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mini|Münzporträt des Hadrian mini|Skizze des Kastells von William Hutton, 1802 mini|Befundskizze des Kastells mini|Reste der Südmauer des Kastells, Ansicht aus West mini|Überreste des Westtors mini|Reste der Westmauer mini|Reste eines Zwischenturms an der Westmauer, Zeichnung von 1882 mini|Befundplan der Lagertherme mini|Konservierte Ruine des Mithräums mini|Die Altäre des Mithräums (Repliken) mini|Befundskizze des Mithräums, Zustand im 4. Jahrhundert n. Chr. mini|Sog. Nymphen-Triade der Coventina aus Carrawburgh mini|Relief der Coventina mini|Weihesteine für Coventina im Chesters Museum (obere Reihe) mini|Befundskizze des Quellenheiligtums mini|Untersuchung der Coventinaquelle durch Clayton und Bruce, 1876 mini|Becken der Coventinaquelle, Zeichnung von 1878 mini|Standort der Coventinaquelle, 2009 mini|Hinweistafel am Kastellgelände
Brocolitia oder Procolitia war ein römisches Kastell der Hilfstruppen im County Northumbria, Ortsteil (Hamlet) Collerford des Parish Newbrough im Nordosten von England.
Es gehörte zu der aus insgesamt 16 Kastellen bestehenden Festungskette des Hadrianswalls (per lineam valli) und sicherte dessen östlichen Abschnitt. Das Lager wurde etwa 300 Jahre, vermutlich von 130 bis 400 n. Chr. vom römischen Militär genutzt. In der Provinzialrömischen Archäologie ist die Ausgrabungsstätte durch drei nahe dem Lager gelegene romano-britische Kultstätten bekannt geworden.
Name Der Ortsname stammt aus dem Keltischen und bedeutet entweder „Dachsloch“ (J. C. Bruce), „Platz in der Heide“ oder „felsiger Platz“ (Guy de la Bedoyere). Der Name scheint in der Notitia dignitatum (Procolitia) des späten 4. Jahrhunderts auf und wird in der Cosmographie des Geografen von Ravenna aus dem 7. Jahrhundert als Brocoliti zwischen Celunnum (Chesters) und Velurtion (Housesteads) erwähnt.Gälisch: broc, bruic = Dachs, toll, tuill = Loch, walisisch: broch = Dachs, twll, tyllu = Loch, R. C. 148, A. L. F. Rivet, Colin Smith 1979, S. 431–433, Guy de la Bedoyere, 1998, S. 65, J. C. Bruce 1966, S. 100.
Lage Brocolitia ist das siebte Glied in der Festungskette des Hadrianswalls (vallum aelium) und befindet sich auf dem Gebiet des Tynedale district, County Northumberland, 2,4 km westlich des Weilers Chollerford an der B6318, am zentralen Abschnitt des Walls. Es stand im Tepper Moor, am nördlichsten Punkt des Wallabschnittes „Limestone Corner“, eine römische Meile westlich des Meilenkastell 30. In der Nähe befindet sich ein Weiler, Carrawburgh, auf halbem Weg zwischen Sewingsshield und Chollerford. Das Kastellareal liegt heute auf den Weidegründen der Carrowfarm (Carrow House). Der Standort bot einen exzellenten Blick nach Süden über das Tal des Maggie’s Dene Burn. Straßenverbindungen bestanden zu den Lagern von Cilurnum (Chesters), Vercovicium (Housesteads), Vindolanda, Newbrough am Stanegate und Coesike. Ab 212/213 gehörte die Region um Brocolitia zur Provinz Britannia inferior, ab dem 4. Jahrhundert zur Provinz Britannia secunda.Guy de la Bedoyere 1997, E. Hübner 1877, S. 17.
