__NOTOC__ mini|Massenstrandung von Grindwalen vor Cape Cod, 1902 mini|Gestrandetes Kalb eines Buckelwals in Alaska (2005) mini|Gestrandete Grindwale in Neuseeland (2006)

Unter einer Walstrandung versteht man das unbeabsichtigte Auflaufen eines Wals auf den Strand oder eine Untiefe aufgrund einer Störung des Echolotsystems der Meeressäuger, verursacht durch Schifffahrt, Fischfang, Verschmutzung, Klimawandel oder auch durch militärische Operationen. Am bekanntesten sind Massenstrandungen von Grind- und Pottwalen, bei denen mindestens drei Tiere zeitgleich an einem Küstenabschnitt stranden.

Mögliche Ursachen Die Ursachen von Walstrandungen (Massen- oder Einzelstrandungen) werden seit den 1980er Jahren erforscht und setzen sich meist aus mehreren Faktoren zusammen,D. O Cordes (1982): The causes of whale strandings. New Zealand Vetenarian Lournal 1982 Mar;30(3):21-4. doi:10.1080/00480169.1982.34865 hierzu zählen:

Klimatische Bedingungen, einschließlich Witterungsbedingungen, veränderter Meeresströmungen und Wassertemperaturen (z. B. aufgrund von Klimaphänomenen wie El Niño»Surreale Szenen« Rätselhafte Massenstrandung von Walen in Tasmanien Der Spiegel, abgerufen am 30. März 2023) Biologische Gründe, z. B. gesundheitliche Gründe (Infektionen, Parasitenbefall oder Verletzungen, z. B. durch Kollisionen mit Schiffsschrauben). Verhaltensbiologische Gründe; Tiere folgen, aufgrund der starken emotionalen Bindungen innerhalb einer Gruppe, einem gestrandeten Tier, fliehen vor Feinden oder reagieren auf Stress, indem sie die Küste ansteuern Fehlnavigation des Anführers Beeinträchtigung des Lebensraumes durch toxische Kontaminationen innerhalb der Nahrungskette, sowie Unterwasserlärmverschmutzung des Wasserschalls durch Schiffsverkehr, seismische Untersuchungen und militärische Sonarexperimente. Störung des Magnetsinns durch natürliche Anomalien im Magnetfeld der Erde

Behauptungen, nach denen Offshore-Windparks die Ursache seien, werden von Seiten der Wissenschaft als irreführend eingestuft und betont, dass es „keinen erwiesenen Zusammenhang zwischen den Anlagen und den Todesfällen gestrandeter Wale gibt.“ In Australien führten solche Falschinformationen im Jahr 2023 dazu, dass Bürger, Politiker und Fischereivertreter gegen den Ausbau australischer Windfarmen mobilisierten.

Historisches Seit Ende des 16. Jahrhunderts sind in der Nordsee Pottwale gestrandet. Diese traten vor allem in den Wintermonaten zwischen November und Februar in der Zeit der männlichen Südwanderung auf.Joseph G. Schnitzler, Marianna Pinzone, Marijke Autenrieth, Abbo van Neer, Lonneke L. IJsseldijk, Jonathan L. Barber, Rob Deaville, Paul Jepson, Andrew Brownlow, Tobias Schaffeld, Jean-Pierre Thomé, Ralph Tiedemann, Krishna Das, Ursula Siebert: Inter-individual differences in contamination profiles as tracer of social group association in stranded sperm whales. In: Scientific Reports. 8, 2018, doi:10.1038/s41598-018-29186-z.

Historisch galten gestrandete Wale in Europa häufig als wirtschaftlich verwertbare Ressource; ihre Bergung führte nicht selten zu lokalen Auseinandersetzungen um die Nutzung des Kadavers.

Seit den 1990er-Jahren treten Walstrandungen im Zusammenhang mit militärischen Sonartests gehäuft auf.Barth, Volker: Warum stranden Wale? (Sounds of the Seas). Dokumentarfilm, 2008. https://www.youtube.com/watch?v=8IE1ngGaxGY Im Dezember 2001 räumte die US Navy eine Mitschuld an der Strandung und dem Tod mehrerer Meeressäuger im März 2000 ein.heise.de: U-Boot-Ortungsgerät tötet Wale vom 14. Januar 2002, abgerufen am 2. September 2013. Der von ihr mitverfasste Zwischenbericht kommt zu dem Schluss, dass die Tiere durch das aktive Sonar einiger Navy-Schiffe getötet oder verletzt wurden. Generell wird Unterwasserlärm, der noch immer im Zunehmen begriffen ist, vermehrt für Strandungen verantwortlich gemacht, da er die Kommunikation und den Orientierungssinn der Tiere beeinträchtigt.Ocean Noise Coalition, 26. November 2007

