Die Liste der Kinos in Berlin-Prenzlauer Berg gibt eine Übersicht aller Kinos, die im heutigen Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg existiert haben oder noch existieren.KinoWiki: Prenzlauer Berg – Grundlage der Liste und Film- und Kino-Adressbuch – dortige Recherche-Quelle

Einleitung Der bis Mitte des 19. Jahrhunderts landwirtschaftliche Norden innerhalb der Weichbildgrenzen Berlins entwickelte sich bis 1900 zum bevölkerungsreichen Arbeiterbezirk, auf Brauereigelände entstanden aus Biergärten Vergnügungsstätten. Mit dem Aufkommen der Kintöppe siedeln sich ab 1907 Ladenkinos mit Bierbüffet entlang der Ausfallstraßen an. Die Einkaufs- und Vergnügungsmeile der Schönhauser Allee, an der Prenzlauer Allee und der Neuen Königs-/ Greifswalder Straße. Oft wurde in Neubaumietshäusern im Erdgeschoss das Ladenkino mit eingebaut, andere werden in schlecht laufende und verwinkelte Gastwirtschaften hinein eröffnet. Zu den 1930er Jahren hin steigen die Ansprüche, es entstehen eigenständige Kinobauten der Lichtspielhäuser und die notwendige Umstellung auf Tonfilmtechnik führt zu Umbauten an den Ladenkinos. Kleinkinos gehen in die Hand von Kinounternehmern. Besitzerwechsel in den nördlichen und östlichen Vororten, nach 1920 den Verwaltungsbezirken fanden häufiger als im Westen (Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf) statt. Zu den kleineren erfolgreichen Kinos gehörten: Mila, Skala, Roxy und Schauburg am Arnimplatz. Um 1930 bestehen sieben „Kinopaläste“ im Ortsteil, damals dem Innenstadtbezirk Prenzlauer Berg: UFA-Palast Königstadt, Prater, Filmpalast Puhlmann, Märchenbrunnen, dazu kommen das Colosseum, das FaF (Filmtheater am Friedrichshain) und das Elysium.

Inflationszeit und Wirtschaftskrach von 1929 fanden in den Besitzerwechseln bei einigen Kinos ihre Widerspiegelung. Die Kinos in jenen bei den Luftangriffen verschonten Häusern wurden noch (meist privat) bis ans Ende der 1950er Jahre geführt. Der VEB Berliner Filmtheater (später als Bezirksfilmdirektion strukturiert) führte einige weiter. Die in den 1950er Jahren renovierten größeren Kinos blieben bestehen. Das in der unmittelbaren Nachkriegszeit vom Metropol-Theater genutzte Colosseum wurde nach seiner Rekonstruktion ab 1957 zeitweise zum DEFA-Erstaufführungskino. Nach der politischen Wende von 1990 nahmen Kinoaktivisten die Gelegenheit und eröffneten auch im Ortsteil Konzeptkinos neu, teils an vorherigen Kinostandorten. Kinotradition oder Denkmalauflagen (FaF, Colosseum) schützen wohl manchen Standort oder Konzepte wie bei der Spielstätte im Zeiss-Planetarium führen zur Sicherung der notwendigen Besucherzahl.

