Brensbach (odenwälderisch Bräischboch) ist eine Gemeinde im südhessischen Odenwaldkreis.

Geografie Brensbach liegt im nördlichen Odenwald im Gersprenztal.

Nachbargemeinden Brensbach grenzt (im Uhrzeigersinn) im Norden an die Stadt Groß-Bieberau, an die Stadt Reinheim und die Gemeinde Otzberg (alle Landkreis Darmstadt-Dieburg), im Osten an die Gemeinde Höchst und die Stadt Bad König, im Süden an die Gemeinden Brombachtal und Reichelsheim und im Westen an die Gemeinde Fränkisch-Crumbach (alle Odenwaldkreis).

Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich nach der Hauptsatzung in die sechs Ortsbezirke Affhöllerbach (mit Kilsbach), Brensbach (mit Mummenroth), Höllerbach, Nieder-Kainsbach (mit Stierbach), Wallbach und Wersau (mit Bierbach und Hippelsbach).

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Den bisher ältesten Beleg für die Anwesenheit von Menschen im Bereich des heutigen Ortsgebietes von Brensbach, stellen mehrere Hügelgräber in der Flur „Oberwald“ dar, die im Jahr 1851 vom damaligen Revierförster Hoffmann ausgegraben und rudimentär dokumentiert wurden. Seinen Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass mehrere Grabbeigaben aus Bronze sichergestellt und an die Grafschaft Erbach übergeben wurden. Die von Hoffmann beschriebenen Artefakte, sowie Form und Größe der Grabhügel selbst, lassen die Annahme zu, dass sie aus der mittleren Bronzezeit stammen und somit etwa 3500 Jahre alt sind.

Der älteste Siedlungsbeleg Brensbachs wurde im Jahr 1950 entdeckt. Bei Erdarbeiten im Zuge eines Hausbaus in der heutigen Karl-Schäfer-Straße, stieß man auf eine eisenzeitliche Abfallgrube. Keramikscherben von über 40 Gefäßen unterschiedlichster Größen und Formen sowie eine Spinnwirtel konnten damals gesichert werden. Die Funde datieren in die Eisenzeit um 450 vor Christus, als keltische Stämme der sogenannten Latènekultur weite Teile Mitteleuropas besiedelten. Die Funde wurden dem damaligen Kreismuseum in Dieburg übergeben.

Auch die Römer hinterließen während der Besatzung des Odenwaldes in Brensbach ihre Spuren. Im Bereich des heutigen Schlachthofs wurden in den 1960er Jahren vom Historiker Winfried Wackerfuß die Grundmauern eines römischen Wohnhauses freigelegt. Umfangreiche Scherbenfunde von römischer Gebrauchs- und Edelkeramik aus diesem Bereich, sowie eine im Jahr 2020 entdeckte römische Silbermünze, sind im Brensbacher Dorfmuseum ausgestellt. Der Ursprung des Brensbacher Flur- und Straßennamens „Römerberg“ ist vermutlich ebenfalls in dieser Epoche zu suchen.

Mittelalter bis 18. Jahrhundert Die älteste erhaltene Erwähnung des Orts als Brendisbach stammt von 1223. Quelle dafür ist ein entsprechender Nachtrag im Codex Eberhardi bezüglich eines Lehens des Schenken Gerhard I. von Erbach, der vom Hessischen Staatsarchiv Darmstadt 2004 entsprechend gewertet wurde (Georg Dascher: Brensbach – Die Geschichte des Dorfes und seiner Bewohner. Berg-Druck, Spachbrücken 2005, S. 13).

Ab 1257 wurden Angehörige des Adelsgeschlechtes von Brensbach urkundlich genannt. Sie gehörten vermutlich schon ab 1214 mit Fridericus de Ertbach zu den Burgmannen von Schloss Erbach und erhielten von der Herrschaft Erbach die für sie namensgebenden Lehen zu Brensbach mit dem Ritter Friedrich von Brensbach zwischen 1255 und 1257.Thomas Steinmetz: Die Schenken von Erbach, Sonderheft 3 aus Der Odenwald, Verlag Breuberg Bund, 2000, Seiten 94–95, ISBN 3-922903-07-X Im Jahre 1266 trat Friedrich von Brensbach in einer Urkunde als Zeuge für die Schenken von Erbach auf.Die Abschrift der Originalurkunde findet sich bei (Digitalisat der Urkunde). Das wappenführende Geschlecht mit den drei Ringen im Schrägrechtsbalken gehörte somit bis zu deren Ausgehen um 1414 zu den Dorfherren von Brensbach. Bedingt durch eine gleichartige Wappenführung ist von einer Verwandtschaft der Herren von Brensbach zu den Herren von Echter auszugehen. Vermutet wird wohl auch zu Recht, dass das „Echtersche Haus, noch mit alten Mauern umgeben“ zu Brensbach der alte befestigte Herrensitz von Vorfahren der nach diesem Odenwalddorf benannten Herren von Brensbach und der Echter gewesen sein dürfte.Wolfgang Martin in: Aschaffenburger Jahrbuch, Band 13/14, ISBN 3-87965-052-7, hierin: Urkunden des Reichsgräflich Ingelheimischen Archivs, S. 17.

