mini|hochkant=1.2|Ein Auftragnehmer von Triple Canopy während eines Schießtrainings am RPK-Maschinengewehr für Soldaten der United States Army

Ein privates Sicherheits- und Militärunternehmen (kurz PMC für oder ) ist eine nicht-staatliche Organisation, die beauftragt wird, in Kriegs- oder Krisengebieten militärische Aufgaben zu erfüllen. Dabei geht die Bandbreite von Kampfeinsätzen über Einsätze mit teilweise engem Bezug zu unmittelbaren Kampfhandlungen (z. B. Personen-, Konvoi- oder Objektschutz) über die Beratung und Ausbildung von Soldaten bis hin zur Übernahme von Aufgaben, die mit dem militärischen Kampf nur mittelbar verbunden sind (beispielsweise Transportdienstleistungen, Verpflegung, aber auch Luftraumüberwachung). In letzterem Aufgabengebiet, dessen Zuordnung in der Forschung umstritten ist, sind auch Dienstleistungsunternehmen eingebunden, die selbst keinerlei kämpfendes Personal bereitstellen. Die Zunahme der Bedeutung von PMCs wurde in den 2010er-Jahren von vielen Beobachtern aus politischen, aber auch ökonomischen Gründen kritisiert.

Geschichte mini|hochkant|Gurkha im Personenschutz, afghanische Provinz Nangarhar, 2008

Das Söldnerwesen spielte seit Beginn des 19. Jahrhunderts weltweit kaum noch eine Rolle. Erst mit dem Ende des Kalten Krieges gab es eine ähnliche Entwicklung in Form privater Sicherheits- und Militärunternehmen. Einen Beitrag zu dieser Entwicklung mag auch der Trend zur Auslagerung von Dienstleistungen in die Privatwirtschaft beigetragen haben, der von staatlichen Stellen zunehmend vorgenommen und schließlich auch auf das Militär angewendet wurde. Darüber hinaus wurden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in vielen westlichen Ländern die einst staatlichen Rüstungskonzerne privatisiert. Die Privatisierung des „Soldatenhandwerks“ kann als Weiterentwicklung dieser Tendenz interpretiert werden. Mit der weltweiten Reduzierung der Armeen aufgrund des Endes des Kalten Krieges seit etwa 1990 entstand ein Überangebot an arbeitslosen ausgebildeten Soldaten. Die USA und Großbritannien verschlankten ihre Streitkräfte. Insbesondere die Abrüstung des bisherigen sowjetischen Militärs (vgl. auch: Zerfall der Sowjetunion) sowie anderer ehemaliger Ostblock-Armeen hinterließ eine große Anzahl arbeitsloser Soldaten. In Argentinien und Südafrika waren Teile der Heere nach politischen Wechseln in der Staatsführung diskreditiert. Private militärische Unternehmen entstanden vor allem in den USA, Großbritannien, Südafrika und Israel. Dem steht eine steigende Nachfrage auf der Auftraggeberseite gegenüber. Mit dem Wegfall der Blockkonfrontation und ihrer typischen Stellvertreterkriege insbesondere in Afrika waren staatliche Akteure kaum noch an der Vermeidung oder an der Steuerung solcher Auseinandersetzungen interessiert. Daraus folgte eine Vielzahl innerstaatlicher Konflikte von geringer Intensität bei gleichzeitig geringem internationalen Eingreifen. Der in mehreren gescheiterten Staaten (z. B. Somalia) entstehende rechtsfreie Raum begünstigte diese Entwicklungen. Die fehlende Militärhilfe auswärtiger Kräfte versuchten zahlreiche Beteiligte durch das Beauftragen von Söldnerunternehmen auszugleichen. Solche Unternehmen erwiesen sich zudem als weniger bestechlich und kaum ethnischen, religiösen oder politischen Gruppen im Einsatzland verbunden, anders als dies bei ortsansässigen Unternehmen, Milizen und Söldnergruppen der Fall war.

mini|Söldner aus Uganda als Angestellte von Constellis bewachen im Auftrag des US-Militärs die Forward Operating Base Kalsu in Babel, Irak, 2011

