Der Samenstau ist eine moderne Legende, die besagt, dass der männliche Hoden unter fortwährender Spermienproduktion bei sexueller Enthaltsamkeit und fehlender Entleerung durch Geschlechtsverkehr oder Masturbation zu verstärkter Libido sowie zu einer angeblichen Anschwellung des Hodensackes führe.

Tatsächlich werden im Hoden zwar andauernd neue Spermien produziert, jedoch werden ungebrauchte Spermien vom männlichen Körper früher oder später entweder resorbiert und damit aufgelöst oder in einer Pollution ausgestoßen. Somit kann ein dauerhafter „Rückstau“ der Samenflüssigkeit nicht entstehen.Arne Hoffmann: Eine Frage der Größe: Wie oft Männer an Sex denken. - Und andere Fragen, die Sie noch nie zu stellen wagten. Heyne, München 2010, ISBN 978-3-641-04119-9, S. 183 (eingeschränkte Buchvorschau auf Googlebooks).

Nach einem Sexualakt oder längerer, starker Erregung ohne Samenerguss kann es jedoch zu Druckempfinden oder Schmerzen in den Nebenhoden und den Samenleitern kommen. In der Umgangssprache wird dies auch Samenstau genannt. Tatsächlich handelt es sich aber um Kavaliersschmerzen (auch „Bräutigamsschmerz“), die durch Krämpfe der glatten Muskulatur ausgelöst werden.

Medizinisch ist ein echter Samenstau vorübergehend nach operativer Unterbrechung der Samenleiter möglich. Aber auch in diesem Falle werden nach einiger Zeit die produzierten Spermien ohne Krankheitsanzeichen vom männlichen Körper resorbiert.

Rezeption Die Legende wird gelegentlich in literarischen Werken verarbeitet, insbesondere in den Genres „Junger Roman“So berichtet zum Beispiel der junge deutsche Schriftsteller Manuel J. Hartung in seinem Erstlingswerk Der Uni-Roman über die Rezeption des bekannten Scherzreims (In: Der Uni-Roman. Manuel J. Hartung liest in 1LIVE Klubbing aus seinem Erstlingswerk; Rezension von Jan Drees, TV-Sender 1Live, o. J.; Abruf: 11. Februar 2008) und „Gesellschaftssatire“, wie zum Beispiel von dem österreichischen Schriftsteller Thomas Glavinic, der in seinem Roman Wie man leben sollThomas Glavinic: Wie man leben soll. (Roman) dtv, München 2004, ISBN 3-423-24392-9. seine zeitgenössische und tragikomische „Taugenichts“-Erzählerfigur, Karl Kolostrum, an einem „permanenten Samenstau“Unruhe des Herzens. Thomas Glavinic: „Wie man leben soll.“ Rezension von Hajo Steinert, Deutschlandfunk, Auf: deutschlandfunk.de vom 7. Juli 2004. leiden lässt.

Literatur Stephan Dressler, Christoph Zink: Pschyrembel Wörterbuch Sexualität. de Gruyter, Berlin u. a. 2003, ISBN 3-11-016965-7, S. 120, 453.

Einzelnachweise

Kategorie:Sexualmedizin Kategorie:Moderne Sage