mini|Georg Pazderski (2017) Georg Pazderski (* 6. Oktober 1951 in Pirmasens) ist ein deutscher Politiker (parteilos, bis Mai 2024 AfD) und Oberst a. D.
Nach einer 41-jährigen Soldatenlaufbahn und einer abschließenden Führungsposition im Allied Joint Force Command Lisbon der NATO wechselte Pazderski in die Politik. Im Mai 2013 wurde er zunächst Geschäftsführer der AfD Berlin, von Oktober 2013 bis Ende 2015 Bundesgeschäftsführer. Von Januar 2016 bis November 2017 agierte er als einer von zwei Landesvorsitzenden der AfD Berlin; danach war er bis Januar 2020 alleiniger Landesvorsitzender.Von Storch raus – Berliner AfD verliert Doppelspitze. In: sueddeutsche.de. 4. November 2017. Von 2016 bis 2021 war er Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und Vorsitzender seiner Fraktion. Von 2017 bis November 2019 war er außerdem einer von drei stellvertretenden Bundessprechern der AfD, von 2015 bis 2017 war er bereits als Beisitzer im Bundesvorstand aktiv.
Biografie Pazderski wurde als Sohn eines polnischen Vaters und einer deutschen Mutter im pfälzischen Pirmasens geboren. Sein Vater war während des Nationalsozialismus als Zwangsarbeiter ins Deutsche Reich verschleppt und in einem Arbeitslager interniert worden.
Pazderski absolvierte eine Berufsausbildung zum Großhandelskaufmann. Er wurde dann Soldat in der Bundeswehr. Er durchlief bei der Bundeswehr die Ausbildung zum Offizier und studierte dort Betriebswirtschaftslehre.iz/dpa: 41 Jahre als Soldat: Jetzt macht AfD-Spitzenmann Pazderski Berliner Politik. In: focus.de, 19. September 2016. Von 1987 bis 1989 absolvierte er den 30. Generalstabslehrgang (H) an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.Vgl. Hans-Heinrich Steyreiff: Bibliographie der Jahresarbeiten 1957 bis 1987. In: Detlef Bald, Wilhelm Nolte, Hans-Heinrich Steyreiff: Generalstabsausbildung zwischen Gesellschaft und Militär. Das Jahresarbeiten-Archiv. Hrsg. von der Führungsakademie der Bundeswehr und der Clausewitz-Gesellschaft, Mittler, Herford u. a. 1991, ISBN 3-8132-0375-1, S. 117.
Von 1990 bis 1998 war er am Aufbau der Bundeswehr in den neuen Bundesländern beteiligt. So wurde er 1992/93 im Dienstgrad eines Oberstleutnants Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 391 in Bad Salzungen. Mitte der 1990er Jahre war er im Rahmen eines Auslandseinsatzes nach Sarajevo/Bosnien-Herzegowina kommandiert. 2000/01 war er Sicherheits- und Verteidigungspolitischer Berater des Ständigen Vertreters der Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Union, Wilhelm Schönfelder, in Brüssel/Belgien. In Münster war er stellvertretender Chef des Stabes und Direktor für Operationen des 1. Deutsch-Niederländischen Korps. Als einer von drei Leitern einer internationalen Planungsgruppe („Combined Planning Group“), die aus ca. 30 Stabsoffizieren aus den Partnerländern der Operation Enduring Freedom gebildet wurde,Jürgen Schönstein: Die Denkfabrik im Bündnisdorf. In: focus.de, 30. November 2006. diente er von 2005 bis 2010Tina Friedrich: Angetreten, um zu stören. In: rbb-online.de, 18. Juli 2016. unter mehreren Kommandeuren, unter anderem US-General David Petraeus, im Hauptquartier der United States Central Command auf der MacDill Air Force Base in Tampa, Florida/USA. Zuletzt war er zwei Jahre als Abteilungsleiter für Logistik im Allied Joint Force Command Lisbon der NATO in Oeiras nahe Lissabon in Portugal tätig. Nach insgesamt 41 Jahren als Berufssoldat schied er im Rang eines Oberst im Generalstabsdienst Ende 2012 aus dem Dienst aus.
Er ist stellvertretender Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Perspektive Afrika.
Seit 2010 hat er mit seiner Ehefrau den Hauptwohnsitz in Berlin.
