Shida Bazyar (* 1988 in Hermeskeil bei Trier) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Leben und Wirken Shida Bazyars Eltern waren politische Aktivisten und flohen 1987 auf Grund der Auswirkung der Islamischen Revolution aus dem Iran. Shida Bazyar wurde als jüngstes Kind in Hermeskeil (Rheinland-Pfalz) geboren.

Sie studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim und zog anschließend nach Berlin, wo sie halbtags als Bildungsreferentin für junge Menschen tätig war, die einen Freiwilligendienst in Brandenburg machten, und die restliche Zeit als Autorin verbrachte. Zunächst veröffentlichte sie Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien. Im Rahmen der Klagenfurter Tage der Deutschsprachigen Literatur war sie 2012 Stipendiatin im Literaturkurs. Von der Heinrich-Böll-Stiftung erhielt sie ein Studien-Stipendium. Inzwischen widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben. Sie ist Gründungsmitglied des PEN Berlin.

Im Frühjahr 2016 wurde ihr von der Kritik positiv aufgenommener Debütroman Nachts ist es leise in Teheran im Verlag Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht. Das Werk wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ulla-Hahn-Autorenpreis und dem Uwe-Johnson-Förderpreis. Mithu Sanyal bezeichnete es in ihrer Laudatio zum Uwe-Johnson-Förderpreis als „ungemein wichtiges Buch“ und eine „Einübung in Empathie“. „Denn der Roman erzählt nicht nur von Flucht und dem Verlust von Heimat, sondern auch von Wurzellosigkeit in beiden Kulturen – und davon, dass dieses schwierige Verhältnis zu Wurzeln ebenfalls eine Heimat sein kann. […] Es sind deutsche Geschichten, obwohl das Buch im Iran beginnt, obwohl im Titel Teheran steht und obwohl – nein gerade weil – die Hauptfiguren darin nicht weiß sind.“ Bazyar betont, dass Nachts ist es leise in Teheran zwar autobiografische Züge habe, aber keinesfalls eine Familienbiografie sei.

In verschiedenen, 2017 entstandenen Texten setzte sie sich mit ihren subjektiven Rassismus- und Sexismuserfahrungen auseinander. So schrieb sie etwa im Februar 2017 für die Zeitung Die Welt über den sogenannten Muslim Ban (das Einreiseverbot in die USA)Shida Bazyar: Ich darf nicht mitspielen. Essay. In: Die literarische Welt, 4. Februar 2017, S. 1. und verfasste im Sommer den Text Bastelstunde in Hildesheim oder Warum ich in Hildesheim lernte dass der eine -ismus mich davon abhält über den anderen zu reden, der im Merkur veröffentlicht wurde.

Bazyars zweiter Roman Drei Kameradinnen erschien im Frühjahr 2021 und war unter anderem auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis nominiert.Für eine wissenschaftliche Beschäftigung mit Bazyars Roman vgl. Nina M. G. Ostholt: Freundschaft als Schutz Leben zwischen Integration und Rassismus in Shida Bazyars „Drei Kameradinnen“. Berlin 2023, ISBN 978-3-96138-391-7. Ebenso erhielt ihr Roman Die Lücken, zu dem sie die NS-Vergangenheit ihres Geburtsorts angeregt hat, eine Nominierung für die Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2026. Sie erhält 2026 den Wilhelm Raabe-Literaturpreis.

Werke Nachts ist es leise in Teheran. Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2016, ISBN 978-3-462-04891-9. [englische Übersetzung] Ruth Martin: The Nights are Quiet in Tehran. Scribe Us, 2025, ISBN 978-1-917189-09-5. Drei Kameradinnen. Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2021, ISBN 978-3-462-05276-3. Die Lücken. Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2026, ISBN 978-3-46200501-1

Auszeichnungen 2016: Kulturförderpreis der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, für Nachts ist es leise in Teheran 2016: Ulla-Hahn-Autorenpreis, für Nachts ist es leise in Teheran 2016: Das Debüt: Bloggerpreis-fuer-literatur, für Nachts ist es leise in Teheran 2017: Uwe-Johnson-Förderpreis, für Nachts ist es leise in Teheran 2019: Nominiert für den dreisprachigen Euregio-Schüler-Literaturpreis 2019, für Nachts ist es leise in Teheran 2021: Longlist zum Deutschen Buchpreis, mit Drei Kameradinnen 2023: Ernst-Toller-Preis 2026: Shortlist des International Booker Prize, für Nachts ist es leise in Teheran 2026: Shortlist zum Deutschen Buchpreis, für Die Lücken 2026: Wilhelm Raabe-Literaturpreis für Die Lücken

Weblinks

Shida Bazyar auf der Website des Verlages Kiepenheuer & Witsch In beiden Städten kann man schön pöbeln. Interview von Ulf Lippitz und Björn Rosen mit Shida Bazyar. In: Der Tagesspiegel. 16. März 2016

Einzelnachweise

Kategorie:Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung Kategorie:Mitglied im PEN Berlin Kategorie:Autor Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1988 Kategorie:Frau