Die Glock-Pistole ist eine Selbstladepistole, die um 1980 vom österreichischen Ingenieur Gaston Glock entwickelt wurde und vom Waffenhersteller Glock aus Deutsch-Wagram hergestellt wird. Einige konstruktive Neuerungen zur Sicherungstechnik und der Polygonlauf waren Konstruktionsdetails, die nachfolgend auch bei Pistolen anderer Hersteller angewendet wurden. Eine weitergehende Neuerung war das Nutzen der Teniferierung zum Beschichten der Stahlteile der Waffe statt des üblichen Brünierens. Dadurch ergab sich ein geringerer Verschleiß. Das Basismodell der Waffe ist die Glock 17.
Entwicklung und Geschichte Der Kunststofftechniker und Fabrikant Gaston Glock hatte bereits ab 1970 das österreichische Bundesheer mit Feldmessern, Übungshandgranaten und Maschinengewehrgurten beliefert. Als das österreichische Bundesheer 1980 eine neue Handfeuerwaffe suchte, die mit großer Magazinkapazität einfach zu handhaben und kostengünstig in der Anschaffung sein sollte, bot sich Glock an, eine neue Waffe zu entwickeln. In enger Abstimmung mit Waffenexperten der Armee entwarf er den Prototyp einer Pistole mit einem Griff aus Kunststoff und einem Abzug mit vorgespanntem Schlagbolzen. Am 30. April 1981 reichte Glock ein entsprechendes Patent ein. Da es sich um sein insgesamt 17. Patent handelte, nannte er die neue Pistole Glock 17. Die Vorteile der Glock 17 lagen darin, dass es sich um eine leichte und robuste Waffe aus vergleichsweise wenigen Teilen und mit einer Magazinkapazität von 17 Schuss handelte. Damit gewann Glock 1982 die Ausschreibung des Bundesheeres vor neun anderen Anbietern. Glock baute in Deutsch-Wagram eine Produktionsstätte mit computergesteuerten Maschinen auf, in der sich die Glock 17 kostengünstig herstellen ließ. Nach der Gründung einer Tochtergesellschaft in den USA im Jahr 1985 entstand in Smyrna (Georgia) eine Produktionsstätte und 1987 eine weitere im österreichischen Ferlach.
Aufstieg in den USA 1986 kam es zu einer Schießerei in Miami (Florida), bei der es acht FBI-Agenten erst nach fünf Minuten und 140 Schüssen gelang, zwei flüchtige, schwer bewaffnete Verbrecher, die sie mit Autos gestoppt hatten, zu töten. Zwei der Beamten wurden getötet, fünf weitere schwer verletzt. Das Ereignis weckte, wie Paul Barrett berichtet, bei vielen amerikanischen Polizisten die Angst, die Polizei sei Verbrechern waffentechnisch unterlegen.Gerald Volgenau: Police Being Outgunned by Lawbreakers. Knight Ridder 3. Juli 1988. In vielen amerikanischen Polizeibehörden entstand das Bedürfnis, die üblichen sechsschüssigen Revolver (meist von Smith & Wesson) durch halbautomatische Pistolen mit größeren Magazinen zu ersetzen. Dem Waffenhersteller Glock gelang es, die gerade neu entwickelte Glock 17 als passende Waffe für diesen Bedarf zu positionieren. Die Stadtpolizei von Miami war die erste großstädtische Polizeibehörde, die 1986 ihre Bewaffnung auf Glock-Pistolen umstellte. Es folgten Dallas, San Francisco, St. Paul, Minneapolis, Jacksonville (Florida) sowie Toronto in Kanada. Die Polizeibehörde von Jacksonville (Florida) testete 1987 mehrere halbautomatische Pistolen, wobei die Glock 17 am besten abschnitt. Der Testbericht fand weite Verbreitung bei anderen Polizeibehörden.
Bis 1990 verkaufte Glock Hunderttausende Pistolen an amerikanische Polizeibehörden, Sicherheitsdienste und Justizvollzugsanstalten. Zahlreiche zivile Waffenkäufer folgten diesem Trend. Der Absatz von Glock-Pistolen auf dem US-Markt wuchs von 25.000 Stück 1985 über 120.000 Stück 1990 auf 213.000 Stück 1996.
