Erika Hess (* 6. März 1962 in Wolfenschiessen; heimatberechtigt in Engelberg) ist eine ehemalige Schweizer Skirennfahrerin.

Karriere In den 1980er Jahren dominierte die vielseitige Skifahrerin den alpinen Skisport bei den Frauen, einen Olympiasieg erreichte sie in ihrer Karriere jedoch nie. Sie gewann 1982 und 1984 den Gesamtweltcup und siegte insgesamt 31-mal in Weltcuprennen. Ausserdem gewann sie von 1981 bis 1983 sowie 1985 den Disziplinenweltcup im Slalom, darüber hinaus 1984 den Weltcup im Riesenslalom und in der Alpinen Kombination. 1985/86 kam sie in der Slalom-Weltcupwertung zwar – wie Roswitha Steiner – auf 110 Punkte, wurde aber wegen der geringeren Zahl an Saisonsiegen (2 gegenüber 4) auf Platz zwei gereiht.Hess von Steiner entthront. In: Freiburger Nachrichten. 19. März 1986, S. 7. Herausragend waren auch ihre sechs Siege in Serie vom Januar 1981 bis zum Saisonende im März 1981.

Hess wurde 1982 zur Schweizer Sportlerin des Jahres gewähltErika Hess – Sportlerin des Jahres. In: Engadiner Post. 20. November 1982, S. 2. und von der Internationalen Vereinigung der Ski-Journalisten (AIJS) mit dem Skieur d’Or ausgezeichnet; die Auszeichnung, die sie mit fünf Stimmen Vorsprung auf Phil Mahre gewann, erfolgte am 22. November 1982.Skifahrerin des Jahres. In: Thuner Tagblatt. 25. November 1982, S. 11. Während der Saison 1982/83 unterzog sie sich einer Meniskusoperation. Sie hatte noch am 17. Dezember den Slalom in Piancavallo gewonnen, liess lediglich die beiden Super-Gs in Verbier am 9./10. Januar aus und wurde bereits am 11. Januar Zweite im Slalom in Davos.Erika Hess: Beim Herauflaufen mehr Mühe als im Rennen. Beinahe mirakulöses Comeback der Innerschweizerin beim Damen-Weltcupslalom von Davos. In: Der Bund. 12. Januar 1983, S. 31.

Ihre einzige olympische Medaille gewann Hess bei den Winterspielen 1980 in Lake Placid, die Bronzemedaille im Slalom (hinter Hanni Wenzel und Christa Kinshofer). Erfolgreicher war sie bei Skiweltmeisterschaften. So wurde sie bei den Skiweltmeisterschaften 1982 in Haus im Ennstal dreifache Weltmeisterin in der Alpinen Kombination, im Riesenslalom und im Slalom. Bei den Skiweltmeisterschaften 1985 in Bormio siegte sie in der Kombination und lag auch nach dem ersten Lauf des Slaloms in Führung, ehe sie aber dann im zweiten Lauf ausschied. Zum Abschluss ihrer Karriere gewann sie bei den Skiweltmeisterschaften 1987 in Crans-Montana nochmals Gold in der Kombination und im Slalom.

Zu ihrem Rücktritt erklärte sie in einem Beitrag der Zeitung Sport, dass ein wichtiger Grund ihres noch vor Calgary 1988 vollzogenen Karriereendes die bei Olympischen Spielen gegebenen Faktoren wie Wetter, Rummel, Nervendruck gewesen seien, welche bei Olympia um ein Vielfaches schwerer wiegen als bei einem normalen Rennen. Sie sei mit diesen Umständen nicht zurechtgekommen.«Darum hatte ich Angst vor Olympia». In: Sport. 22. Februar 1988, S. 4.

Privates Hess wuchs im zur Gemeinde Wolfenschiessen gehörenden Weiler Altzellen auf, wo ihr Onkel einen Skilift installiert hatte.https://zeitlupe.ch/interview/ich-bin-mir-stets-treu-geblieben/ Ihre Tante Annemarie Hess-Waser war ebenfalls Skirennfahrerin und nahm zweimal an Olympischen Winterspielen teil.

1988 heiratete sie Jacques Reymond, ihren ehemaligen Trainer. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor; Marco, der jüngste, fuhr Rennen im Europacup und Weltcup. Die beiden lebten in Saint-Légier-La Chiésaz im Kanton Waadt. Zusammen organisierten sie Rennen und Trainingslager für Nachwuchs-Skirennfahrer. Im Mai 2020 starb ihr Mann im Alter von 69 Jahren während der COVID-19-Pandemie an den Folgen einer Infektion mit SARS-CoV-2.Ehemaliger Skitrainer Jacques Reymond gestorben. In: skinews.ch. 8. Mai 2020.

