New Hampshire ( AE / BE) ist ein Bundesstaat der Vereinigten Staaten in der Region Neuengland. Im Westen grenzt er an den Bundesstaat Vermont, im Osten an Maine, im Süden an Massachusetts und im Norden an die kanadische Provinz Québec. Bei einer Fläche von 24.216 km² zählt der Bundesstaat etwa 1,3 Mio. Einwohner. Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt im Süden des Bundesstaats, der Norden ist von Mittelgebirgen geprägt. Die Hauptstadt ist Concord mit fast 43.000 Einwohnern, die größte Stadt ist Manchester mit 110.000.

Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung reichen über 10.000 Jahre zurück. Die große Mehrheit der Bevölkerung ist europäischer Abstammung, Indianer gibt es seit den 1740er Jahren nur noch vereinzelt. Kontakte mit Europäern führten ab den 1630er Jahren zu starken Bevölkerungsverlusten unter den Ureinwohnern, vor allem durch Pockenepidemien, schließlich trieben Kämpfe mit Irokesen und Engländern die Überlebenden nach Maine und Kanada.

Seit 1629 trat England als Kolonialmacht auf, die Kolonie wurde nach dem englischen Hampshire benannt. Nach den Grundsätzen des englischen Feudalismus wurde das Land vergeben und Siedler angesetzt. In den Jahren von 1641 bis 1679 gehörte New Hampshire zu Massachusetts, unterstand darauf für etwas über ein Jahrzehnt dem König unmittelbar und kam von 1691 bis 1741 erneut zu Massachusetts, dessen Gouverneure für den nördlichen Nachbarn zuständig wurden.

Im Jahr 1776 gründete New Hampshire als erste Kolonie eine Regierung, verabschiedete eine Verfassung und wurde mit den neu gegründeten Vereinigten Staaten unabhängig. Im Jahr 1808 wurde Concord seine Hauptstadt. In den Jahren von 1832 bis 1835 bestand eine unabhängige Republik an der kanadischen Grenze, Großbritannien gab seine Ansprüche erst 1836 auf. Von der Industrialisierung und dem Bürgerkrieg profitierte der Bundesstaat ökonomisch, doch mit der Weltwirtschaftskrise brachen wesentliche Industriezweige zusammen. Erst die Anbindung an den Wirtschaftsraum Boston brachte neue Industriezweige vor allem in den Süden von New Hampshire.

Der Bundesstaat wird wegen seiner Steinbrüche auch The Granite State („Granit-Staat“) genannt. Zugleich spiegelt der Spitzname auch die Bewahrung von Traditionen und die Geschichte einer sparsamen Regierung wider. Es gibt keine allgemeinen Mehrwert- oder Einkommensteuern, was dem Staatsmotto „Lebe frei oder stirb“ entspricht.

Geographie

Lage, Ausdehnung und Gliederung mini|Der Mount Washington mini|Am 3. Mai 2003 wurde der Old Man of the Mountain bei einem natürlichen Felssturz zerstört

New Hampshire zählt zu den Neuenglandstaaten. Politisch ist es in zehn Countys unterteilt, landschaftlich in sieben Regionen. Dies sind die Great North Woods (Große Nördliche Wälder), die White Mountains (Weißes Gebirge), die Lakes Region (Seenregion), die Seacoast Region (Meeresküste), die Merrimack Valley Region entlang des Merrimack River Tales, wo die meisten Einwohner leben, die Monadnock Region und die Dartmouth-Lake Sunapee Region.

Die White Mountains sind ein Teilgebirge der Appalachen und bedecken den nördlichen Teil New Hampshires. Der höchste Berg des Gebirges und der dritthöchste der Appalachen ist der Mount Washington mit 1917 m. Der Mount Washington gehört zu den kältesten Regionen der USA, sieht man von Alaska ab. Die Temperaturdifferenzen zwischen Gipfel und Tal können bis zu 40 °C erreichen.

Im eher flacheren Südwesten des Staates liegt der Mount Monadnock. Von seiner Lage als Einzelberg leitet sich der Ausdruck Monadnock für einen einzeln stehenden Berg ab.

Die bedeutendsten Flüsse sind der 177 km lange Merrimack River, der in der Mitte von New Hampshire am Zusammenfluss von Pemigewasset River und Winnipesaukee River entsteht und in Nord-Süd-Richtung weiter nach Massachusetts fließt. Dessen bedeutendster Nebenfluss ist der Contoocook River. Der 670 km lange Connecticut River bildet die Westgrenze zu Vermont und fließt weiter nach Süden durch die Staaten Massachusetts und Connecticut. Die Grenze zwischen New Hampshire und Vermont folgt dem Westufer des Flusses. Der Piscataqua River fließt in den Atlantischen Ozean, dort gibt es einige Häfen, unter anderem in Portsmouth. New Hampshire hat einen andauernden Grenzstreit mit Maine um einige Inseln (heute bekannt als Seavey Island), dazu gehört auch die Marine-Werft von Portsmouth.

