Die Liste der Kinos in Berlin-Weißensee gibt eine Übersicht aller Kinos, die im heutigen Berliner Ortsteil Weißensee existiert haben und noch existieren.
Einleitung Als Neu-Weißensee etablierte sich ab 1880 ein städtischer Vorort auf verkauften und spekulierten Gutsgelände. Mit der Vereinigung der „beiden Weißensee“ (Neu-Weißensee und „Dorf“ Weißensee) 1909 gab es Bestreben den Status „Stadt“ zu erhalten, bevor es 1920 ein Verwaltungsbezirk in Groß-Berlin wurde. So gab es Auswirkungen auf die lokale Kinoentwicklung, die 1907 mit Aufführungen im Hofsaal der Berliner Allee 13 begann, ehe das Universum hier 1912 als feste Spielstätte eröffnet wurde. Durch den Kinoboom in Berlin angeregt wurden entlang der Berliner Allee zwischen Kaiser- und Bismarckplatz und in der Langhansstraße schlechtgehende Geschäfte mit Bestuhlung versehen und zu ertragreichen Kinematographentheatern. Der Schloßpark mit der dort liegenden Vergnügungsstätte wurde bereits um 1910 mit kinematografischen Vorstellungen bedient, 1921 folgt die Freilichtbühne, 1925 das Schloßpark-Kino mit 1000 Plätzen. Weißensees erster eigenständiger Kinobau – das Toni – entsteht 1919 (nach den Kriegsjahren) durch die Kinoarchitekten Fritz Wilms und Max Bischoff für die Kinounternehmer und Kinobauherren Czutzka & Co., 1929 gestaltete Wilms nach das Harmonie. Das Delphi war bereits 1924 als Großkino vorgesehen, wurde dann 1930 fertiggestellt und löste die „Merckel-Lichtspiele“ von 1921 im Wohnhaus an der Gustav-Adolf-Straße ab.
Weißensee wurde Standort der Filmproduktion, als seit 1910 die Filmateliers aus der engen Innenstadt (auch) an den unbebauten Nordrand entlang der Franz-Joseph-Straße (seit 1951 Liebermannstraße) zogen. Begünstigt durch günstige Grundstückspreise und Steuerpolitik im Vorort. Die „Filmstadt Weißensee“ wurde von Vitascope und Continental Films und kleineren UnternehmenLixie-Film-Ateliers und Filmkünstlern wie Joe May getragen, gleichzeitig war es Kern des Industrie- und Gewerbeviertels. Mit der Filmproduktion war auch das Rio verbunden, in der Form ein Ladenkino mit 400 Plätzen schon Filmtheater. Die Kriegsschäden verursachen auch in Weißensee Ausfälle an den Kinos, charakteristisch die verbliebene Freifläche im Osten des Antonplatzes, um den einmal neun Kinos standen. Zudem wurden Spielstätten zu Ersatzplätzen für Innenstadteinrichtungen, das Schloßpark-Kino wurde zum Boxring. Mit der Lage in Ost-Berlin erfolgen die Kinoneubauten der 1950er Jahre in der Innenstadt. 1962 entfällt das Delphi wegen Baufälligkeit, mit sinkenden Besucherzahlen auch das Harmonie (zuletzt „Kino Jugend“) und das Rio. In den 2010er Jahren sind aktiv im Ortsteil das „Toni“ – sogar als Festivalkino genutzt – und die „Brotfabrik“ am Caligariplatz, eine Neugründung der 1990er Jahre als Konzeptkino.Hänsel, Schmitt (Hrsg.): Kinoarchitektur in Berlin 1895–1995. Berlin 1995, Seite 228–231.