Ihre zwei Jahre jüngere Cousine Monika Hess (* 1964) war ebenfalls Skirennfahrerin.

Erfolge Olympische Spiele Lake Placid 1980: 3. Slalom Sarajevo 1984: 5. Slalom, 7. Riesenslalom

Weltmeisterschaften Garmisch 1978: 9. Riesenslalom Schladming 1982: 1. Riesenslalom, 1. Slalom, 1. Kombination Bormio 1985: 1. Kombination, 11. Riesenslalom Crans-Montana 1987: 1. Kombination, 1. Slalom, 7. Abfahrt

Weltcupwertungen Erika Hess gewann in den Saisons 1981/82 und 1983/84 den Gesamtweltcup. Hinzu kommen sechs Siege in Disziplinenwertungen (viermal Slalom, je einmal Riesenslalom und Kombination). Saison Gesamt Abfahrt Super-G Riesenslalom Slalom Kombination Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte 1977/78 28. 7 – – – – 21. 1 16. 6 – – 1978/79 15. 76 – – – – 10. 43 18. 33 – – 1979/80 7. 111 – – – – 5. 71 6. 62 – – 1980/81 2. 251 34. 5 – – 3. 78 1. 125 4. 51 1981/82 1. 297 35. 2 – – 3. 105 1. 125 2. 77 1982/83 3. 192 – – – – 4. 78 1. 110 4. 35 1983/84 1. 247 35. 5 – – 1. 115 4. 89 1. 79 1984/85 4. 168 – – – – 12. 48 1. 100 5. 44 1985/86 2. 242 25. 13 20. 12 7. 52 2. 110 2. 56 1986/87 4. 169 32. 3 18. 13 4. 62 3. 96 3. 15

Weltcupsiege Insgesamt hat Erika Hess 31 Weltcuprennen gewonnen (21 Slaloms, 6 Riesenslaloms, 4 Kombinationen). Dazu kommen 27 zweite Plätze und 18 dritte Plätze. Ausserdem war sie am 23. November 1982 beim Riesenslalom von Bormio vor Perrine Pelen und Olga Charvátová im Rahmen der nur zum Nationencup zählenden World Series of Skiing siegreich.Erika Hess bereits in Form. In: Freiburger Nachrichten. 24. November 1982, S. 5. Slalom Datum Ort Land 13. Januar 1981 Schruns Österreich 21. Januar 1981 Crans-Montana Schweiz 31. Januar 1981 Les Diablerets Schweiz 3. Februar 1981 Zwiesel Deutschland 15. März 1981 Furano Japan 24. März 1981 Wangs-Pizol Schweiz 13. Dezember 1981 Piancavallo Italien 21. Dezember 1981 Saint-Gervais-les-Bains Frankreich 3. Januar 1982 Maribor Jugoslawien 20. Januar 1982 Bad Gastein Österreich 21. März 1982 Alpe d’Huez Frankreich 17. Dezember 1982 Piancavallo Italien 9. Februar 1983 Maribor Jugoslawien 1. Dezember 1983 Kranjska Gora Jugoslawien 15. Januar 1984 Maribor Jugoslawien 19. März 1985 Park City USA 22. März 1985 Heavenly Valley USA 15. Dezember 1985 Savognin Schweiz 11. März 1986 Park City USA 5. Dezember 1986 Waterville Valley USA 21. Dezember 1986 Val Zoldana ItalienRiesenslalom Datum Ort Land 25. März 1981 Wangs-Pizol Schweiz 21. März 1982 Alpe d’Huez Frankreich 8. Dezember 1982 Val-d’Isère Frankreich 11. Dezember 1983 Val-d’Isère Frankreich 29. Januar 1984 Saint-Gervais-les-Bains Frankreich 17. März 1984 Jasná Tschechoslowakei

Kombination Datum Ort Land 20. Januar 1982 Bad Gastein Österreich 14. Dezember 1983 Sestriere Italien 22. Januar 1984 Verbier Schweiz 12. Dezember 1985 Sestriere Italien

Auszeichnungen 1982: Schweizer Sportlerin des Jahres 1982: Skieur d’Or

Literatur Richard Hegglin: Erika Hess. Habegger, Derendingen 1982, ISBN 3-85723-186-6.

Weblinks

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Einzelnachweise

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