mini|Die Handley Page Halifax W7710, der später in der Nacht vom 1. zum 2. Oktober 1942 nach einem Luftangriff auf Flensburg bei Niehuus abstürzte.Rafinfo. Volume 3 1942 Amendments and Additions, abgerufen am: 26. April 2016.
Die Luftangriffe auf Flensburg durch die Alliierten hatten zum Ziel, die Stadt Flensburg während des Zweiten Weltkrieges weitgehend zu zerstören. Nur auf Grund verschiedener Probleme während der 41 geflogenen Luftangriffe wurden die Pläne letztlich nicht umgesetzt. Dennoch starben 176 Bewohner der Stadt, 251 Bewohner wurden verletzt. 119 alliierte Soldaten starben bei den Luftangriffen. Das Glück und der Zufall, welche dazu führten, dass die Fördestadt weitgehend verschont blieb, führten zu verschiedenen Legendenbildungen.Flensburg – Geschichte einer Grenzstadt. Hrsg. von der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Flensburg 1966, S. 452.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 168 und 212.
Gefährdungslage Adolf Hitler begann bereits unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 mit den Kriegsvorbereitungen. Die größten Städte wurden von der deutschen Regierung daher im Geheimen schon früh nach ihrer Gefährdungslage hinsichtlich möglicher Luftangriffe in drei Kategorien unterteilt. Flensburg mit seinen in der Neustadt und Nordstadt gelegenen Kasernen (Duburg-Kaserne, Junkerhohlweg-Kaserne, Panzerkaserne, Grenzland-Kaserne), dem wichtigen Marinestützpunkt in Mürwik, der Flensburger Werft sowie der Anflugsmöglichkeit über die Nordsee wurde wie Kiel und Lübeck der Gefährdungsstufe I zugeordnet, womit Flensburg einen höheren Geldbetrag für die eingeleiteten Luftschutzmaßnahmen erhielt. Der Luftschutz wurde auf verschiedenen Ebenen ausgebaut.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 28. In der Folgezeit entstanden Bunker und Schutzräume.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 44 ff. Am 11. Dezember 1933 wurde in Flensburg dementsprechend auch eine Luftschutzschule in der ehemaligen katholische Schule im Nordergraben, neben der Katholischen Kirche eröffnet,Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 408.Flensburg Journal: Flensburger Straßen und Stadtteile. Von der Lagerschule Weiche ins Rathaus, vom: 29. August 2013; abgerufen am: 23. Januar 2017. um Luftschutzwarte auszubilden.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 22.Das Schulgebäude wurde nach dem Krieg abgerissen. Es stand südlich, nahe der Kirche; verdeckte damit das Hauptportal der Kirche. Dort, wo das Gebäude stand, befindet sich heute ein Parkplatz.
Die einzelnen Luftangriffe Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 wurde der zivile Luftschutz in Bereitschaft versetzt und es wurde die Verdunkelung der Häuser zur Nacht angeordnet. An verschiedenen Stellen der Stadt wurden Luftschutzgräben ausgehoben.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 409. Die ersten elf Monate des Krieges blieb Flensburg verschont vor Luftangriffen.Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg! Flensburg 2009, Artikel: Luftkrieg. Im Jahr 1940 kam es zu drei Luftangriffen, von denen nur einer erfolgreich für die angreifenden Briten war. Im Folgejahr wurden weitere 14 Luftangriffe geflogen.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 98. Bis zum Jahresende 1941 fielen jedoch nur 61 Spreng- und 373 Brandbomben auf die Stadt, von denen 40 als Blindgänger endeten, und die fünf Tote und 21 Verletzte zur Folge hatten.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 101. Erst 1942, als die Alliierten nach dem Kriegseintritt der USA zunehmend die Lufthoheit über Deutschland erlangten, begann auch die eigentliche Phase des Luftkrieges über Flensburg. Während des weiteren Kriegsverlaufes geriet das militärisch bedeutende Flensburg nach und nach immer mehr in den Planungsfokus für einen möglichen Großangriff. Hauptsächliches Angriffsziel war die Flensburger Werft, wo U-Boote produziert wurden. Durch fehlgeschlagene britische Angriffe mit erheblichen britischen Verlusten wurden im Sommer 1942 17 Flensburger getötet und 53 verletzt. Hätten damals die britischen Maschinen mit korrekter Navigation und ohne eigene Verluste Flensburg plangemäß bombardieren können, wäre die Stadt wohl schon Ende 1942 weitgehend zerstört gewesen.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 124. Doch das Glück sollte die Stadt auch in der Folgezeit nicht verlassen. So ist auch die heute noch verbreitete Ansicht falsch, dass nach dem schweren Tagesangriff durch US-amerikanische Bomber am 19. Mai 1943 die Stadt kein Angriffsziel mehr gewesen sei.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 151. Der größte Luftangriff auf die Stadt sollte vielmehr am 23. April 1945 erfolgen. Doch erst die Luftangriffe vom 2./3. Mai 1945 und 4. Mai 1945 forderten die letzten Opfer.