Die Lehensherrschaft über das Dorf übte das Kloster Fulda aus. Im Jahre 766 bekam das Kloster Fulda den Besitz der Umstädter Mark von Pippin dem Jüngeren geschenkt. Hier entstand auch das Dorf Brensbach. Das Kloster Fulda gab seinen Besitz je zur Hälfte als Lehen an den Cent Bachgau und die Grafen von Grafschaft Katzenelnbogen, wodurch das Kondominat Umstadt mit einem gemeinsamen Zentgericht entstand. Das Kirchspiel Brensbach war ursprünglich fuldisches Lehen. Im Jahre 1390 verkaufte das Kloster Fulda seine Lehnsherrlichkeit über das Amt Otzberg, zu dem auch diese Pfarrei gehörte, an die Kurpfalz. Dadurch gingen sowohl die Lehnshoheit als auch die Centgerichtsbarkeit (die höhere Gerichtsbarkeit) auf die Kurpfalz über. Die Kurpfalz eximierte 1561 das Kirchspiel Brensbach von der Cent Umstadt, infolgedessen erlangte das Haus Erbach nun auch die hohe Obrigkeit über seine Hälfte des Kirchspiels.

Die jüngere Linie der Grafen von Erbach besaß im 13. Jahrhundert, jedenfalls seit dem Jahr 1223, die Hälfte von Brensbach. Die Häuser Erbach und Katzenelnbogen teilten sich die Vogtei (Schutz- und Gerichtsherrschaft) zu gleichen Teilen. Die Rechte und Besitzverhältnisse waren wie folgt aufgeteilt: Hohe Jagd, das Recht, Großwild zu jagen, stand alleine Erbach zu, die niedere Jagd (Kleinwild) und das Schatzungsrecht (das Recht, Steuern zu erheben) Erbach und Katzenelnbogen gemeinsam. Zoll stand alleine Erbach zu. Dies geht aus der Sühnevereinbarung von 1321 zwischen Eberhard V. Schenk von Erbach und Eberhard VI. gen. Rauch Schenk von Erbach, hervor. Die andere Hälfte gehörte zu dieser Zeit den Herren von Bickenbach. Im Jahr 1335 verpfändeten Ulrich von Bickenbach und sein Enkel Eberhard von Katzenelnbogen ihre jeweiligen Anteile für je 152 Pfund Heller an Conrad III. von Erbach. Diese Anteile müssen jedoch später wieder ausgelöst worden sein, denn in der Folgezeit waren nur die jüngeren Erbacher Linien im Besitz ihrer Hälfte am Gericht und eines Zolls. Hatte die ältere Linie lediglich das Kirchenpatronat (den Kirchensatz). Dieses Gut kam durch die Heirat Eberhards VIII. mit Elisabeth von Katzenelnbogen in ihren Besitz, damit hielten die Grafen von Katzenelnbogen die andere Hälfte des Gerichts. Die Herren zu Brensbach, die dem niederen Adel angehörte, besaßen den Erbachischen Anteil an der Vogtei und den dazugehörigen Rechten, während die Erbacher Linie das Patronatsrecht (das Recht, den Pfarrer zu ernennen) und einige Aktiv-Lehen (Lehen, die aktiv mit einem Dienst verbunden waren) innehatte. Es wird vermutet, dass diese Familie ihre Güter in Brensbach schon früh an die Herren von Bafey verkaufte. Die Herren von Bafey erscheinen bereits im 14. Jahrhundert, also noch bevor die Familie von Brensbach ausstarb, als Besitzer des Zehnten, von Ländereien und Einkünften (Gefällen). Im Jahr 1385 verkaufte der Edelknecht Hans Bafey seinen Anteil am großen und kleinen Zehnten sowie seinen Anteil an seinem Hof in Brensbach an Cuntz Echter von Mespelbrunn. Die Urkunde belegt, dass diese Rechte ein Erbachisches Lehen waren. Die Herren von Bafey hatten in Brensbach auch Einkünfte in Form von Geld (Geldgefälle), die aus ihrem Burglehen zu Michelstadt stammten und ihnen von der Michelstädter Linie der Schenken zustanden. Durch besondere Verträge mit der Erbacher Linie rechtlich gebunden veranlasste im Jahre 1387 Schenk Heinrich aus der Michelstädter Linie, dass dem Pfarrer zu Brensbach eine Menge von einem Malter Korn aus dem kleinen Zehnten angewiesen wurden. Weiterhin geht hervor, dass Diether Gans zu Otzberg, Conrad Rabenold von Ernsthofen und Cuntz Clebiß seine Ganerben oder Miteigentümer waren. Die Bafey besaßen jedoch auch im Jahr 1427 noch einen Anteil an diesem Zehnten, im Jahr 1463 ging dieser Anteil durch Kauf oder Erbschaft an die Ganse von Ozberg über. Diese veräußerten den Anteil zusammen mit anderen Lehenstücken im Jahr 1490 an Schenk Erasmus, den letzten der Erbacher Linie. 1443 erhielt Schenk Philipp von Erbach den pfälzischen Teil von Pfalzgraf Ludwig IV. Dorf, die Vogtei und Untergericht mit allem Zubehör als fuldisches Lehen.