Die Popularität der Glock-Pistole ist zum Teil auf geschickte Produktplatzierung in Hollywood-Filmen zurückzuführen. Glock verkaufte die Pistolen zu großzügigen Sonderpreisen, wenn diese als Requisit verwendet wurden. Auch machte Glock, im Gegensatz zu anderen Herstellern, nur wenig Auflagen, wie die Pistolen filmisch darzustellen seien.Barrett: Glock. The Rise of America’s Gun. 2012, S. 71–75. Den ersten Auftritt hatte 1987 die Glock-Pistole in der Fernsehserie Miami Vice.Mathias Morscher: Glock: Österreichs tödlicher Beitrag zur US-Popkultur. In: Kurier, 21. Oktober 2016. Eine große Bühne bot der Actionfilm Stirb langsam 2 im Jahre 1990. Dort wurde eine fiktive „Glock 7“ als eine in Deutschland gebaute Porzellan-Waffe beschrieben, die mit einem Metalldetektor nicht aufzuspüren ist und mehr kostet als das Monatsgehalt eines Polizisten.Die Hard 2: Filmausschnitt; Glock 7 (englisch).Stirb Langsam 2: Filmausschnitt; Glock 7 (deutsch). Auch wenn die Beschreibung voller Fehler war, die Pistole wurde so zum Gesprächsthema. Die Glock-Pistolen wurden in verschiedenen weiteren Filmen verwendet; namentlich genannt wurden sie in Auf der Jagd (1998) und End of Days – Nacht ohne Morgen (1999).Barrett: Glock. The Rise of America’s Gun. 2012, S. 71–75. Im Film Knight and Day wird bei einer Glock 19 auf die Herkunft Österreichs hingewiesen.
Welchen Einfluss die Pistole in der US-Popkultur hat, lässt sich vor allem im Hip-Hop und Gangsta-Rap erkennen. Die Gruppen Three 6 Mafia, Cypress Hill und TRU verwenden die Glock schon im Titel ihrer Songs; zahlreiche Stücke anderer Gruppen erwähnen die Pistole in den Texten.
Die 10-mm-Pistole 1990 entschied sich das FBI, eine 10-mm-Pistole mit hoher Mannstoppwirkung einzuführen. Kurz nach der Übernahme der 10 mm durch das FBI kam Kritik von Seiten der Beamten wegen des starken Rückstoßes dieser Waffen auf. Smith & Wesson entwickelte daraufhin zusammen mit Winchester eine entsprechende Patrone, die .40 S&W. Glock wandelte in kurzer Zeit die Glock 17 für diese Patrone ab und brachte Mitte 1990 die Glock 22 auf den Markt, die der von Smith & Wesson geplanten „FBI-Pistole“ zuvorkam.
Glock hat die drei Modelle Glock 20, Glock 29 und Glock 40 im Kaliber 10 mm Auto.
Nachahmer und Plagiatsprozess Der enorme Erfolg der Glock-Pistolen rief Nachahmer auf den Plan. 1994 reagierte S&W mit der Markteinführung der Smith & Wesson Sigma, die bei vielen Waffenspezialisten als Plagiat der Glock 17 galt.So von Rick Washburn, nach P. Barrett, S. 100f. Glock klagte gegen S&W wegen Patentverletzung. Die Parteien einigten sich 1997 außergerichtlich auf eine Schadensersatzzahlung an Glock und die Änderung des Designs der Sigma.P. Barrett, Glock, ebenda; Robert E. Walker: Cartridges and Firearm Identification. CRC Press, Boca Raton 2013, S. 28f.; Russ Thurman: S&W and Glock settle suit in: Shooting Industry. Juni 1997.
Die „Baby-Glocks“ 1995 führte Glock die Subkompakt-Modelle Glock 26 und Glock 27 ein. Sie bedienten einen Trend zu kleineren Handfeuerwaffen mit relativ großen Kalibern, die z. B. in die Handtaschen von Frauen passen sollten.G20 SF Standard | 10 mm Auto, abgerufen am 21. November 2024. In der amerikanischen Öffentlichkeit wurden sie „Baby-Glocks“ oder „Pocket Rockets“ genannt. Zum Geschäftserfolg dieser Modelle trug nach Einschätzung von Paul Barrett und Tom Diaz auch eine Kampagne der National Rifle Association für die Lockerung der Waffengesetze in vielen Bundesstaaten der USA bei.Tom Diaz: The American Gun Industry. In: Timothy Lytton (Hrsg.): Suing the Gun Industry. Univ. of Michigan Press. 2005, S. 97.
Lauf Der Lauf der Glock-Pistolen ist kaltgehämmert, hat Rechtsdrall und keine herkömmlichen Züge und Felder mit seitlichen Kanten, sondern bis einschließlich Pistolen der vierten Generation (Gen4) ein polygonales (sechs- oder achteckiges) Innenprofil (Polygonlauf). Dank der dadurch erreichten besseren Anpassung des Geschosses werden Gasdruckverluste minimiert, was zu einer höheren Mündungsgeschwindigkeit, einer gestreckteren Flugbahn und dadurch höheren Treffgenauigkeit führt. Zudem werden wegen der fehlenden scharfen Kanten Ablagerungen vermindert und das Reinigen des Laufes erleichtert.