Luftangriffe 1940 Erster Luftangriff am 20. August 1940 in Weiche Am 20. August 1940 um 2 Uhr, mitten in der Nacht, fand der erste Luftangriff der Briten auf Flensburg statt. Es entstand nur ein geringer Sachschaden.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 196. Getroffen wurde lediglich ein Gartengelände in Flensburg-Weiche hinter den Häusern Alter Husumer Weg 146/148. Es gab keine Toten oder Verletzte. Das eigentliche Ziel wurde offenbar verfehlt.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 96.
Luftangriff am 11. Oktober 1940 um Mitternacht beim Flensburger Hafen Beim Luftangriff vom 11. Oktober 1940 fielen um Mitternacht zwei Sprengbomben ins Wasser des Flensburger Hafens. Abermals wurde offenbar ein Ziel in der Stadt Flensburg verfehlt.
Des Weiteren wurde im Oktober 1940 im acht Kilometer westlich von Flensburg gelegenen Ort Ellund der Hof von Johannes Möller durch eine Brandbombe getroffen. Die Wirtschaftsgebäude des Hofes brannten vollständig nieder. Nordwestlich von Ellund befand sich in der Weltkriegszeit der „Scheinflugplatz Ellundfeld“ und nordöstlich von Ellund der „Scheinflugplatz Frösleefeld“. Die beiden Scheinflugplätze sollten die Luftangriffe auf Flensburg behindern. Auf Ellunder Gebiet gingen während des Weltkrieges 368 Bomben nieder.Kirchspiels Handewitt (Hg.): Chronik des Kirchspiels Handewitt, 1990 Leck, S. 299.Anden verdenskrig langs grænsen. Attrapflyveplads på Frøslev Mark beziehungsweise (Googelübersetzung der Seite)
mini|Zerstörte Scharnhorstlagerbaracke nach dem Luftangriff im November 1940
Erster erfolgreicher Luftangriff der Briten am 20. November 1940 Am 20. November 1940 fand ein Luftangriff auf die Schiffbrücke und das im Stadtteil Westliche Höhe an der Westerallee gelegene Scharnhorstlager der Marine statt.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 97. — Das im Januar 1939 errichtete Scharnhorstlager umfasste 27 Baracken.Gerhard Paul u. Broder Schwensen (Hrsg.): Mai '45. Kriegsende in Flensburg, Flensburg 2015, S. 165.Flakstellung Scharnhorstlager. Mit Plan vom Lager, abgerufen am: 28. Juni 2018. In dem Lager soll offenbar zeitweise das Ersatzbataillon Infanterie Regiment 26 stationiert gewesen sein.Geschichtsspuren. Panzerkaserne Flensburg, abgerufen am: 28. Juni 2018. Das Lager diente zudem damals wohl der Signalerausbildung der Marine.Familie Tenhumberg. Cabolet Servais, abgerufen am: 27. April 2016. Heute befindet sich dort das Sportplatzgelände des Polizei-Sportverein Flensburg (PSV Flensburg). Eine der Lagerbaracken blieb im Übrigen umgebaut als Jugend- und Sportheim des PSV bis heute erhalten., abgerufen am: 27. April 2016. — Abgeworfen wurden beim November-Angriff sechs Sprengbomben und 28 Brandbomben. Das Lagerstabsgebäude des Scharnhorstlagers war fast gänzlich zerstört. Es starben zwei Marinesoldaten. Sechs Marinesoldaten und zwei Putzfrauen wurden verwundet. An der Schiffbrücke wurde ein Bürger von Splittern eines Flakgeschützes getroffen. Ein Blindgänger lag bei den Häusern Westerallee 108/110.