Kinoliste

Name/Lage Adresse Bestand BeschreibungBilderApollo-Theater----Schönhauser Lichtspiele ()Schönhauser Allee 1101909–1921Im Kino-Wiki ist 1929 als Jahr der Schließung eingetragen, es sind jedoch keine Belege dafür vorhanden.140px|rechts|Ehemaliger Kinobereich, 2016 Die Zeitungsmeldung in Der Kinematograph (Jahrgang 1909) lautete: „Privatier David Heimann, Chodowieckistraße 31, wird im Oktober in der Schönhauser Allee 110 ein Kinematographen-Theater eröffnen.“Der Kinematograph. Erste Fachzeitschrift für die gesamte Lichtbild-Kunst. Nummer 144/1909 Im Adressbuch 1910 ist David Heimann als Kinematographen-Theaterbesitzer im Parterre der Schönhauser Allee 110 eingetragen, zeitgleich wohnte der Kinematographen-Besitzer M. Gutermann in diesem 32-Mieter-Wohnhaus, in dem sich zudem ein „Kaisers Kaffeegeschäft G.m.b.H.“ befand. Laut Adressbuch 1913 hält der „Kinematographen Theater Betreiber“ David Heimann seine kinematographischen Vorstellungen in der Schönhauser Allee 105 Parterre ab und seine Wohnung lag in Pankow, Berliner Straße 76 II. Aufgang. 1914 und 1915 ist er unter Schönhauser Allee 129 II./III. Aufgang notiert, 1916 ist die Wichertstraße 19 aufgenommen. Im Jahr 1917 erfolgte die Namensänderung zu „Kinotheater“ und im Folgejahr ist Emil Crahe Inhaber der „Schönhauser Lichtspiele“ mit 260 Plätzen.Nach dem Eintrag im Kinoadressbuch ist Crahe Inhaber, Emil Crahe findet sich allerdings 1917 und 1918 weder unter Schönhauser Allee 110 noch unter den Einwohnern Berlins, wohl aber der Kaufmann David Heimann aus der Wichertstraße 19 II. Siehe beispielsweise 1918 Nummer 4357, in Teil III, auf S. 730. Seit 1920 bis zur Schließung im FolgejahrIm Adressbuch 1921 (IV. Teil S. 254) lautet der Eintrag: „Thiele & Henning, N 113 Schönhauser Allee 110“. Im Jahr zuvor: unter 1920 Adressteil wurde Rosenthaler Straße 4 eingetragen: „Thiele, Lichtspiel-Theater“. Im Gewerbeteil unter Kinematographische Vorstellungen (IV. Teil, S. 238): „Thiele, C 54 Rosenthaler Str. 4“, wo er die Sommer-Lichtspiele führte. bestand (für die Schönhauser Allee 110) der Name „Apollo-Theater“ für die Karl Henning aus Weißensee als Inhaber angegeben wurde. Das Theater wird täglich bespielt und 1900Es könnte ein Lesefehler sein: 00 statt 09. ist als Gründungsjahr im Kinoadressbuch genannt.Kino Wiki: Apollo-Theater Die Adresse Schönhauser Allee 110 ist nach 1921 weder im Kino-Adressbuch, noch im Berliner Adressbuch einem Kino zugeordnet.

Das Gebäude an der Schönhauser Allee 110 ist erhalten mit Ladengeschäften im Erdgeschoss. Zum Mietshaus gehört ein Quergebäude und das I. und II. Hinterhaus auf der Grundstücksfläche von 17 m × 50 m. Kriegsschäden entstanden im Inneren der Mietskasernen, wodurch nach der Beräumung von Tuinen und Trümmern Innenhöfe frei wurden.Der Tagesspiegel: Interaktiver Luftbildvergleich 1928 zu 2015. Bereich des Karee Arnimplatz / Schönhauser Allee zwischen Wichert- und Paul-Robeson-Straße.Arnim-Lichtspiele ()Schivelbeiner Straße 361909–1942140px|rechts|Unbebaut gebliebenes Grundstück 36 zwischen Neubau und Kaufhalle, 2016 Das Gebäude lag am Südrand vom Arnimplatz. Das Kino war noch 1941 im Telefonbuch als Lichtspieltheater genannt. Bis 1910 lag das „Wohnhaus 36“ an der Ecke Schönfließer Straße, als die Lage der Grundstücke geänderte wurde, erhielt das Eckhaus 36 (mit Schönfließer Straße 5) die Nummer 34 und das vorherige Grundstück 38 wurde zu Schivelbeiner Straße 36. Noch 1908 waren 37, 38 Baustelle und 39, 40 Neubau. Die Mietshäuser 34–37 wurden bei alliierten Luftangriffen zerstört, wodurch der Kinobetrieb endete. Die Schivelbeiner Straße hieß zwischenzeitlich 1971–1993 Willi-Bredel-Straße.

