Hans Jörg Schimanek jun. (* 1. Oktober 1963 in Klosterneuburg) ist ein österreichischer Rechtsextremist, der von 1987 bis 1995 als führender Neonazi im Umfeld von Gottfried Küssel und der VAPO aktiv war. Schimanek war Kameradschaftsführer im Bezirk Krems und Aktivist der „Kameradschaft Langenlois“,Schimanek, Hans Jörg jun. In: Brigitte Bailer, Wolfgang Neugebauer (Bearb.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Hrsg. durch die Stiftung Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, aktualisierte und erw. Neuausg., Deuticke, Wien 1994, ISBN 3-216-30099-4, S. 348. einer neonazistischen und paramilitärischen Gruppe.Brigitte Bailer, Wolfgang Neugebauer: Rechtsextreme Vereine, Parteien, Zeitschriften-(kreise), informelle/illegale Gruppierungen. In: Dies. (Bearb.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Hrsg. durch die Stiftung Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, aktualisierte und erw. Neuausg., Deuticke, Wien 1994, ISBN 3-216-30099-4, S. 159. Er organisierte Wehrsportübungen mit und trat als „Söldner“ in Erscheinung. 1995 wurde er wegen NS-Wiederbetätigung rechtskräftig zu einer hohen Haftstrafe verurteilt. Mit seinem Fall waren der Oberste Gerichtshof Österreichs und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte befasst. 1999 vorzeitig aus dem Strafvollzug entlassen, ist er seitdem in der freien Wirtschaft tätig. 2026 wurde er erneut wegen Wiederbetätigung verurteilt.
Leben Herkunft und Familie Schimanek jun. wurde 1963 als Sohn des Journalisten und nachmaligen SPÖ später FPÖ- bzw. BZÖ-Politikers Hans Jörg Schimanek,Wolfgang Purtscheller: „10 Briefe für 10 Jahre“. Von der VAPO zum Briefbombenterror. In: Ders. (Bearb.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Hrsg. durch die Stiftung Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, aktualisierte und erw. Neuausg., Deuticke, Wien 1994, ISBN 3-216-30099-4, S. 511; APA: Porträt: Hans-Jörg Schimanek – Von der FPÖ-Niederösterreich zum BZÖ-Wien. In: Der Standard, 26. September 2005, abgerufen am 6. November 2024. von 1998 bis 2000 freiheitlicher Landesparteiobmann in Niederösterreich, in Klosterneuburg geboren. Dieser setzte sich später für seinen Sohn in Form von Entgegnungen, Klagsdrohungen und Klagen gegen Journalisten und Zeitungen ein.Hans-Henning Scharsach: Haiders Clan. Wie Gewalt entsteht. 3. Auflage, Orac, Wien 1995, ISBN 3-7015-0349-4, S. 93 ff. Sein Bruder ist der ehemalige FPÖ-Kommunalpolitiker René Schimanek. Er war Büroleiter des Dritten Nationalratspräsidenten Norbert Hofer (FPÖ)Christa Zöchling: Der Volks-Empfänger. In: profil, Nr. 20/2016, 13. Mai 2016, S. 26 ff. (Online in profil.at, 18. Mai 2016, abgerufen am 6. November 2024.) und von 2017 bis 2019 Kabinettschef von Hofer, der zu dieser Zeit Verkehrsminister gewesen ist.Daniela Breščaković, Anna Thalhammer: Rechtsextremismus: Razzia bei deutschen Neonazis - Enkel von FPÖ-Politiker verhaftet, Hausdurchsuchungen auch in Österreich. In: profil.at, 5. November 2024, abgerufen am 6. November 2024. Hier drittletzter und letzter Absatz.
