mini|hochkant|Der Junker-Hansen-Turm, das Wahrzeichen der Stadt
Neustadt (Hessen) ist eine Stadt im Osten des mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf. Sie entstand in ihrer heutigen Form als Großgemeinde mit vier Ortsteilen in den 1970er-Jahren im Zuge der Hessischen Gebietsreform (siehe dazu Abschnitt „Eingemeindungen“). Das Stadtbild der Kernstadt wird von der mittelalterlichen Altstadt und dem Junker-Hansen-Turm, dem größten Fachwerkrundbau der Welt, geprägt. Heute erfüllt der Ort zentrale Versorgungsfunktionen für die umliegenden Dörfer.
Geografie Geografische Lage Neustadt (Hessen) liegt im mittelhessischen Bergland im äußersten Osten des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Der Neustädter Sattel gehört zur Oberhessischen Schwelle und ist ein Teil der Rhein-Weser-Wasserscheide. Neustadt liegt am Schwalm-Nebenfluss Wiera und somit – als einzige Gemeinde des Landkreises Marburg-Biedenkopf – im Einzugsgebiet der Weser. Alle anderen Gemeinden des Kreises gehören zum Einzugsbereich der Lahn und ihres Nebenflusses Ohm und somit zu dem des Rheins.
Nachbargemeinden Neustadt grenzt im Norden an die Gemeinde Gilserberg, im Osten an die Stadt Schwalmstadt und die Gemeinde Willingshausen (alle drei im Schwalm-Eder-Kreis), im Südosten an die Gemeinde Antrifttal, im Süden an die Stadt Kirtorf (beide im Vogelsbergkreis), sowie im Westen an die Stadt Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf).
Gliederung Zur Stadt gehören neben der Kernstadt Neustadt die Stadtteile Mengsberg, Momberg und Speckswinkel.
Geschichte Ortsgeschichte Neustadt wurde vermutlich um das Jahr 1250 von den Grafen von Nidda aus dem Haus Ziegenhain gegründet. 1270/71 ließ Graf Ludwig II. von Nidda dort eine Burg erbauen, die aber bereits 1273 vom Landgraf Heinrich I. von Hessen wieder zerstört wurde. Graf Ludwigs Sohn und Nachfolger Engelbert I. verkaufte am 12. März 1294 Burg, Stadt und Amt Neustadt an das Erzbistum Mainz, für 2.200 Mark kölnischer Pfennige. Neustadt lag nunmehr als mainzische Enklave inmitten von landgräflich-hessischem und gräflich-ziegenhainer Gebiet.
Während der Mainzer Stiftsfehde wurde Neustadt an den Landgrafen Heinrich III. von Oberhessen verpfändet, aber die Stadt verweigerte ihm den Zutritt und gab erst nach einer Belagerung auf. Mit dem Frieden von Zeilsheim, an dessen Zustandekommen der landgräfliche Hofmeister Hans von DörnbergGustav Könnecke: Artikel Dörnberg, Hans Freiherr von. In: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Allgemeine Deutsche Biographie, Band 5 (1877), S. 352–353 (digitale Volltext-Ausgabe in „Wikisource“, Version vom 4. Juli 2015, 17:22 Uhr UTC). maßgeblich beteiligt war, kam Neustadt in den Besitz des Landgrafen von Oberhessen. Dieser verpfändete die Stadt 1477 an Hans von Dörnberg, der sich auf der Basis der alten Burg sein Schloss Dörnberg erbauen ließ. Nachdem Landgraf Wilhelm III. von Oberhessen bei einem Jagdunfall 1500 tödlich verunglückt war, wurde Oberhessen wieder mit Niederhessen vereinigt. Der beim niederhessischen Landgrafen Wilhelm II. verhasste Dörnberg flüchtete 1505 nach Friedberg, wo er 1506 im Alter von 79 Jahren starb. Er wurde von seinen Neffen beerbt. Die Herrschaft derer von Dörnberg über Neustadt endete 1549, als das Erzbistum Mainz die Verpfändung von 1464 wieder einlöste.
