mini|hochkant=1.5|Opernhaus Nürnberg (2011) mini|hochkant=1.5|Schauspielhaus Nürnberg (2012) mini|hochkant=1.5|Luftaufnahme (2014)

Das Staatstheater Nürnberg ist eines der großen Mehrspartentheater in Deutschland. Als vierte Staatsbühne im Freistaat Bayern ging es am 1. Januar 2005 aus den ehemaligen Städtischen Bühnen Nürnberg hervor. Unter der Leitung von Staatsintendant Jens-Daniel Herzog ermöglichen derzeit mehr als 600 Festangestellte in den Sparten Oper, Schauspiel, Ballett und Konzert pro Saison rund 650 Vorstellungen für über 230.000 Besucher. Prägnantestes Gebäude ist das in der Stadtsilhouette weithin erkennbare Nürnberger Opernhaus, ein Wahrzeichen der Stadt. Weitere Spielstätten sind das Schauspielhaus Nürnberg mit den Kammerspielen und dem Extended Reality Theater – XRT (ehemals „BlueBox“) sowie die Meistersingerhalle. Dort finden Konzertreihen der Staatsphilharmonie Nürnberg statt, des Orchesters des Staatstheaters unter der Leitung von Generalmusikdirektor Roland Böer.

Theater- und Operngeschichte Nürnbergs Vorläufer der Oper und Meistersänger Die Nürnberger Operngeschichte lässt sich – mit all ihren Vorläufern – bis ins Mittelalter verfolgen. Die Kaiserburg war ein Zentrum für Minne- und Trouvaille-Gesang, in St. Sebald befand sich Mitte des 15. Jahrhunderts ein Schülerkreis um den blinden Organisten Conrad Paumann, die erste institutionelle Musikausbildungsstätte Nürnbergs. Geistliche Mysterienspiele fanden vor allem zur Passions- und Osterzeit in der Sebalduskirche und den Klöstern St. Egidien, St. Katharina und St. Klara statt. Bedeutende kirchenmusikalische Zentren befanden sich in St. Lorenz, der Frauenkirche und der Heilig-Geist-Schule. Dort wurde auch die Pflege der Moresken, pantomimischer Charaktertänze und als Urahnen der Oper betrieben. Zum Ende des 15. Jahrhunderts lösten die Fastnachtsspiele diese Frühformen der Oper ab. Sie wurden später vor allem durch Hans Sachs überaus beliebt. Singschulen mit Darbietungen in Wirtshäusern, Höfen, aber auch in der Spitalkirche von St. Martha, dem Übungsort der Meistersänger, waren eine zentrale Bewegung. Nürnberg entwickelte sich zu einem Zentrum der Minnesänger und Dichter: Walther von Stolzing war oft zu Gast auf der Kaiserburg, Tannhäuser und der Parzival-Dichter Wolfram von Eschenbach wurden in der Region geboren, ein Gastspiel von Oswald von Wolkenstein ist für das Jahr 1431 nachweisbar. Ein bedeutendes Werk in der Operngeschichte Nürnbergs ist Seelewig, komponiert vom Nürnberger Organisten Sigmund Theophil Staden. Dieses Stück ist die erste erhaltene deutsche Oper. Den Text schrieb Georg Philipp Harsdörffer, ein Mitbegründer der Literatenvereinigung Pegnesischer Blumenorden.Voskamp u. a. (2005): S. 12 ff.

Tag- und Nachtkomödienhaus 1628–1800 Am 16. Juni 1628 öffnete das Fecht- bzw. Tagkomödienhaus mit über 3000 Plätzen in drei Geschossen auf der Insel Schütt seine Tore. Dort kamen die ersten musikalischen Dramen zur Aufführung. Zudem war es das erste kommunale Theater in Deutschland. Die Konzeption war multifunktionell. Neben belustigenden Schaukämpfen, Artistikauftritten und blutdürstigen Tierhetzjagden oblag jedoch die Hauptnutzung dem Theaterbetrieb. Ein Nachteil dieser Spielstätte war, dass sie auf Grund fehlender Technik lediglich im Sommer und tagsüber genutzt werden konnte. 1766 fanden dort die letzten Aufführungen statt. Nach der Folgenutzung durch eine Glasschleiferei folgte 1811 der Abbruch.Fechthaus – Tagkomödienhaus auf nuernberginfos.de, abgerufen am 20. Mai 2024.