Auch der Klimawandel scheint durch die Beeinflussung der großen Windsysteme der Erde und damit des Verlaufs der Meeresströmungen zu Walstrandungen zu führen. Mark Hindell und sein Team von der University of Tasmania in Hobart untersuchten Walstrandungen an der Küste von Tasmanien zwischen 1920 und 2002 und stellten fest, dass in gewissen zeitlichen Abständen jeweils größere Strandungsereignisse vorkamen.New Scientist, 26. Juli 2004 In den Jahren mit einer zehnfachen Anzahl von Strandungsereignissen wurde auch das Auftreten von starken Stürmen registriert, welche die Kaltwasserströmungen vermehrt in Küstennähe leiteten. In nährstoffreichem, kaltem Wasser finden Wale besonders viele Beutetiere, weshalb sie den Kaltwasserströmungen folgten und damit in diesen meteorologisch außergewöhnlichen Jahren in seichtere Gewässer gelangten als sonst, wo die Gefahr für Strandungen höher ist.

Da viele Wale und Delfine in Gruppenverbänden leben, folgen oder begleiten sie oft kranke oder geschwächte Tiere in seichte Gewässer, was bei Ebbe zu Massenstrandung führen kann.

Umgang mit gestrandeten Walen Einmal gestrandet, werden vor allem Großwale von ihrem eigenen Körpergewicht erdrückt, wenn sie nicht rechtzeitig ins tiefere Wasser zurückgelotst werden können.https://hmcoastguard.uk/news/why-cant-beached-whales-just-go-back-sea-your-stranding-questions-answered Zudem ist die Regulation der Körpertemperatur bei einem gestrandeten Wal nicht mehr gewährleistet und es besteht die Gefahr der Überhitzung.

Da die Kadaver gestrandeter Wale Gase bilden und es so zu einer Walexplosion kommen kann, ist es sowohl aus Sicherheitsgründen als auch aus gesundheitlicher Sicht sinnvoller, gestrandete Walkadaver wieder ins Meer zu schleppen und sie dort zu versenken. Insbesondere bei Massenstrandungen wirkt man so auch einer möglichen Ausbreitung von Mikroorganismen entgegen, die sich bei der Verwesung bilden.Whale strandings: what happens after they die and how do authorities safely dispose of them? The Guardian, abgerufen am 30. März 2023.

Forscher verwenden mittlerweile hochauflösende Satellitenkameras, um Massenstrandungen in dünn besiedelten und unbewohnten Gebieten rechtzeitig zu bemerken und Rückschlüsse hinsichtlich der Ursachen ziehen zu können. Alle festgestellten Massenstrandungen werden darüber hinaus genau erfasst und kartiert. Auch bei der im September 2020 eingetretenen Massenstrandung von Grindwalen vor Tasmanien wurde das Ereignis entdeckt, als erst 270 Tiere (von insgesamt etwa 470) gestrandet waren, so dass noch über 100 Wale gerettet werden konnten.P. J. Clarke, H. C. Cubaynes, K. A. Stocking et al. (2021): Cetacean Strandings From Space: Challenges and Opportunities of Very High Resolution Satellites for the Remote Monitoring of Cetacean Mass Strandings. Front. Mar. Sci., 18 November 2021, Sec. Ocean Observation, Vol. 8 doi:10.3389/fmars.2021.650735Helfer bargen letzten überlebenden Wal vor Tasmanien. In: orf.at. 27. September 2020, abgerufen am 27. September 2020.

Nach einer Strandung eines Timmy genannten Buckelwals auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht (Ostsee) am 24. März 2026, wurde mittels schwimmender Bagger, auch einem Saugbagger, Sand land- und seeseitig des Wals abgegraben und damit die Wassertiefe vergrößert. Der Wal kam vom Aufsitzen auf Grund los. Ein Schnorchler und mehrere Schlauchboote geleiteten den Wal.