1909 wurde von den „Gebr. Bartlog“ im Erdgeschoss des neuerbauten Hauses 38 (wurde → 36) ein Ladenkino für Stummfilmvorführungen mit 180 Plätzen eingerichtet. Der Ernst Papin wohnte im Haus 34, Der Kinematographenbesitzer Fritz Bartlog zog 1910 in das Haus 36.Teilhaber der Firma „Gebrüder Bartlog“ waren die Kinobesitzer Fritz Bartlog aus N 31 Brunnenstraße 84 und Heinrich Bartlog aus N 113 Driesener Straße 24, Firmensitz und Kino lagen in N 58 Lychener Straße 102 Parterre. Im Kino der Bartlogs gab es tägliche Vorstellungen. Fritz Bartlog zog 1914 in das Nachbarhaus 37 Hinterhaus II.Stock, Heinrich wurde Fabrikarbeiter 1915 ist Fritz nicht unter den Einwohnern notiert und übernahm (wohl) seinen Militärdienst im Ersten Weltkrieg.Im Adressbuch 1916 und 1917 sind die Fabrikarbeiter Paul und Heinrich Bartlog notiert. 1916 war Paul Bartlog (Fabrikarbeiter) in die Wohnung Schivelbeiner Straße 37 eingezogen, er betrieb das Kino noch bis 1918. Im folgenden Adressbuch von 1920 wurden die Bartlogs zum Kino nicht mehr genanntPaul war auch nicht unter den Einwohnern, Heinrich hatte sich zum Operateur qualifiziert., der Gastwirt Volkmann wurde im Haus angegeben. Für das Jahr 1922 und 1923 war der Kinobesitzer Erich Richter mit kinematographischen Vorstellungen im Haus aufgeführt. Das Kinoadressbuch nannte für 1924 Paul Kümritz mit einem Kino für 171 Zuschauer, der Kinobesitzer Erich Richter wohnte Gethsemanestraße 5 II. Stock, 1925 war er Theaterbesitzer ohne den Kinobesitz in der Schivelbeiner Straße. Daraufhin war ab 1926 Arthur WeißNach Kinoadressbuch ist Arthur Weiß angegeben. Im Adressbuch 1927/5948/ + 1928/6068/ + 1928/3783/ war dagegen O. Weiß im Haus 36 als Kinobesitzer eingetragen. mit Wohnung im Erdgeschoss des Hauses der Besitzer des Kinos mit 171 Plätzen und täglichen Vorstellungen. Dessen Pächter und Vorführer wurde in den Jahren 1928–1931 Paul Ringel.

1932 erfolgte der Einbau der Einrichtungen von Klangfilm zur Vorführung von Tonfilmen unter dem Inhaber Arthur Weiß. Daraufhin kam Alfred Voll 1933 als Besitzer des Kinos ins Haus. Er erweiterte die Anzahl der Plätze noch von 180 auf 187 betrieb das Kino bis zur wegen der Bombenschäden notwendigen Schließung des Kinos.Kino Wiki: Arnim-Lichtspiele Das Wohnhaus und die Nachbargebäude wurden durch Bombenschäden zerstörtGebäudeschäden 1945 und es verblieb nach der Enttrümmerung eine Brachfläche. Auf der Willi-Bredel- /Ecke Schönfließer Straße entstand in den 1960er Jahren eine Lebensmittel- und eine Industriewarenkaufhalle. In den 2010er Jahren wurde ein Wohnhausneubau auf dem Grundstück 34 und 35 neben der sanierten Lebensmittelkaufhalle (Schivelbeiner Straße 38) errichtet. Das vormalige Kinogrundstück 36 mit Vorder- und Hinterhaus, zwei Quergebäuden und dadurch zwei Hinterhöfen wurde teilweise vom Neubau 35 überbaut und bildet daneben den Durchgang zur Dänenstraße.Atlas ()Greifswalder Straße 811949–1971140px|rechts|Erdgeschoss – nun Schaubude Das vormalige Karstadt-Kaufhaus blieb im Krieg unbeschädigt. Im Erdgeschoss des (enteigneten) Eckhauses wurde Ende der 1940er Jahre von Erich Müller 1949 unmittelbar am S-Bahnhof Greifswalder Straße das Kino eingerichtet. Es bestand bis 1971 unter dem den Namen Filmbühne Atlas. Im Branchentelefonbuch 1971 ist das Atlas in 1055 Berlin Greifswalder Straße 81 (Telefon 531343) noch eingetragen. Das Filmtheater hatte eine Kapazität von 587 Plätzen und wurde mit drei Vorstellungen an den sieben Tagen der Woche betrieben. Die Filmbühne war 7 m × 5 m × 4 m groß. 1958 wurde das Theater vom VEB Berliner Filmtheater übernommen und bis zum Oktober 1971 fortgeführt.Branchentelefonbuch (Ost) 1970/1971. S. 86: FilmtheaterAtlas Greifswalder Straße ab 18. Oktober 1971 geschlossen. In: Berliner Zeitung, 15. Oktober 1971, S. 10 Nach einem Umbau befand sich ab 1973 das Puppentheater Berlin in den Kinoräumen.Eröffnung mit „Rotkäppchen“. In: Berliner Zeitung, 8. Februar 1973, S. 8 Seit 1993 werden die Räume vom Puppentheater Schaubude Berlin bespielt.Berolina-Lichtspiele ()Prenzlauer Allee 471925–1965140px|rechts|Berolina-Lichtspiele, 1950