Ersan Mondtag, eigentlich Ersan Aygün (* 1987 in West-Berlin), ist ein deutscher Theaterregisseur.
Leben Mondtag, damals Aygün, wuchs als Kind türkischer Gastarbeiter (Gastronom und Hausfrau) in Berlin-Neukölln auf. Aygün wechselte von der Hauptschule aufs Gymnasium und kam durch einen Schüleraustausch nach Washington, D.C. Seine Gastfamilie nahm ihn mit zu klassischen Konzerten und führte ihn in kulturaffine Gesellschaftskreise ein. Aygün beschäftigt sich in Folge mit Kunst-, Film- und Musikgeschichte und ändert seinen Nachnamen in Mondtag.FAZ vom 20. April 2024. Er hospitierte zunächst bei Thomas Langhoff, Frank Castorf und Claus Peymann und assistierte dann bei Vegard Vinge, bevor er 2011 an die Otto-Falckenberg-Schule nach München ging. Er brach das Studium nach zwei Jahren ab und gründete das Kapitæl Zwei Kolektif, das Dauerperformances, experimentelle Partyformen sowie interdisziplinäre Theaterarbeiten konzipierte. Für die Schaustelle der Pinakothek der Moderne realisierte er mit Olga Bach Konkordia, eine neuntägige Dauerperformance. Über die Performance Party # 4 – NSU vom Kapitæl Zwei Kolektif schrieb Rita Argauer 2015 in der Spex:
In der Spielzeit 2013/14 war Mondtag Mitglied im Regiestudio des Schauspiel Frankfurt und inszenierte dort 2. Sinfonie (2014 beim Radikal Jung Festival), Das Schloss und Orpheus# (2015 beim Radikal Jung Festival in München). 2015 entstand am Staatstheater Kassel sein Stück TYRANNIS, mit dem Mondtag zum Berliner Theatertreffen 2016 eingeladen wurde. Es folgten weitere Gastspiele u. a. erneut beim Festival Radikal Jung. Das Fachmagazin Theater Heute kürte Mondtag 2016 zum Nachwuchsregisseur des Jahres. Gleichermaßen wurde er in den Kategorien »Bühnenbildner und Kostümbildner des Jahres« ausgezeichnet. Am 9. Februar 2018 wurde am Theater Dortmund Das Internat uraufgeführt, für dessen Inszenierung Mondtag mit dem 3sat-Preis 2019 ausgezeichnet wurde. Das Projekt wurde im selben Jahr zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen.
Mondtag inszeniert u. a. am Thalia Theater Hamburg, am Schauspiel Frankfurt, am Schauspiel Köln, am Maxim Gorki Theater Berlin und an den Münchner Kammerspielen.
Die Inszenierung einer Performance zur Eröffnung des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung sagte Mondtag mit der Begründung ab, die das Zentrum tragende Stiftung habe zu viel Einfluss auf die Inhalte ausüben wollen. So sollten Hinweise auf die Vereinnahmung des Themas durch rechte Parteien, beispielsweise ein Zitat Björn Höckes, in dem dieser eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert hatte, entfernt werden.„Die Kontrolle ging für uns zu weit“, Ersan Mondtag im Gespräch mit Eckhard Roelcke, DLF Kultur, 5. Februar 2021, abgerufen am 9. September 2021.
2024 zeigen Ersan Mondtag und Yael Bartana ihre Arbeiten unter dem Titel Thresholds im Deutschen Pavillon auf der 60. Biennale di Venezia.
Mondtag lebt in Berlin.
Werke (Auswahl) 2015: TYRANNIS. Staatstheater Kassel 2016: Die Vernichtung. Von Olga Bach und Ersan Mondtag, Konzert Theater Bern 2017: I am a Problem. Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main 2018: Das Internat. Von Ersan Mondtag mit Texten von Alexander Kerlin und Matthias Seier, Theater Dortmund 2019: Doktor Alici. Von Olga Bach nach Professor Bernhardi von Arthur Schnitzler, Münchner Kammerspiele 2026: Munich Machine. Von Albert Ostermaier. Residenztheater München
Auszeichnungen 2016: Kostümbildner, Nachwuchsregisseur und Nachwuchsbühnenbildner des Jahres (Theater heute) für seine Stückentwicklung Tyrannis 2017: Kostüme des Jahres (Theater heute) für Die Vernichtung von Olga BachderStandard.at: Joachim Meyerhoff zum "Schauspieler des Jahres" gewählt. Artikel vom 31. August 2017, abgerufen am 31. August 2017. 2019: 3sat-Preis für Das Internat3sat-Preis beim Theatertreffen für Ersan Mondtag, abgerufen am 27. März 2019. 2020: Oper! Awards Bester Bühnenbildner für Der Schmied von Gent von Franz Schreker 2022: Bühnenbildner des Jahres in der Kritiker-Umfrage der Deutschen Bühne und beste europäische Opern-Produktion beim großen Kritikerpreis Frankreichs für Der Silbersee von Kurt Weill 2025: Berliner Bär (B.Z.-Kulturpreis)
Weblinks Ersan Mondtag auf thalia-theater.de Ersan Mondtag bei schaefersphilippen, Theater und Medien, Köln Artikel „Störenfried mit Gruselkompetenz“, SZ vom 27. April 2016, Feuilleton, S12, von Till Briegleb. Interview im Deutschlandradio Kultur vom 3. September 2016 eigene Webseite von Ersan Mondtag
Einzelnachweise
Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Performancekünstler (Deutschland) Kategorie:Pseudonym Kategorie:Darstellender Künstler (Berlin) Kategorie:Türke Kategorie:Geboren 1987 Kategorie:Mann