Die Siegstrecke ist eine rund 100 Kilometer lange, überwiegend zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn von Köln nach Siegen in Deutschland. Zwischen Blankenberg und Merten sowie zwischen Schladern und Rosbach wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg nur eingleisig wiederaufgebaut. Beide Endbahnhöfe liegen im Bundesland Nordrhein-Westfalen, rund 28 Kilometer verlaufen in Rheinland-Pfalz. Die Siegstrecke wurde ursprünglich als Teil der Deutz-Gießener Eisenbahn errichtet.

Verlauf

Die Strecke führt ab dem Bahnhof Köln Messe/Deutz über Porz (Rhein), Troisdorf, Siegburg, Hennef (Sieg), Au (Sieg) und Betzdorf (Sieg) nach Siegen Hbf.

Zwischen Köln und Troisdorf nimmt sie dabei bis zur Abzweigstelle Steinstraße im Kölner Stadtbezirk Porz sämtlichen Regional- und Fernverkehr auf. An der Abzweigstelle Steinstraße wechseln die ICE-Züge höhengleich auf die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main. Direkt anschließend endet die getrennte S-Bahn-Strecke, so dass auf der Siegstrecke die Regional- und S-Bahn-Züge verbleiben. Parallel steht ab dort dem von Gremberg kommenden Güterverkehr bis Troisdorf ein eigenes Gleispaar zur Verfügung.

Im Bahnhof Troisdorf zweigt die Rechte Rheinstrecke ab. Im Bereich des Bahnhofs Siegburg/Bonn trennt sich die Siegstrecke von der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main und erreicht anschließend das namensgebende Siegtal. Im weiteren Verlauf folgt sie dem Fluss, wobei sie dessen Mäander mithilfe einer Vielzahl von Tunneln und Brücken durchschneidet. Charakteristisch ist dabei, dass infolge von Kriegsschäden zwei insgesamt fünf Kilometer lange Abschnitte nur eingleisig in Betrieb sind.

Im Bahnhof Au (Sieg) stößt die Oberwesterwaldbahn aus Richtung Altenkirchen hinzu. Die folgenden Stationen von Etzbach über Betzdorf bis Niederschelden (Ortsteil Niederschelderhütte der Ortsgemeinde Mudersbach) liegen in Rheinland-Pfalz. In Betzdorf können Reisende zur Hellertalbahn und zur Daadetalbahn umsteigen. Mit dem Haltepunkt Niederschelden Nord werden das Land Nordrhein-Westfalen und der Stadtteil Niederschelden der Stadt Siegen erreicht.

Bedienungsangebot

Die Bedienung der Siegstrecke im Schienenpersonennahverkehr erfolgt im Auftrag der drei regional zuständigen Aufgabenträger Zweckverband Nahverkehr Rheinland, ZV SPNV Rheinland-Pfalz Nord bzw. ZV Nahverkehr Westfalen-Lippe.

Rhein-Sieg-Express (RE 9) der DB Regio (Aachen – Köln – Siegen), Stundentakt. Verkehrt mit Wendezügen aus Doppelstockwagen mit Elektroloks der Baureihe 147. Von 2012 bis 2025 trugen zunächst Triebwagen vom Typ Bombardier Talent 2 in Doppeltraktion die Hauptlast, wurden aber angesichts steigender Fahrgastzahlen zunehmend von gebrauchten Doppelstockgarnituren mit Baureihe 111, später 146.00, abgelöst. Westerwald-Sieg-Bahn (RB 90) der HLB als Dreiländerbahn (Limburg – Westerburg – Altenkirchen – Au – Betzdorf – Siegen), verkehrt im Stundentakt im Anschluss an die S 12. Halbstundentakt im Abschnitt Betzdorf – Siegen im Anschluss an den RE 9 sowie zur Hauptverkehrszeit im Abschnitt Altenkirchen – Betzdorf. Zum Einsatz kommen Dieseltriebwagen der Baureihen 640 und 648 sowie Batterietriebwagen vom Typ Mireo Plus B, die für Geschwindigkeiten von 120 bzw. 140 km/h ausgelegt sind. S 12 der S-Bahn Köln ((Horrem –) Köln-Ehrenfeld – Köln – Köln-Porz – Troisdorf – Hennef – Au), bis Hennef 20-Minuten-Takt, weiter bis Au Stundentakt. Bildet werktags gemeinsam mit S 19 Halbstundentakt im Abschnitt Hennef – Herchen – Au. Sonntags halbstündlich bis Au. Verkehrt mit Doppeltraktionen aus Elektrotriebwagen der Baureihe 423 und Elektrotriebwagen der Baureihe 424. S 19 der S-Bahn Köln (Düren – Sindorf – Köln-Ehrenfeld – Köln – Köln-Bonn Flughafen – Troisdorf – Siegburg – Hennef – Herchen – Au), werktags bis Au Stundentakt mit zusätzlichen Fahrten in der Hauptverkehrszeit bis Hennef oder Blankenberg, Sonntags im Stundentakt bis Hennef und Nachtverkehr bis Au. Ehemalige Verbindungen: Rothaarbahn (RB 93) der HLB als Dreiländerbahn (Betzdorf – Siegen – Kreuztal – Bad Berleburg), verkehrte von 12/2015 bis 12/2025 mit denselben Fahrzeugen wie die heutige RB 90 stündlich im Anschluss an den RE 9.

