Die Uetersener Eisenbahn, die seit 2020 als Uetersener Eisenbahn- und Infrastrukturgesellschaft mbH (UeEI) firmiert, ist ein Eisenbahninfrastruktur- und -verkehrsunternehmen, das von 1935 bis 1993 auch ein Busverkehrsunternehmen im Kreis Pinneberg im südwestlichen Schleswig-Holstein war. Sie besitzt und betreibt eine etwa vier Kilometer lange Bahnstrecke, die die Städte Tornesch und Uetersen verbindet und seit 1965 regulär nur für den Güterverkehr genutzt wird.

Von 1998 bis Ende 2025 war die kreiseigene Uetersener Eisenbahn ausschließlich Immobilieneigentümer, während die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll (neg) die Bahnstrecke pachtete und betrieb. Zum 14. Dezember 2025 übernahm die UeEI die Betriebsführung wieder selbst.

Streckenverlauf Die zunächst eingleisige normalspurige Strecke überquert den Tornescher Bahnhofsvorplatz im Straßenplanum und folgt der Straße nach Uetersen. Hier war zwischenzeitlich ein zweites Gleis verlegt mit der betrieblichen Besonderheit, dass das eine Gleis ausschließlich für Personen-, das andere für Güterverkehr genutzt wurde.Hans Jürgen Credé: Anmerkungen zur sozioökonomischen Bedeutung der Kleinbahnen, in: Die Museums-Eisenbahn 4/1989, S. 35…43, S. 37, (Web) (PDF; 3,2 MB) Das zweite Gleis wurde nach 1965 entfernt.

Die Betriebsleitung und ein Lokschuppen befinden sich am Bahnhof Uetersen Ost. Die Strecke verlief ursprünglich im Straßenplanum weiter in das Stadtzentrum, was der UeE in diesem Bereich auch den Charakter einer Straßenbahn verlieh. Später wurde die Trasse in das Industriegebiet am südlichen Stadtrand verschwenkt. Dort führen Anschlussgleise zu mehreren Industriebetrieben und zum Hafen.

Geschichte Von der Gründung 1873 bis 1965 mini|links|hochkant=1.2|Aktie der Uetersener Eisenbahn-Gesellschaft von 1876 mini|links|hochkant=1.2|Fahrkarte der Uetersener Eisenbahn-Gesellschaft aus den 1920er Jahren

Bei der Planung der im damals dänisch verwalteten Holstein befindlichen Altona-Kieler Eisenbahn in den 1840er Jahren hatten sich Fuhrleute aus Uetersen gegen eine Anbindung ihres Ortes ausgesprochen, woraufhin die Trasse durch das nordöstlich gelegene, aber kleinere Tornesch geführt und dort ein Bahnhof errichtet wurde. Tornesch profitierte sehr von der Eisenbahn, die Uetersener Fuhrleute führten nun neben dem Güterverkehr auch Personenverkehr von der Stadt zum rund vier Kilometer entfernten Bahnhof in Tornesch durch. Nachdem inzwischen Holstein zu Preußen gehörte, gab eine Initiative unter Beteiligung Uetersener Kaufleute die Planung einer Pferdeeisenbahn an den Betriebsdirektor der Altona-Kieler Eisenbahn-Gesellschaft (AKE). Mit ihr sollte neben dem Personenverkehr auch der Güterverkehr auf einem normalspurigen Gleis durchgeführt werden, damit hier auch Güterwagen der Eisenbahn im Kriegsfall mit kleinen Dampflokomotiven befördert werden könnten. Nach der Erteilung der Konzession am 14. März 1871 durch Preußen, wurde die Uetersener Eisenbahn-Gesellschaft am 19. Juni 1971 beim Königlichen Kreisgericht Altona eingetragen. Der Vorstand der Gesellschaft wurde am 31. Mai 1872 gewählt.

Nach dem Bau mit von der AKE gemietetem Gleismaterial wurde die Pferdebahn vom Buttermerkt mit Führung über die Uetersener Hauptstraße Großer Sand zum Tornescher Bahnhof im September 1873 in Betrieb genommen. Für den Personenverkehr wurden drei zweiachsige Wagen benutzt, einer mit Decksitzen, die einspännig gezogen wurden. Zunächst gab es sieben Fahrtenpaare. Ab Oktober des gleichen Jahres wurde auch die Post mit diesen Wagen transportiert. Außerdem gab es für den Stückgutverkehr zwei Güterwagen, die mit denen der anderen Eisenbahn gekuppelt werden konnten und in Zügen bis zu 12 Wagen mit bis zu sechs Pferden gezogen wurden. Dabei wurde auf die Uetersener Fuhrunternehmer mit ihren Pferden und Kutschern zurückgegriffen. Von der 4,856 km Gleislänge lagen 1,829 km im Uetersener Straßenplanum. Im Jahr 1875 wurden 51.376 Fahrgäste und 17.640 Doppelzentner Stückgut befördert, daneben in Güterwagenladungen 58.859 Doppelzentner. Im Jahr 1900 waren es 135.612 Fahrgäste und 24.894 Doppelzentner Stückgut sowie 337.631 Doppelzentner Güterwagenladungen, womit die Kapazität des Pferdetransports erschöpft war.Hans Georg Nolden: Die Uetersener Pferde-Eisenbahn. In: Strassenbahnmagazin, Heft 90 von November 1993, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart, S. 320–328

