Cölbe ist eine Gemeinde im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Geografie Geografische Lage Das Gemeindegebiet von Cölbe liegt am Südrand des Burgwaldes, eines Teils des Westhessischen Berglandes, und grenzt direkt an die südlich gelegene Universitätsstadt Marburg. Der namengebende Ortsteil befindet sich innerhalb einer Flussschleife der Lahn, die hier ihre Hauptflussrichtung von Osten nach Süden ändert und in die von Osten kommend die Ohm einmündet.
Klima Cölbe liegt auf 190 m Höhe. Das Klima ist mild sowie allgemein warm und gemäßigt. Es gibt viel Niederschlag, selbst im trockensten Monat. Die Temperatur liegt im Jahresdurchschnitt bei 9,0 °C. 731 mm Niederschlag fallen innerhalb eines Jahres. Der niederschlagärmste Monat ist mit durchschnittlich 45 mm der Februar und der niederschlagsreichste der Juni mit 72 mm. Am wärmsten ist es im Monat Juli. Es werden dann durchschnittliche Temperaturen von 17,6 °C erreicht. Mit im Durchschnitt −0,1 °C ist der Januar der kälteste Monat des ganzen Jahres.Klima Cölbe, Climate-Data.org
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit Sitz in Offenbach betreibt in Cölbe eine Klimastation – die einzige im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Seit November 1947 werden dort Daten wie Temperatur, Regenmenge und Sonnenschein aufgezeichnet.
Nachbargemeinden Cölbe grenzt im Nordwesten an die Stadt Wetter, im Nordosten an die Stadt Rauschenberg, im Osten an die Stadt Kirchhain, im Süden an die Stadt Marburg, sowie im Westen an die Gemeinde Lahntal (alle im Landkreis Marburg-Biedenkopf).
Gliederung Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen: Bernsdorf Bürgeln Cölbe Reddehausen Schönstadt Schwarzenborn
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Cölbe erfolgte unter dem Namen Culbe im Jahr 1244 in einer Urkunde der Stadt Wetzlar. Weitere Erwähnungen erfolgten unter den Ortsnamen (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Kulbe (1309), Kolbe (1365), Koelbe (1370/1375), Kolwe (1440), Kolbe (1485), Kölb (1577) und Kölbe (1630).
Im 14. Jahrhundert erhoben als Territorialherren die Herren von Fleckenbühl und der hessische Landgraf Machtansprüche auf den Ort. Bis in das 19. Jahrhundert soll der größte Teil der Bevölkerung als Leibeigene gearbeitet haben. 1850 brachte der Bahnanschluss den industriellen Fortschritt in den Ort.
Zeit des Nationalsozialismus
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten setzte 1933 auch in Cölbe die Verfolgung von Regimegegnern ein. Zu den ersten Verhafteten gehörten im März 1933 der Sozialdemokrat und Ortsgruppenvorsitzender des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold Balthasar Stauzebach und der kommunistische Maurer Josef Losekamm, die am 27. März in Bürgeln in „Schutzhaft“ genommen wurden. Der evangelische Pfarrer Bernhard Heppe (1898–1945) war in der Gemeinde seit 1924 tätig. Er war von 1933 bis 1943 Geschäftsführer der Bekennenden Kirche der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und zählte zu den führenden Köpfen des protestantischen Widerstands. Er starb im September 1945 in jugoslawischer Kriegsgefangenschaft.
