Eddie Constantine (* 29. Oktober 1917 in Los Angeles als Edward Constantinowsky; † 25. Februar 1993 in Wiesbaden) war ein US-amerikanischer Filmschauspieler und Chansonnier.

Leben Eddie Constantine wurde als Sohn jüdischer Eltern geboren. Sein Vater Mischa, ein Russe und Nachkomme eines Moskauer Opernsängers, war 1904 in die USA emigriert und arbeitete anschließend als Hersteller von Kostüm-Schmuck bei Metro-Goldwyn-Mayer in Hollywood. Seine Mutter Pola Constantinowsky, geborene Heller, stammte aus Polen.

Edward „Eddie“ Constantinowsky wuchs in Los Angeles und in Providence auf. Von 1933 bis 1936 studierte er Gesang am Konservatorium in Wien, später in New York. Constantine war Chorsänger und Mitbegründer des Vokalquintetts The Five Musketeers.

Er ging 1947 nach London und trat auch in Pariser Nachtclubs auf. In dieser Zeit erschienen seine ersten Schallplatten. Ab 1950 trat er am Moulin Rouge in Paris auf. Mit der 1953 erschienenen Nummer Schenk deiner Frau doch hin und wieder rote Rosen hatte Constantine 1955 im deutschsprachigen Raum seinen größten Hit.

Seinen ersten Filmauftritt absolvierte Eddie Constantine, wie er nun hieß, 1952 in Egypt by Three. Bereits ein Jahr später landete er mit der Rolle des FBI-Agenten Lemmy Caution in dem Film Im Banne des blonden Satans einen Hit. Durch diesen und die folgenden Filme, die eine eigenwillige Mischung aus Kriminal-, Agenten- und Abenteuerfilm mit Humor darstellten, wurde er Mitte der 1950er-Jahre einem breiten Kinopublikum besonders in Deutschland und Frankreich bekannt. Er spielte Agenten, Abenteurer und Draufgänger und mehrfach die Figur des Lemmy Caution, wobei er in diesen Rollen eher durch Charme als durch Brutalität glänzte. Höhepunkt war häufig eine Schlägerei, zelebriert in der ihm eigenen, eleganten Art: Mehrere Gegner stürmen auf Eddie ein und im letzten Moment tritt er locker einen Schritt zurück und die Gegner prallen mit voller Wucht aufeinander. Seinen ersten großen Erfolg als Chansonsänger feierte er 1955 mit L’Homme et l’enfant bei Barclay Records. Von dem Duett mit seiner Tochter wurden 200.000 Exemplare verkauft und er landete auf Platz 1 der französischen Hitparade. Die deutsche Fassung Der Vagabund und das Kind (mit der damals achtjährigen Beatrix Gadzalla, heute Zschech)Ute Eickenbusch: Trixis tanzen und singen sich seit 50 Jahren in die Herzen am 11. September 2014 bei waz.de, abgerufen am 21. November 2024 kam im Dezember 1956 in die deutsche Hitparade.

Jean-Luc Godard drehte 1965 den Film Lemmy Caution gegen Alpha 60 mit Constantine in seiner Paraderolle. Der Film gewann den Goldenen Bären auf der Berlinale 1965.

Ab Mitte der 1960er Jahre war er seltener in diesen für ihn bis dahin typischen Rollen zu sehen. Allmählich wandelte er sich zum Charakterdarsteller und wirkte als solcher später in Filmen von Wim Wenders und Rainer Werner Fassbinder sowie Aki und Mika Kaurismäki mit. Peter Lilienthal gab ihm 1969 die erste Charakterrolle als alternder Anarchist Malatesta. Constantine spielte 1970 in Hans W. Geissendörfers Eine Rose für Jane und im gleichen Jahr bei Rainer Werner Fassbinder (mit dem er zwei weitere Filme drehte) in Warnung vor einer heiligen Nutte. Er war 1979 in Walter Bockmayers Fernsehfassung der Rockoper Victor zu sehen und wirkte 1982 in Rosa von Praunheims Film Rote Liebe mit. Unvergessen bleiben auch seine Auftritte in der Kultserie Kottan ermittelt, in der er seine früheren Agentenrollen persiflierte (1982/83). 1983 übernahm er die Rolle des Agenten Beppo Bourbon in dem Low-Budget-Film Das Mikado Projekt, der in Frankfurt und Büdingen gedreht wurde. Man sah ihn 1986 in der Fernsehserie Roncalli als alten Zirkusclown. Godard holte Eddie Constantines „(un)bewegte Furchenvisage als Landkarte aller Zeiten“ (Die Zeit) für seinen Film Deutschland Neu(n) Null 1991 noch einmal vor die Kamera.

Eddie Constantine trat 1975 mit der Veröffentlichung seines Romans Der Favorit auch als Schriftsteller in Erscheinung. Mit dem Videokünstler Lutz Mommartz arbeitete er in den Jahren 1979 und 1980; sie drehten den Film Tango durch Deutschland (1980).https://mommartzfilm.de/FilmeLutzMommartz/155-TangodurchDeutschland1980_d.htm

Seinen Lebensabend verbrachte Constantine in einer Jugendstil-Villa am Wiesbadener Kurpark. Er starb 1993 in Wiesbaden nach einem Herzinfarkt. Er war dreimal verheiratet und hinterließ mit Tanya (* 1943), Barbara (* 1955, die 1971 eine Rolle im Film Haytabo spielte), Lemmy (* 1957) und Mia (* 1981) vier Kinder.Der Agent, der lieber singen wollte, Beatrix Novy auf Deutschlandfunk, 29. Oktober 2017.

Comics Durch den spanischen Comicverlag Semic wurde Eddie Constantine ab Januar 1964 in der nach ihm benannten Serie für 14 Ausgaben zum gezeichneten Helden.

In der italienischen Comicreihe Sadik, die zwischen März 1965 und Dezember 1967 veröffentlicht wurde, war Constantine Vorbild für FBI-Agent Eddie Castle, den ständigen Gegenspieler des titelgebenden Superschurken.

Hommage Am Theater Regensburg hatte im März 2016 das Bühnenstück Dear Eddie seine Uraufführung, eine Hommage an Eddie Constantine, die ihn als Multitalent wie Sänger, Schauspieler, Schriftsteller und Erfinder der Agententype darstellt. Seine Tochter Mia Constantine führt mit Ralf Schurbohm Regie. Theater Regensburg, abgerufen am 2. Juli 2018.

Filmografie (Auswahl)

Diskografie

Bibliografie 1975: Der Favorit (Le Proprietaire)

Literatur Tanya Constantine: Out of My Father’s Shadow: Sinatra of the Seine, My Dad Eddie Constantine Ferral House, Port Townsend 2019, ISBN 978-1-62731-066-6. Dieter Hasemann, Michael Dittmar: Hoppla, hier kommt Eddie! Eddie Constantine und seine Filme. Vistas, Berlin 1986, ISBN 3-89158-008-8. Jörg Schöning: Eddie Constantine – Schauspieler. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 22, 1993. Rolf Thissen: Eddie Constantine. Seine Filme – sein Leben. (= Heyne-Filmbibliothek Band 151.) Heyne, München 1991, ISBN 3-453-04629-3. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 2: C – F. John Paddy Carstairs – Peter Fitz. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 138 f.

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Einzelnachweise

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