mini|K.P.H. Notoprojo (1909–2007), einer der bedeutendsten rebab-Spieler des javanischen Gamelan Rebab ist eine zwei-, selten dreisaitige Stachelfiedel, die in Indonesien und Malaysia in der höfischen Musik des Gamelan und in der Volksmusik gespielt wird. Die mit der orientalischen rabāb namens- und formverwandte Schalenspießlaute besitzt häufig einen ovalen, leicht herzförmigen Korpus aus einer halben Kokosnussschale und einen langen Rundstab ohne Griffbrett als Saitenträger. Im javanischen Gamelan ist der Spieler der rebab üblicherweise der Orchesterleiter. Darüber hinaus kommen Stachelfiedeln besonders im Norden von Sumatra, in Teilen Borneos und in Sulawesi zur Gesangsbegleitung vor. Die westjavanische rebab ist etwas größer und schwerer als das zentraljavanische Instrument.

Herkunft Der zentralasiatische Gelehrte al-Farabi erwähnt in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts erstmals ein mit einem Bogen gestrichenes Saiteninstrument.Henry George Farmer: A History of Arabian Music to the XIIIth Century. (Dissertation) London 1929, S. 155 (Luzac & Company, London 1967, 1973; ) In seinem Werk Kitāb al-mūsīqā al-kabīr („Das große Buch der Musik“) gibt er für dieses Instrument den arabischen Namen rabāb an, der bereits in früheren Quellen vorkommt, aber sich dort nicht eindeutig einem Streichinstrument zuordnen lässt.Hans Hickmann: Die Musik des Arabisch-Islamischen Bereichs. In: Bertold Spuler (Hrsg.): Handbuch der Orientalistik. 1. Abt. Der Nahe und der Mittlere Osten. Ergänzungsband IV. Orientalische Musik. E.J. Brill, Leiden/Köln 1970, S. 68 Mit rabāb verwandte Bezeichnungen für Streichinstrumente, die auf den arabischen Wortstamm r-b-b zurückgehen, sind im Orient von den Ländern des Maghreb im Westen bis in den Nordwesten Indiens weit verbreitet.

Die Form des Korpus und die Befestigung des Saitenträgers unterscheidet die einzelnen Vertreter der arabischen Spießlauten. Allgemein durchquert ein langer, aus einem Holzstab bestehender Saitenträger den Korpus und ragt an der Unterseite ein Stück hinaus. Nach der Korpusform gehört die rebab zu den Schalenspießlauten, die einen schalenförmigen runden Korpus besitzen wie die ägyptische kamanǧa (auch rebāb) mit zwei Saiten, an deren Unterseite ein Eisenspieß herausragt. Bekannter ist die ähnliche persische kamantsche. In der Türkei verschwand die alte Spießgeige rebâb zugunsten der kemençe. Eine weitere Gruppe bilden die Kastenspießlauten wie die ribāb in Marokko und die einsaitige masinko in Äthiopien, bei denen Seiten und Boden des Korpus aus mehreren Teilen zusammengefügt sind. Die nach der Korpusform dritte Gruppe sind Röhrenspießgeigen wie die endingidi in Uganda, die im arabischen Raum nicht vorkommen, sondern chinesischen Ursprungs sind.Roger Blench: The Morphology and Distribution of Sub-Saharan Musical Instruments of North-African, Middle Eastern, and Asian, Origin. (PDF; 463 kB) In: Laurence Picken (Hrsg.): Musica Asiatica. Band 4. Cambridge University Press, Cambridge 1984, ISBN 978-0-521-27837-9, S. 173 f.

Neben Spießgeigen sind gezupfte Kurzhalslauten unter von rabāb abgeleiteten Namen bekannt: in Marokko und Tunesien die kurze Knickhalslaute rebāb, in Afghanistan die rubāb und weitere Lauten in Zentralasien. Eine der ältesten arabischen Fiedeln dürfte die einsaitige „Poetenfiedel“ rabāba mit einem kastenförmigen Korpus sein, die Beduinen zur Begleitung von Liedern spielen.Anthony Baines: The Oxford Companion to Musical Instruments. Oxford University Press, Oxford 1992, S. 277