Der größte See ist der Lake Winnipesaukee mit einer Größe von 186 km², in der Mitte New Hampshires und in der Lakes Region gelegen.

Landschaft New Hampshire ist prozentual nach dem östlichen Nachbarn Maine der am zweitmeisten bewaldete der 50 US-Bundesstaaten.

Countys, Städte, Orte, Bevölkerungsverteilung mini|Bevölkerungsdichte

Die größten Ortschaften sind:

Liste der Städte in New Hampshire Liste der Countys in New Hampshire

Klima

New Hampshire hat ein feuchtes Kontinentalklima (nach der Köppen-Klassifikation Dfa in einigen südlichen Gebieten, Dfb im größten Teil des Bundesstaates und Dfc (subarktisch) in einigen nördlichen Hochlandgebieten) mit warmen, feuchten Sommern und langen, kalten und schneereichen Wintern. Die Niederschläge sind das ganze Jahr über relativ gleichmäßig verteilt. Das Klima im Südosten wird vom Atlantik beeinflusst und weist im Durchschnitt mildere Winter auf (für New Hampshire), während die nördlichen und inneren Gebiete kältere Temperaturen und geringere Luftfeuchtigkeit verzeichnen. Die Winter sind im gesamten Bundesstaat kalt und schneereich, besonders streng sind sie in den nördlichen und bergigen Regionen. Die durchschnittliche jährliche Schneefallmenge liegt im gesamten Bundesstaat zwischen 150 cm und über 250 cm.

Die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen liegen im Juli im gesamten Bundesstaat zwischen 24 und 28 °C, die Tiefsttemperaturen nachts zwischen 13 und 15 °C. Die Januartemperaturen reichen von durchschnittlich 1 °C an der Küste bis zu Tiefsttemperaturen unter −18 °C im äußersten Norden und in höheren Lagen. Der durchschnittliche jährliche Niederschlag im gesamten Bundesstaat beträgt etwa 100 cm, wobei es in den White Mountains aufgrund von Höhenunterschieden und unterschiedlichen Schneefallmengen zu Abweichungen kommt. Die höchste in New Hampshire gemessene Temperatur betrug 41 °C in Nashua am 4. Juli 1911, die niedrigste −44 °C auf dem Mount Washington am 29. Januar 1934. Auf dem Mount Washington wurde am 22. Januar 1885 auch eine inoffizielle Temperatur von −46 °C gemessen, die, falls sie offiziell anerkannt würde, den Kälterekord für Neuengland einstellen würde (ebenfalls −46 °C in Big Black River, Maine, am 16. Januar 2009 und in Bloomfield, Vermont, am 30. Dezember 1933). Extreme Schneefälle treten häufig im Zusammenhang mit Nordoststürmen auf, wie beispielsweise beim Blizzard von 1978 und dem Blizzard von 1993, als innerhalb von 24 bis 48 Stunden in Teilen des Bundesstaates mehrere Meter Schnee fielen. Leichtere Schneefälle von einigen Zentimetern kommen im Winter häufig vor und sind oft mit einem Alberta Clipper verbunden.

New Hampshire wird gelegentlich von Hurrikanen und Tropenstürmen heimgesucht – obwohl diese, wenn sie den Bundesstaat erreichen, oft bereits außertropisch sind. Die meisten Stürme treffen die Küste des südlichen Neuenglands und ziehen entweder ins Landesinnere oder ziehen vor der Küste im Golf von Maine vorbei. In den meisten Teilen von New Hampshire gibt es durchschnittlich weniger als 20 Gewittertage pro Jahr und durchschnittlich zwei Tornados pro Jahr im gesamten Bundesstaat.