Der Umbau eines südlich der Lorenzkirche gelegenen MaterialhausesDetailansicht des Materialhauses, dem späteren Nachtkomödienhaus östlich von St. Lorenz in Nürnberg. Aus: Prospekt der Reichsstadt Nürnberg von Hieronymus Braun, 1608. (Staatsarchiv Nürnberg, Karten und Pläne) im Jahr 1668 zum beheizten und beleuchtbaren Nachtkomödienhaus brachte Nürnberg eine neue Spielstätte. An selber Stelle wurden bis 1944 zwei weitere Theaterbauten betrieben: das Auernheimersche Nationaltheater und das Alte Stadttheater. Über 140 Jahre befand sich am Lorenzer Platz also eine zentrale Spielstätte des Nürnberger Theaters. Uraufführungen von Singspielen des Organisten Johann Löhner (Der gerechte Zeleukus, 1686 und Theseus, 1688) sind überliefert. Nur selten fanden Gastspiele der umliegenden höfischen Musikzentren Ansbach, Amberg oder Erlangen statt. Die Eröffnung der Spielzeit 1714/15 bestritten die „Hochfürstlich Bayreuthischen Hofkomödianten“. 1754 und 1757 sind Ballette und Schauspiele der „Anspachischen Hochfürstlich-Privilegierten Hof-Comödianten“ dokumentiert. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts konnten vermehrt Aufführungen von Opern wie Alceste von Christoph Willibald Gluck (1782) und Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart (1794) besucht werden. Am 17. September 1800 musste das Nachtkomödienhaus, längst von der Bevölkerung „Opernhaus“ genannt, wegen Baufälligkeit geschlossen werden.Voskamp u. a. (2005): S. 16

Auernheimersches Nationaltheater 1801–1827 mini|Das Schauspielhaus in Nürnberg Der Gastwirt Georg Leonhard Auernheimer errichtete auf eigene Kosten ein neues Theatergebäude in Nürnberg. Das „Auernheimersche Nationaltheater“ wurde am 6. April 1801 mit dem Schauspiel Bayard, der Mann ohne Furcht und Tadel von August von Kotzebue nach nur sechsmonatiger Bauzeit eröffnet. Es befand sich ebenfalls am Lorenzer Platz und war, außen schlicht mit drei verzierten Portalen, als klassizistisch orientierter Bau errichtet worden. Der Publikumsraum aus zwei Holzemporen und Parkett bot für 500 Zuschauer Platz. Ein Orchester mit 20 Musikern, einer für die Zeit üblichen Größe, konnte im Orchesterraum musizieren. Überwiegend fand dort jedoch Sprechtheater statt. Ein Beispiel für Musiktheater ist die Aufführung der Oper Das Labyrinth – Der Zauberflöte zweyter Theil im Jahre 1807. Wirtschaftliche Probleme zwangen Auernheimer 1808 zum Verkauf seines Theaters.

Unter den nachfolgenden Direktoren wechselten auch die Schwerpunkte im Spielplan und die wirtschaftliche Lage des Theaters. Der Bassist und Opernregisseur Joseph Reuter (bis 1816) stellte das Musiktheater in den Vordergrund, seine Frau, die Koloratursopranistin Caroline Reuter (bis 1819) vor allem Opern Wolfgang Amadeus Mozarts und Domenico Cimarosas. Der nachfolgende Leiter des Hauses Georg Braun geriet wiederum in finanzielle Nöte. Ein Glücksfall rettete jedoch im Jahr 1822 ihn und das Nationaltheater: Carl Maria von Webers Finanzen befanden sich in Schieflage. Daher bot er Braun bereits ein Jahr nach der Uraufführung in Berlin seine Oper Der Freischütz für das erstaunlich geringe Honorar von nur 20 Dukaten an. Noten, Libretto und sämtliche Aufführungsrechte waren inbegriffen. Am 26. August 1822 fand die erste Nürnberger Vorstellung statt. Das Werk wurde mit zunächst 17 Vorstellungen zu einem großen Publikumserfolg. Im Jahr 1823 lockte das Stück sogar König Maximilian I. nach Nürnberg. Voller Begeisterung beförderte er Georg Braun daraufhin zum „Ökonomie-Inspector“ auf Lebenszeit am Münchner Hoftheater. In der Direktionszeit seiner Nachfolgerin Marianne von Trentinaglia, einer Schauspielerin, dominierten vor allem Werke Friedrich Schillers den Spielplan. Am 10. Juni 1827 wurde das 26 Jahre alte Theatergebäude wegen Baufälligkeit geschlossen.Voskamp u. a. (2005): S. 17 f.