Die Großmächte, insbesondere die USA, und andere westliche Staaten entdeckten die Möglichkeiten des Outsourcing auf diese Privatunternehmen im Umfeld des zweiten Golfkrieges Anfang der 1990er Jahre und sehr verstärkt seit dem 2001 von den USA ausgerufenen Krieg gegen den Terror, der die staatlichen militärischen Kräfte der Invasoren im Irak und in Afghanistan in hohen Maß band.Zermürbungskrieg (War of Attrition): Handbuch der US-Armee zum modernen Kampf in verbautem Gebiet 17. April 2017, abgerufen am 10. März 2018 Die USA sind von 1994 bis 2007 3601 Vertragsbindungen mit einem Auftragsvolumen von 300 Milliarden US-Dollar mit zwölf US-amerikanischen privaten Militärunternehmen eingegangen. 2009 schätzte man, dass in Afghanistan 130.000 bis 160.000 Auftragnehmer für das US-Militär arbeiteten. Der Hauptgrund dafür scheint wirtschaftlicher Natur zu sein, da die Verwendung von Privatunternehmen, insbesondere für Sicherungsaufgaben, weit billiger ist als die Verwendung von regulären Militäreinheiten, und auch in der Regel geringere Personalverluste ausweist.

Seit 2013 ist auch die russische Gruppe WagnerUp to Nine Russian Contractors Die in Syria, Experts Say Incident shows how the country is using private groups to avoid deploying uniform troops, they say. Wall Street Journal, 18. Dezember 2015 unter anderem während der Annexion der Krim durch Russland,Сирийские потери „Славянского корпуса“. In: Radio Swoboda, 13. Dezember 2016. sowie später in der Ostukraine und im Zuge des russischen Überfalls auf die Ukraine sowie in Syrien aktiv. Sie führten Ausbildungseinsätze in der Zentralafrikanischen Republik durch und kämpften bspw. im libyschen Bürgerkrieg.Enes Canli: Libya: Mayor says Wagner Group left country Anadolu, 24. Mai 2020. Diese, sowie andere russische nicht-staatliche Militärorganisationen in Russland funktionieren in einem rechtlichen Vakuum, werden aber vom Staat toleriert (und auch für verdeckte Operationen eingesetzt), und unterstehen oftmals der Schirmherrschaft staatsnaher Oligarchen, wie zum Beispiel Prigoschin.

Private Militärunternehmen unterstützen unter anderem auch Missionen der Vereinten Nationen, insbesondere um Transportleistungen in Drittweltländern zu erbringen. Beispiel hierfür ist der Einsatz von ICI of Oregon 1996 in Haiti im Auftrag des US-Außenministeriums.

Situation in Deutschland

In Deutschland gibt es mehrere Firmen, die Söldner-Dienstleistungen weltweit anbieten. Der Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen schätzte 2009, dass im Nahen und Mittleren Osten etwa 3000 deutsche Söldner tätig seien; in Afrika sollen es rund 1000 sein. Vor allem Soldaten aus den ehemaligen Verwendungen als Fallschirmjäger, Militärpolizisten oder Mitglieder des Kommando Spezialkräfte würden angeheuert. Auch frühere Polizisten aus Spezial- oder mobilen Einsatzkommandos oder der GSG9 der Bundespolizei werden gerne engagiert. Auch bei deutschen Söldnern ist die öffentliche Aufmerksamkeit beim Tod im Einsatz gering und sie tauchen auf keiner offiziellen Verlustliste auf. Besondere mediale Aufmerksamkeit erhielt die Branche durch die seit 2010 andauernden Asgaard-Affären.

Situation in Russland

Nach dem Niedergang der Sowjetunion traten in Konflikten weltweit ehemalige sowjetische Militärangehörige in Erscheinung, die Konfliktparteien mit spezialisierten Dienstleistungen wie Einsatz und Wartung von Kampfflugzeugen und -hubschraubern unterstützten. Ihr Einsatz war oft Teil von Waffengeschäften.