Wann die zentralasiatisch-orientalischen Lauten nach Südostasien kamen, ist unklar. Die aus vorislamischer Zeit stammende Laute barbat, deren bekanntester Abkömmling die arabische ʿūd wurde, gelangte vermutlich über den Umweg des jemenitischen qanbus im 15. Jahrhundert auf dem Seeweg nach Südostasien und wurde dort zur in mehreren islamischen Musikstilen gespielten gambus. Eine wesentlich frühere Ausbreitung orientalischer Saiteninstrumente könnte von Persien auf dem Landweg erfolgt sein. Laut chinesischen Quellen soll es persische Siedler im 5./6. Jahrhundert auf der Malaiischen Halbinsel gegeben haben. Im 1. Jahrtausend kamen mit der Ausbreitung der indischen Kultur zunächst indische Musikinstrumente nach Südostasien, darunter Stabzithern (kse diev in Kambodscha, phin phia in Thailand) und Bogenharfen (saung gauk etwa seit dem 9. Jahrhundert in Myanmar, pin vom 7. bis zum 13. Jahrhundert im Khmer-Reich von Angkor). Arabische und persische Händler waren Münzfunden zufolge möglicherweise ab dem 9. Jahrhundert in der Region; die ersten muslimischen Gemeinden siedelten im 13. Jahrhundert im Norden Sumatras. Händler aus dem indischen Gujarat und aus Persien kontrollierten Anfang des 15. Jahrhunderts Handelsniederlassungen im Sultanat von Malakka.Larry Francis Hilarian: The migration of lute-type instruments to the Malay Muslim world. (PDF; 739 kB) Conference on Music in the world of Islam. Assilah, 8.–13. August 2007, S. 4 f.

Neben der Bogenharfe gelangten andere indische Musikinstrumente mit der Ausbreitung des Buddhismus nach Myanmar. Der Musikethnologe Robert Garfias ist der Ansicht, dass vermutlich nicht vor dem 12. Jahrhundert einsaitige Stachelfiedeln in Myanmar bekannt waren, wo sie tayàw genannt wurden. Ab dem 12. Jahrhundert dürften sich Stachelfiedeln vermutlich vom Typ der rebab und der mit ihr verwandten thailändischen so u in Südostasien verbreitet haben. Von der burmesischen Stachelfiedel fehlt jede SpurRobert Garfias: The Development of the Modern Burmese Hsaing Ensemble. In: Asian Music, Vol. 16, No. 1, 1985, S. 1–28, hier S. 3 und eine andere, tayàw genannte Fiedel mit drei Saiten und einem rundbauchigen, achtförmigen Korpus, die im 19. Jahrhundert populär war, ist seit der Etablierung der europäischen Violine museal. Die so u ist eine zweisaitige Schalenspießlaute mit einem Korpus aus einer ovalen Kokosnussschale, die ihre heutige Form um 1900 nach chinesischen Vorbildern erhielt. Eine ähnliche thailändische Fiedel ist die so sam sai mit drei Saiten, die vermutlich spätestens seit dem Sukhothai-Reich Anfang des 14. Jahrhunderts gespielt wurde. Für Spießgeigen wie die so sam sai hält David Morton eine Verbreitung vom Orient über Indien bis Nanzhao (Südchina) für wahrscheinlich und erwähnt Mantle Hood (1970),Mantle Hood: The Effect of Medieval Technology on Musical Style in the Orient. In: Selected Reports in Ethnomusicology, UCLA 1970, Band 1, Nr. 3, 1970, S. 147–170 der annimmt, dass die javanische rebab bereits in vorislamischer Zeit bekannt war.

So (oder sor) ist der thailändische Oberbegriff für Spießgeigen, dem in Kambodscha tro entspricht. Über eine Kulturvermittlung von Java nach Kambodscha wurde nicht nur im Zusammenhang mit dem kambodschanischen Schattenspiel sbek thom spekuliert, die javanische rebab könnte Vorbild für die zweisaitige kambodschanische tro u gewesen sein und diese könnte mit der Eroberung des Khmer-Reichs durch Ayutthaya Anfang des 15. Jahrhunderts Thailand erreicht haben.David Morton: The Traditional Music of Thailand. University of California Press, Berkeley 1976, S. 96 Eine gesicherte Ausbreitungsrichtung für die zwei- und dreisaitigen Spießgeigen in Südostasien ergibt sich hieraus nicht.

Die rebab ist mit der westjavanischen Kastenhalslaute tarawangsa, der zentraljavanischen Kastenzither celempung und der westjavanischen Brettzither kacapi eines der vier Saiteninstrumente der traditionellen javanischen Musik. Die beiden Zithern sind chinesischen Ursprungs. Namentlich erwähnt werden rebab und celempung in einem Manuskript der indonesischen Erzählung Hikayat Cekelwanengpati, die von den Abenteuern des mythischen Helden Panji handelt. Die Panji-Geschichten gehören auf Java zur jüngeren Erzähltradition (gedog), von der die altindischen Epen (purwa) unterschieden werden. Damit ist die rebab für die Zeit der hindu-javanischen Königreiche vor der Islamisierung im 15. Jahrhundert belegt. Das Wort rebab kommt in weiteren Panji-Erzählungen und im balinesischen Erzählgedicht Bagus Turunan vor. Darin geht es um die titelgebende Hauptfigur, die als Junge von einem alten Ehepaar im Wald gefunden, groß gezogen und später zum Geliebten der Prinzessin von Kediri wird.

