Der Mercedes-Benz L 311 ist ein Lastkraftwagen von Mercedes-Benz, der ab der zweiten Jahreshälfte 1949 im Mercedes-Benz-Werk Mannheim gebaut wurde. 1949 wurden die Fahrzeuge als L 3250 bezeichnet, was der Nutzlast in kg entspricht. Von 1950 bis 1955 hießen sie nach Erhöhung der Nutzlast L 3500. Im Jahr 1955 änderte sich der Name erneut, die Fahrzeuge wurden von da an als L 311 bezeichnet. Da die Lkw häufig überladen wurden, bot Mercedes-Benz ab 1953 ein dem L 311 ähnliches Modell mit größerer Nutzlast unter dem Namen L 312 an. Der L 311 wurde als Haubenlenkerlastkraftwagen mit Pritsche und als Kipper gebaut, die Pritschenausführung wurde darüber hinaus auch als Allradvariante LA 311 gebaut. Auch das Segment der in den 1950er-Jahren aufkommenden Frontlenker bediente Mercedes-Benz ab 1954 mit dem Frontlenkerfahrgestell LP 311, das von externen Herstellern mit einem Fahrerhaus und Aufbau ausgestattet wurde. Die Produktion des Frontlenkerfahrgestells endete in Mannheim im Januar 1961, die Hauber wurden noch bis Mai 1961 gebaut. Insgesamt entstanden rund 55.000 Fahrzeuge, 3000 davon mit Allradantrieb. Wegen ihrer Motorleistung von anfangs 90 PS (66 kW) waren L 311 und L 312 zu ihrer Zeit als „90er Mercedes“ bekannt.Veteranenhalle.de abgerufen am 14. April 2016. Das Modell war vor dem Magirus-Deutz „Sirius“ einer der in Deutschland meistverkauften Lkw der leichten Gewichtsklasse in der damaligen Zeit.
Modellvarianten
L 311: Basismodell, Hauber, Hinterradantrieb, Pritsche LK 311: Hauber, Hinterradantrieb, Kipper LA 311: Hauber, Allradantrieb, Pritsche LP 311: Frontlenkerfahrgestell, Hinterradantrieb
Technik Fahrwerk und Getriebe Der Mercedes-Benz L 311 hat einen modularen Leiterrahmen für die Radstände 3600, 4200 und 4830 mm sowie vorn und hinten Starrachsen an je zwei halbelliptischen Blattfedern. Zusätzlich sind an der Vorderachse Teleskop- oder Hebelstoßdämpfer und an der Hinterachse zwei progressiv wirkende Zusatzfedern eingebaut. Die Reifen der Größe 7,55–20 sind auf geteilte Schrägschulterfelgen der Größe 6,5-20 aufgezogen. An der Hinterachse ist der Wagen zwillingsbereift. An allen Rädern gibt es hydraulisch betätigte Innenbacken-Trommelbremsen, die auf Wunsch auch Druckluftunterstützung (Bremsservo) hatten. Die Fahrzeuge, die sowohl als Rechts- wie als Linkslenker lieferbar waren, haben eine Kugelumlauflenkung mit ungeteilter Spurstange von Mercedes-Benz. Bei den noch als L 3500 bezeichneten Fahrzeugen hingegen ist es eine ZF-Rosslenkung des Typs 704.
Vom Motor wird die Kraft über eine Einscheibentrockenkupplung des Typs Fichtel & Sachs H32 auf das Getriebe übertragen. Das Getriebe, eine Eigenentwicklung von Mercedes-Benz, ist standardmäßig ein Klauengetriebe, auf Wunsch war aber auch ein vollsynchronisiertes Fünfganggetriebe mit Kugelschaltung verfügbar. Vom Getriebe wird die Antriebskraft auf das Kegelrad-Differenzial an der Hinterachse übertragen; allradgetriebene Fahrzeuge haben zusätzlich ein Verteilergetriebe und eine Geländeuntersetzung. Eine Differenzialsperre gab es weder für Hinterachse noch für Vorderachse.
Motor Der Motor ist in allen Fahrzeugen der Mercedes-Benz OM 312, ein stehender Reihen-Sechszylinder-Viertakt-Dieselmotor mit zwei Ventilen, Vorkammereinspritzung und Wasserkühlung. Der Zylinderblock aus nickellegiertem Gusseisen und das geteilte Kurbelgehäuse sind aus einem Guss. Bei einer Zylinderbohrung von 90 mm und einem Kolbenhub von 120 mm hat der Motor einen Gesamthubraum von 4580 cm³. In den Zylindern laufen geschmiedete Kolben aus Leichtmetall von Mahle mit jeweils vier Kompressionsringen und zwei Ölabstreifringen. Die Kraft wird über schräggeteilte Pleuel auf eine geschmiedete und an den Lagerstellen gehärtete, siebenfach gelagerte Kurbelwelle übertragen. Pleuel und Kurbelwelle haben Bleibronze-Gleitlager mit Stahlstützschalen. Die Kurbelwelle ist mit sechs Gegengewichten und einem Schwingungsdämpfer versehen.