Konkrete Fälle

mini|Schon früh wurden Walstrandungen auch in der Kunst zum Thema wie hier bei Esaias van de Veldes Gestrandetem Wal mit eleganten Betrachtern zwischen Scheveningen and Katwijk, ca. 1617

3. Dezember 1723: Strandung von 21 Pottwalen nahe der Insel Neuwerk in der Elbmündung. Der zeitgenössische Bericht des Apothekers und Naturforschers Johann Heinrich Linck wurde später von der Zoologin Erna Mohr ausgewertet. 1918 strandeten rund 1000 Wale auf den ChathaminselnFast 100 Grindwale an Neuseelands Küste verendet. In: derstandard.at, 25. November 2020, abgerufen am 25. November 2020. Ende März 1996 strandeten und verendeten 16 Pottwalbullen auf der dänischen Nordseeinsel Rømø. 15./16. März 2000 strandeten auf den Bahamas insgesamt 17 Wale und Delfine. Sieben starben. Stunden zuvor hatten Schiffe der US Navy aktives Sonar mittlerer Reichweite verwendet. Vier der gestorbenen Wale wurden untersucht: Drei zeigten Blutungen im Innenohr, einer im Gehirn.heise.de: U-Boot-Ortungsgerät tötet Wale 14. Januar 2002, abgerufen am 2. September 2013. Walstrandungen an der Nordseeküste 2016 Walstrandungen in Haast (Neuseeland) 2017/18 Walstrandungen in Stewart Island (Neuseeland) 2018

Januar bis Ende Mai 2019 strandeten rund 70 Grauwale in Kalifornien, Oregon, Washington und Alaska – ähnlich viele zuletzt im Jahr 2000Rätseln über Ursache: 50 tote Grindwale auf Island entdeckt. In: orf.at, 20. Juli 2019, abgerufen am 20. Juli 2019.

18. Juli 2019: 50 Grindwale wurden (tot im Sand) am Strand Löngufjörur auf der Halbinsel Snaefellsnes nördlich von Reykjavík, Island, entdeckt Vom 29. August bis 23. November 2019 wurden 24 tote Schweinswale im Fehmarnbelt nach einer militärischen Minensprengung tot aufgefunden. Allein in der Woche nach der umstrittenen NATO-Übung ab Ende August wurden 18 der Meeressäuger an den Küsten entlang der Eckernförder, Kieler und Lübecker Bucht angespült. 10 Exemplare aus der von einem Forschungsteam der TiHo untersuchten streng geschützten Ostsee-Population wiesen Frakturen der Mittelohrknochen sowie Blutungen im Gehörapparat und im Unterkiefer auf. Im September 2020 strandeten 470 Grindwale bei Macquarie Harbour, Tasmanien, Australien, 110 davon konnten gerettet werden

Im November 2020 strandeten 97 Grindwale auf den zu Neuseeland gehörenden Chathaminseln im Südpazifik

19./20. April 2021: Ein toter Buckelwal (schwedisch: knölval) wurde im flachen Wasser vor der schwedischen Ostseeinsel Öland nahe dem Leuchtturm Segerstad entdeckt. Davor wurde das Tier bereits vor der Nachbarinsel Gotland gesichtet. Biologen der Staatlichen Veterinär-medizinischen Anstalt (Statens veterinärmedicinska anstalt (SVA)) entnahmen Gewebeproben des rund 8,90 m langen Buckelwalkalbs. Da keine Obduktion stattfand, war eine eindeutige Todesursache nicht nachzuweisen. Experten vermuten jedoch Unterernährung oder eine Schiffskollision. Anfang Mai 2021 wurde der Walkadaver auf Behördenbeschluss geborgen und in einem Spezialcontainer zur endgültigen Beseitigung durch Verbrennen nach Dänemark abtransportiert.

20. bis 30. August 2021: Massenstrandung von rund 190 toten Schweinswalen an den Stränden der westfriesischen Inseln im niederländischen Wattenmeer. Anhaltender, tagelanger Nordwind trieb die Kadaver der Tiere, die vermutlich nahe der Doggerbank verendet waren, zeitgleich an die Küsten. Besonders die Inseln Ameland mit über 50 und Schiermonnikoog mit etwa 20 Funden waren betroffen. Als Hauptursache wiesen Biologen der tiermedizinischen Fakultät der Universität Utrecht eine akute bakterielle Infektion nach, die bei den Walen eine tödliche Blutvergiftung auslöste.

Im September 2022 strandeten in der Bucht Macquarie Harbour, Tasmanien erneut rund 230 Grindwale am Ocean Beach.

8. Oktober 2022: etwa 477 Grindwale verendeten im Oktober an zwei neuseeländischen Stränden; 232 Grindwale auf Chatham Island und am 10. Oktober 2022 wiederum 245 Grindwale auf der benachbarten Pitt Island, Neuseeland. Kein Tier überlebte, trotz Rettungsversuchen, ein Teil der Wale musste eingeschläfert werden.Massenstrandung. 477 Wale an zwei neuseeländischen Stränden verendet. RND Redaktionsnetzwerk Deutschland, 12. Oktober 2022, abgerufen am 27. September 2023.