1908 stellte die Uetersener Eisenbahn daher den Betrieb auf Dampftraktion um, eine Elektrifizierung hätte zu vieler Investitionen bedurft. Von den Teltower Kreisbahnen wurden zwei gebrauchte Dampftriebwagen und einige Trambahn-Kastenlokomotiven für den Güterverkehr gekauft. Außerdem wurden zwei neue Rowan-Dampftriebwagen von der Maschinenfabrik Borsig in Berlin gekauft. Die Fahrzeit von Tornesch zum Buttermarkt in Uetersen verringerte sich im Personenverkehr von 32 auf 16 Minuten.

Zur Bedienung der Anschlussgleise mit engen Radien wurde ein spurgleicher Rollbockverkehr eingeführt. Dafür mussten die Güterwagen auf Rollböcke umgeladen werden. Eine der Kastenloks, die UeE 8, war dafür mit zwei Reihen von Puffern ausgestattet.

1914 standen schon etliche Oberleitungsmasten für die inzwischen beschlossene Elektrifizierung. Der Erste Weltkrieg verhinderte den Weiterbau, danach die beschränkten Mittel und die Inflation. In den 1920er Jahren übernahmen Dieseltriebwagen den Verkehr. Das Gleis wurde 1926 aus der Hauptstraße in den Randbereich der Stadt am Hafen verlegt. Die Strecke wurde verkürzt und hatte den neu gebauten Stadtbahnhof bei Röpckes Mühle als Endstation.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichten die Fahrgastzahlen ihren Höhepunkt. Die Gesellschaft investierte in zwei MAN-Schienenbusse, 1957 und 1958 wurden diese in Dienst gestellt und waren bis zur Einstellung des regulären Personenverkehrs am 29. Mai 1965 auf der Strecke im Einsatz: VT 4 (Fabriknummer 143403, Baujahr 1957) und VT 5 (Fabriknummer 143554, Baujahr 1958).

Busverkehr 1935 wurde der zwischen Uetersen und Appen befindliche Sportflugplatz des Uetersener Luftsportverbandes durch die Bauabteilung der Deutschen Verkehrsfliegerschule zu einem Wehrmachts-Flugplatz ausgebaut. Die Uetersener Eisenbahn bekam dazu die Aufgabe, durch eine Kraftomnibuslinie die Verbindung zwischen Uetersen Stadt und der Großbaustelle für die Bauarbeiter sicherzustellen. Da die Uetersener Eisenbahn noch keine eigenen Omnibusse hatte, wurden bis zum Eintreffen selbst gekaufter Busse vom Busunternehmen Paul Mullikas in Quickborn mehrere Busse ausgeliehen. 1936 wurden 147.800 Menschen mit den Bussen zwischen Uetersen und dem Fliegerhorst befördert. 1937 wurde die Buslinie über Appen bis zum Pinneberger Bahnhof verlängert. Im selben Jahr wurde der Reisedienst mit Omnibussen aufgenommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl Uetersens durch Zuzug von Ausgebombten und Flüchtlingen aus den östlichen Gebieten auf mehr als das Doppelte. Es wurde eine Buslinie betrieben:Blitzo-Kursbuch · Gültig ab 18. Mai 1952, mit sämtlichen Autobus-Linien in Schleswig-Holstein, Verlag Christian Wolff, Flensburg 1952, S. 131 Haseldorf – Hohenhorst / (Kemperrege) – Haselau – Heist – Heidrege – Uetersen Ost, Bf – Uetersen, Buttermarkt – Uetersen Ost, Bf – Flugplatz – Appen – Pinneberg Bf Anfang der 1950er Jahre waren genügend Omnibusse vorhanden, um 1953 wieder den Reisedienst aufzunehmen.

Die Stadtentwicklung Uetersens verlief im 20. Jahrhundert in nördlicher Richtung, also fort von dem im Süden der Stadt liegenden Hafen und der Gleisanlagen der UeE. Da deren Beförderungsleistung insbesondere im Personenverkehr dadurch zurückging, richtete die Betreibergesellschaft mehrere Buslinien ein und beendete den Personenverkehr auf ihrer Bahnstrecke zum 29. Mai 1965. Die beiden MAN-Schienenbusse wurden im gleichen Jahr an die Württembergischen Nebenbahnen (WN) verkauft. Der Güterverkehr blieb erhalten, wobei die Lokomotive MaK 240 B (Baujahr 1954) weiterhin zum Einsatz kam. Außerdem gab es vier Lastkraftwagen für den Stückgutverkehr.