Politik Im Jahre 2013 trat Pazderski in die Alternative für Deutschland (AfD) ein. Er war von Mai bis September 2013 Geschäftsführer der AfD Berlin und von Oktober 2013 bis Juni 2015 Bundesgeschäftsführer. Auf dem Bundesparteitag in Essen 2015 wurde er im Juli 2015 mit ca. 56 Prozent der Stimmen als Beisitzer in den Bundesvorstand gewählt. Im Januar 2016 wählte ihn der Berliner Landesparteitag mit ca. 56 Prozent der Stimmen zum zweiten Landesvorsitzenden der AfD Berlin.Lorenz Vossen: AfD-Spitze hat sich auf Parteitag neu formiert. In: morgenpost.de, 17. Januar 2016. Die Vorstandswahl wurde wegen Betrugsvorwürfen vor Parteigerichten angefochten und wurde für ungültig erklärt.Sigrid Kneist: Querelen um Betrugsvorwurf bei Vorstandswahlen. In: Tagesspiegel. 23. Februar 2016.Ulrich Kraetzer: Berliner AfD-Führung verschwieg Wahlbetrug. In: Berliner Morgenpost. 2. September 2017. Beim Landesparteitag im November 2017 wurde Pazderski dann mit ca. 79 Prozent der Stimmen zum alleinigen Landesvorsitzenden gewählt. Beim Bundesparteitag in Hannover im Dezember 2017 kandidierte Pazderski erfolglos als Bundesvorsitzender. Sowohl er als auch die überraschend kandidierende Doris von Sayn-Wittgenstein erreichten die erforderliche absolute Mehrheit knapp nicht. Nach der Wahl von Alexander Gauland wurde Pazderski mit ca. 51 Prozent der Stimmen zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt.Wahl des zweiten AfD-Vorsitzenden gelingt auch in Stichwahl nicht. In: welt.de, 2. Dezember 2017.
Eine Landeswahlversammlung wählte Pazderski im April 2016 zum Spitzenkandidaten seiner Partei für die Berliner Abgeordnetenhauswahl 2016.Jan Menzel: In: rbb-online.de. 23. April 2016. Er zog über die Landesliste – seine Partei erhielt 14,2 Prozent der Zweitstimmen – in das Abgeordnetenhaus ein, dessen Ältestenrat er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Abgeordnetenhaus angehörte. Außerdem wurde er Vorsitzender seiner Fraktion. Pazderski war Mitglied der 16. Bundesversammlung, die im Februar 2017 zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten zusammentrat. Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte Pazderski als Direktkandidat für den Bundestagswahlkreis Berlin-Pankow, verfehlte jedoch den Einzug in den Bundestag mit 12,1 Prozent der Erststimmen.Bundeswahlleiter: Ergebnisse der Bundestagswahl im Wahlkreis Berlin-Pankow Im Juni 2021 wurde Pazderski auf Platz 4 der Landesliste der Berliner AfD für die Bundestagswahl 2021 gewählt, verfehlte den Einzug jedoch erneut.
Im Mai 2024 trat Pazderski aus der AfD aus. Die AfD habe sich „immer weiter“ von seinen politischen Überzeugungen entfernt, sagte er.https://www.berliner-zeitung.de/news/austritt-georg-pazderksi-verlaesst-die-afd-li.2214716
Politische Linie Berliner Kurs Als Strategie der AfD Berlin stellte Pazderski den Berliner Kurs vor. Ziel dieser Strategie ist es, Wähler und mögliche künftige Koalitionspartner mit einer „gemäßigten, liberalen und sachorientierten Politik“ zu überzeugen. Für 2021 hielt Pazderski eine Tolerierung einer Minderheitsregierung für möglich.
Als Partei, die fast ein Fünftel der Wähler vertrete, müsse die AfD „ihre Regierungsfähigkeit möglichst bald herstellen und ihre Regierungswilligkeit deutlich machen“. Verweigerten sich CDU und FDP einer Kooperation mit der AfD, würde sich dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Rot-Rot-Grün dauerhaft im Senat bleibt. Eine bürgerliche Mehrheit gebe es nur mit der AfD, so Pazderski.
Appell der 100 „Für eine geeinte und starke AfD“ Nach der Rede Björn Höckes beim Kyffhäusertreffen wurde am 10. Juli 2019 ein Aufruf veröffentlicht, in dem rund hundert AfD-Funktionäre dem Anführer des Flügels, Björn Höcke, Spaltungstendenzen und „Personenkult“ vorwarfen und den mit Höckes Kampfansage zur Neubesetzung des Bundesvorstandes verbundenen Machtanspruch zurückwiesen. Mitunterzeichner Pazderski betonte zugleich die Bedeutung des Flügels: „Der Flügel kann eine ganz, ganz wichtige Rolle in der AfD spielen“, er müsse „die Partei nach rechts abdichten“. Zugleich stellte Pazderski klar: „Wir fordern nicht den Parteiausschluss.“ Er erwarte von Höcke, „dass er eine ganz klare Linie nach rechts zieht“.