Forschungsgeschichte Das Kastell wurde das erste Mal Mitte des 18. Jahrhunderts von John Horsley untersucht und beschrieben. Er stellte dabei fest, dass seine östlichen und westlichen Seitenwälle rechtwinkelig an den Wall angebaut waren und das Lager nicht nach Norden vorsprang. Weiters berichtete er von Spuren eines Vicus an der Westseite und über das Vorhandensein eines Brunnens. Die erste Ausgrabung wurde am Ende des 19. Jahrhunderts von John Clayton (1792–1890) durchgeführt. Im Jahre 1873 konnte er das Lagerbad lokalisieren und untersuchen. 1875 wurde unter einem großen Stein im Zentrum des Kastells ein Münzhort, bestehend aus 66 Denaren aus der Zeit von Marcus Antonius bis Geta entdeckt. 1876 stieß man auf die Reste des südwestlichen Zwischenturms. Im selben Jahr entdeckten Arbeiter einer Bleimine die Quelle „Coventinas Well“, die danach von Clayton und John Collingwood Bruce freigelegt wurde. Bruce veröffentlichte einen vorläufigen Grabungsbericht in der Ausgabe des Newcastle Daily Chronicle vom 23. Oktober 1876. 1934 konnte bei einer Geländebegehung festgestellt werden, dass der südliche Graben des Walls (vallum) beim Bau des Kastells verfüllt worden war. 1949 wurde das Mithräum entdeckt und 1950 von I. A. Richmond und J. P. Gillam freigelegt. 1960 deckte man direkt neben dem Mithräum ein Nymphenheiligtum auf. 1964 wurden auf dem Besucherparkplatz Ausgrabungen vorgenommen. Von 1967 bis 1969 führte David J. Breeze für die Durham University in Carrawburgh Sondierungsgrabungen durch. Die Forschungsergebnisse über Brocolitia wurden 1961 von Birley und 1978 von Charles Daniels zusammengefasst. 1984 erstellte die RCHME Newcastle einen Plan des Kastells und seiner Umgebung, zusammen mit einem vollständigen Bericht über den Erhaltungszustand der noch vorhandenen Überreste. Im selben Jahr konnten Reste der Süd- und Ostmauer der Conventinaquelle beobachtet werden. Am Ende der 1990er Jahre wurden vom Kastellareal Luftaufnahmen angefertigt.E. Hübner 1877, S. 17, Lindsay Allason-Jones/Bruce McKay 1985, Coventina’s Well: a shrine on Hadrian’s Wall.
Inschriften und Fundspektrum Bis dato sind 48 römische Inschriften aus dem Umfeld von Carrawburgh bekannt geworden. Sie befanden sich auf 31 Weihealtären, fünf Bauinschriften (eine beschädigt, nicht datierbar), vier Centurialsteine und sechs Grabsteine oder Grabinschriften.
Besonders bemerkenswert sind die Funde aus dem Coventinaheiligtum, darunter ein dreiteiliges Steinrelief der Göttin. Im Quellenbecken wurde eine riesige Anzahl römischer Münzen und Votivgaben gefunden, von denen allerdings viele gestohlen wurden, da Clayton sie über Nacht in einer Grube neben der Quelle deponiert hatte. Als schließlich bis zu 6,5 kg Münzen aus dem Quellenschacht geborgen worden waren, dachte man zuerst, man sei auf einen Hortfund gestoßen, der wegen eines Barbarenangriffs o. ä. dort versenkt worden war. Später stellte sich jedoch heraus, dass es sich um Opfergaben für die Göttin handelte, die sich über einen langen Zeitraum hier angesammelt haben mussten. Insgesamt konnten 13.487 Münzen (vier aus Gold, 184 aus Silber der Rest aus Kupferbronze) sichergestellt werden. Viele waren durch ihren langjährigen Gebrauch stark abgegriffen. Sie datierten von der frühen Regierungszeit des Augustus bis ins späte 4. Jahrhundert. Unter diesen Münzen befanden sich auch mehr als dreihundert Aes aus der Zeit des Antoninus Pius, geprägt aus Anlass der Niederschlagung einer Revolte der nördlichen Britenstämme im Jahr 155. Diese Münzen zeigten die Britannia mit gesenktem Kopf und einem Vexillum in der Hand. Die Schlussmünze stammte von 388. 3000 sehr stark abgegriffene Exemplare ließ Clayton einschmelzen und sich daraus eine Adlerskulptur („Coventinas Eagle“) für seine Bibliothek anfertigen (heute im Chesters Museum). Der Rest wurde in den 1960er Jahren dem British Museum in London übergeben.