Tarife

Die Strecke führt durch drei Verkehrsverbünde mit unterschiedlichen Tarifen, je nach Start- und Zielort. Für Fahrten innerhalb der jeweiligen Streckenabschnitte gelten folgende Tarife:

Köln – Au: Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) Etzbach – Niederschelden: Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) Niederschelden Nord – Siegen: Westfalentarif (hat 2017 den Tarif der VGWS abgelöst)

Für verbundübergreifende Fahrten gibt es folgende Regelungen:

Bei einer Fahrt aus dem VRS in das Gebiet des VRM und umgekehrt gilt der Tarif des VRS (Beispiel: Betzdorf – Köln). Für Fahrten aus dem Gebiet des Westfalentarifs in den VRM und umgekehrt gilt der Westfalentarif (Beispiel: Siegen – Betzdorf). Fahrkarten des Westfalentarifs werden ab/bis Wissen ausgegeben. Mit Fahrscheinen des VRM kann bei Fahrten zwischen Altenkirchen und Betzdorf der im VRS-Gebiet liegende Abschnitt Geilhausen – Au der Westerwald-Sieg-Bahn durchfahren werden. Damit ist zwischen Zielen innerhalb des Landkreises Altenkirchen allein eine Fahrkarte des VRM erforderlich. Für Fahrten aus dem VRS in das Gebiet des Westfalentarifs und umgekehrt gilt der NRW-Tarif. Im Sinne des NRW-Tarifes gilt dabei der Abschnitt des VRM im Landkreis Altenkirchen, also Etzbach bis Niederschelden, als Transitstrecke, die bei Fahrten zwischen Zielen in NRW zum NRW-Tarif befahren werden darf (Beispiel: Köln – Siegen). Niederschelden Nord ist entgegen dieser Regelung mit dem VRS-Tarif erreichbar. Einzig für Fahrten Siegen – Etzbach findet kein Verbundtarif Anwendung, es gilt der Deutschlandtarif.

Bei den Pauschalpreis-Fahrkarten des Regionalverkehrs gilt:

Das Schöner-Tag-Ticket NRW ‒ also das Länderticket für Nordrhein-Westfalen ‒ sowie das Schöne-Fahrt-Ticket NRW sind auf der gesamten Siegstrecke nutzbar, da im Landkreis Altenkirchen der NRW-Tarif als Übergangstarif zählt. Das Rheinland-Pfalz-Ticket sowie das Rheinland-Pfalz-Ticket+LUX gelten auf dem Abschnitt Au – Siegen. Das Quer-durchs-Land-Ticket gilt als bundesweites Angebot auf der gesamten Siegstrecke.

Geschichte Entstehung

Die heutige Siegstrecke besteht aus dem westlichen Teil der Deutz-Gießener Eisenbahn (DGE) bis Betzdorf und ihrer Zweigstrecke von Betzdorf nach Siegen. Die ursprüngliche DGE verlief über die Bahnstrecke Betzdorf–Haiger ab Betzdorf über Herdorf und Burbach (Kr Siegen) nach Haiger und von dort weiter über die Dillstrecke via Dillenburg nach Gießen. Durch die Inbetriebnahme der direkten Strecke zwischen Siegen und Haiger im Jahr 1915 verlagerte sich der Verkehr, Siegen wurde zum neuen Knotenpunkt.

Im Jahr 1865 konnte man vier Personenzüge zwischen (Köln-)Deutz und Siegen vermelden, welche pro Richtung 4 Stunden und 11 Minuten Fahrzeit benötigten. Ein Eilzug, der nur an den Stationen und nicht an den Haltepunkten hielt, benötigte zwei Stunden und 38 Minuten für die gleiche Strecke.

Das Sieghochwasser 1909 beschädigte zahlreiche Brücken. Die Brücke in Herchen war so stark beschädigt, dass sie von Grund auf neu gebaut werden musste. Im Sommer 1914 wurden zahlreiche Sonderzüge eingesetzt, um nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges deutsche Soldaten (darunter viele Kriegsfreiwillige, siehe Augusterlebnis) an die Westfront zu befördern.