Luftangriffe 1941 Luftangriff am 9. Januar 1941 beim Friedenshügel Zwei britische Bomben hinterließen jeweils einen Krater beim Friedhof Friedenshügel. Zwölf Fenster bei der nahegelegenen Straße Boreasmühle wurden beschädigt.Vgl. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 435.
Luftangriff eines Einzelfliegers mit Brandbomben am 19. März 1941 Ein Einzelflieger warf zwei Sprengbomben und 110 Brandbomben über der Südstadt ab. Die Eisenbahnlinie Flensburg-Schleswig wurde unterbrochen. Im Haus Husumer Straße Nr. 60 kam es nur zu einem Zimmerbrand.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 99.
Überflug in der Nacht vom 7./8. April 1941 Es kam in besagter Nacht zu einem Überflug, ohne Bombenabwurf. Eine abgeschossene Flakgranate verletzte einen Bürger bei der Kanzleistraße.
Luftangriff vom 16. April 1941 bei der Mühlenstraße 1 Während des Luftangriffes wurden 12 Sprengbomben und 15 Brandbomben abgeworfen, von denen fünf als Blindgänger zu Boden gingen. Durch den Angriff wurde das Mühlerhaus, Mühlenstraße 1 erheblich beschädigt. Das dortige Hausmädchen wurde getötet und drei Personen verletzt. Bombensplitter beschädigten noch weitere Gebäude.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, S. 420 f.Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 100.
Das Haus Mühlenstraße 1 ist heute eines der Kulturdenkmale des Stadtteils Westliche Höhe.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, S. 420.
Erfolgloser Brandbombenangriff am 25. April 1941 Zehn Brandbomben fielen westlich der Stadt auf freies Gelände.
Luftangriff mit Brandbomben auf den Bahnhof Flensburg-Weiche am 26. April 1941 Drei Sprengbomben und fünf Brandbomben trafen den Bahnhof im Stadtteil Weiche. Es wurden Waggons und Gleisanlagen beschädigt und zerstört. Ein Soldat und ein Eisenbahner wurden verwundet.
Flurschäden durch Abwürfe am 9. Mai 1941 in Schäferhaus Vier Sprengbomben und 70 Brandbomben wurden im Bereich Schäferhaus abgeworfen. Sie richteten nur geringe Flurschäden an.
Folgenlose Abwürfe vom 26. Mai 1941 bei der Fuchskuhle Abwürfe von fünf Sprengbomben auf den Bereich Fuchskuhle blieben ohne Folge.
Folgenlose Abwürfe am 25. Juli 1941 im Hafen und dem Klueser Wald Vier Sprengbomben und fünf Brandbomben fielen in den Hafen im Klueser Wald nieder. Sie verursachten nur Flur- und Glasschäden.
Weitgehend folgenlose Abwürfe am 9. August 1941 über Kauslund und dem Hafen Spreng- und Brandbomben wurden über Kauslund und dem Hafen abgeworfen. Ein Zivilist wurde dabei durch Flaksplitter verletzt.
Folgenlose Abwürfe am 16. September 1941 nahe dem Friedenshügel Spreng- und Brandbomben wurden beim Bereich Friedenshügel abgeworfen.
Luftangriff vom 22. September 1941 auf den Freihafenbereich Drei Sprengbomben und 30 Brandbomben trafen den Flensburger Freihafenbereich bei Kielseng. Dort wurden ein Silo, ein Packhaus, zehn Häuser sowie ein Güterwagen der Flensburger Hafenbahn getroffen und beschädigt. Einen Tag später traf die Leichte Reserve-Flak Abteilung 755 von Westerland zu Verstärkung der Luftverteidigung Flensburgs ein.
Einzelfliegerabwürfe beim Wohnschiff Patria vom 26./27. Oktober 1941 Ein versprengter Einzelflieger warf zwei Sprengbomben nahe dem Wohnschiff Patria beim Marinehafen in Mürwik ab, die keine Schäden verursachten.