Sivas ist eine Provinz in der Türkei und liegt etwa im Scheitelpunkt zwischen Schwarzmeerregion, Ostanatolien und Zentralanatolien, zum größten Teil liegt sie aber in Zentralanatolien und wird daher auch dieser Region zugerechnet. Die Provinzhauptstadt heißt ebenfalls Sivas.
Geografie Anteil an der Region Statistisch gesehen gehört die Provinz Sivas zusammen mit sieben anderen Provinzen zur Region Zentralanatolien (TR7, Orta Anadolu). Hier ist sie die flächenmäßig größte Provinz (31,09 % der Regionsfläche). Bevölkerungsmäßig liegt Sivas hinter der Provinz Kayseri auf Platz 2 (15,55 %). Im Ranking der Bevölkerungsdichte bildet sie das Schlusslicht (der Provinzwert beträgt hier 45,1 Einw. je km² Fläche).
Nachbarprovinzen * Entfernungen sind gerundete Luftlinienkilometer bis zum Zentrum der Nachbarprovinz.HGM-Karte
Verwaltungsgliederung Die Provinz gliedert sich in 17 Kreise: Kreis-code Landkreis(İlçe) Fläche(km²) Bevölkerung (2020) Anzahl der Einheiten Bevölke-rungs-dichte(Ew./km²) städt.Anteil(in %) SexRatio Grün-dungs-datum, Landkreis(İlçe) Verwal-tungssitz(Merkez) Gemein-den(Belediye) Stadt-viertel(Mah.) Dörfer(Köy) 1870 Akıncılar 432 5.067 2.598 1 8 29 11,7 51,27 917 1990 1875 Altınyayla 654 8.989 4.513 2 12 10 13,7 71,80 974 1990 1282 Divriği 2.632 16.195 10.623 1 28 105 6,2 65,59 946 1913 Doğanşar 370 2.780 1.289 1 6 26 7,5 46,37 1005 1990 1342 Gemerek 1.131 22.342 10.587 3 19 34 19,8 67,55 995 1953 1927 Gölova 286 3.478 1.226 1 4 29 12,2 35,25 954 1990 1373 Gürün 2.632 18.700 11.134 1 19 60 7,1 59,54 983 1376 Hafik 1.765 9.359 3.175 1 6 74 5,3 33,92 936 1407 İmranlı 1.292 7.412 2.896 1 9 100 5,7 39,07 922 1948 1431 Kangal 3.342 20.760 9.279 1 8 112 6,2 44,70 950 1484 Koyulhisar 891 12.637 4.250 1 7 44 14,2 33,63 1022 1628 Merkez Sivas 3.488 382.520 355.570 2 69 153 109,7 93,50 1011 1650 Şarkışla 939 25.392 23.834 1 13 71 27,0 60,72 1017 1646 Suşehri 2.073 38.314 15.418 3 18 95 18,5 70,80 1023 1991 Ulaş 1.092 8.443 3.151 1 4 38 7,7 37,32 942 1990 1731 Yıldızeli 2.529 31.748 6.830 2 14 118 12,6 26,52 973 1738 Zara 2.616 21.753 11.558 1 9 135 8,3 53,13 972 PROVINZ 58 Sivas 28.164 635.889 24 253 1233 22,6 77,27 998
Bevölkerung Während in der gesamten Provinz Sivas 635.889 Menschen (Stand 2020) leben, beherbergt die Stadt Sivas 355.570 Einwohner. Die Fläche beträgt 28.164 km² (vgl. Belgien 30.518 km²) und damit ist sie nach Konya die zweitgrößte Provinz der Türkei. In Sivas leben größtenteils Türken und weiterhin, im Osten der Provinz, auch in geringer Zahl Zazas und Kurden. Außerdem war Sivas für die Aleviten ein wichtiges Zentrum. Hier fand 1993 der Brandanschlag von Sivas statt.
Bis zum Ersten Weltkrieg hatte Sivas einen großen Anteil an Armeniern und Pontosgriechen und zählte daher zu den Sechs armenischen Vilâyets (Vilâyat-ı Sitte).
Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung Nachfolgende Tabelle zeigt die jährliche Bevölkerungsentwicklung nach der Fortschreibung durch das 2007 eingeführte adressierbare Einwohnerregister (ADNKS). Zusätzlich sind die Bevölkerungswachstumsrate und das Geschlechterverhältnis (Sex Ratio d. h. Anzahl der Frauen pro 1000 Männer) aufgeführt. Der Zensus von 2011 ermittelte 627.195 Einwohner, das sind fast 130.000 Einwohner weniger als zum Zensus 2000.