Nicht-staatliche Militärdienstleister sind in Russland grundsätzlich verboten. Das Gewaltmonopol ist Teil des Staatsverständnisses, jedoch existiert auch eine militaristische Tradition, die einer zivilen Kontrolle des Militärs nicht aufgeschlossen ist. Die Haltung des russischen Staates zu nicht-staatlichen Militärdienstleistern ist uneindeutig. In den postsowjetischen Konflikten trat eine Vielzahl bewaffneter Formationen in Erscheinung. Das Verhältnis dieser Einheiten zum Staat ist oft undurchschaubar, die russische Regierung bezeichnet sie verbreitet als „Freiwilligenverbände“. Als sicher gilt, dass diese mit der Billigung staatlicher Stellen agieren. Das 1992 in Kraft getretene Gesetz Nr. 2487 Über die Tätigkeit privater Detektiv- und Schutzorganisationen in RusslandTor Bukkvoll, Åse G. Østensen: Russian Use of Private Military and Security Companies-the implications for European and Norwegian Security, FFI-RAPPORT, Seite 22–23, Norwegian Defence Research Establishment, 11. September 2018, abgerufen von researchgate.net am 18. September 2022 erlaubt die Gründung privater Sicherheitsunternehmen, die sich meist mit dem Schutz privater Güter und Rechte vor der ausufernden Kriminalität befassten. Daneben entstanden paramilitärische Einheiten, insbesondere solche unter der Kontrolle lokaler Machthaber wie die „Terek“-Einheit des tschetschenischen Machthabers Ramsan Achmatowitsch Kadyrow. Dieser hatte 2013 die vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB kontrollierten Gruppen abgelehnt und die Aufstellung einer eigenen Truppe angekündigt.Tor Bukkvoll, Åse G. Østensen: Russian Use of Private Military and Security Companies, FFI-RAPPORT 2018, Seite 13–15

Im April 2012 erklärte Wladimir Putin, dass private Militärdienstleister als „Instrument zur Verwirklichung nationaler Interessen ohne die direkte Beteiligung des Staates“ in Betracht zu ziehen seien. Die mit dem Niedergang der Sowjetunion wieder auflebende Kosakenbewegung wurde von Putin gefördert. Das 2005 in Kraft getretene Gesetz Über den Staatsdienst des Russischen Kosakentums ermöglicht es Kosakenverbänden, für den russischen Staat hoheitlich tätig zu werden und Gewalt anzuwenden, ohne dass sie Teil des Aufbaus der Staatsverwaltung oder der Exekutive sind.Tor Bukkvoll, Åse G. Østensen: Russian Use of Private Military and Security Companies, FFI-RAPPORT 2018, Seite 17 Russland machte im Ukraine-Konflikt ab 2014 Gebrauch von irregulären Kämpfern, die aus rechtsextremen Organisationen, Söldnergruppierungen und kriminellen Milieus wie Fußball-Hooligans und Rockerclubs wie den Nachtwölfen stammen.Tor Bukkvoll, Åse G. Østensen: Russian Use of Private Military and Security Companies, FFI-RAPPORT 2018, Seite 19 Aus dieser Entwicklung ging eine große Szene nicht-staatlicher Militärdienstleister mit unklaren Verbindungen zum russischen Staat hervor. 2013 waren in Russland über 20.000 Sicherheitsunternehmen bekannt, von denen 10-20 als eigentliche private Militärdienstleister angesehen werden können. Dabei handelt es sich neben der wohl bekanntesten Gruppe Wagner um die sogenannte „Antiterror-Unternehmensfamilie“ Antiterror-Orel bzw. sein Nachfolgeunternehmen Moran Security Group, deren Tochter Redut-Antiterror sowie ferner die RSB Group, MAR und die ENOT Corp.Tor Bukkvoll, Åse G. Østensen: Russian Use of Private Military and Security Companies, FFI-RAPPORT 2018, Seite 22–28, Norwegian Defence Research Establishment, 11. September 2018, abgerufen von researchgate.net am 18. September 2022

Das estnische Institut Rahvusvaheline Kaitseuuringute Keskus (International Centre for Defence and Security) ging schon 2018 davon aus, dass Paramilitärs russischer PSMCs, (Söldner, „Vertragssoldaten“ oder „Soldaten auf Urlaub“) faktisch reguläres, dem russischen Verteidigungsministerium unterstelltes Personal seien. Somit sei die Unterscheidung zwischen dem regulären russischen Militär und privaten Militärdienstleistern unzutreffend und ein von der russischen Propaganda verbreitetes Konzept. Dazu passe, dass diese PSMCs von Oligarchen aus dem engsten Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin wie Jewgeni Prigoschin und Konstantin Malofejew unterhalten würden. Der auf der Krim und im Donbass geführte Hybridkrieg zur Besetzung ukrainischen Territoriums sei genutzt worden, Personal auszubilden und für weitere Einsätze vorzubereiten.