Bürgerlich-konservatives Profil der AfD Nachdem die AfD 2020 nur knapp den Wiedereinzug in die Hamburgische Bürgerschaft geschafft hatte, appellierte Pazderski: „Die AfD muss ihr bürgerlich-konservatives Image schärfen und eine noch klarere Grenze nach Rechtsaußen ziehen“. Nach den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg 2021 forderte er erneut, die AfD müsse sich „endlich noch deutlicher von Rechtsaußen abgrenzen“.
Nach der Bundestagswahl 2021, bei der die AfD Berlin nur 8 Prozent erreichte, kritisierte Pazderski die Spitzenkandidatin Kristin Brinker scharf und gab ihr die Schuld am verhältnismäßig schlechten Ergebnis der Partei. Besonders kritisierte er, dass die AfD im Wahlkampf nicht ihre Ecken und Kanten gezeigt habe, sowie die Nähe Kristin Brinkers zum formal aufgelösten rechtsextremen AfD-Flügel und der Querdenker-Bewegung. Im Zuge dessen kritisierte Pazderski auch die gesamte AfD, die während des Wahlkampfes zu sehr die Annäherung zu Verschwörungstheoretikern gesucht habe, und forderte eine stärkere Abgrenzung vom rechten Rand. Die Nähe zu Querdenkern und Verschwörungstheoretikern sei „untauglich, konservative Wähler für die AfD zu begeistern“.
Politische Positionen Armutszuwanderung In seiner Eröffnungsrede zum Landesparteitag am 4. Mai 2019 führte Pazderski Probleme wie Wohnungsmangel, mangelnde Kindergartenplätze und Verwahrlosung auf eine verfehlte Einwanderungspolitik zurück. Für das Bevölkerungswachstum in Berlin sorgten in zunehmendem Maße die „Migranten ohne Perspektive aus der dritten Welt“. „Sie kommen aus den Armenhäusern und den auf vielen Gebieten zurückgebliebenen Gesellschaften im Nahen und im Mittleren Osten und aus Afrika. Von uns verlangen sie Versorgung und Unterkunft, ohne selbst viel bieten zu können und zu unserem Wohlstand beizutragen.“ Mehrfach forderte er einen Stopp der „unkontrollierten Armutszuwanderung aus der dritten Welt“. In seiner Eigenschaft als Landesvorsitzender erklärte Pazderski: „Berlin muss Berlin bleiben. Wir müssen den Mythos um die wachsende Stadt entlarven.“ Die rot-rot-grüne Landesregierung singe „unverdrossen Loblieder auf die wachsende Stadt“. Tatsächlich kämen viele der Neu-Berliner jedoch aus „Armutsgebieten“. Deutsche Babys seien „nach wie vor Mangelware“, erklärte er und mahnte: „Wir wollen uns nicht als Fremde in unserem Berlin fühlen.“
Corona-Lockdown
Pazderski begründete am 6. Mai 2021 im Berliner Abgeordnetenhaus einen Antrag seiner Fraktion zur Corona-Politik: Wer den Gesundheitsschutz verabsolutiere, versündige sich an der Gesellschaft und schädige die Kinder für das ganze Leben. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie seien „unverhältnismäßig, lebens- und wirtschaftsfeindlich“. Wenn „offenkundig alles nicht hilft, müssen wir bereit sein auch wieder zu öffnen“.
Razzia bei Reichsbürgern Nach der Verhaftung von Mitgliedern der Reichsbürger-Gruppe „Patriotische Union“, denen die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wurde, schrieb Pazderski Anfang Dezember 2022, die „Razzia gegen die Greise der Reichsbürger“ sei „toll inszeniert und großes Kino“ gewesen. Sie habe es „prima verstanden, die Bluttat von Illerkirchberg aus den Schlagzeilen zu verdrängen“. Damit bezog er sich auf die Ermordung eines 14-jährigen Mädchens in Illerkirchberg durch einen Eritreer.
Kontroversen Fake News zum US-Wahlkampf Im November 2016 veröffentlichte die AfD eine Pressemitteilung Pazderskis mit dem Titel „Bundesregierung sponsert Clinton-Wahlkampf“. Darin behauptete Pazderski, das Bundesumweltministerium habe „mehrere Millionen“ Steuergelder in den Wahlkampf von US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gesteckt. Das Berliner Landgericht hielt diese Behauptung als unwahr fest, sprach von „schwerwiegenden Vorwürfen“ und verpflichtete die AfD zu einer Richtigstellung.Fake News zum US-Wahlkampf – AfD muss Clinton-Aussage richtigstellen . In: Berliner Zeitung. 14. August 2018.Georg Pazderski: In: afd.de. August 2018.
Ausschluss vom Holocaustgedenken