Im Kurbelgehäuse läuft eine vierfach in Gleitlagern gelagerte Nockenwelle, die über schrägverzahnte Stirnräder angetrieben wird. Sie betätigt über Stößel, Stoßstangen und Kipphebel die senkrecht hängenden Ventile. Jeder Zylinder hat ein Ein- und ein Auslassventil. Der alle Zylinder abdeckende Zylinderkopf aus Gusseisen ist abnehmbar und hat eine Asbestdichtung.
Die Druckumlaufschmierung arbeitet mit Zahnradölpumpe und einem Ölfilter im Hauptstrom. Das Öl wird von einem Ölkühler mit Temperaturregler gekühlt. Die Kraftstoffpumpe an der Einspritzpumpe fördert den Kraftstoff aus dem Tank durch einen Filzrohrfilter zur Einspritzpumpe des Typs Bosch PES 6 A70 B 410 RS 64/7, die ihn über Einspritzdüsen des Typs Bosch DNO SD 211 in die Vorkammern einspritzt. Die Einspritzpumpe hat einen Fliehkraftregler. Die Luft wird vor dem Kühler angesaugt und mit einem Ölbadluftfilter gereinigt, der auch das Ansauggeräusch des Motors dämpft. Gekühlt wird der Motor mit einem Röhrenkühler, dessen warme Abluft ein Ventilator fortbläst.
Der Motor leistete zunächst 90 PS (66 kW) bei 2800 min−1 und gab ein maximales Drehmoment von 265 Nm bei 1600 min−1 ab. 1956 wurden Verdichtung und Drehzahl erhöht, die Steuerzeiten geändert und so die Leistung auf 100 PS (74 kW) bei 3000 min−1 gesteigert.
Technische Daten 1959 L 311 LK 311LP 311 LA 311 Abmessungen und Gewichte Radstand (mm) 3600 4200 4830 3600 4200 4830 4200 Länge (mm) 6565 7265 8265 6185 6500 7435 8730 7265 Breite (mm) 2280 2230 2300 Höhe (mm) 2295 Abhängig vom Aufbau Spurweite vorne (mm) 1700 1820 Spurweite hinten (mm) 1700 Bodenfreiheit (mm) 240 235 Wendekreisdurchmesser (m) 14,5 16,6 18,5 14,5 Abhängig vom Aufbau 18,5 Leergewicht* (kg) 3080 3180 3405 3480 Nutzlast (kg) 3600 3760 3300 3320 Maximal zulässige Gesamtmasse (kg) 7000 7100 Antriebsstrang Kupplung Fichtel & Sachs H32 Getriebe Mercedes-Benz-Fünfganggetriebe Getriebeübersetzungen 1. Gang: 7,37 {8,02}2. Gang: 4,23 {4,785}3. Gang: 2,49 {2,736}4. Gang: 1,56 {1,663}5. Gang: 1,0 {1,0}R. Gang: 7,15 {8,29} Übersetzung vom Getriebe zur Hinterachse 5,72 Höchstgeschwindigkeit 88 km/h [92 km/h] [82 km/h]Motor Typ Reihen-Sechszylinder-Viertakt-Zweiventil-Vorkammer-Dieselmotor Motorbezeichnung Mercedes-Benz OM 312 Kühlung Wasserkühlung Bohrung ×Hub 90 × 120 mm Hubraum 4580 cm³ Nennleistung 74 kW (100 DIN-PS nach DIN 70020) bei 3000 min−1 Maximales Drehmoment 265 Nm (27 kpm) bei 1600 min−1 Verdichtungsverhältnis 19,8:1 Zündfolge 1-5-3-6-2-4 Einlassventil öffnet 29 ° vor oberem Totpunkt Einlassventil schließt 55,9 ° nach unterem Totpunkt Auslassventil öffnet 57,4 ° vor unterem Totpunkt Auslassventil schließt 24,3 ° nach oberem Totpunkt Motormasse 382 kg Glühkerze Bosch KE/GA 1/8/Beru 214 Ge (36 W) Kraftstoffverbrauch nach DIN 70030 14,4 l / 100 km 15,9 l / 100 km Ölverbrauch 200 ml / 100 km
* Mit Bremsservo steigt das Gewicht um 60 kg, mit Synchrongetriebe um weitere 30 kg Gewichte in eckigen [ ] Klammern: Mit verstärkten Reifen Werte in geschweiften { } Klammern: Synchronisiertes Getriebe
Literatur Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim - Typ L 3500 und L 3500 K (PDF) Gruppe 14, Nr. 700. Frankfurt am Main. Oktober 1954. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim - Typ L 311 und LK 311 (PDF) Gruppe 14, Nr. 700. Frankfurt am Main. November 1959. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim - Typ LP 311 (PDF) Gruppe 14, Nr. 700a. Frankfurt am Main. November 1959. Verband der Automobilindustrie: Daimler-Benz AG. Werk Mannheim - Typ LA 311 (PDF) Gruppe 14, Nr. 710. Frankfurt am Main. November 1959.
Einzelnachweise
Mercedes-Benz L 0311 L 0311