+ Durchschnittliche tägliche Höchst- und Tiefsttemperaturen für ausgewählte Städte in New HampshireOrtJuli (°F)Juli (°C)Januar (°F)Januar (°C)Manchester 82/64 28/17 33/15 0/−9Nashua 82/59 28/15 33/12 0/−11Concord 82/57 28/14 30/10 −1/−12Portsmouth 79/61 26/16 32/16 0/−9Keene 82/56 28/13 31/9 −1/−12Laconia 81/60 27/16 30/11 −1/−11Lebanon 82/58 28/14 30/8 −1/−13Berlin 78/55 26/13 27/5 −3/−15

Geschichte Frühgeschichte Paläoindianer Während der Eiszeiten, deren letzte als Wisconsin Glaciation bezeichnet wird, konnten auf dem Gebiet New Hampshires kaum Menschen leben. Das Gebiet war durchgängig erst ab dem 8. Jahrtausend v. Chr. bewohnt, die ersten Menschen kamen jedoch schon etwa drei Jahrtausende früher.Dies und das Folgende nach: Richard Boisvert: The Paleoindian Period in New Hampshire. In: Claude Chapdelaine (Hrsg.): Late Pleistocene Archaeology and Ecology in the Far Northeast, Texas University Press 2012, S. 77–94.

Eine systematische archäologische Untersuchung des Staatsgebiets existiert nicht. So wurden die 16 paläoindianischen Fundstätten (Stand: 2012)Diese sind: Colebrook site, Mount Jasper lithic source (Berlin), Israel River Complex I-V, Potter site (Randolph), Stone’s Throne site (Tamworth), Thorne site (Effingham), Weirs Beach site (Laconia), George’s Mill (Sunapee), Whipple site (Swanzey), Tenant Swamp site (Keene), Thornton’s Ferry and Hume sites (Merrimack). Ein Drittel der Fundstätten weist zudem erheblich spätere Schichten auf. zur Hälfte zufällig entdeckt, der Rest aufgrund von Untersuchungen im Vorfeld von Baumaßnahmen, und nur eine einzige (Thorne) wurde infolge einer gezielten Suche nach Fundstätten entdeckt. Aus dieser frühesten Epoche indianischer Besiedlung existieren zudem 8 weitere Artefakte, die gut dokumentiert sind. Die Erforschung der Paläoindianer in New Hampshire beschleunigte sich erst 1995 mit der Entdeckung mehrerer Lager am Israel River. Bis dahin war die Mitte der 1970er Jahre entdeckte Whipple site oberhalb des Ashuelot River die einzige gut dokumentierte Fundstätte, doch wurde sie durch Andenkenjäger schwer beschädigt. Man vermutete, dass vor 10.000 bis 11.000 Radiokarbonjahren Karibu- und Biberjäger die Region bewohnten. Sie hinterließen am Israel River ein größeres Lager, das wohl von mehreren Familienverbänden genutzt wurde,Ähnliche Lager stellen im Nordosten der USA die Bull Brooke site im Nordosten von Massachusetts dar, sowie die Vail site im Westen von Maine. eine Abbaustätte und eine Bearbeitungsstätte für Steine (eine weitere fand sich bei Colebrook) und mehrere kurzzeitig genutzte Lager. Bei Tamworth fand sich gleichfalls eine kleine Rhyolith-Abbaustätte. Die 2003 entdeckte Potter Site in Randolph ist 3,2 ha groß und birgt mindestens acht Abschnitte mit hoher Funddichte. An mindestens zweien fand intensive Holzverarbeitung statt. Die über lange Zeit genutzte Stätte barg zwei Typen von Projektilspitzen, nämlich vom in New Hampshire häufigsten Michaud/Neponset- (mittel-paläoindianisch, teils sehr lange Spitzen) und vom Bull Brooke/West Athens Hill-Typ; in Auburn fand man kannelierte Spitzen (fluted points), die zur Fixierung des Schaftes dienten, im Kings Road/Whipple-Stil. Auch wurden die teils lange bekannten Faustkeile neu untersucht. Die Fundstätten sind gelegentlich über einen Hektar groß (Potter, Jefferson III), die kleinste umfasst jedoch nur 25 m². Dabei handelt es sich um die Colebrook site, an der 3.200 Abschläge gefunden wurden. Hier bereitete wohl eine Gruppe von Jägern ihre Waffen auf eine bevorstehende Jagd vor. Dabei verabschiedet sich die Archäologie von der weit verbreiteten Vorstellung, die Paläoindianer hätten, im Unterschied zu den archaischen Indianern, hauptsächlich von der Megafauna gelebt. Klar ist nur, dass mit dem Verschwinden vor allem von Mammut und Mastodon, eine Spezialisierung auf kleinere, aber in großen Herden vorkommende Tiere einsetzte, auf Karibus und Bisons.Kurt W. Carr, J. M. Adovasio: Shades of Grey Redux. The Paleoindian/Early Archaic „Transition“ in the Northeast. In: C. Britt Bousman, Bradley J. Vierra (Hrsg.): From the Pleistocene to the Holocene. Human Organization and Cultural Transformations in Prehistoric North America, Texas University Press 2012, S. 273–317, hier: S. 289.