Der älteste javanische Name für ein Lauteninstrument ist rawanahasta. In seiner indischen Heimat wurde im 1. Jahrtausend möglicherweise eine Art vina, also eine Bogenharfe, als ravanahasta bezeichnet, heute heißt so in Indien eine Stachelfiedel mit Kokosnussresonator. Die 907 in einer zentraljavanischen Quelle erwähnte Instrumentenbezeichnung stand vermutlich früher für eine gezupfte Laute, denn auf keinem mittelalterlichen javanischen Tempelrelief ist eine Streichlaute abgebildet. Ein weiterer Instrumentenname in der altjavanischen Literatur ist samépa. Was für ein Musikinstrument dies war, ist nicht bekannt, außer dass es den Vortrag der altjavanischen Versformen kidung und kakewin begleitete und in manchen Gamelans eingesetzt wurde. Eine solche Verwendung spricht dafür, dass es sich um ein der rebab ähnliches Streichinstrument handelte.Jaap Kunst, Roelof Goris: Hindoe-Javaansche muziekinstrumenten. Batavia, 1927; 2. durchgesehene, englische Auflage: Hindu-Javanese Musical Instruments. Martinus Nijhoff, Den Haag 1968, S. 17, 22 f., 86

Bauform und Spielweise Zentraljava mini|Rebab-Spieler in einem Gamelan, 1966 Die zentraljavanische rebab ist etwa einen Meter lang und besteht aus einem schlanken, gedrechselten Holzstab und einem runden, leicht herzförmigen Korpus aus einer halben Kokosnussschale (batok) oder gelegentlich aus einer geschnitzten Holzschale. Um die gewünschte Form des Korpus zu erreichen, wird die Hälfte einer Kokosnuss eingeölt und solange in eine entsprechend geformte Presse gelegt, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Der gewölbte Boden (pentat) des Korpus ist häufig mit einem Ring kleiner Löcher (nawa) durchbohrt. Als Decke wird ein zu Pergament verarbeiteter Büffeldarm verwendet. Der Steg aus Teakholz steht im oberen Viertel auf der Decke. Vom an der Unterseite des Korpus herausragenden Stachel (sikil, „Fuß“) führen zwei Kupfersaiten (kawat) über den Steg (santen oder srenten) und mit mehreren Zentimetern Abstand vom Saitenträger (Hals, jeneng oder watangan) bis zu zwei langen, seitenständigen Wirbeln am „Kopf“ (sirah, auch daga). Tatsächlich handelt es sich um eine durchgängige, mit den Enden an den Wirbeln befestigten Saite, die mehrfach um den Stachel herumgeschlungen ist, sodass, falls sie reißen sollte, noch etwas Restlänge übrigbleibt.Colin Quigley, 1986, S. 45 Die schlanke Spitze, die bei alten, wertvollen Instrumenten aus gedrechseltem Elfenbein besteht, heißt menur („Jasmin“). Die beiden Saiten werden als jindra (jaler, „männlich“) und laranangis (istri, „weiblich“) unterschieden. Ein unterhalb des Stegs auf die Melodiesaite gestecktes kleines Stück Bananenblatt (ening, suning oder srawing) soll den Klang etwas geräuschhafter werden lassen. Die Unterseite des Korpus ist häufig mit einem samtenen Tuch überzogen. Bei Nichtgebrauch steht die rebab an einen aufwendig geschnitzten, hölzernen Ständer gelehnt.

Der auf dem Boden sitzende Spieler hält die auf den Stachel gestützte rebab mit zwei Fingern der linken Hand senkrecht frei vor sich. Die Saiten werden mit einem kurzen Pferdehaarbogen (kosok oder chèngkok) knapp über der Oberkante des Korpus gestrichen. Der Bogen wird über die Saiten geführt, nicht wie bei der chinesischen Spießgeige erhu zwischen den Saiten. Der Spieler greift das Bogenende zwischen Daumen und Zeigefinger, mit dem Ringfinger strafft er die Haarbespannung. Die Saiten drückt er mit den Fingerkuppen der linken Hand gegen den Rundstab.Margaret J. Kartomi, 2014, S. 206; Jaap Kunst, 1973, S. 220f