Jahr Bevölkerung am Jahresende Wachstums-rate der Be-völkerung (in %) Geschlechterverhältnis(Frauen auf1000 Männer) Rang(unter den 81 Provinzen) gesamt männlich weiblich 2020635.889318.771317.118−0,4899532 2019638.956319.624319.332−1,18999 2018646.608323.575323.0334,07998 2017621.301311.120310.1810,01997 2016621.224309.364311.8600,421008 2015618.617307.439311.178−0,721012 2014623.116309.864313.252−0,111011 2013623.824311.798312.0260,051001 2012623.535311.893311.642−0,56999 2011627.056314.206312.850−2,36996 2010642.224328.304313.9201,40956 2009633.347318.905314.4420,35986 2008631.112316.848314.264−1,15992 2007638.464320.557317.907−992 2000755.091383.254371.83797029
Volkszählungsergebnisse Nachfolgende Tabellen geben die bei den 14 Volkszählungen dokumentierten Einwohnerstand der Provinz Sivas wieder.Die Werte der linken Tabelle sind E-Books (der Originaldokumente) entnommen, die Werte der rechten Tabelle entstammen der Datenabfrage des Türkischen Statistikinstituts TÜIK – abrufbar über diese Webseite:Genel Nüfus Sayımları (Volkszählungsergebnisse 1965 bis 2000) JahrBevölkerungRang Provinz Türkei 1927329.55113.648.2709 1935432.99616.158.0187 1940468.24317.820.9506 1945490.49318.790.1747 1950542.00420.947.1887 1955595.42024.064.7638 1960669.92227.754.8208 JahrBevölkerungRang Provinz Türkei 1965705.18631.391.42110 1970731.92135.605.17611 1975741.71340.347.71913 1980750.14444.736.95717 1985772.20950.664.45821 1990767.48156.473.03524 2000755.09167.803.92729
Anzahl der Provinzen bezogen auf die Censusjahre:
Geschichte Sivas Besiedlung reicht bis 7000 bis 5000 v. Chr. zurück. Die Hethiter, deren Siedlungsreste bei Topraktepe nahe Sivas zu finden sind, herrschten hier von 1600 bis 884 v. Chr., danach für etwa 100 Jahre die Phryger (800–695 v. Chr.). Die Phryger wurden durch die Lyder abgelöst. Die Lyder verloren das Gebiet im Jahre 546 v. Chr. an die Perser. Das persische Achämenidenreich wurde von Alexander dem Großen unterworfen, so dass die Region bis etwa 17 n. Chr. von den Diadochen beherrscht wurde. Bis 395 war sie Teil des Römischen Imperiums. Unter Kaiser Diokletian wurde die Stadt Sebasteia zur Hauptstadt der Provinz Armenia minor. Im Byzantinischen Reich, dem diese Provinz bis 1075 angehörte, entwickelte sich von dort ausgehend während des 8. Jahrhunderts das Paulikianertum.
Nach mehrjährigen Verhandlungen entschädigte Kaiser Basileios II. 1021 Seneqerim Johannes, König von Vaspurakan in Südarmenien, mit dem Territorium von Sebaste in Kappadokien. Seneqerim Johannes zog mit seinem Hof, dem hohen Klerus und 14.000 Familien nach Sivas und verwaltete es als byzantinischer Vasall.Robert H. Hewsen: Armenia. A Historical Atlas, The University of Chicago Press, Chicago und London 2001, S. 116
Im 11. Jahrhundert tauchten die ersten türkischen Stämme in Anatolien auf. Von 1142 bis 1171 herrschte die Danischmenden-Dynastie über Sivas. 1174 eroberten die Seldschuken unter Kılıç Arslan II. die Stadt und ließen unter anderem 1197 die Ulu Cami (dt. Große Moschee) errichten. Sivas diente neben Konya zeitweise als Hauptstadt der Seldschuken. 1232 wurde Sivas, wie weite Teile Eurasiens, von den Mongolen überfallen. Den Mongolen folgte das Beylik von Eretna, dem seinerseits von Kadi Burhan al-Din ein Ende gesetzt wurde. 1398 eroberten die Osmanen unter Sultan Bayezid I. die Stadt, nur um sie 1400 an Timur zu verlieren, der die Stadt zerstörte. 1403 gelang es den Osmanen sie zurückerobern.Robert H. Hewsen: Armenia. A Historical Atlas, The University of Chicago Press, Chicago und London 2001, S. 190 Sivas war bis zum späten 19. Jahrhundert Teil des osmanischen Eyâlets Rum. Im Jahre 1864 wurde es eine eigenständige Provinz, das Vilâyet Sivas.
