Der Corputius-Plan ist eine detailgetreue Projektion der klevischen Stadt Duisburg im 16. Jahrhundert. mini|Plan des Corputius ohne den erläuternden Text, der sich unterhalb der Stadtansicht befindet

Sie wurde von dem niederländischen Kartographen Johannes Corputius angefertigt und im Jahre 1566 veröffentlicht. Der Grundriss des Planes kommt dem heutigen Urkataster sehr nahe. Corputius fertigte den Plan an, um ihn dem Landesherrn und der Stadt Duisburg zu widmen. Der Plan ist der älteste der Stadt. Der farbige Plan zeigt die Stadt aus der Vogelperspektive. Im Inneren des Mauerbereichs ist die Stadt im richtigen Maßstab abgebildet, wobei Corputius bei der Herstellung des Planes Peilungen mit einem Quadranten nutzte. Der Plan umfasst die Stadtansicht mit Überschrift, Wappen mit Unterschriften und Widmungstafel sowie einen erläuternden Text unterhalb des eigentlichen Plans.

Die Herstellung des Plans fällt in die Regierungszeit Wilhelm des Reichen, Herzog von Jülich-Kleve-Berg und der Grafschaften Mark und Ravensberg.

Von der politischen und wirtschaftlichen Blüte der ehemaligen Reichsstadt Duisburg war schon viel verloren gegangen. Trotzdem war Corputius ungemein stolz auf sein Werk, denn die lateinische Überschrift des Planes lautete in der deutschen Übersetzung: „Wahrhaftig und ganz genaue Zeichnung Duisburgs, der uralten Stadt, des ehemaligen Königssitzes der Franken und zugleich ihr ureigenstes und so nach dem Leben geschaffenes Bild, dass nichts daran fehlt.“ Wie aus der Stadtrechnung von 1566/1567 hervorgeht, wurde der Kupferstich von der Stadt erhalten und im Rathaus aufgehängt.

Der Plan ging verloren. Im 18. Jahrhundert tauchten bei einem Buchhändler in Dordrecht vier Schwarz-Weiß-Abdrucke auf. Das Original tauchte 1889 in den Beständen der Breslauer Stadtbibliothek wieder auf. Die Stadt Duisburg ließ 1897 eine Kopie anfertigen. Der in Breslau verbliebene Originalplan ist im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Der einzige noch bekannte Schwarz-Weiß-Abdruck befindet sich im Duisburger Kultur- und Stadthistorischem Museum.Joseph Milz/Günter von Roden: Duisburg im Jahre 1566, Duisburger Forschungen, Band 40.

Geschichte des Plans Nachdem Corputius sich 1558 an der Universität Löwen eingeschrieben hatte, folgte er im Frühjahr des Jahres 1562 dem Ruf des Kartographen Gerhard Mercator nach Duisburg, um sich den Studien der Mathematik zu widmen. Er wohnte im Hause seines Meisters an der Duisburger Oberstraße ganz in der Nähe des Burgplatzes. mini|Das Haus des Gerhard Mercator in der Duisburger Oberstraße, wo Corputius von 1562 bis 1566 lebte

Probleme sich in der Stadt zurechtzufinden, hatte er keine, denn in Duisburg sprach man zur damaligen Zeit einen niederfränkischen Dialekt, der Ähnlichkeiten mit den niederfränkischen Dialekten auf dem damaligen Gebiet der heutigen Niederlande hatte.

Das Studium unter Mercator war weit gefächert und umfasste nicht nur die Mathematik an sich, sondern auch das Kupferstechen und das Anfertigen von Instrumenten wie Winkelmesser mit Visiereinrichtung und ähnlichem. Corputius besuchte verschiedene Lehrveranstaltungen am Akademischen Gymnasiums in Duisburg. So nahm er auch Griechischunterricht beim Rektor des Gymnasiums, Johannes Molanus.

Die von Corputius vorgenommenen Messungen unternahm Corputius nach eigenen Angaben zwischen 1562 und 1563 von drei verschiedenen Punkten aus mittels des von ihm selbst hergestellten Quadranten: Van den grooten tooren te Duysburg – vom Turm der Salvatorkirche, einem der Türme der Marienkirche und einem Turm der Stadtbefestigung zwischen Kuhtor und Stapeltor.Joseph Milz: Der Duisburger Stadtplan des Johannes Corputius und seine Vermessungsgrundlagen. In: Cartographica Helvetica Heft 11 (1995) S. 2–10, , Volltext

Anfang 1563 berichtete Corputius der Jüngere seinem gleichnamigen Vater Johannes in einem Brief, dass er bereits eine „Beschreibung“ (descriptio) der Stadt in Händen halte und beabsichtige, hiervon einen Kupferstich anzufertigen, um damit Geld zu verdienen.

mini|Ein Abschnitt der historischen Stadtmauer vor der heutigen Altstadt am Innenhafen

1564 erhielt er von der Stadt 10 Taler, was etwas mehr als dem damaligen Monatseinkommen eines Handwerkes entsprach. So findet sich im Schuldenbuch der Stadt für jenes Jahr der Eintrag: „M. Johann Corputt voir die toschryfonge der affgemaelter und contrafieter Carten von Duisborch verehret mit X daler, ider ad 45 albus, is 18 gulden, 18 albus“.