Ab der 5. Generation (Gen5) verfügt der Lauf über ein neues, verbessertes Polygonalprofil „GMB“ (Glock Marksman Barrel), welches im Rahmen einer Ausschreibung für die US Army entwickelt wurde. Das Profil erhöht die Präzision erheblich, ebenso erleichtert es die forensische bzw. ballistische Auswertung in puncto Zuordnung verschossener Projektile zu einer Waffe.Individuality testing of new Glock pistol barrels „Marksman Barrel“.
Verschluss Zur Verriegelung des Verschlusses wird das modifizierte Browning-System eingesetzt. Der Lauf verriegelt dabei bei den meisten Glock-Modellen direkt im Auswurffenster des Verschlusses, respektive Schlittens. Unter dem Patronenlager sitzt eine offene Steuerkulisse, die das hintere Laufende nach wenigen Millimetern Rücklauf nach unten zieht und dadurch den Schlitten freigibt. Dieser läuft weiter bis zum hinteren Anschlag, zieht dabei die abgeschossene Hülse aus und wirft sie nach rechts oben aus. Beim Vorlauf des Schlittens wird eine neue Patrone aus dem Magazin ins Patronenlager zugeführt und in der Endphase werden Schlitten und Lauf über die Steuerkulisse wieder verriegelt.
Nebst dem Browning-System verwendet Glock auch den verzögerten Masseverschluss und den Drehlaufverschluss (verriegelter Verschluss) als Verriegelungssysteme für die Glock-Pistolen.
Zündvorrichtung Der Schlagbolzen ist federnd gelagert und ragt nach unten aus dem Verschluss heraus. Beim Betätigen des Abzugs wird eine Metallplatte im Griffstück nach hinten geschoben, hakt an der Verlängerung des Schlagbolzens ein und zieht ihn zurück. Dabei senkt sich die Platte langsam nach unten, so dass an einem bestimmten Punkt der Schlagbolzen an der Kante der Metallplatte abrutscht, von der Schlagbolzenfeder nach vorne beschleunigt wird und die Patrone zündet. Durch die Repetierbewegung des Verschlusses wird, neben dem Nachladevorgang, das Schlagbolzenschloss beim Schließen wieder teilvorgespannt. Die österreichische Ordonnanzpistole Roth-Steyr M1907 verwendete bereits ein ähnliches Abzugsystem.
Eine Glock-Pistole ist daher nicht wie ein Revolver nach jedem einzelnen Schuss komplett entspannt und muss nicht für jeden weiteren Schuss über das Abzugszüngel neu vollgespannt werden (typisch für Double-Action-System), sondern die Waffe befindet sich nach jedem Schuss in teilvorgespanntem durchgeladenen Zustand und ist feuerbereit (teilvorzuspannendes DAO-System oder „Glock-Safe-Action“). Für die Schussauslösung ist dabei weniger Kraft als beim DAO-System einzusetzen.
Sicherungen Alle Glock-Pistolen verfügen über drei automatische Sicherungen: die Abzugssicherung, eine Schlagbolzensicherung und eine Fallsicherung, keine davon mit einem zusätzlich zu betätigenden äußeren Bedienelement.
Die Abzugssicherung ist eine in den Abzugszüngel mittig eingelassene Kunststofftaste, die beim orthogonalen Betätigen des Abzugszüngels durch den Finger eingesenkt wird und dabei das Züngel entsichert. Drückt der Finger oder ein Fremdkörper schräg auf den Abzug, ohne dass die Taste dabei gedrückt wird, bleibt der Abzug gesperrt. Eine Abzugsbetätigung durch Fremdkörper oder beim Sturz der Waffe soll damit unterbunden werden. Die Schlagbolzensicherung ist ein zylindrisches Element im Verschluss des teilvorzuspannenden Glock-Systems mit einer mittigen Ausnehmung. Bei nicht gezogenem Abzug blockiert sie den Schlagbolzenkanal und wird erst beim Ziehen des Abzugs mittels der Abzugsstange nach oben gedrückt, sodass der Schlagbolzen dann durch die Ausnehmung gleiten kann. Fällt die Waffe aus großer Höhe, könnte der Schlagbolzen beschleunigt werden, weshalb das Element den Schlagbolzenweg blockiert. mini|Schlagbolzensicherung Die Fallsicherung besteht aus einer am Steuerblock im hinteren Ende des Griffstücks angebrachten Kulisse, die ein vorzeitiges Absenken der Abzugsstange verhindert. Die Abzugsstange kann erst, nachdem sie durch Ziehen des Abzugs nach hinten bewegt wurde, nach unten absinken und gibt dann den Schlagbolzen frei.
Die Glock-Pistole ist nach jedem Schuss voll gesichert und lässt sich nur durch erneutes Betätigen des Abzugs wieder voll spannen, entsichern und auslösen. mini|Glock 17, offener Verschluss mit Pufferpatrone
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