Schimanek junior wanderte zur Zeit der Wende nach Deutschland aus, im Jahre 1995 heiratete er.Kurt Tozzer, Günther Zelsacher: Bombenspuren. Briefbomben und politischer Terror. Holzhausen, Wien 1995, ISBN 3-900518-37-8, S. 188. In Deutschland kamen seine Söhne Jörg (geb. ca. 2000) und Jörn (geb. ca. 2004) zur Welt, die am 5. November 2024 im Zusammenhang mit den rechtsextremen „Sächsischen Separatisten“, Jörg als mutmaßlicher Anführer, festgenommen wurden und in Untersuchungshaft genommen wurden.Laurin Lorenz, Fabian Schmid: Anführer der „Sächsischen Separatisten“: Österreicher aus Familie mit brauner Vergangenheit. Die deutsche Bundesanwaltschaft nahm acht Männern fest, die für einen Umsturz trainiert haben sollen. Zwei stammen aus einer österreichischen Familie, die in der Szene bekannt ist. In: Der Standard, 5. November 2024, abgerufen am 6. November 2024. Ein von der Familie Schimanek in den 1970ern angemietetes Forsthaus in der Nähe der Burgruine Kronsegg, in dem bereits Hans Jörg Schimanek jun. Wehrsportübungen der rechtsextremen Szene organisiert hatte, sollte als Stützpunkt der Sächsischen Separatisten in Österreich dienen.Laurin Lorenz, Fabian Schmid: Ermittlungen. Rechtsextreme "Sächsische Separatisten" wollten sich am "Tag X" nahe der Burgruine Kronsegg zurückziehen In: Der Standard, 7. Februar 2025, abgerufen am 7. Februar 2025.
Ausbildung und Bundesheer Schimanek jun. besuchte die AHS und absolvierte eine Ausbildung zum Gebrauchsgrafiker.Kurt Tozzer, Günther Zelsacher: Bombenspuren. Briefbomben und politischer Terror. Holzhausen, Wien 1995, ISBN 3-900518-37-8, S. 180 ff.
Er war dann zunächst sieben Jahre zeitverpflichteter Soldat beim Österreichischen Bundesheer, wo er u. a. beim infanteristischen Gardebataillon diente. Rekrutenausbilder Schimanek, der es bis zum Chargendienstgrad Korporal brachte, wollte ursprünglich Unteroffizier werden, fiel allerdings 1985Hans-Henning Scharsach: Haiders Clan. Wie Gewalt entsteht. 3. Auflage, Orac, Wien 1995, ISBN 3-7015-0349-4, S. 84 ff. beim entsprechenden Auswahltest durch, wie aus der Personalakte 1986 hervorgeht. Die Heerespsychologen hatten aufgrund seines Verhaltens Bedenken und der militärische Nachrichtendienst machte einen Vermerk in seiner Akte. Nachdem in der Wiener Maria-Theresien-Kaserne Waffen verschwandenMichael Schmidt: Heute gehört uns die Strasse … Der Inside-Report aus der Neonazi-Szene. Mit einer Einleitung von Ralph Giordano, Econ, Düsseldorf u. a. 1993, ISBN 3-430-18003-1, S. 151. wurde er zunächst unehrenhaft entlassen. Wegen Verletzung der Verfahrensvorschriften hob der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) in Wien den Bescheid allerdings später wieder auf.Hans-Henning Scharsach: Haiders Clan. Wie Gewalt entsteht. 3. Auflage, Orac, Wien 1995, ISBN 3-7015-0349-4, S. 98. Ende der 1980er Jahre verließ er das Bundesheer endgültig; in seiner Dienstzeit (1987) lernte er seinen politischen Weggefährten Gottfried Küssel, Schlüsselfigur der deutschsprachigen Neonazi-Szene, kennen, mit dem er fortan kooperierte.
Neonazistischer und rechtsextremer Kontext 1980er und 1990er Jahre Im Jahre 1987 nahm Schimanek jun. an einer Mahnwache für den einstigen Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß in Wien teil. Im gleichen Jahr bezeichnete er sich während einer Veranstaltung der Jungen Volkspartei, der Jugendorganisation der ÖVP, als Nationalsozialisten, der sich aber im Rahmen des Verbotsgesetzes bewege (siehe spätere Urteile in Strafsachen).
