen Sieg und Rhein, Kemper Werth genannt, war früher eine Insel und hieß auch „Pfaffenmütze“. 1777 ließ Kurköln gemeinsam mit dem Herzogtum Berg die Siegmündung begradigen, um ihre umliegenden Ländereien besser vor Hochwasser zu schützen, so dass die Sieg quasi im rechten Winkel auf den Rhein traf.