1802/03 kam die Stadt im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses zur Landgrafschaft Hessen-Kassel und wurde mit den anderen ehemals kurmainzischen Enklaven Fritzlar, Amöneburg und Naumburg im nominellen Fürstentum Fritzlar vereinigt. Von 1806 bis 1813 gehörte sie mit der gesamten Landgrafschaft Hessen-Kassel zum napoleonischen Vasallenkönigreich Westphalen und war Verwaltungssitz des Kantons Neustadt. Bis 1866 war Neustadt dann wieder Bestandteil von Hessen-Kassel bzw. Kurhessen, danach von Preußen. Bis 1943 bestand das Amtsgericht Neustadt (Hessen).
1933 lebten rund 120 Juden in Neustadt. Damit war die jüdische Gemeinde die zweitgrößte im damaligen Landkreis Marburg. Hiervon zeugt heute noch der jüdische Friedhof am Simmesberg zwischen Neustadt und Momberg.
Bei Neustadt befinden sich noch Reste der Burg Trugelrode aus dem 13. Jahrhundert und der Nellenburg.
In der näheren Umgebung befinden sich auch die wüst gefallenen Burgen Etzgerode, Forst und Waffensand sowie der sogenannte „Kirchenstumpf“ der wüsten Dorfstelle Volkershain.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1974 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz, die bis dahin selbständigen Gemeinden Mengsberg, Momberg und Speckswinkel in die Stadt Neustadt eingegliedert. Für die ehemaligen Gemeinden wurden Ortsbezirke errichtet.
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Neustadt (Hessen) erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 57,9 13 51,9 12 48,4 11 49,9 12 59,9 15 57,1 18 23,1 5 30,2 7 34,4 942,0 11 27,6 7 28,2 9 19,0 5 17,9 4 17,2 4 8,1 2 6,4 2 6,2 2 — — — — — — — — 6,1 1 8,5 2 Gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 25 100,0 25 100,0 25 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 54,6 50,0 48,3 45,1 48,3 56,9
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Neustadt (Hessen) neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und acht weitere Stadträte angehören.Magistrat der Stadt Bürgermeister ist seit dem 1. Juli 2007 Thomas Groll (CDU). Er wurde als Nachfolger von Manfred Hoim (CDU), der nach drei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 29. Januar 2007 im ersten Wahlgang bei 70,32 Prozent Wahlbeteiligung mit 52,07 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgten drei Wiederwahlen, zuletzt im Januar 2025.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 19. Januar 2025 in Neustadt
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden - Votemanager: Wahltermine Stadt Neustadt (Hessen), seit 1995; Hinweis: Bürgermeisterwahlen vor 2018 sind nicht aufbereitet 2007–2031 Thomas Groll (CDU)Stadt Neustadt (Hessen), Juli 2022: Bürgermeister Thomas Groll fünfzehn Jahre im Amt: „Am 1. Juli konnte Thomas Groll auf fünfzehn Jahre im Amt es Bürgermeisters der Stadt Neustadt (Hessen) zurückblicken. Im Sommer 2007 trat er seinen Dienst im Rathaus an“ 1989–2007 Manfred Hoim (CDU)Stadt Neustadt (Hessen), September 2022: fünfzehn Jahre im Amt: „1989 wurdest Du von der Stadtverordnetenversammlung in dieses Amt gewählt und 1995 und 2001 von den Wählerinnen und Wählern jeweils mit sehr guten Ergebnissen bestätigt.“ 1972–1989 Fritz Mütze (SPD)Stadt Neustadt (Hessen), Mai 2019: Altbürgermeister Fritz Mütze feiert 90. Geburtstag: „1972 wurde der Verwaltungsbeamte Mütze durch die Stadtverordnetenversammlung erstmals zum Bürgermeister gewählt. Es folgten - trotz geänderter Mehrheitsverhältnisse - noch zwei Wiederwahlen für den Sozialdemokraten. Am 30. Juni 1989 schied er aus dem Amt.“
Wappen
Flagge Die Stadtflagge ist in dieser Form seit mehreren Jahrzehnten in Verwendung. Vermutlich wurde die Flagge bereits vor 1946 in dieser Form geführt.