Ab 1427 besaß dann die Kurpfalz die Hälfte des Kondominats. Im Landshuter Erbfolgekrieg besetzte die Landgrafschaft Hessen das Gebiet und übte bis 1521 die alleinige Herrschaft über das ehemalige Kondominat Umstadt aus. Auf dem Reichstag zu Worms wurden die Verhältnisse neu geordnet. Die Herrschaft Hanau verließ das Kondominat und wurde dafür mit den Ortschaften Harpertshausen, Kleestadt, Langstadt und Schlierbach sowie 12.000 fl. abgefunden. Die Landgrafschaft Hessen und die Kurpfalz erhielten das Kondominat je zur Hälfte. Zwischen 1648 und 1803 übten, bedingt durch die hessischen Landesteilungen, die Herrschaft über die hessische Hälfte des Kondominats Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel und Hessen-Rheinfels zu unterschiedlichen Teilen aus. Die Erbacher Grafen blieben im Besitz des halben Dorfes, nach 1806 durch die Rheinbundakte als Standesherren, als der Ort an das Großherzogtum Hessen fiel. Die andere Hälfte stand den hessischen Staaten, ab 1705 der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zu.

Die „Hohe Gerichtsbarkeit“ über Brensbach übte das Zentgericht Umstadt aus, während sich die „Niedere Gerichtsbarkeit“ die hessischen Landgrafen und die Grafen von Erbach teilten.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) dürfte auch Brensbach hohe Verluste zu beklagen gehabt haben. Das Gebiet zwischen Rhein und Bergstraße blieb 10 Jahre von den Spaniern besetzt, bis sich diese 1631 vor den anrückenden schwedischen Truppen zurückzogen. Der Schrecken dieses Krieges war aber noch lange nicht vorbei. Nach der katastrophalen Niederlage der Evangelischen bei Nördlingen am 6. September 1634 zogen sich die schwedischen Truppen 1635 von der Bergstraße zurück. Letztlich veranlasste der katholische Sieg bei Nördlingen Frankreich, an der Seite der nun geschwächten Schweden in den Dreißigjährigen Krieg einzugreifen. Mit dem Schwedisch-Französischen Krieg begann ab 1635 das blutigste Kapitel des Dreißigjährigen Krieges. Aus der Region berichten die Chronisten aus jener Zeit: „Pest und Hunger wüten im Land und dezimieren die Bevölkerung, sodass die Dörfer öfters völlig leer stehen“.

Vom 19. Jahrhundert bis heute Im Jahr 1803 fiel durch den Reichsdeputationshauptschluss der pfälzische Anteil an Brensbach an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Damit war Amt Lichtenberg für Brensbach zuständig. Die Zent Umstadt und das mit ihr verbundene Zentgericht hatte damit seine Funktion eingebüßt. Die übergeordnete Verwaltungsbehörde war der „Regierungsbezirk Darmstadt“ der ab 1803 auch als „Fürstentum Starkenburg“ bezeichnet wurde.

Am 14. August 1806 wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, gegen Stellung hoher Militärkontingente an Frankreich und den Beitritt zum Rheinbund, von Napoleon zum Großherzogtum erhoben. Durch die Rheinbundakte fiel auch der noch verbliebene erbachische Anteil Brensbachs an Hessen.