Dabei handelte es sich offensichtlich um die „Beschreibung“, von der Corputius seinem Vater berichtete. Zu jener Zeit war der endgültige Plan aber noch nicht komplett fertiggestellt, denn es fehlte noch der erläuternde Text unter der Stadtansicht. Monate später, am 12. Februar 1565 kam es zu einem großen Eisgang, wodurch der Rhein beinahe wieder in sein altes Bett – zurück an die Mauern der Stadt – gelenkt wurde. Dieses Ereignis erwähnt Corputius in dem nachträglich eingravierten Erläuterungstext mit der Angabe ANNO M DXLV (1565). Der Plan wurde aus unbekannten Gründen erst ein Jahr später, also 1566 veröffentlicht, denn bei der Jahreszahl wurde noch eine römische Eins („I“) dahintergequetscht. Erst danach wurde der Plan gerahmt und im Rathaus aufgehängt. Allerdings scheint es sich hierbei nicht um den endgültigen Plan mit dem erläuternden Text gehandelt zu haben.

Es war der Duisburger Professor Johann Hildebrand Withof, der im Februar 1740 in den Duisburgischen Adresse- und Intelligentz-Zetteln seiner Duisburger Chronik eine Würdigung des Corputius-Plans voranstellte und davon berichtete, dass der reformierte Duisburger Prediger Johann Wilhelm Nosse bei einem Buchhändler in Dordrecht 4 schwarz-weiße Abdrucke des Planes gesehen habe. Die Kupferplatten allerdings, von denen der Buchhändler vier Abdrucke anfertigte, ließ dieser, so berichtete Nosse, „zu anderen Dingen verbrauchen“.

Withof ließ sich von Nosse die Texte wiedergeben, allerdings enthielten diese nicht den erläuternden weitschweifigen Text unterhalb des Plans, so dass davon ausgegangen werden kann, dass Nosse die Version aus dem Jahre 1564 gesehen haben muss und nicht die endgültige Version, die aus zwei Teilen bestand, einer mit dem Plan der Stadt und einer anderen für den erläuternden Text.

1889 entdeckte Dr. Alfons Heyer den Plan bei der Ordnung der Bestände in der Breslauer Stadtbibliothek. Die Stadt Duisburg ließ 1897 hiervon auf fotomechanischem Wege farbige Kopien in Originalgröße anfertigen.

1925 beschließt die Duisburger Stadtverordnetenversammlung, erneut reproduzierte Exemplare herstellen zu lassen: „für die Herstellung von 1000 farbigen Plänen werden 4000 Mark bewilligt….Der Originalplan, der Eigentum der Stadt Breslau ist, sich jetzt aber hier befindet, soll in der nächsten Sitzung zur Ansicht ausgelegt werden“. Weihnachten 1925 lag die Neuauflage vor. Gleichzeitig ließ man ein Holzmodell des Plans nachfertigen, der allerdings im Zweiten Weltkrieg verlorenging.

Im Februar 1945 wurde Breslau von sowjetischen Truppen eingenommen, wobei der Plan Plünderungen zum Opfer gefallen sein soll. Die 1925 hergestellten Farbkopien dienen seitdem als Vorlage für unterschiedlichste farbige Wiedergaben des Originalplans, so 1961, 1964 und 1974.

1966 wurde in den Niederlanden ein schwarz-weißer Druck des Planes angeboten und von der Stadt für den Fundus des Niederrheinischen Museums, dem heutigen Kultur- und Stadthistorischen Museum, erworben. Dieser Plan ist aufgrund seiner unbegrenzten Vergrößerungsfähigkeit und seiner Detailtreue zu einem unentbehrlichen Mittel für die historische Forschung und die Duisburger Stadtarchäologie geworden.Joseph Milz: Geschichte der Stadt Duisburg, Mercator-Verlag Duisburg, 2013.

Darstellung Die Überschrift des Planes lautet: Veriss(ima) exactiss(ima)q(ue) topographia Duisburgi Urbis antique(imae) veter(is) Franco(rum) regiae atq(ue) Etiam ipsiss(imae) eiusdem ad vivum effigies, Ita ut nihil desit. (In deutscher Übersetzung: Wahrhaftige und ganz genaue Zeichnung Duisburgs, der uralten Stadt, des ehemaligen Königssitzes der Franken. Und zugleich ihr ureigenstes und so nach dem Leben geschaffenes Bild, dass nichts daran fehlt.)