Interimstheater 1827–1833 Daraufhin wurden zunächst konzertante Opernaufführungen im Rathaussaal durchgeführt. Wenig später errichtete man ein hölzernes Provisorium, das sogenannte Interimstheater auf der Insel Schütt. Es war ein schmuckloser Zweckbau mit einem amphitheatralischen Zuschauerraum. Zur Eröffnung am 26. August 1827 wurde das Festspiel Kaiser Ludwigs Traum gespielt. Finanzielle Probleme mit einhergehenden Streiks der Ensemblemitglieder wegen ausbleibender Zahlungen zwangen Frau von Trentinaglia zur Flucht aus Nürnberg. Der Versuch, den Betrieb aufrechtzuerhalten, brachte lediglich einige wenige bedeutende Aufführungen wie z. B. Carl Maria von Webers Oper Oberon, Ludwig van Beethovens Fidelio und auch Giacomo Meyerbeers Robert der Teufel mit sich. Vor allem die schlechten Bedingungen für Schauspieler und Sänger sorgten für Unmut. Abstecher nach Fürth, Erlangen und Bamberg mit ihren festen Spielstätten häuften sich. Die letzte Aufführung fand am 29. September 1833 statt, der Abbruch folgte im März 1834.Voskamp u. a. (2005): S. 19

Altes Stadttheater am Lorenzer Platz 1832–1945 Bereits am 30. April 1832 wurde der Grundstein des Neuen Stadttheaters (ab 1905 Altes Stadttheater) an der Stelle des ehemaligen Auernheimerschen Nationaltheaters am Lorenzer Platz gelegt. Der rund 1000 Zuschauer fassende Bau wurde am 30. September 1833 vollendet. Der Architekt Leonhard Schmidtner entwarf das spätklassizistische Gebäude. Die Baukosten betrugen 75.000 Gulden. Auch dieses Theater war relativ schmucklos und brachte enge Verhältnisse im Zuschauerraum und auf der Bühne mit sich, weshalb es bald im fränkischen Volksmund „Vuglhäusla“ genannt wurde. Die Eröffnung erfolgte am 1. Oktober 1833 mit dem Schauspiel Die Krone von Cypern von Eduard von Schenk. Bis in die 1850er Jahre fanden häufige Wechsel in der Leitung statt, was eine mäßige künstlerische Qualität zur Folge hatte. Vereinzelte Höhepunkte wie z. B. der Auftritt der führenden deutschen Sopranistin Wilhelmine Schroeder-Devrient im Jahr 1835 als Leonore in Ludwig van Beethovens Oper Fidelio waren die Ausnahme. Gastspiel-Abstecher nach Fürth und Erlangen gab es immer wieder – jedoch auch lange Schließzeiten in Nürnberg. 1842 bis 1844 setzte die Direktion die Oper gänzlich ab, kurz darauf wurden in den Jahren 1844 bis 1848 unter der Leitung von Ferdinand Röder, einem erfahrenen Theaterdirektor (zuvor in Bamberg, Bayreuth, Meiningen und Regensburg), wieder insgesamt 285 Musiktheater-Aufführungen durchgeführt. Auf Grund finanzieller Probleme, auch durch die jährlichen Pachtkosten von 1100 Gulden verursacht, flüchtete Röder später aus Nürnberg.

Eine Konsolidierung schaffte ab 1850 Gustav August Brauer. In seiner Zeit wurde das Theater-Privileg in Nürnberg abgeschafft (1868) und Subventionen durch die Stadt eingeführt. Nun konnte sich das Theater wirklich Stadttheater nennen. Die künstlerische Qualität stieg unter Brauers Leitung und erstmals konnten Opern von Giuseppe Verdi (Ernani, 1850) und Richard Wagner (Tannhäuser, 1856) aufgeführt werden. Die Industrialisierung brachte die Professionalisierung des gesamten Berufsstandes mit sich. Durch beliebte Vorstellungen bei der rasant wachsenden Arbeiterschaft gab es verlässliche Einnahmequellen.