Unter der nationalsozialistischen Herrschaft wurden jüdische Bürger, Sinti und Regimegegner Opfer der Diktatur. Die jüdische Viehhändlerfamilie Heß lebte seit dem 19. Jahrhundert in der Alten Dorfstraße. 1919 heiratete David Buchheim in die Familie ein und betrieb eine Metzgerei. Als Demokrat war er ebenfalls Mitglied im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. 1937 verließ er aufgrund der Schikanen der Nationalsozialisten mit seiner Frau Hilda Cölbe, floh zunächst nach Palästina und ließ sich 1947 in den USA nieder. Seine Brüder Max und Salomon sowie seine Schwester Henny Joseph wurden in den Konzentrationslagern Theresienstadt, Buchenwald und dem Vernichtungslager Sobibor ermordet. Auch zwei Angehörige der Familie Stern starben in Theresienstadt bzw. im Vernichtungslager Auschwitz. Die zehnköpfige Sinti- und Schaustellerfamilie Strauß wurde am 23. März 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sieben Familienmitglieder starben. Stolpersteine und Gedenktafeln erinnern im Ort an die Opfer der Gewaltherrschaft.mittelhessischer-landbote.de/data/documents/Presseerklaerung-Maerz-2018-mit-Fotos.pdf
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen genehmigte die Landesregierung mit Wirkung vom 31. Dezember 1971 die freiwillige Eingliederung der Gemeinden Bernsdorf und Reddehausen in die Gemeinde Cölbe im damaligen Landkreis Marburg. Mit gleichem Datum genehmigte sie sodann den Zusammenschluss der Gemeinden Cölbe und Schönstadt zu einer Gemeinde mit dem Namen Cölbe. Die Gemeinde Bürgeln wurde kraft Landesgesetzes am 1. Juli 1974 eingegliedert. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Cölbe wurden gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Cölbe angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Schönstadt (Gericht Schönstädt bestand aus den Orten: Cölbe, Bernsdorf, Bürgeln, Betziesdorf, Reddehausen, Schönstädt, Schwarzenborn und Bracht) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Gericht Schönstadt 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg), Gericht Schönstadt ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Marburg Die Zugehörigkeit des Amtes Marburg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Marburg 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Kaldern ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Marburg ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis MarburgVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.Trennung von Justiz (Landgericht Marburg) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz endgültig getrennt. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Cölbe zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg.Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluss der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluss der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224). Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Cölbe 6726 Einwohner. Darunter waren 333 (4,9 %) Ausländer, von denen 119 aus dem EU-Ausland, 82 aus anderen europäischen Ländern und 128 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2019 erhöhte sich der Ausländeranteil auf 7,5 %.) Die Einwohner lebten in 2985 Haushalten. Davon waren 942 Singlehaushalte, 723 Paare ohne Kinder und 926 Paare mit Kindern, sowie 282 Alleinerziehende und 108 Wohngemeinschaften. In 453 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2106 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 30 (13 landgräfliche) Hausgesesse • 1630: 13 (landgräflicher Anteil) Hausgesesse. (2 vierspännige, 1 zweispännige Ackerleute, 10 Einläuftige) • 1681: 30 Hausgesesse • 1748: 252 Einwohner. • 1838: Familien: 42 nutzungsberechtigte, 35 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 36 Beisassen
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1748: Erwerbspersonen: ein Landschlachter, vier Leineweber, zwei Wirte, drei Schneider, zwei Schmiede, vier Wagner, ein Müller, 14 Tagelöhner • 1838: Familien: 42 Ackerbau, 3 Gewerbe, 43 Tagelöhner • 1961: Erwerbspersonen: 120 Land- und Forstwirtschaft, 386 Produzierendes Gewerbe, 302 Handel und Verkehr, 767 Dienstleistungen und Sonstiges.
Religion Die Gemeinde Cölbe ist protestantisch geprägt. In den Ortsteilen Cölbe, Bürgeln, Schönstadt, Reddehausen (Kirchsaal) und Schwarzenborn gibt es evangelische Kirchen, die zur Kirchengemeinde Cölbe gehören. Daneben gibt es in der Kerngemeinde Cölbe auch eine katholische Kirche sowie eine Evangelische Gemeinschaft, die 1901 aus einem Hausbibelkreis entstand.Evangelische Gemeinschaft Cölbe.
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 585 evangelisch-lutherische, 2 römisch-katholische Einwohner, 21 Mitglieder abweichender Sekten • 1885: 640 evangelische (= 89,39 %), 18 katholische (= 2,51 %), 50 andere Christen (= 6,98 %), 8 Juden (= 1,12 %) • 1961: 2085 evangelische (= 85,07 %), 287 römisch-katholische (= 11,71 %) Einwohner. • 1987: 4742 evangelische (= 78,61 %), 722 katholische (= 11,97 %), 568 sonstige (= 9,42 %) Einwohner • 2011: 4342 evangelische (= 64,56 %), 828 katholische (= 23,16 %), 1558 sonstige (= 23,16 %) Einwohner
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Cölbe erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Cölbe 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 24,1 6 31,1 8 31,5 9 30,7 9 38,0 12 41,2 13 28,5 8 28,9 8 22,8 6 28,4 9 16,2 5 14,4 4 26,2 7 23,0 6 26,5 7 24,2 8 27,89 25,6 8 BL Bürgerliste der Gesamtgemeinde Cölbe 21,3 6 17,1 5 19,1 5 14,5 4 18,0 5 18,9 6 — — — — — — 2,2 1 — — — — Gesamt 100,0 27 100,0 27 100,0 27 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 58,6 52,6 48,3 51,3 46,9 55,9
Bürgermeister mini|hochkant=1.1|Sitz der Gemeindeverwaltung