600px|rechts|Die Wappen auf dem Corputius-Plan Das linke Wappen bezieht sich auf die Länder Wilhelms des Reichen: der rote Löwe von Berg, in der Mitte die goldene Lilien von Kleve in Rot, rechts der goldene Löwe in Gold für Geldern, darunter der rot-weiße Balken der Grafschaft Mark, rechts die roten Sparren der Grafschaft Ravensberg. Allerdings hätte anstatt des goldenen Geldernschen Löwens der Herzogtum Jülicher schwarze Löwe in Gold stehen sollen. Rechts angeordnet das auch noch heute geführte Duisburger Wappen: der doppelköpfige Adler für die Reichsstadt Duisburg bis 1290 und darunter die Burg.

Rechts unten auf dem Plan befindet sich die Lobrede des Johannes Corputius auf sein Werk. In der Übersetzung lautet diese: Dem geneigten Leser zum Gruß. Was wir, bester Leser, in dieser Beschreibung geboten haben, darfst du nicht für eine von den üblichen Städteabbildungen halten, wie sie allenthalben und vielfältig verbreitet werden.

Ich glaube für mich in Anspruch zu nehmen und dreist behaupten zu können, dass bis heute auf der ganzen Welt noch keine bildliche Darstellung eines Ortes herausgekommen ist, die diesen mit solcher Wahrhaftigkeit und so exakt (ohne von der Eleganz des Stiches zu reden), ja, ich möchte sagen, mit so peinlicher Genauigkeit im Einzelnen beobachtet und nachgebildet hat wie die unsere hier. Auf diese Erkenntnis hoffe ich leicht bei all denen zu stoßen, die ein sicheres Urteil haben, und in diesem Punkte werde ich wohl von keinem getadelt werden.

Denn diejenigen, die einen solchen Versuch anstellen wollen, werden mit Gewissheit feststellen, dass tatsächlich hier auch nicht die kleinste Hütte übergangen ist, ja, man findet fürwahr bei der gesamten Darstellung, wie sie sich jeweils dem Auge am anschaulichsten bot, die ausgewogensten Proportionen. Das gilt für Wasser, Flüsse und Hügel, Bäumer und Äcker, alle Straßen und Gassen, alle Häuser mit ihren Dächern, Türen und Fenstern, die Türme, Mauern und Gotteshäuser, Tore und Gräben, Quellen und Brunnen, Dämme und Zäune, die verschiedenen Bezeichnungen und alles andere, von dem man sich nur vorstellen kann, was hierher gehört. Es mag eine Probe meiner zunehmenden, wenn auch kleinen Befähigung in einer kurzweiligen Angelegenheit sein, damit du sehest und auch ich, ob ich dereinst im Leben in ernsteren Dingen etwas werde leisten können. Lebe wohl und bleibe mir gewogen! 24.März 1566

mini|Mögliches Selbstporträt des Corputius auf seinem Plan Über der mit Rahmen verzierten rechteckigen Widmungstafel links unten auf dem Plan schwebt der blau-rot gekleidete Merkur mit einem Stab in seiner Linken. Dem Herzog widmet er den Plan mit den Worten: Illustiss(imo) potentissimoque principi Guilielmo duci Civiae, Juliae et Montis, comiti, Marchiae, Ravensburgi etc. , domino in Ravenstein etc. clementiss d(omino) suo, item ampliss(imo), antiquiss(imo)q(ue) senatui populoq(ue) Teutoburgensis d(ono) d(edit) J(ohannes) de Corput Braedan(us) . Anno MDLXVI. (In deutscher Übersetzung: dem erlauchten und großmächtigen Fürsten Wilhelm, Herzog von Kleve, Jülich und Berg, Grafen von der Mark und Ravensberg etc., seinem allergnädigsten Herrn, wie auch dem wohledlen und altehrwürdigen Rat und den Bürgern von Duisburg hat Johannes von Corput aus Breda diesen Plan zum Geschenk gemacht. Im Jahre 1566.)

Der aufmerksame Betrachter wird feststellen, dass in den Ecken der verzierten Ränder des Gesamtplans Konterfeis von Personen dargestellt sind. Wer diese Personen sind, ist bis heute unklar. Es sind verschiedenste Zuordnungen versucht worden, ohne dass man zu überzeugenden Ergebnissen gekommen ist. In der linken unteren Ecke ist höchstwahrscheinlich das Konterfei Gerhard Mercators zu sehen. Das Konterfei der Person in der rechten oberen Ecke wird oft als das des Johannes Corputius wiedergegeben.