Die Osmanen regierten die Provinz bis zum Ersten Weltkrieg. 1913 kam es zum Boykott christlicher Unternehmer und Händler in der Hauptstadt Sivas.Raymond Kévorkian: Le Génocide des Arméniens, Odile Jacob, Paris 2006, S. 533 Im April/Mai 1914 wurde der Markt von Sivas Opfer eines Brandes. Am 5. Juli 1915 begann die Deportation der armenischen Bevölkerung von Sivas. Bei diesem Völkermord hatte die Provinz Sivas die größte Zahl an getöteten Nichtmuslimen.Raymond Kévorkian: Le Génocide des Arméniens, Odile Jacob, Paris 2006, S. 543 Die überlebenden, nach Armenien geflohenen Armenier gründeten in Jerewan das Stadtviertel Malatia-Sebastia.
Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg formierte sich unter Mustafa Kemal eine Widerstandsbewegung. Sivas spielte während des nationalen Befreiungskampfes der Türkei nach dem Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle. Mustafa Kemals Gruppe hielt vom 4. bis 11. September 1919 in Sivas den Kongress Heyet-i Temiliye ab.Halil Gülbeyaz: Mustafa Kemal Atatürk. Vom Staatsgründer zum Mythos. Parthas, Berlin 2003, ISBN 3-932529-49-9, S. 87 ff. Der französische Besatzungsmachthaber Major Brunot drohte im Falle einer Versammlung mit der Invasion der Stadt. Beschlossen wurden eine Vereinheitlichung des Befreiungskampfes, die Gründung einer Exil-Regierung außerhalb von Istanbul und ein Aufruf zur Gründung einer parlamentarischen Volksvertretung. Seit 1923 ist Sivas Teil der türkischen Republik. 1993 ereignete sich der Anschlag auf das Madimak-Hotel in der Hauptstadt Sivas mit 37 Toten.
Besonderheiten Der Ort Kangal, 68 km von Sivas entfernt, ist bekannt für sein Thermalbad Balıklı Kaplıca.In diesem Thermalbad wird in erster Linie die Behandlung der Schuppenflechte (Psoriasis) mit Hilfe kleiner schwarzer Fische durchgeführt. Diese Fische gehören zu der Art der Rötlichen Saugbarbe, auch Kangal-Fische genannt. In der Türkei werden sie auch Doktorfische (türkisch: Doktor Balıklar) genannt, die aber mit den unter wissenschaftlichen Namen bekannten Doktorfischen nichts zu tun haben. Der Ort Kangal ist Namensgebend für den Kangal (türkisch: Kangal Köpeği), eine türkische Hunderasse, die gelegentlich auch Sivas-Kangal (Sivas Kangalı) genannt wird, und ihre Wurzeln in dieser Region hat. Hunde dieses Typs werden – ebenfalls unter Berufung auf einen türkischen Ursprung – auch unter den Rassebezeichnungen Anatolischer Hirtenhund und Karabasch gezüchtet.
Kulturveranstaltungen Asik-Veysel-Kultur- und Kunstfestival in Şarkışla am ersten Wochenende im Juli jedes Jahres. Gedenkveranstaltung für die Sivas-Opfer jeden 2. Juli vor dem Madımak Hotel. Cogi Baba Alevi Kultur Festival in Cogi Baba, jedes Jahr im Juli Samut Baba Alevitisches Kultur Festival in Kangal, jedes Jahr im Juli
Persönlichkeiten Muhlis Akarsu (1948–1993), alevitscher Sänger Alişer (1882–1937), kurdischer Nationalist und Anführer des Koçgiri-Aufstandes Nazaret Daghavarian (1862–1915), armenischer Arzt und Wissenschaftler Kazım Erdoğan (* 1953), Psychologe und Integrationsexperte in Berlin Hasret Gültekin (1971–1993), alevitisch-kurdischer Sänger Tayfun Keltek (* 1947), Politiker Murad von Sebasteia (Sivaslı Murat) (1874–1918), Fedai im Völkermord an den Armeniern Erol Pürlü (* 1969), deutscher islamischer Religionsfunktionär Maryam Şahinyan (1911–1996), armenisch-türkische Fotografin Husik Santurjan (armenisch Հուսիկ Սանթուրյան) (1920–2011), Erzbischof der Armenischen Apostolischen Kirche Mechitar von Sebasteia (1676–1749), armenisch-katholischer Ordensgründer Pir Sultan Abdal (um 1480–1550), alevitischer Dichter, Freiheitskämpfer und Volksheld İbrahim Toraman (* 1981), Fußballspieler Taniel Varoujan (1884–1915), armenischer Schriftsteller und Völkermordopfer Aşık Veysel (1894–1973), alevitischer Volkssänger und Dichter Muhsin Yazıcıoğlu (1954–2009), Politiker Deste Günaydın (* 1957), Sängerin Nevzat Akpınar (* 1968), Musiker
Einzelnachweise
Kategorie:Provinz der Türkei
Kategorie:NUTS-3-Region