Kinoliste __NOTOC__ Name/Lage Adresse BestandBerliner Telefonbuch 1941, S. 448 (Buchstabe L: Lichtspieltheater) BeschreibungAnton-LichtspieleTrianon-Lichtspiele ()Berliner Allee 321910–1928140px|rechts|Platzfläche April 2016 Das Kino befand sich im Haus Berliner Allee 14 (nach der Neunummerierung 32, vorher als Königschaussee 50) an der Südseite des Antonplatzes. Im Nachbarhaus Nr. 13 befand sich das „Universum“. Beide Gebäude wurden während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Das Kino wurde 1910 mit 175 Plätzen von Erich Griebsch aus der Parkstraße 29 als „Erstes Weißenseer Lichtspielhaus“ eröffnet. Im Branchenteil 1912 zu Weißensee sind als Betreiber Birke & Radolny genannt, für 1908 in Königschaussee 8 tätig. 1920 mit 190 Plätzen von Therese Fest (aus Berlin O 27, Wallnertheaterstraße 23) übernommen und als „Trianon-Theater/Trianon-Lichtspiele“ geführt. Nach zwischenzeitlichem Inhaberwechsel 1924 (Inflationszeit) übernahm 1927 Arnold Thiele das Kino mit 160 Plätzen als „Anton-Lichtspiele“. Für 1927 ist im Kinoadressbuch für Inhaber M. Fiderfisch die Angabe „zur Zeit geschlossen“ enthalten.filmtheater.square7.ch: Anton-Lichtspiele / Trianon-LichtspieleBrotfabrikWeissensee Brotfabrik ()Prenzlauer Promenade 3 seit 1991140px|rechts|Im April 2009 140px|rechts|Eingangsbereich/Foyer Die Brotfabrik adressiert unter Caligariplatz 1. Mit dies Platzadresse wurde der Bezug zur „Filmstadt Weißensee“ geschaffen, in der der Stummfilm Das Cabinet des Dr. Caligari entstand. Filmvorführungen fanden bereits im FDJ-Jugendklub An der Weißenseer Spitze statt, der dort seit 1986 unter Leitung der Kunsthochschule Weißensee 1986 eröffnet wurde. Im Jahr der politischen Wende 1990 wurde aus dem Klub das Kulturzentrum Brotfabrik gebildet.Kino in der Brotfabrik bei berlin.de Im Mai 1990 wurde in den ehemaligen Galerieräumen ein Kino mit 55 Plätzen als erstes Ost-Berliner Programmkino eingerichtet. Der Kinosaal wurde später innerhalb des Hauses in die ehemalige Kuchenherstellung verlegt. Neben dem Kinosaal besteht eine Galerie junger osteuropäischer Fotokunst, eine Bühne und eine Kneipe, die seit 1997 vom „Verein der Nutzer der Brotfabrik e. V. Glashaus“ getragen werden. Der Kinosaal ist mit 51 bis 60 Plätzen angegeben, die Projektion erfolgt sowohl digital als analog in 8-, 16- und 35-mm-Technik auf eine 2,10 m × 4,80 m große Leinwand in Dolby Digital 5.1. Die Ausstattung ist wie im ganzen Haus bewusst karg gehalten: schwarzer Zuschauersaal mit Holzstühlen und grauem Teppichfilzboden, eine Ziegelmauer die Bildwand und Abgangstreppe trennt. Der karge Charme konzentriert den Zuschauer auf den Film.Sylvaine Hänsel, Angelika Schmitt (Hrsg.): Kinoarchitektur in Berlin 1895–1995. Berlin 1995, Seite 229 Das Gebäude der Brotfabrik auf den Grundstücken Prenzlauer Promenade 3 (und 4) sowie Heinersdorfer Straße 57 (eigentlich Nummer 58) umfasst außer dem Kino, eine Kneipe mit Veranstaltungsraum, die Galerie sowie den Biergarten im Innenhof. Ein vormaliger Anbau an der jetzigen Fassade zur Straßenspitze wurde entfernt.Charlotten-Lichtspiele ()Charlottenburger Straße 551919–1921Das Kino ist im Kinoadressbuch lediglich für 1920 aufgenommen. Zudem ist die Zuordnung der Eintragung des Kinos auf Grundstück 55 nicht eindeutig. Die Hausnummern der Charlottenburger Straße wurden im Jahre 1920 geändert. Das Wohnhaus mit der Nummer 55 liegt seither östlich an der Nordseite vom Eckhaus zur Gustav-Adolf-Straße, im Adressbuch 1921 mit vier Mietern aufgenommen, Eigentümer der Fuhrherr F. Reich. Für 1920 (und davor) ist unter Nummer 55 (nach 1920 als Nr. 48) dagegen ein Wohnhaus mit 20 Mietern für den Fleischermeister L. Greiling aus Berlin als Besitzer (dem auch 56 bis 59 gehörten) eingetragen. Dieses liegt zwischen Roelcke- und Frieseckestraße. Ein mögliches Kinogebäude in der (neuen) 55 lag vor dem Wohnhausbau in der Tiefe des Grundstücks im Winkel zwischen Charlottenburger und Gustav-Adolf-Straße (Südostseite).filmtheater.square7.ch: Charlotten-Lichtspiele: Kinodaten für 1920 (Sp. täglich) 175 Plätze, Inhaber: Franz Ilse, Brl.