Hiss- und Bannerflagge zeigen das Stadtwappen auf einer rot-weißen Flaggenbahn. Außerdem führt die Stadt führt auch eine Variation der Bannerflagge mit Wappen und Schriftzug „Neustadt“ im Bannerhaupt.
Städtepartnerschaften miniatur|200px|Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa Die Stadt ist Mitglied der europäischen Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa, der 36 Städte und Gemeinden mit dem Namen Neustadt in sieben europäischen Staaten (Deutschland, Österreich, Tschechische Republik, Slowakei, Polen, Rumänien und Niederlande) angehören.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke Hier steht mit einer Gesamthöhe von über 50 m und einem Durchmesser von rund 13 m der größte Fachwerkrundbau der Welt, der Junker-Hansen-Turm. Er ist ein eigentlich als Turm der Stadtmauer gebautes Befestigungswerk, das 1480 vom Festungsbaumeister Hans Jakob von Ettlingen über den 1470 abgebrochenen Resten der alten Burg erbaut, dann jedoch als Wohnturm vollendet und in die Anlage des Schlosses Dörnberg integriert worden ist. Das alte Rathaus entstand in den 1550er Jahren.
Öffentliche Einrichtungen In Neustadt befindet sich das Personenstandsarchiv Hessen des Hessischen Staatsarchivs Marburg.
Verkehr mini|Hinweis auf die Wasserscheide am Wärterhaus der Blockstelle
Neustadt ist seit März 2025 unmittelbar an die Bundesautobahn 49 angeschlossen.
Durch Neustadt verläuft die Bundesstraße 454. Im Neustädter Sattel markiert an der Bundesstraße ein Stein die Rhein-Weser-Wasserscheide.
Der Bahnhof Neustadt (Kr Marburg) liegt an der Main-Weser-Bahn. Sein Empfangsgebäude stammt von Julius Eugen Ruhl. Siegfried Lohr: Planungen und Bauten des Kasseler Baumeisters Julius Eugen Ruhl 1796–1871. Ein Beitrag zur Baugeschichte Kassels und Kurhessens im 19. Jahrhundert. Masch. Diss. Darmstadt , S. 351f. Der Bahnhof ist der letzte zum Rhein-Main-Verkehrsverbund RMV gehörende Haltepunkt. Ab Schwalmstadt beginnt der Nordhessische Verkehrsverbund NVV. Am Neustädter Sattel befindet sich in Richtung Stadtallendorf an der Bahnstrecke eine ehemalige Blockstelle mit einem Hinweis auf die hier verlaufende Wasserscheide zwischen Rhein und Weser.
Persönlichkeiten In Neustadt (Hessen) geborene Persönlichkeiten Hugo Leopold Georg Valentin Freiherr von Nordeck zur Rabenau (1755–1832), königlich-kaiserlicher Hauptmann, Gutsbesitzer auf Rüddingshausen (Landkreis Gießen) und Neustadt (Hessen) und Mitherr auf der Mittelburg zu Rabenau Wilhelm Johannes Friedrich Carl Freiherr von Nordeck zur Rabenau (1798–1862), Forstmeister und Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen in Darmstadt Carl Braun (1831–1907), Jesuit und Astronom Wilhelm Linker (1868–1963), Ehrenbürger, Bürgermeister und Abgeordneter Siegfried Ruhl (1870–1962), hessischer Landtagsabgeordneter (CDU) Ludwig Maria Florian (1900–1973), Verwaltungsbeamter und Kommunalpolitiker (CDU)
Persönlichkeiten, die in Neustadt (Hessen) gelebt oder gewirkt haben Franz von Roques (1826–1887), Metropolitan, Pfarrer (u. a. in Neustadt (Hessen)) und Pionier der Diakonie in Kurhessen
Bildergalerie
Einzelnachweise
Weblinks
Internetauftritt der Stadt Neustadt (Hessen)
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Kategorie:Hansestadt Kategorie:Stadt in Hessen Kernstadt