Er avancierte zum „Wehrsport-Chef“ der militanten, neonazistischen Volkstreuen außerparlamentarischen Opposition (VAPO) und organisierteKlaus Zellhofer: Die österreichischen Zweigstellen des deutschen Rechtsextremismus. In: Jens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch deutscher Rechtsextremismus. Elefanten-Press, Berlin 1996, ISBN 3-88520-585-8, S. 660. bis 1991 gemeinsam mit Küssel (ca. 100) „paramilitärische Übungen“. Seinen Gesinnungsgenossen zeigte er etwa, wie man mit einem Messer eine Kehle durchschneidet.Hans-Henning Scharsach, Kurt Kuch: Haider. Schatten über Europa (= KiWi. 603: Paperback). Kiepenheuer und Witsch, Köln 2000, ISBN 3-462-02963-0, S. 197; Reinhold Gärtner: Survey of Austrian Politics: 1995. In: Günter Bischof, Anton Pelinka (Hrsg.): Austrian Historical Memory and National Identity (= Contemporary Austrian studies. Vol. 5). Transaction Publishers, Brunswick 1997, ISBN 1-56000-902-0, S. 394. So nahm er 1991 mit den VAPO-Aktivisten Gottfried Küssel (Vorsitzender) und Günther ReinthalerReinthaler, Günther. In: Brigitte Bailer, Wolfgang Neugebauer (Bearb.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Hrsg. durch die Stiftung Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, aktualisierte und erw. Neuausg., Deuticke, Wien 1994, ISBN 3-216-30099-4, S. 322. („Gaubeauftragter“ für Salzburg und OberösterreichBrigitte Bailer, Wolfgang Neugebauer: Rechtsextreme Vereine, Parteien, Zeitschriften-(kreise), informelle/illegale Gruppierungen. In: Dies. (Bearb.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Hrsg. durch die Stiftung Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, aktualisierte und erw. Neuausg., Deuticke, Wien 1994, ISBN 3-216-30099-4, S. 234.) sowie Gerhard EndresEndres, Gerhard. In: Brigitte Bailer, Wolfgang Neugebauer (Bearb.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Hrsg. durch die Stiftung Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, aktualisierte und erw. Neuausg., Deuticke, Wien 1994, ISBN 3-216-30099-4, S. 344. (VAPO Wien) an einer deutsch-österreichischen Wehrsportübung bei Langenlois teil, zu der auch aus Deutschland der Rechtsextremist Klaus Kopanski angereist war.
Gemeinsam mit dem „DDR-Koordinator“ der Republikaner,Richard Stöss: Die „Republikaner“. Woher sie kommen. Was sie wollen. Wer sie wählt. Was zu tun ist. 2., überarb. u. erw. Aufl., Bund-Verlag, Köln 1990, ISBN 3-7663-2198-6, S. 136. Reinhard Rade, nahm er an „Söldnerdiensten“ in Südamerika, d. h. Surinam (1989) und Französisch-Guyana (1990), und in Kroatien (1992) teil.Jens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch deutscher Rechtsextremismus. Elefanten-Press, Berlin 1996, ISBN 3-88520-585-8, S. 511; vgl. Bernd Siegler, Anton Maegerle: Soeldner in kroatischen Diensten. In: die tageszeitung, Nr. 3762, 22. Juli 1992, S. 3. Über Paris gelangte er ins vom Bürgerkrieg geplagte Surinam, wo er mit einem Selbstladegewehr (HK SL7) und einer Machete für den vermeintlichen „Jagdurlaub“ ausgerüstet war. Nachdem er 1989 mit seinen „Kameraden“ (Rade und einem weiteren Deutschen) zunächst von der Surinamischen Armee des Ex-Diktators, Oberst Desi Bouterse, festgesetzt worden war, wurde er wenige Tage später vom „Jungle Commando“ um Ronnie Brunswijk befreit. Die französische Gendarmerie nationale nahm Schimanek und die anderen Ausländer in Saint-Laurent-du-Maroni, einer Stadt in Französisch-Guyana an der Staatsgrenze zu Surinam, fest und schickte sie als Schubhäftlinge zurück nach Wien-Schwechat.Kurt Tozzer, Günther Zelsacher: Bombenspuren. Briefbomben und politischer Terror. Holzhausen, Wien 1995, ISBN 3-900518-37-8, S. 182 f.