-Treptow, Beermannstr. 9Delphi-Lichtspiele GmbH ()Gustav-Adolf-Straße 21929–1959140px|rechts|Straßenfront 2012 Das Gebäude mit einer charakteristischen Straßenfront ist erhalten (Stand 2016). Das Kino DelphiGeschichte des Delphi mit Bildergalerie war ein prachtvolles Großraumkino und wurde 1959 wegen Baumängeln geschlossen.filmtheater.square7.ch: Delphi-Lichtspiele Das Gebäude steht unter Denkmalschutz., Eintrag mit Bild Das Kino wurde mit 870 Plätzen im November 1929 eröffnet und löste die kleineren seit 1921 bestehenden „Merkel Lichtspiele“. Der Saal war beim Bau für Tonaufführungen bereits präpariert und ab 1930 zeigte das Stummfilmkino Tonfilme. Während des Zweiten Weltkriegs spielte das Kino durchgehend, im Februar 1945 den Propagandafilm Kolberg. Bei nur leichten Kriegsschäden wurde der Betrieb im Juni 1945 fortgeführt. 1946 unterschrieben die Astra-Delphi-Lichtspiele GmbH einen Pachtvertrag über zehn Jahre. 1952 kam das Haus in Ost-Berlin unter Treuhandverwaltung, weil die Besitzer in West-Berlin wohnten. 1955 übernahm VEB Berliner Filmtheater die Leitung. Als am 12. Februar 1959 Stuck von der Decke gefallen war, wurde das Kino geschlossen. Der Magistrat erwarb am 8. März 1960 für 120.000 Mark das Gebäude bei einer Zwangsversteigerung vom West-Berliner Besitzer. 1961 sollte renoviert und modernisiert werden, jedoch auch der Abriss im August 1961 erfolgte nicht. Das ehemalige Kino wurde als Lager, Wäscherei-Annahme und Briefmarkengeschäft genutzt. Die Kinotechnik ist ausgebaut, das seit der Wende leerstehende Gebäude wurde 2006 zwangsversteigert und kann für Veranstaltungen angemietet werden.Kinokompendium.de: Delphi-KinoFreilichtbühne am Weißensee ()Große Seestraße 8–10 seit 1955140px|rechts|Freilichtbühne 2012 Als 1955 der Park am Weißen See (vorher Schlosspark, Trianonpark) nach der Nachkriegszeit grundlegend saniert wurde, entstand in Bürgerarbeit des „Nationalen Aufbauwerks in der Hauptstadt Berlin“ 1956–1957 die neu angelegte Freilichtbühne im eingegliederten nördlichen Parkteil als „Freilicht-Film Bühne am Weißensee“. Es gab durchgehend bis 1993 Filmvorführungen unter freiem Himmelfilmtheater.square7.ch: Freilichtbühne als Sommerfilmtage oder zeitweilige Aufführungen, sowie weitere Kulturveranstaltungen.Freilichtbuehne Weißensee: Filme, Livemusik und Theater im Grünen. 1994 wurde vom Bezirk Weißensee mit über einer halben Million DM ein neues Dach aufgebaut. Allerdings dafür wurden die Masten für die Leinwand abgerissen. Es verblieb eine Konzertbühne. Durch das Bezirksamt Weißensee wurden 1999 30.000 Euro für neue Stützmasten zur Sicherung der Leinwand gegen Windangriff investiert und mit dem Blumenfest 2000 die Filmvorführungen wieder aufgenommen. 2004 wurde die Anlage an die „K&K Kino und Konzerte“Diese Betreibergesellschaft betreute auch das Filmkunst- und Reprisenkino Babylon in Berlin-Mitte und weitere Open-Air-Bühnen. verpachtet. 2012 wurde ein neuer Betreiber gesuchtFreilichtbühne Weißensee sucht neuen Betreiber. In: Pankower Allgemeine Zeitung, 10. Juli 2012 und 2014 übernahm letztlich ein Verein „Freunde der Freilichtbühne Weißensee“ (Naugarder Straße 45-I) die denkmalgeschützte „Freilichtbühne am Weißensee“. Zur Freilichtbühne gehören die Große Bühne mit bis 2000 Sitzplätzen (Normalplatzanzahl 500 nach EigenangabeWebseite der Freilichtbühne Weißensee und die Kleine Bühne mit 200 Sitzplätzen.Freilichtbühne am Weißensee. berlin.de Die Kinotechnik ist sowohl digital als auch für 35-mm- und 16-mm-Vorführungen vorhanden.Jugend----Harmonie-Lichtspiele