Weitere Jahre

Die Französische Besatzungsmacht ordnete alle Bahnstrecken im nördlichen Teil ihrer Besatzungszone der Eisenbahndirektion Mainz zu. Für die Siegstrecke betraf das den Abschnitt östlich von Au bis Niederschelden. Bis in die Gegenwart wirken die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs 1945 nach, in denen zahlreiche Brücken über die Flüsse zerstört und in der Folge zunächst nur eingleisig wiederaufgebaut wurden. Die Zweigleisigkeit wurde über viele Jahre abschnittsweise weitgehend wieder hergestellt. Die letzten verbliebenen eingleisigen Abschnitte bestehen zwischen Blankenberg (Sieg) und Merten (drei Kilometer) sowie Schladern und Rosbach (zwei Kilometer). Die Zweigleisigkeit wurde wieder hergestellt: Betzdorf–Kirchen zum 20. April 1952Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Eisenbahndirektion Mainz vom 25. April 1952, Nr. 18. Bekanntmachung Nr. 281, S. 130. Brachbach–Niederschelden zum 19. Mai 1957Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 10. Mai 1957, Nr. 20. Bekanntmachung Nr. 231, S. 108. Niederhövels–Scheuerfeld zum 26. September 1958Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 19. September 1958, Nr. 45. Bekanntmachung Nr. 506, S. 250. Niederhövels–Wissen zum 27. Mai 1959Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 22. Mai 1959, Nr. 23. Bekanntmachung Nr. 237, S. 108. Au–Wissen (Sieg) zum 4. Februar 1960Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 5. Februar 1960, Nr. 6. Bekanntmachung Nr. 68, S. 29. Troisdorf–Siegburg 1991 vor Aufnahme des S-Bahn-Betriebs.

Im eingleisigen Abschnitt bei der Ortschaft Bülgenauel kam es am 18. Februar 1956 zu dem Zusammenstoß eines Güterzuges und eines Eilzugs aufgrund menschlichen Versagens. Bei dem Eisenbahnunfall starben zwei Personen, 15 weitere wurden verletzt.

1962 wurde der erste Teil der Siegstrecke von Köln bis Troisdorf zusammen mit der rechten Rheinstrecke elektrifiziert, 1980 die übrige Siegstrecke ab Troisdorf. Im Jahr 1976 wurde der Dampflokbetrieb im Siegtal eingestellt. Erst im Jahr 1987 durften hier wieder Dampflokomotiven fahren.

Die Bahnmeisterei Wissen wurde 1968 geschlossen.Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 2. August 1968, Nr. 31. Bekanntmachung Nr. 248, S. 172.

Mit der schrittweisen Auflösung der Bundesbahndirektion Mainz fiel die Zuständigkeit für den Abschnitt Au–Niederschelden an die Bundesbahndirektion Wuppertal.Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 23. November 1970, Nr. 52. Bekanntmachung Nr. 351, S. 351–356 (352).

Der früher umfangreiche Güterverkehr ist stark zurückgegangen. Der Personenfernverkehr wurde in den 1980er-Jahren von der Deutschen Bundesbahn eingestellt. Für wenige Monate, vom 6. Juni bis zum 27. Oktober 2003, ließ das Unternehmen Connex über die Siegstrecke den Fernverkehrszug InterConnex von Köln über Siegen – Marburg – Kassel – Berlin nach Rostock fahren. 1990/1991 wurden im Siegtal Versuchsfahrten mit dem Intercity-Express durchgeführt.

S-Bahn-Verkehr

Im Rahmen der S-Bahn Köln fahren seit 1991 Züge der Linie S 12, die anfangs aus Lokomotiven der Baureihe 143 mit n-Wagen bestanden, halbstündlich von Köln-Nippes über Köln Hbf nach Hennef (Sieg) und stündlich weiter nach Au (Sieg). Im Frühjahr 2004 wurden die Stationen entlang der S 12 durchgehend mit Hochbahnsteigen ausgestattet, teilweise mit neuen Zugangstunneln als Ersatz für schienengleiche Bahnsteigzugänge. In den Bahnhöfen Porz, Troisdorf, Hennef und Blankenberg entstanden zunächst Provisorien, Ende 2009 ging als letztes der neue Hochbahnsteig in Porz in Betrieb. Seit dem 13. Juni 2004 fährt die S 12 mit Triebwagen der Baureihe 423 von Düren über Köln alle 20 Minuten nach Hennef und stündlich weiter nach Au.

Ab Oktober 2010 wurde der neue Haltepunkt Hennef Im Siegbogen errichtet und ging planmäßig im Dezember 2011 in Betrieb. Ebenfalls 2011 erhielten der Bahnhof Blankenberg einen zweiten Bahnsteig und der Bahnhof Au (Sieg) gesonderte Stumpfgleise für S-Bahn und Regionalbahn.