Die übrigen Votivgaben umfassten Tierfiguren aus Bronze, Mantelfibeln (fibulae), Ringe, Perlen, Glasgefäße, zwei tönerne Räuchergefäße, in die ‚Augusta Coventina‘ eingeritzt war, und Lederreste. Darunter waren auch Metallstifte (wahrscheinlich ein Symbol für die Geburt) und Skulpturen von Pferden und Hunden. Das Pferd galt als Fruchtbarkeitssymbol, während der Hund für den Heilgott Asklepios stand. Die Artefakte befinden sich heute mehrheitlich in der Sammlung des Chesters Museum.Eric Birley 1961, S. 175–178, R. Blair 1901–1902, S. 161–164, David J. Breeze 1972, S. 81–144, Guy de la Bedoyere 1998, S. 67, J. C. Bruce 1966, S. 102.
Entwicklung 122 befahl Kaiser Hadrian, im Norden Britanniens eine Sperrmauer, verstärkt durch Wachtürme und Kastelle, vom Tyne bis zum Solway Firth zu errichten, um die britischen Provinzen vor Übergriffen der Pikten aus dem Norden zu schützen. Der Wall wurde größtenteils durch Soldaten der drei in Britannien stationierten Legionen und der Classis Britannica errichtet.
Das Lager von Brocolitia entstand mit ziemlicher Sicherheit erst nach Fertigstellung des Hadrianswalls, wahrscheinlich zwischen 130 und 132, und wurde von Angehörigen der Legio VI Victrix erbaut. Untermauert wird diese Annahme durch die Entdeckung einer Inschrift, die Sextus Iulius Severus erwähnt, jener Statthalter, der in Britannien nach 130 amtierte. Einer der Gründe dafür war die Entscheidung der Armeeführung, auch die Besatzungen der Stanegatekastelle direkt an den Wall zu verlegen. Vermutlich standen für die römischen Strategen auch die benachbarten Kastelle von Chesters und Housesteads zu weit voneinander entfernt. Das Mithräum wurde wohl am Ende des 3. Jahrhunderts bei einem Einfall der nördlichen Barbarenstämme zerstört. Diese nutzten die Rebellion der Usurpatoren Carausius und Allectus zu einem Plünderungszug aus, da die meisten Einheiten der Wallgarnisonen 296 in den Südosten marschiert war, um eine Invasion der Reichstruppen abzuwehren. Das Kastell war wahrscheinlich bis ins späte 4. Jahrhundert vom regulären Militär besetzt. Die letzten sichtbaren Reste wurden im frühen 18. Jahrhundert von Bautrupps der britischen Armee unter General George Wade (1673–1748) zur Materialgewinnung für den Bau einer Artilleriestraße (die heutige B6318) abgebrochen. Das Kastellareal ist heute in Privatbesitz, aber für Besucher frei zugänglich.J. C. Bruce 1966, S. 101.
Kastell Die Befestigung maß etwa 140 Meter (Nord-Süd) × 110 Meter (Ost-West), bedeckte eine Fläche von 1,6 ha und hatte den für die mittlere Kaiserzeit typischen quadratischen Grundriss mit abgerundeten Ecken (Spielkartenform). Die Grabungen am Ende der 1960er Jahre ergaben, dass das Lager wahrscheinlich zwei Bauphasen durchlief. Phase II konnte u. a. durch Keramikscherben in das Jahr 200 datiert werden. Es gab keine Anhaltspunkte dafür, dass es nach dem Jahr 368 noch vom Militär genutzt wurde. Der Wall bildete die Nordmauer der Festung. Im Gegensatz zu den benachbarten Reiterkastellen kragte sie aber nicht über den Wall nach Norden vor. Die Mauern waren an jeder Seite von einem Tor durchbrochen. Ost und Westtor befanden sich nicht im Zentrum der Mauer, sondern waren etwas nach Norden verschoben, da sie dem Verlauf der Wall- oder Militärstraße (gleichzeitig auch die Via principalis des Lagers) angepasst wurden. Dadurch war die retendura des Lagers etwas größer dimensioniert als bei vergleichbaren Kastellen. Das Lager überdeckte den ursprünglichen Verlauf des Südgrabens (vallum). Heute sind nur noch die Kastellplattform und einige etwa 0,5 Meter hohe Bodenerhebungen am südlichen Ende der Westmauer sichtbar.Society for Promotion of Roman Studies. The journal of Roman studies Nr. 58, 1968, S. 179.
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