Zum 1. Dezember 1964 wurde eine Stadtbus-Ringlinie 4 in Uetersen eingerichtet, die werktags von 9 bis 12 Uhr und nach einer Pause in der Mittagszeit montags–freitags von 15 bis 18 Uhr jeweils halbstündig mit einem Bus ab der Wassermühlenstraße betrieben wurde. Der Einheitsfahrpreis (ohne Entfernungsbegrenzung und ohne Umsteigeberechtigung) betrug 30 Pfennig für Erwachsene und 20 Pfennig für Kinder, Tiere und Gepäck, das nicht auf dem Schoß befördert werden könnte.Wurfsendung der Uetersener Eisenbahn-AG vom November 1964 mit Fahrplan der Linie 4

+ Beförderte Personen Im Jahr 1956 1960 1963 Busverkehr 634.000 1.078.235 824.000 Eisenbahn 1.420.000 1.166.986 998.000

Anfang der 1970er Jahre betrieb die UeE sechs Buslinien:Taschenfahrplan Uetersener Eisenbahn-Aktiengesellschaft, gültig vom 30. Sept. 1973 bis 25. Mai 1974 1 Uetersen, Buttermarkt – Uetersen Ost – Baßhorn – Tornesch Bf 2 Uetersen, E-Werk – Wulfstraße – Tornesch Bf (nur Einzelfahrten mo–fr, morgens und abends) 3 Uetersen, Buttermarkt – Uetersen Ost – Moorrege-Oberglinde – Fliegerhorst – Appen – (Appen-Etz) – Pinneberg Bf 13px|S-bahn (13 km Linienlänge) 4 Ringlinie Stadtverkehr Uetersen: Wassermühlenstr. – Lohe – Seminarstr. – Buttermarkt – Großer Sand – Uetersen Ost – Ossenpad – Wassermühlenstr. (nur mo–fr tagsüber, morgens/vormittags in die eine Richtung, nachmittags in die andere, 30-Min-Takt; 10 km) 5 Uetersen, Buttermarkt – Uetersen Ost – Moorrege – (Klinkerstr.) – Heidrege – Heist – Haselau – Kamperrege / Hohenhorst – Haseldorf, Schloß (Einzelfahrten; 19 km) 6 Uetersen, Buttermarkt – Heidgraben – Tornesch Bf (nur Einzelfahrten werktags morgens und mittags, insbesondere freitags; 8,1 km)

Auch 1989 gab es sechs Buslinien bei der UeE:Taschenfahrplan Uetersener Eisenbahn, gültig 28. Mai 1989 bis 23. Sept. 1989 1 Uetersen, Buttermarkt – Uetersen Ost – Ossenpad – Tornesch Bf 2 Uetersen, E-Werk – Wulfstraße – Tornesch Bf (nur Einzelfahrt mo–fr, morgens hin, abends zurück) 3 Uetersen, Buttermarkt – Uetersen Ost – Moorrege-Oberglinde – Marseille-Kaserne – Appen – (Appen-Etz) – Pinneberg Bf 13px|S-bahn 4 Ringlinie Stadtverkehr Uetersen: Wassermühlenstr. – Lohe – Seminarstr. – Buttermarkt – Wassermühlenstr. – Kleiner Sand – Ossenpad – Am Eichholz – Uetersen Ost – Wassermühlenstr. (nur mo–fr tagsüber) 5 Uetersen, Buttermarkt – Uetersen Ost – Moorrege – Heist – Haselau – Hohenhorst / Kamperrege – Haseldorf (nur Einzelfahrten) 6 (Uetersen, Hafenstraße –) Buttermarkt – Neuendeich (nur Einzelfahrten an Schultagen)

1991 wurde der Verkehr der fünf Busverkehrsunternehmen des ÖPNV im Kreis Pinneberg (Uetersener Eisenbahn AG, Fa. Johannes Meißner in Elmshorn, Fa. Otto Strunk in Bokholt-Hanredder, Pinneberger Verkehrsgesellschaft (PVG) in Schenefeld sowie die Autokraft mit ihren Linien im Kreisgebiet) durch eine Arbeitsgemeinschaft überplant. Ab dem 29. September 1991 wurde der Busverkehr von der Verkehrsgemeinschaft in Pinneberg (ViP) mit einem Gemeinschaftstarif und gemeinsamer Öffentlichkeitsarbeit angeboten. Die UeE-Linien 1–6 erhielten zur besseren Unterscheidung die Liniennummern 61–66, außerdem gab es nun drei weitere Linien der UeE:ViP Winterfahrplan 1991/92 67 Uetersen Ost – Buttermarkt – Heidgraben – Tornesch Bf (– Tornesch, Realschule) (nur werktags, kein Spätverkehr) 68 Uetersen, Buttermarkt – Uetersen Ost – Tornesch Bf – (Realschule) – Ellerhoop (nur werktags, kein Abendverkehr) 69 Ringlinie Tornesch: Tornesch Bf – Moorreger Weg – Pastorendamm – Tornesch Bf (4 Fahrten mo–fr)

Die Geschäftsstelle der ViP befand sich zunächst am Standort der PVG in Schenefeld. Das Verkehrsgebiet der ViP deckte den Teil des Kreisgebietes ab, der nicht vom Hamburger Verkehrsverbund (HVV) erfasst wurde. Inzwischen ist dieser durch Erweiterung des HVV-Verbundgebietes darin aufgegangen.